Fracht-Maschinen mit Fahrkomfort

Der neue Citroën C5 Kombi 2.2 HDI und der Peugeot 406 Break 2.2 HDI nehmen den Marktführer aus Wolfsburg, den VW Passat Variant 1.9 TDI, in die Zange.

Große Citroën-Kombis waren immer etwas Besonderes. Doch weit mehr als der eher untypische XM erinnern der skurrile DS Break mit seiner abklappbaren Ladekante oder der unschlagbar voluminöse CX Break mit Hochdach an die kreativen Zeiten der typisch französischen Automarke.

Nun meldet sich Citroën mit dem C5 Kombi in diesem Marktsegement zurück. Nicht ganz so groß wie früher, aber doch  nahe an der Grenze zur Oberklasse, macht der C5 vor allem dem deutschen Platzhalter in Gestalt des VW Passat Variant, aber auch dem etablierten Peugeot 406 Break aus dem eigenen PSA-Mutterhaus Konkurrenz.

An originären Citroën-Merkmalen fehlt es dem C5 nicht. Da wäre an erster Stelle die hydropneumatische Federung (Hydractive 3) zu nennen, die mit ihrer automatischen Niveauregulierung ideale Fahrwerksvoraussetzungen gerade für einen Kombi schafft. Denn unabhängig vom Beladungszustand halten die hydraulischen Federelemente den C5 in waagerechter Lage, so dass auch bei voller Zuladung (513 Kilogramm) Bodenfreiheit und Federwege erhalten bleiben.

Das bringt Vorteile vor allem im Fahrkomfort, wo der C5 seine Konkurrenten deutlich distanziert. Bei Peugeot und VW hingegen ist noch nicht einmal gegen Aufpreis ein Niveauausgleich für die Hinterachse erhältlich.

Doch das wäre das Mindeste, denn die hohe Zuladung von 577 Kilogramm zwingt den 406 in die Knie, schmälert den Komfort und lässt ihn bei den Fahrdynamiktests früh mit dem Heck ausschwenken. ESP könnte diesen Mangel kaschieren, doch dieses elektronische Sicherheitsnetz für Fahrzustände im Grenzbereich fehlt im 406. Der C5 Kombi 2.2 HDI (im Gegensatz zum 2.0 HPI) und der VW Passat haben es serienmäßig.

Der VW Passat Variant reagiert außerdem weniger empfindlich auf Zuladung. Es dürfen aber auch inklusive der Personen nur 455 Kilogramm eingeräumt werden. Nicht gerade viel für einen Kombi, und dass sich der Benutzer immer daran hält, ist auch nicht garantiert. Schließlich hantiert kaum je eine Familie beim Packen des Urlaubsautos mit einer Waage. Auch in den Lademaßen bleibt der Passat hinter den Franzosen zurück.

Vorteile in der Beladbarkeit verschafft sich der C5 durch die hochklappbare Heckscheibe, was das Verstauen von Taschen und kleineren Gegenständen ohne das lästige Öffnen der Heckklappe erlaubt. Doch auch wenn das Ladegut sperrig oder schwer wird, bietet der C5 einen einzigartigen Service: Dank Hydractive lässt sich mit einer Taste am Heckrahmen die Ladekante um insgesamt 16 Zentimeter senken oder liften, auch wenn der Motor nicht läuft. Da macht selbst das Ankoppeln von Boots- oder Wohnanhängern keine Probleme mehr.

Doch Hydractive kann noch mehr. Bei hohem Tempo wird die Karosserie zu Gunsten von Luftwiderstand und Fahrstabilität abgesenkt. Bei grober Straßenoberfläche dagegen erhöht die Hydraulik selbsttätig die Bodenfreiheit, was gerade einem vollgeladenen Kombi gut tut.

Mit der S-Taste schließlich lässt sich die Feder- und Dämpfercharakteristik des C5 spürbar straffen, was reduzierte Wankneigung und besseres Handling zur Folge hat. Dennoch gerät der C5 beim Vergleich der Fahreigenschaften ins Hintertreffen. Denn gegen die überzeugende Fahrdynamik des Passat und dessen Lenkpräzision hat der im Grenzbereich kräftig untersteuernde Citroën keine Chance. Aber selbst der im Handling überzeugende Peugeot muss hier passen. Störend auch der große Wendekreis des C5, der gepaart mit schlechter Übersichtlichkeit die Wendigkeit und das Parken beeinträchtigt.

Eine Teilschuld an der unbefriedigenden Übersicht trifft das Karosseriekonzept des C5. Mit der beachtlichen Höhe von 1,52 Metern und der weit nach vorne gezogenen, riesigen Windschutzscheibe probt es den Spagat zwischen Van und konventioneller Kombi-Karosse. Nicht ohne Erfolg, denn im Raumeindruck übertrifft der C5 seine beiden Konkurrenten mehr, als die Innenmaße vermuten lassen.

