Gassner-Mitsubishi Evo hg500r im Test

Schneller als Mercedes SLS AMG und Ferrari 458 Italia

Gassner-Mitsubishi Evo hg500r, Frontansicht, Kühlergrill Foto: Rossen Gargolov 26 Bilder

555 PS, in 3,7 Sekunden handgeschaltet von null auf 100 km/h und in Hockenheim schneller als Mercedes SLS AMG und Ferrari 458 Italia. Gestatten, Gassner-Mitsubishi Evo hg500r.

Wap, wap, wap, wap, wap – das Geräusch klingt wie ein Rallye-Bolide Sekunden vor dem Start einer Wertungsprüfung. 8.100 Touren, Vollgas – die Drehzahlnadel schlackert im Begrenzer. Doch wir stehen nicht am Start einer Rallye, sondern auf der sport auto-Messstrecke. Überall nur „wap, wap, wap, wap“, dann . fliegt die Kupplung. Karosserie, Instrumentenbrett, einfach alles ächzt unter der Belastung wie eine Holzhütte bei einem Wirbelsturm.

555 PS mit der Hand verwalten

Die verstärkte Zweischeiben-Kupplung von Exedy überlebt den K.o.-Punch, während der Pilot die Gänge des knackigen Fünfgang-Getriebes durchreist. 555 PS stanzen ohne spürbaren Schlupf 100 km/h in nur 3,7 Sekunden aufs Messgerät. Drei Komma sieben, handgeschaltet – willkommen im hg500r alias Über-Mitsubishi Evo X von Gassner Motorsport.
 
Danke, dass wir das in der automatisierten Welt von Doppelkupplungsgetriebe und Wandlerautomaten noch mal erleben durften. Doch bevor wir ein Hohelied auf den guten alten Handschalter singen, atmen wir durch. Alle Antriebswellen haben den Vollgasschock überlebt.

Gassner Mitsubishi Evo hg500r 555 PS Hockenheim sport auto Test 2:15 Min.

Zeit, die Geschichte von vorne zu erzählen. Und die beginnt in einer Werkstatt in der oberbayrischen 9000-Seelen-Gemeinde Ainring. Überall finden sich Rallye-Fotografien, Siegertrophäen und Ersatzteile – Audienz beim deutschen Evo-Gott und mehrfachen deutschen Rallye-Meister Hermann Gassner.

Mitsubishi Evo mit 555 statt 295 PS

Neben dem Aufbau und Service von Rallye-Evos führen Gassner und sein Team den offiziellen Teilevertrieb der 2005 geschlossenen Mitsubishi-Kundensportabteilung Ralliart fort und tunen außerdem Straßenautos.

Runter vom Hof, ab durch den Kreisverkehr, raus auf den nächsten Feldweg. Relaxt hockt sich Gassner im Fleece-Shirt in den Schalensitz seines Gruppe N-Rallyewagens samt Sponsorenaufklebern und begleitet den schneeweißen Tuning-Evo zur Fotofahrt. Anderswo hätte solch eine Aktion auf öffentlichen Straßen eine Hundertschaft Uniformierte hinter den Hecken hervorgerufen. Fotos im Kasten, Mittagspause für Hermann Gassner, wir drehen ab gen Autobahn. Hockenheim ruft, noch 467,9 Kilometer.

Stumme Passagiere auf der Rücksitzbank und im Kofferraum sind brandneue Pirelli P Zero Trofeo R-Semislicks. „Sonst sind die bis Hockenheim bei dem Sturz schon runter“, hatte Gassner die Vorsichtsmaßnahme beschrieben. Dank einstellbarem Tein Super Racing-Gewindefahrwerk duckt sich der Allradler 40 mm tiefer über den Asphalt. Trotz straffer Abstimmung bleibt der Federungskomfort gerade noch alltagstauglich.

Das Wörtchen Geradeauslauf kann man dagegen getrost aus seinem Vokabular streichen. Durch die unter fahrdynamischen Gesichtspunkten optimierte Achsgeometrie (Sturz vorn: 2°40’, hinten: 2°00’; Spur vorn: 0°03’, hinten: 0°06’) saugt sich der Brachial-Evo in jede Spurrille. Plötzlich taucht vor uns ein Polizei-VW-Bus auf. „Bitte folgen“ leuchtet auf. Der Pulsschlag hält sich in Grenzen, da alle Umbauten im Wert eines Golf GTI über eine TÜV-Eintragung verfügen. Außerdem sind wir auf die wohl autobegeistertsten Beamten der Republik getroffen: „Mach mal die Motorhaube auf und lass mal was hören.“ Dann lauschen zwei Staatsdiener mit großen Augen.

Lass mal was hören

Ja, der hat statt 295 wirklich 555 PS. Wie geht das? Veränderte Ansaugung, größere Einspritzdüsen, eine zweite Benzinpumpe, neue Schmiedekolben und Schmiedepleuel, andere Nockenwellen, ein modifizierter Serien-Turbolader, ein größerer Ladeluftkühler und 1,9 bar maximalen Ladedruck statt 1,2 bar in Serie. „Dann noch viel Spaß“, verabschieden sich die Polizisten nach einem Erinnerungsfoto. Danke, werden wir haben. Oder etwa nicht?

