German Masters - A8 L 6.0, Mercedes S 600 und BMW 750i L

Dank neuem Zwölfzylinder stößt der A8 L 6.0 in die Königsklasse des Automobilbaus vor. Er stellt sich dem Mercedes S 600 und dem BMW 750i L. Ihr gemeinsamer Nenner: Luxus vom Feinsten.

Autos, welche die Zwölf im Wappen tragen, rangieren automatisch an der Spitze. So verwundert es nicht, dass man bei Audi ein Leben ohne Zwölfzylinder auf die Dauer nicht ertragen konnte. Seit Jahren lässt die fürs Feine zuständige VW-Tochter nichts unversucht, um den Rang der Erzrivalen BMW und Mercedes zu erklimmen.

Die Aufstiegsformel bei Audi heißt W12, verbirgt sich im Bug des A8. Weil sich ein klassischer V12 aus Platzgründen nicht ins markentypische Antriebskonzept fügt (Motor vor der Vorderachse), kombinierten die Konstrukteure zwei V6-Motoren. Daraus ergibt sich ein W-Zwölfzylinder, der so kurz ist, dass er in den A8 passt und 420 PS aus sechs Liter Hubraum zur Verfügung stellt. Mercedes entlockt dem noch frischen Zwölfzylinder nur 367 PS. Und bei BMW bescheidet sich der 750i mit 326 PS.

Vornehmste Aufgabe dieser Kingsize-Karossen ist es, den Aufenthalt im Fond so angenehm wie möglich zu machen. Maximale Räkelfreiheit und optimalen Sitzkomfort findet man im Mercedes, während Raumgefühl und Unterbringung im Audi weniger feudal ausfallen als von außen vermutet. Dafür haben Audi und BMW vorn das bequemere Gestühl, wo man im Mercedes selbst in der tiefsten Position eine Idee zu hoch sitzt und auf den nachgiebigen Sitzflächen wenig Halt findet.

Bei der Motorisierung setzt zweifellos der Audi mit dem W12 die Maßstäbe. Ohne den geringsten akustischen Aufwand scheint er den Zweitonner in einen Zustand der Schwerelosigkeit versetzen zu wollen. So beschleunigt man diesseits hochkarätiger Supersportwagen alles in Grund und Boden, inklusive der Konkurrenten, denen der W12-befeuerte A8 nicht nur auf der Teststrecke unerbittlich davonfährt.

Einfach nur Gasgeben genügt, denn um das Schalten kümmert sich eine sauber abgestimmte Fünfgangautomatik. Wer die Gänge manuell wechseln will, kann dies über die Tasten in den Lenkradspeichen tun.

Als Einziger im Trio kann der Audi mit Allradantrieb aufwarten, ein Vorzug, der gerade bei diesen Autos überzeugt. So lässt sich die stolze Leistung selbst auf weniger griffigen Belägen problemlos in Vortrieb verwandeln, während sie im BMW und vor allem im Mercedes von den elektronischen Fahrhilfen erbarmungslos dezimiert wird.

Schon aus diesem Grund ist man im Audi meist deutlich schneller unterwegs. Aber natürlich gibt es auch für ihn eine - wenngleich hoch liegende - Grenze, und die kündigt sich durch kräftiges, bei Nässe zuweilen alarmierendes Untersteuern an. Grenzen kennt aber auch das Komforterlebnis, das im Audi eher an eine gewöhnliche Limousine denn an ein Luxusgefährt erinnert.

Kurze Stöße werden den Insassen deutlich signalisiert, der Langsamfahrkomfort ist vergleichsweise bescheiden, und auf langhubigen Wellen kann es bei extrem schneller Fahrt schon mal passieren, dass die Vorderachse auf die Anschläge kracht. Außerdem bleiben die dominanteren Fahrgeräusche nicht unbemerkt.

Ganz anders der Mercedes, dessen ABC (Active Body Control)-Fahrwerk in Komfortfragen derzeit eine Spitzenstellung innehält. Nur bei hohem Tempo auf stark welliger Fahrbahn stößt die Federung an ihre Grenzen. Zugleich stellt die Fahrwerkshydraulik sicher, dass selbst bei scharfer Kurvenfahrt fast keine Seitenneigung zu beobachten ist.

Das dient dem Komfort ebenso wie den Fahreigenschaften, die sich im Normalfall durch dezentes Untersteuern und erstaunliche Handlingqualitäten auszeichnen. Bei Nässe freilich ist der S 600-Fahrer mit seinem Latein schnell am Ende. Entweder man unterwirft sich den strengen ESP-Eingriffen, oder es droht als größeres Übel wegen ständigen Leistungsüberschusses heftiges Übersteuern.

Nach dem W12-Erlebnis im Audi ist schließlich auch der mächtige V12 des S 600 nur noch halb so beeindruckend. Zwar werden die PS nicht zuletzt dank der hervorragenden Automatik mit imponierender Gelassenheit, wenn auch keineswegs geräuscharm mobilisiert. Aber den vehementen Antritt des Audi vermag der Mercedes nicht zu bieten.

Noch weniger trifft dies erwartungsgemäß auf den BMW zu. Mit einem Leistungsdefizit gegenüber dem Audi von nahezu 100 PS kann sein V12 in dieser Runde keinen Staat machen, zumal er auch in Sachen Laufkultur nicht mehr ganz auf der Höhe der Zeit ist.

Die Federung des BMW schluckt mehr als die des Audi, der Geräuschkomfort ist eine Wohltat. Und schließlich kommt auch der Fahrer nicht zu kurz, denn in seiner Leichtfüßigkeit und Handlichkeit wirkt der Siebener-BMW, dessen Nachfolger im Herbst auf den Markt kommt, kein bisschen greise.

Dass es für den Sieg bei den German Masters reicht, das hätte wohl auch bei BMW keiner mehr erwartet. In greifbarer Nähe dagegen der Spitzenplatz für Audi: Etwas Feinschliff im Komfort und eine Spur mehr Bescheidenheit bei den Unterhaltskosten, und er würde wanken, der Thron des Mercedes.

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