Im hohen C5 fühlt man sich grosszügig und luftig mit genügend Bewegungsfreiheit untergebracht. Zum Wohlsein trägt die auch im Fond betont komfortable Sitzbank bei. Drangvolle Enge herrscht freilich weder im Passat noch im Peugeot, aber subjektiv wirken sie fast eine Nummer kleiner.

Nicht erst dieser Vergleichstest beweist: Kombis und Diesel-Direkteinspritzer sind fast immer eine gelungene Kombination. Nutzwert und Wirtschaftlichkeit paaren sich zudem bei den getesteten Varianten mit Fahrleistungen, die bei entsprechender Veranlagung ein hohes Maß an Fahrfreude aufkommen lassen.

Nahezu identische Common-Rail-Motoren aus dem PSA-Konzern arbeiten im C5 und im 406. Beide besitzen bereits die neue Rußfiltertechnik (FAP), die mittels Additiven Partikel bis auf kaum noch messbare Mengen eliminiert.

Im Peugeot läuft der Motor mit gleicher Leistung (133 PS), aber geringfügig höherem Drehmoment (317 statt 314 Newtonmeter).

Dass dieser minimale Unterschied dazu beiträgt, dass der HDI-Diesel im C5 etwas träger anspricht und im mittleren Bereich eine leichte Durchzugsschwäche spüren lässt, ist unwahrscheinlich. Ganz sicher jedoch spielt hier das gut 100 Kilogramm höhere Leergewicht des Citroën eine Rolle. Es ist letztlich auch für den etwas höheren Verbrauch verantwortlich.

Der ist beim Passat Variant, der auch als einziger über ein Sechsganggetriebe verfügt, am niedrigsten. Sein 130 PS starker Vierzylinder zählt zu den wirtschaftlichsten Motoren der Dieselzunft, woran die mit über 2.000 bar Druck arbeitende Pumpe-Düse-Einspritzung ihren Anteil hat. Sie sorgt auch für spontanen Antritt und 310 Newtonmeter Drehmoment, womit das nur 1,9-Liter große Passat-Aggregat seinen Hubraumnachteil nahezu ausbügelt.

Doch die Effizienz hat ihren Preis: Die mit hohen Drücken arbeitende Dieselverbrennung ist im Passat stets überdeutlich hörbar. Zusätzlich beeinträchtigen Vibrationen beim Beschleunigen und im Schiebebetrieb die Laufkultur. Im Gegensatz hierzu schnurren die HDI-Diesel leise und unauffällig, sobald sie ihre Betriebstemperatur einmal erreicht haben.

So erzielt der neue C5 in der Eigenschaftswertung einen klaren Punktsieg vor dem Passat Variant und der Konkurrenz aus dem eigenen Haus. Er verdankt ihn nicht nur seinem überragenden Komfort und einer Karosserie, die Kombifahrern das Leben erleichtert, sondern auch einer fast vollständigen Sicherheitsausstattung sowie sehr guten Ergebnissen der beim 2.2 HDI im Vergleich zum Zweiliter-Benziner vergrößerten Bremsanlage.

Damit kommt der Citroën trotz hoher Punktverluste im Kostenkapitel, die er seinem hohen Einstandspreis für die umfangreiche Exclusive-Ausstattung verdankt, zu einem klaren Gesamtsieg. Aber es lässt sich guten Gewissens behaupten: Dieser C5 Kombi ist wieder etwas Besonderes.

Fazit

1. Peugeot - 406 Break 2.2 HDi - 31493 477 Punkte

3.Peugeot 406 Break: Mit der Reife seiner langen Produktionsdauer ist der geräumige Peugeot kein schlechter Kauf. Bremsen und Sicherheitsausstattung entsprechen aber nicht dem Stand der Technik.

2. VW Passat Variant 500 Punkte

Der Passat überzeugt durch seine Fahreigenschaften und mit seinem sparsamen und kräftigen Motor. Komfortmängel und die magere Ausstattung lassen ihn zurückfallen.

3. Citroën C5 Kombi 512 Punkte

Mit seiner geräumigen Karosserie und überragendem Fahrkomfort setzt sich der Herausforderer aus Frankreich an die Spitze. Der hohe Preis wird durch die gute Ausstattung wettgemacht.

Technische Daten

Citroën C5 Kombi 2.2 HDi Exclusive VW Passat Variant 1.9 TDI Trendline Peugeot 406 Break 2.2 HDi Prestige
Grundpreis 29.480 € 27.725 € 26.560 €
Außenmaße 4756 x 1770 x 1516 mm 4682 x 1746 x 1498 mm 4740 x 1760 x 1455 mm
Kofferraumvolumen 563 bis 1658 l 495 bis 1600 l 526 bis 1741 l
Hubraum / Motor 2179 cm³ / 4-Zylinder 1896 cm³ / 4-Zylinder 2179 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 98 kW / 133 PS bei 4000 U/min 96 kW / 130 PS bei 4000 U/min 98 kW / 133 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 201 km/h 201 km/h 201 km/h
0-100 km/h 11,5 s
Verbrauch 6,5 l/100 km 5,9 l/100 km 6,5 l/100 km
Testverbrauch 8,9 l/100 km
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