„Bing“ – im Kombiinstrument flammt die Motorleuchte auf. Kurzer Anruf in der Gassner-Werkstatt, aber kein Grund zur Sorge. „Es wär eher komisch, wenn bei einem richtig getunten Evo da nichts leuchten würde“, lautet die Antwort. Also weiter das Pedal bis zur Bodengruppe treten. Die Tachonadel zittert bis knapp 300. Während unter 3.500/min ein leichtes Turboloch herrscht, dreht der Gassner-Evo unter Volllast unfassbare 8.100 Touren. Rumzuckeln mag der Flügelbomber übrigens nicht – bei Halbgas tritt im mittleren Drehzahlbereich ein leichtes Schieberuckeln auf.

Schneller als Ferrari 458 Italia

Egal, wie viel Last anliegt – gegen das Saufgelage des Evo sind Oktoberfestgänger Waisenkinder. Rund 20 Liter sprudeln auf 100 Kilometer aus dem Tank, dabei rußt der hg500r aus den 130er-Ofenrohren der HJS-Komplettanlage mit Metallkat wie ein Kohlekraftwerk. „Den musst du so fett einstellen, sonst verglüht der dir“, hatte Hermann Gassner vorher erzählt.

Doch auch die 30-Liter-Marke kann man ebenfalls problemlos knacken, so wie zum Beispiel auf dem Kleinen Kurs in Hockenheim. Hier zimmert der hg500r mit bestalischer Allradtraktion um den Kurs und überfliegt selbst die höchsten Kerbs, als ob sie aus Watte wären. Angesichts der extremen Fahrstabilität ist man fast geneigt, in der Sachskurve über die Wiese abzukürzen.

Dabei ist die Fahrwerksabstimmung mit einem leichten Einlenkuntersteuern sowie Untersteuern unter Last noch eher etwas konservativ gewählt. Was für die Nordschleife passend wäre, könnte in Hockenheim noch einen Schuss mehr Agilitäts-Tabasco vertragen. Auf Lastwechsel reagiert der hg500r unaufgeregt. Erst bei extrem provozierten Lastwechseln dreht sich das Heck leicht ein. Etwas weniger Vorspur hinten könnte in engen Ecken die Agilität noch fördern.

Doch wir jammern schon wieder auf ganz, ganz hohem Niveau. Mit einer Rundenzeit auf dem Hockenheimring von 1.10,4 Minuten schlägt der Gassner-Evo Topsportler wie den Mercedes SLS AMG (1.10,8 min), den Ferrari 458 Italia (1.10,5 min) oder auch den Supertest-Kandidaten Audi R8 V10 plus (1.10,6 min). Chapeau Gassner! Eine wahnsinnige Leistung, oder wie man in Ainring wohl kurz und knapp sagen würde: Respekt!

Technische Daten
Gassner Gassner-Evo hg500r
Grundpreis 69.900 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4505 x 1810 x 1480 mm
KofferraumvolumenVDA 323 l
Hubraum / Motor 1998 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 408 kW / 555 PS bei 8000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 300 km/h
0-100 km/h 3,7 s
Verbrauch 19,8 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Neu Registrieren

Erstellen Sie ein kostenloses Profil und profitieren Sie von vielen Vorteilen:

  • Zugriff auf alle technischen Daten
  • Artikel kommentieren
  • Teilnahme an Gewinnspielen
  • Schneller PDFs kaufen
  • 360° Ansichten von Autos
  • Exklusives PDF-Bonus-Programm
Kostenlos anmelden
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Top Aktuell MTM-AUDI R8 V10 PLUS 802 SUPERCHARGED, Exterieur MTM-Audi R8 V10 Plus 802 im Test Am Limit des Machbaren
Beliebte Artikel Gassner-Evo hg400R, Frontansicht Gassner-Evo hg400R Fahrbericht Getuntes Mitsubishi-Ringtool Gassner Lancer Evolution im Test Rallye-Adaption des Mitsubishi
Gebrauchtwagen Angebote
Anzeige
Sportwagen Koenigsegg Ragnarok Teaser Koenigsegg Ragnarok (2019) Supersportwagen-Debüt in Genf Aston Martin Project 003 Aston Martin Project 003 für 2021 Mittelmotor-Sportler namens Valhalla?
Allrad Mitsubishi L200 2019 Teaser Mitsubishi L200 Facelift 2019 Neuer Style für Japan-Pickup Rolls-Royce Cullinan (2018) Rolls-Royce Cullinan Fahrbericht So fährt das Luxus-SUV
Oldtimer & Youngtimer Oldtimer Galerie Toffen 20.10.2018 Auktion Oldtimer Auktion Toffen 2018 Schwache Herbst-Versteigerung Opel Kapitän, Modell 1956, Frontansicht 80 Jahre Opel Kapitän Der große Opel
Promobil 3 Gebläsegrills im Vergleich Teuer gegen günstig Caravan Salon Campervans RM Free Nature Eco 3 neue Campervans im Check Karmann, Flowcamper und RM
CARAVANING 3 Gebläsegrills im Vergleich Teuer gegen günstig Eriba Living 555 XL im Test Eriba Living 555 Xl im Test Genug Platz für die Familie