GL 420 CDI gegen Range Rover TDV8

Acht-Schiffe

Foto: Hans-Dieter Seufert 22 Bilder

Range Rover und Mercedes waren sich noch nie so nah wie heute. Beide haben jetzt einen Fullsize-Luxus-Offroader mit Achtzylinder-Diesel im Programm. Vergleich des Range Rover TDV8 mit dem Mercedes GL 420 CDI.

Noch nie seit seinem Debüt im Jahr 1970 musste ein Range Rover einen echten Konkurrenten fürchten. Diese Mischung aus Luxus, Komfort, Nutzwert und Stil war lange Zeit einzigartig. Doch das allein reicht heute nicht mehr. Fahrdynamik und üppige Motorleistung sind gefragt. Dazu Qualität und Sicherheit. Mithin Eigenschaften, die Mercedes-Modellen zugesprochen werden. Doch kein Mercedes hatte bisher das Format, es mit der Ikone Range Rover aufnehmen zu können – zu klein, zu bürgerlich.

Nun allerdings schickt sich der neue GL an, in die Domäne des Range einzubrechen. Er tut dies mit einer noch ausladenderen Karosserie und einem kultivierten Dieseltriebwerk, das über die standesgemäße Zahl von acht Zylindern verfügt. Noch vor kurzem hätte der Range diesem Angriff wenig entgegenzusetzen gehabt. Der noch von BMW stammende Dreiliter-Sechszylinder- Diesel war zu klein und mit nur 177 PS zu schwach, um dem 306 PS starken Vierliter-CDI auch nur annähernd Paroli bieten zu können. Jetzt haben die Engländer für den Range erstmals einen Achtzylinder entwickelt, der nach dem Dieselprinzip arbeitet und 272 PS leistet. Aber passt ein Diesel überhaupt in eine solch noble Umgebung?

Er passt. Nur im Stand und bei langsamer Fahrt gibt er sein Arbeitsverfahren akustisch preis. Ansonsten hält er sich mit spezifischen Lebensäußerungen genauso vornehm zurück wie der Mercedes. Und die Unterlegenheit des 3,6- Liter-V8 in Leistung und Drehmoment gegenüber dem Mercedes GL macht sich eher in den Messwerten als im subjektiven Empfinden bemerkbar.

Denn auch im Range Rover kommt nie das Gefühl auf, untermotorisiert zu sein. Gleichwohl reagiert der Mercedes- CDI spontaner auf Gaspedalbefehle und setzt diese für einen knapp 2,7 Tonnen schweren Koloss unerwartet spritzig in Vortrieb um. Die Leistungsentfaltung im Range ist aber insgesamt harmonischer, was sich vor allem beim Ansprechverhalten zeigt. Der Mercedes schießt hier nach einer kurzen, aber spürbaren Anfahrschwäche umso ungestümer davon.

Dass die ZF-Automatik im TDV8 nur sechs Stufen hat, macht sich in der Praxis nicht bemerkbar. Sie harmoniert mit dem Range-Triebwerk ebenso gut wie die Siebengang-Box mit dem Vierliter- CDI. Nachteil Range Rover: Bislang gibt es einen Partikelfilter nur zur Nachrüstung. Der Filter ab Werk kommt erst im Herbst 2007. Immer etwas mehr zu bieten als der Range Rover – das scheint beim GL Programm zu sein.

So offeriert der Mercedes nicht nur mehr Gepäckraum, sondern optional auch bis zu sieben Insassen Platz, während der Range ein konventioneller Fünfsitzer ist – der allerdings ein luftigeres Raumgefühl bietet. Das liegt an den großzügigen Fensterflächen, die zudem sehr steil stehen, und der sehr niedrigen Gürtellinie.

