Freundliche Übernahme in Wolfsburg

Die Frage VW Polo oder VW Golf stellt sich nicht erst seit heute. Doch mit dem neuen, erwachsen gewordenen Polo der vierten Generation hat sie zusätzliche Bedeutung bekommen. Im Vergleich die Versionen mit 75 PS.

Die Popularität des Golf ist ungebrochen. Doch der Konkurrent aus den eigenen Reihen, der Polo, nimmt darauf keine Rücksicht. Auch er hat einen guten Ruf, und in vierter Generation ist aus dem ehemaligen Zwerg mit nun 3,90 Meter Länge ein erwachsenes Auto geworden.

Der Golf hat zwar immer noch den größeren Innenraum, das Raumgefühl im Polo ist aber nicht so sehr viel schlechter. Auch hat der Golf mit 330 Litern (Polo: 270 Liter) das deutlich größere Kofferraum-Volumen und mit 475 Kilogramm (Polo: 445 kg) die größere Zuladung. Teilbare Rücksitzlehnen haben sie beide, die Ausstattungspakete unterscheiden sich nicht wesentlich. Als größtes Plus bietet der Golf in der Sicherheitsausstattung ESP serienmäßig. Gemein ist den beiden Konkurrenten hingegen wieder das so charakteristisch gewordene VW-Qualitätsgefühl.

Dennoch offeriert der Golf gegenüber dem kleineren Bruder ein Gefühl der Schwere, das auch beim Fahren erhalten bleibt. Man fühlt sich einer anderen Klasse zugehörig, auch wenn, wie im Falle der beiden Testwagen, nur eine niedrige Motorisierungsstufe zur Verfügung steht, nämlich jeweils 75 PS. Zu viel Temperament darf man von dem kleinen Vierventiler ohnehin nicht erwarten, wohl aber ein harmonisches Fortkommen. Denn die Waage zeigt beim Golf 1200 Kilogramm, bei Polo sind es 80 Kilo weniger.

Der schwerere Golf kommt mit dem 1,4-Liter-Triebwerk gut aus, sofern die Erwartungen nicht zu hoch angesiedelt sind. Doch nicht nur akustisch bestehen deutliche Unterschiede. Im Golf wirkt der Vierzylinder kultivierter, im Polo gibt er sich fürs Ohr lebhafter. Der Klang trügt nicht: Der Polo ist tatsächlich temperamentvoller. Den Standardwert von null auf 100 km/h absolviert er in 13,5 Sekunden, während sich der behäbigere Bruder dafür fast 15 Sekunden Zeit lässt. Auch beim Durchzugsvermögen gibt sich der Golf deutlich träger. Von 80 auf 120 km/h im fünften Gang braucht er 24 Sekunden, der Polo 20,1 s.

Beim Verbrauch gerät der Golf ebenfalls ins Hintertreffen: 7,8 Liter Benzin pro 100 Kilometer sind es im Mittel beim Polo, 8,6 beim Golf, dessen Tankvolumen immerhin 55 Liter (Polo: 45 Liter) beträgt. Das Motorkapitel geht also an den im Karosseriebereich klar unterlegenen Polo.

Doch auch die Stunde des Golf schlägt noch einmal. Denn nicht nur der leisere Motor macht den Golf auf längeren Etappen zur vollwertigeren Alternative, sondern mehr noch sein Federungskomfort. Die Federung des Polo ist sehr ausgewogen und verdient sich in ihrer Klasse gute Noten, doch der Golf kann alles nochmals etwas besser. Vor allem auf Beton-Autobahnen bleibt der größere VW ruhiger und bietet nebenbei noch den besseren Geradeauslauf. Mehr Komfort und Platz im Golf, mehr Temperament und geringerer Verbrauch im Polo – da bleiben im Spiel Groß gegen Klein noch die Fahreigenschaften als wichtiges Kriterium. In der Beherrschbarkeit hat der Golf mit seinem serienmäßigen ESP gegenüber dem per Aufpreis gleich gerüsteten Polo natürlich keine Vorteile – beide untersteuern nur leicht und zeigen keine bösen Lastwechselreaktionen. Doch im Handling zieht der Polo die Trumpfkarte. Träge reagiert der Golf auf Lenkbewegungen, hat den größeren Wendekreis und die weniger exakte Lenkung. Er macht auch weniger Spaß.

Dass der Polo ein bisschen schlechter bremst als der Golf, ist nicht entscheidend. Denn was ihn unter dem Strich nach vorne bringt, ist ein Kostenvorteil von rund 3000 Euro.

Technische Daten
VW Polo 1.4 16V Trendline VW Golf 1.4 16V Comfortline
Grundpreis 13.275 € 16.675 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3897 x 1650 x 1465 mm 4149 x 1735 x 1444 mm
KofferraumvolumenVDA 270 bis 1030 l 330 bis 1184 l
Hubraum / Motor 1390 cm³ / 4-Zylinder 1390 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 55 kW / 75 PS bei 5000 U/min 55 kW / 75 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 172 km/h 171 km/h
0-100 km/h 13,5 s
Verbrauch 6,5 l/100 km 6,6 l/100 km
Testverbrauch 7,8 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Top Aktuell Mini Countryman Cooper D All4, VW T-Roc 2.0 TDI 4Motion Style, Exterieur VW T-Roc gegen Mini Countryman Kleine Diesel-SUV im Test
Beliebte Artikel Mazda 2 G 115, Skoda Fabia 1.0 TSI, VW Polo 1.0 TSI, Exterieur Mazda 2, Skoda Fabia und VW Polo im Test Wer liegt im Stadtrummel vorn? 190 E, 3.2 AMG-C32, C43 AMG, Exterieur 190E 3.2, C 32, C 43 AMG AMG-Sechszylinder aus 3 Epochen
Gebrauchtwagen Angebote
Anzeige
Sportwagen Jaguar Land Rover Fahrdynamik Advertorial Auf Knopfdruck: Sport Mehr Fahrspaß durch Technik Porsche 911 (992) Cabrio Erlkönig Erlkönig Porsche 911 Cabrio (992) Offener Elfer startet 2019
Allrad Toyota RAV 4 2018 New York Sitzrobe Toyota RAV4 (2018) SUV-Neuauflage ab 29.990 Euro Porsche Macan, Facelift 2019 Porsche Macan (2019) Facelift Scharfes Heck, starke Motoren
Oldtimer & Youngtimer Porsche 911 (996) Carrera Coupe Porsche 911 (996) Kaufberatung Probleme des Schnäppchen-Elfer Aston Martin Heritage EV Concept Aston Martin Heritage EV Concept Elektroantrieb für Klassiker
Promobil Weihnachtskalender 2018 Tür 17 Mitmachen und gewinnen Spiegelreflexkamera Nikon D5600 Wohnmobilfreundliche Region Stuttgart Grünes Licht für mehr Stellplätze Wohnmobil-Region Stuttgart
CARAVANING Weihnachtskalender 2018 Tür 17 Mitmachen und gewinnen Spiegelreflexkamera Nikon D5600 Test Sterckeman Wohnwagen Sterckeman Easy 390 CP im Test Was taugt der Günstig-Caravan?