Für die Straße und daneben - Jeep Cherokee 2.5 CRD, Nissan X-Trail 2.2 Di und Toyota RAV4 D-4D

Jeep Cherokee 2.5 CRD, Nissan X-Trail 2.2 Di und Toyota RAV4 D-4D könnten kaum unterschiedlicher sein. Dabei sind alle drei ein Mix aus kompakten Abmessungen, moderner Diesel-Technik und Offroad-Tauglichkeit.

Mit kurzen Karosserie-Überhängen und 26 Zentimeter Bodenfreiheit liegt das Hauptbetätigungsfeld des Jeep Cherokee neben der Straße, auch wenn er sich im Normalfall als Hecktriebler betätigt. Bei Bedarf können die Vorderräder manuell zugeschaltet werden, womit sich ein starrer Durchtrieb zwischen den Achsen ergibt. Ein Reduktionsgetriebe verkürzt, wenn es ganz hart kommt, die Übersetzung der Fünfgangbox.

So viel Aufwand treibt Nissan für den X-Trail nicht. Ein Knopfdruck am Armaturenbrett macht aus dem Fronttriebler einen Allradler, darüber hinaus schließt ein weiterer Fingerdruck die Differenzialsperre. Der RAV4 von Toyota erlaubt dagegen keinen manuellen Einfluss auf die Antriebsart. Er verfügt über einen permanenten Allradantrieb, der bei Drehzahl-Unterschieden zwischen Vorder- und Hinterachse per Visco-Kupplung die Antriebskräfte variiert. Doch weit kommt man mit dieser Basis-Allradtechnik im Gelände nicht, weil die Bodenfreiheit beim Toyota, genau wie beim X-Trail, lediglich 20 Zentimeter beträgt.

Dass der Jeep fürs Grobe gemacht ist, offenbart auch ein Blick unter das Blech. Bei Nissan und Toyota wirken die Fahrwerkskomponenten dagegen ungleich filigraner und zerbrechlicher. Aber ein Ausflug ins Gelände trifft einen Allradler in Deutschland so selten wie ein Lottogewinn den Fahrer. Offroader müssen also schwerpunktmäßig Onroad-Qualitäten vorweisen. Damit hat der Jeep Probleme: Trotz Common-Rail-Einspritzung wirkt der Motor altertümlich. Er ist laut, unkultiviert und unzeitgemäß durstig. 12,3 L/100 km im Testmittel sind zu viel. Nissan und Toyota tragen rund 400 kg weniger Gewicht mit sich herum, was sie viel sparsamer und spritziger macht.

Auch wenn die Vierzylinder technisch sehr ähnlich sind, haben die Japan-Aggregate ganz unterschiedliche Stärken. Der X-Trail-Motor läuft für einen Geländewagen-Antrieb unerwartet kultiviert und wird in seinen Bestrebungen von einer gut gestuften Sechsgangschaltung unterstützt. Der Toyota dagegen entpuppt sich als wahres Sparwunder unter den Allradlern, erlaubt sich dafür aber bei höheren Drehzahlen Vibrationen und ein leichtes Dröhnen.

Das Fünfganggetriebe des Toyota passt in seiner Abstufung gut zur Leistungs-Charakteristik des RAV4 und erlaubt präzise Schaltvorgänge mit relativ kurzen Wegen. Ein Gangwechsel im Jeep erfordert dagegen gute Armmuskeln. Die Gänge gehen nicht nur schwer hinein, auch das Herunterschalten erfordert einen unerwarteten Kraftaufwand. Also ein Auto für Männer mit Stahl im Rückgrat?

Ja, auch weil sich die Vordersitze nach kurzer Zeit durchsitzen und die Oberschenkelauflage zu kurz ist. Im Fond fehlt es ebenfalls an Bequemlichkeit. Hier sollten im Cherokee bevorzugt Kinder sitzen, weil der Bein-Knickwinkel für Erwachsene auf Dauer strapaziös ist und schmale Türen den Zustieg erschweren. Im RAV4 sitzt man vorn wie hinten kaum besser. Erschwerend kommen die kurzen Sitzlehnen hinzu. Selbst der X-Trail ist ein Stück entfernt von Limousinen-Sitzkomfort, liegt aber in diesem Kapitel, auch wegen der Sitze mit dem besten Seitenhalt, vorn.

Sportlich-direkt ist das Fahrverhalten des RAV4, das kaum mehr an einen Allradler erinnert. Der X-Trail schiebt dagegen bei hohen Kurventempi eine Spur früher mit den Vorderrädern zum Außenrand und fordert mit geringfügig stärkeren Karosseriebewegungen zu verhaltenerer Fahrweise auf. Beide bleiben in extremen Fahrmanövern gutmütig.

Das tut auch der Jeep, der dafür aber mehr Arbeit am Lenkrad erfordert. Eine Kipptendenz ist bei ihm ebenso wenig zu beobachten wie bei RAV4 oder X-Trail. Die langen Federwege lassen jedoch erheblich stärkere Aufbaubewegungen zu. Komfortschwächen offenbaren die Fahrwerke aller drei Kandidaten auf asphaltiertem Untergrund. Der Jeep mutet seinen Passagieren auf kurzen Wellen starke Vertikalbewegungen zu, die besonders für die Fond-Passagiere unangenehm sind. Der Nissan fällt bei Frostaufbrüchen und Querfugen mit Achs-Trampeln auf, und die Federung des Toyota reagiert stets etwas hölzern und träge auf die Verwerfungen der Fahrbahn.

Immerhin beißen seine Bremsen so spontan und dauerhaft zu wie ein Kampfhund. Für ein potenzielles Anhänger-Zugfahrzeug wie den Cherokee ist dessen Bremse zu fadingempfindlich. An der Bremsanlage des Nissan stört dagegen lediglich ein schwammiger Pedal-Druckpunkt – eine Kleinigkeit, die den kultivierten X-Trail mit dem sparsamen Dieselmotor nicht mehr vom Spitzenplatz verdrängen kann.

Technische Daten
Jeep Cherokee 2.5 CRD Sport Toyota RAV4 D-4D Special Nissan X-Trail 2.2 dCi Sport
Grundpreis 30.600 € 26.735 € 28.520 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4496 x 1819 x 1817 mm 4200 x 1735 x 1690 mm 4510 x 1765 x 1750 mm
KofferraumvolumenVDA 878 bis 1954 l 400 bis 1365 l 410 bis 1841 l
Hubraum / Motor 2499 cm³ / 4-Zylinder 1995 cm³ / 4-Zylinder 2184 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 105 kW / 142 PS bei 4000 U/min 85 kW / 116 PS bei 4000 U/min 84 kW / 114 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 170 km/h 170 km/h 165 km/h
0-100 km/h 13,4 s
Verbrauch 9,0 l/100 km 7,1 l/100 km 7,2 l/100 km
Testverbrauch 12,3 l/100 km
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