Auch in puncto Übersicht bietet die klassische Range Rover-Karosserie daher klare Vorteile. Anders als im GL sieht man genau, wo das Auto aufhört, und die Rundumsicht ist dank schmalerer Säulen besser. Beide Kolosse stehen gleichermaßen für sehr hohen Fahrkomfort – mit geringen Einschränkungen im Ansprechverhalten der serienmäßigen Luftfedern auf Querfugen bei langsamer Fahrt. Tadellos hingegen das Schluckvermögen bei langen Bodenwellen.

Umso erstaunlicher, dass der hohe Komfort beim Mercedes nicht mit Kompromissen bei den Fahreigenschaften erkauft wird. Das Handling ist für ein Auto dieser Gewichtsklasse überraschend leichtfüßig und präzise. Die Lenkung vermittelt auf kurvigen Landstraßen und bei sehr schnellen Autobahnkurven gleichermaßen eine sehr gute Rückmeldung. Nur im direkten Vergleich fällt auf, dass die ebenfalls gefühlvolle Range Rover-Lenkung etwas indirekter und leichtgängiger arbeitet. Zusammen mit den deutlich stärkeren Wankbewegungen der Karosse- rie vermittelt der Range deshalb weniger Fahrspaß.

Zudem schiebt er bei schnellem Einlenken stark über die Vorderräder. Dieses Verhalten kann auch das hypersensibel abgestimmte ESP nicht verhindern, das ansonsten früh und recht harsch eingreift. Als regelrecht störend erweist es sich dabei, dass die Motorleistung nach dem Bremseneingriff erst mit spürbarer Verzögerung wieder zur Verfügung steht.

In der Vogue-Ausstattung für 88 800 Euro ist der Range Rover TDV8 nahezu komplett ausstaffiert. Fast alles, was beim 79 460 Euro teuren Mercedes GL 420 CDI noch Aufpreis kostet, bietet der Range serienmäßig, was sich unter dem Strich auf über 13 000 Euro summiert. Bei solchen Preisen darf man zurecht eine gediegene Atmosphäre im Innenraum erwarten. In Qualität, Verarbeitung und Funktionalität lässt sich dem GL denn auch nichts vorwerfen.

Trotzdem spricht der gelungene Mix aus Leder, Aluminium und Holz sowie die sehr spezielle Architektur des Cockpits – mit leichten funktionalen Schwächen – im Range die Sinne intensiver an als das auf Perfektionismus getrimmte Interieur, das in ähnlicher Form in jedem Mercedes zu finden ist. Am Ende muss sich der stilvolle Range Rover TDV8 trotz neuen Motors dem modernen und dynamischeren Mercedes GL 420 CDI nach Punkten geschlagen geben. Aber seinen Status als liebenswerte, unverwechselbare Stil-Ikone kann der noble Engländer gegen den beinahe perfekten GL gleichwohl verteidigen.

Fazit

1. Range Rover TDV8
476 Punkte

Der harmonische V8-Diesel stellt eine adäquate Antriebsquelle für den komfortablen Range dar und verbraucht etwas weniger. In Sachen Fahrdynamik kann der sehr übersichtliche Offroader aber nicht mithalten.

2. Mercedes GL 420 CDI
497 Punkte

Platzangebot, Federungskomfort und Fahrdynamik gehören zu den Stärken des großen Luxus-SUV. Der sehr kultivierte Achtzylinder-Diesel ermöglicht flotte Fahrleistungen, ist aber nicht besonders sparsam.

Technische Daten
Mercedes GL 420 CDI Range Rover TDV8 Vogue
Grundpreis 85.442 € 91.100 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5088 x 1920 x 1840 mm 4972 x 1956 x 1863 mm
KofferraumvolumenVDA 620 bis 2300 l 535 bis 2099 l
Hubraum / Motor 3996 cm³ / 8-Zylinder 3630 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 225 kW / 306 PS bei 3600 U/min 200 kW / 272 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 230 km/h 200 km/h
0-100 km/h 7,9 s 9,3 s
Verbrauch 11,6 l/100 km 11,1 l/100 km
Testverbrauch 14,6 l/100 km 13,7 l/100 km
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