Ford und Opel

So sehen Sieger aus

Diesel-Bestseller in der Mittelklasse. Auf dem neuen Opel Vectra ruhen alle Hoffnungen der angeschlagenen deutschen GM-Tochter. Wie gut der Opel wirklich ist, zeigt der Vergleich mit den Konkurrenten Ford Mondeo, Renault Laguna und VW Passat.

Opel Vectra 2.2 DTi gegen Ford Mondeo 2.0 TDCi, Renault Laguna 1.9 dCi, VW Passat 1.9 TDI: Dass das Ergebnis dieses großen Vergleichstests knapp ausfallen wird, machten schon die ersten Kilometer der ausgedehnten Vergleichsfahrt klar. So glänzt der Vectra bei sehr zügiger Gangart auf der Autobahn durch den besten Geräuschkomfort. Sein 2,2-Liter-Vierzylinder-Diesel läuft kultiviert, und die lange Antriebsübersetzung trägt ebenfalls zur unaufdringlichen Akustik bei.

Aber der Renault Laguna ist ihm dicht auf den Fersen. Auch sein Dieselmotor tritt bei höheren Geschwindigkeiten in den Hintergrund, aber das Geräusch-Niveau liegt im Laguna höher, weil der Fahrtwind schon ab 170 km/h ein Störfaktor ist.

Als einziger im Vergleich arbeitet der VW-Vierzylinder-Diesel mit Pumpe-Düse-Technik – ein brummiger Geselle. Sein rauer Ton setzt sich auch bei hohem Tempo noch gegen das Konzert der übrigen Fahrgeräusche durch. Aber auch der Ford-Vierzylinder kommt gegen die Laufkultur der Motoren von Opel und Renault nicht an. Im unteren Drehzahlbereich lässt er ein hartes Diesel-Knurren hören, zwischen 3000 und 4000 Umdrehungen treten zudem störende Dröhnfrequenzen auf. Außerdem dreht der Motor bereits in der Ebene schnell über 4000/min hinaus, und leichte Gefälle genügen, um die Nadel des Drehzahlmessers an den roten Bereich bei 4500/min zu bringen. Die Folge: Das erhöhte Drehzahlniveau wirkt sich negativ auf den Verbrauch aus. Mit durchschnittlich 8,5 Litern auf 100 Kilometer markiert der Ford hier die Spitze (VW und Renault verbrauchen jeweils 7,5 L/100 km, Opel 8,0 Liter/100 km).

Dafür beschert die kurze Übersetzung dem Ford eine konkurrenzlose Durchzugskraft – bei den Elastizitätsmessungen lässt er die Konkurrenz deshalb weit hinter sich. Und der Opel: In der Antriebswertung gewinnt der neue Vectra nicht den sprichwörtlichen Blumentopf.

Wo bleibt er also, der Fortschritt, eines ganz neuen Autos, das dazu ausersehen ist, der kriselnden Firma Opel aus der Patsche zu helfen? Die Antwort gibt das Fahrwerk des Vectra, das in der Summe seiner Eigenschaften einen neuen Klassenstandard markiert. Der schon vielfach hoch gelobte Ford Mondeo bietet zwar nach wie vor das agilste Handling, aber der Vectra kontert mit seinem neu entwickelten ESP, das in kritischen Situationen nicht nur eines, sondern drei Räder abbremst. Wer in den Grenzbereich gerät, fühlt den Unterschied. Ob nun das für Fronttriebler typische Schieben über die Vorderräder auftritt oder bei hoher Zuladung ein leichter Heckschwenk – das ESP des Opel kontert souverän. Der Bremseneingriff wird kaum spürbar, das Auto stabilisiert sich wie von selbst. Nur die Bremsen, die mehr zu Fading neigen als die der Konkurrenten, passen nicht ganz ins Bild.

Von hoher Fahrsicherheit sind natürlich auch die anderen drei. Aber in kritischen Situationen werden sie unruhiger, bis dann die elektronische Regelung (beim Mondeo 545 Euro Aufpreis) mit hartem Eingriff die Sache bereinigt. Vor allem der VW und der Renault vermitteln mit ihren starken Karosseriebewegungen nicht ganz den Eindruck unerschütterlicher Fahrsicherheit wie der Opel Vectra.

Auch was die Präzision der Lenkeigenschaften angeht, fallen diese beiden etwas ab. Und die extrem leichtgängige Lenkung des Renault bietet dem Fahrer einen sehr indifferenten Fahrbahnkontakt und macht es schwer, in schnellen Kurven einen sauberen Strich zu fahren.

Die Opel-Lenkung erreicht ebenfalls nicht ganz die vorbildliche Präzision, die der Ford zu bieten hat. Der Vectra wirkt deshalb etwas behäbiger, mehr auf den ruhigen Fahrer zugeschnitten als der spontan reagierende Mondeo.

Aber dafür hat es die mitreisende Familie besser. Denn im Federungskomfort ist der Opel überlegen, während der Ford an seine Grenzen gerät. Die Stärke der Opel-Federung tritt in erster Linie auf langen Bodenwellen zu Tage. Bei VW und Renault fallen die Karosseriebewegungen spürbar stärker aus, aber dafür werden ihre weicheren Federungen mit kleinen Wellen und Querfugen besser fertig.

Wie gering die Differenzen zwischen diesen Wettbewerbern insgesamt sind, beweisen nicht zuletzt die Karosserien. Im Platzangebot haben Ford und VW einen kleinen Vorsprung vor den beiden anderen, die Funktionalität liegt auf durchweg hohem Niveau. Nur der Renault muss hier Federn lassen. Dafür punktet er mit der besten Ausstattung, auch im Sicherheitsbereich. Am magersten ist der VW in der getesteten Version Comfortline ausgestattet. Den besten Qualitätseindruck hinterlässt der VW, dicht gefolgt vom Opel.

Die Prognose vom Anfang bestätigt sich also: Es gibt ein denkbar knappes Finish. Das Bemerkenswerte daran: Die Ableger der beiden US-Firmen, früher für belanglose Durchschnittsware bekannt, bauen heute Sieger-Autos.

Technische Daten
Opel Vectra 2.2 DTI Elegance Ford Mondeo 2.0 TDCi Ghia Renault Laguna 1.9 dCi Privilège VW Passat 1.9 TDI Comfortline
Grundpreis 24.895 € 26.000 € 25.250 € 26.050 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4596 x 1798 x 1460 mm 4731 x 1812 x 1429 mm 4576 x 1772 x 1429 mm 4703 x 1746 x 1462 mm
KofferraumvolumenVDA 500 l 500 l 430 l 475 bis 800 l
Hubraum / Motor 2172 cm³ / 4-Zylinder 1998 cm³ / 4-Zylinder 1870 cm³ / 4-Zylinder 1896 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 92 kW / 125 PS bei 4000 U/min 96 kW / 130 PS bei 3800 U/min 88 kW / 120 PS bei 4000 U/min 96 kW / 130 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 206 km/h 200 km/h 200 km/h 208 km/h
0-100 km/h 10,9 s 9,8 s 10,7 s 9,9 s
Verbrauch 6,5 l/100 km 5,9 l/100 km 5,6 l/100 km 5,7 l/100 km
Testverbrauch 8,0 l/100 km 8,5 l/100 km 7,5 l/100 km 7,5 l/100 km
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