Glanz-Turnier

Der Jaguar X-Type 3.0 V6 Executive will einen Glanzpunkt in der Mittelklasse setzen. Er trifft auf den Audi A4 3.0 Quattro als Gegner. Ein Vergleich der allradgetriebenen Sechszylinderversionen mit Automatik.

Marken machen Leute. Automarken ganz besonders. Jaguar zum Beispiel: Wer das britische Fabrikat mit der Raubkatze im Emblem sein eigen nennt, gilt traditionell als Mensch des Wohlstands und der gehobenen Lebensart. Und nun taucht die Nobelmarke in der Mittelklasse zu Mittelklassepreisen auf – logisch, dass da die Konkurrenz mit den weniger klangvollen Namen um ihre Pfründe bangt.

Auch Audi. Nicht nur, dass der neue X-Type von Jaguar preislich auf A4-Niveau liegt. Er verfügt obendrein über eine Technik, die Audi so gut wie gepachtet hatte: Allradantrieb gibt es beim X-Type serienmäßig. Fragt sich, ob das reicht, dem Bestseller von Audi gefährlich zu werden. Schließlich gehört ein A4 3.0 Quattro, das Pendant zum X-Type 3.0, zum Besten, was Audi vorweisen kann.

Optisch werden beide ihrem Markenimage gerecht: Gediegene Noblesse vermittelt der Jaguar, solide und zugleich dynamisch tritt der Audi auf. Die trutzig wirkende Karosserieform mit dem weit ins Heck gezogenen Dach lässt den A4 zwar nicht so elegant erscheinen wie den X-Type, großgewachsene Insassen spüren aber schnell die Nachteile der sanft geschwungenen Jaguar-Karosse: Sie kommen mit dem Dachhimmel auf Tuchfühlung.

Generell sollten sich die Fahrgäste im Jaguar-Fond gut leiden können. In schnell gefahrenen Kurven nähern sie sich stark an, denn das Sitzpolster bietet wenig Seitenhalt. Und das Raumangebot ist bescheiden. Hinzu kommt, dass mehr als vier durchschnittlich schwere Reisende plus Gepäck die erlaubte Zuladung (382 Kilogramm) bereits überschreiten.

474 Kilogramm sind es beim Audi, und damit kommt er dem Ideal eines Reisewagens schon näher. Zwei normal gebaute Passagiere finden auf der gut ausgeformten Rückbank bequem Platz, ein dritter passt dazwischen, thront aber auf einem unkommoden Sitzwulst.

Vorn können es sich Fahrer und Beifahrer im Audi, aber auch im Jaguar auf komfortablen Sitzen gemütlich machen. Dank zahlreicher Verstellmöglichkeiten findet sich schnell eine optimale Position – im A4 ohne elektrische Helferlein, was nicht so recht zum happigen Grundpreis von 71.329 Mark passt. Alles, was wohnliches Flair in den technokratisch anmutenden Audi bringt, kostet Aufpreis.

Hier punktet der X-Type. Zwar liegt sein Grundpreis plus Automatik um mehr als 4.600 Mark über dem des Audi, doch ausstattungsbereinigt ist der Jaguar in der Executive-Version rund 4.000 Mark günstiger. Und so besitzt er bereits ab Werk alle Zutaten, die ihn vom bürgerlichen in den gehobenen Stand liften: Leder, schönes Holz, Metallic-Lack, elektrische Sitzverstellung sowie Tempomat.

Dass der Jaguar trotzdem keine Upper-Class-Gefühle vermittelt, liegt an diversen Verarbeitungsmängeln. Die Türen des X-Type fallen blechern ins Schloss. Zudem klappert die Türverkleidung.

Unangenehme Windgeräusche bei schneller Autobahnfahrt in Verbindung mit dem beim Beschleunigen stets präsenten und kernigen Motorsound schmälern darüber hinaus den Fahrkomfort des X-Type. Eine derartige Geräuschkulisse ist selbst eines kleinen Jaguar unwürdig.

Auch der V6 des Audi ist unter Last kein Leisetreter. Der Motorsound tendiert eindeutig in Richtung sportlich, und das gilt auch für die Fahreigenschaften des A4-Topmodells.

Speziell auf Landstraßen ist das präzise Handling ein Quell der Freude. Kurven werden mit geringer Seitenneigung gemeistert, der Quattro-Antrieb sorgt für neutrales Fahrverhalten bis in den hoch angesiedelten Grenzbereich. Auch die Lenkung arbeitet exakt, vermag allerdings nicht alle Stöße zu filtern. Ebensowenig wie das Fahrwerk: Vor allem auf Querfugen reagiert der Audi mit Stuckern und muss hier Punkte lassen.

Die sammelt der Jaguar. Sein Fahrwerk steckt kurze Wellen und Unebenheiten sehr gut weg, poltert allerdings vernehmlich. Lange Wellen meistert die Federung geschmeidig, vermittelt dabei mit leichten Wankbewegungen jedoch nautische Gefühle. Da bleibt der straffer gedämpfte Audi gelassener.

Die Fahrsicherheit wird von der weicheren Auslegung des X-Type aber nicht beeinträchtigt. Die ist beim Jaguar vorbildlich. Ein Differenzial mit Visco-Sperre verteilt hier die Kraft zwischen Vorderund Hinterachse, wobei sich beim Fahren kein Unterschied zum Allradantrieb des Audi feststellen lässt, der über ein selbstsperrendes Torsendifferenzial verfügt. Gerügt werden muss aber, dass Jaguar das sicherheitsrelevante Extra ESP nur gegen Aufpreis einbaut.

Die komfortablere Abstimmung des Jaguar verhindert indessen Bestwerte bei der Fahrdynamik, wo der A4 den X-Type klar deklassiert. Natürlich lassen sich Kurven auch im Jaguar zügig umrunden, wenngleich die indirekte Lenkung mehr Fahrbahnkontakt vermitteln sollte. Doch der forcierte Galopp über den Asphalt ist eher die Domäne des A4. Was vorwiegend dessen Fahrwerk, weniger jedoch den Antriebsqualitäten zugerechnet werden darf.

Denn obwohl 220 PS und 300 Nm famosen Vortrieb erwarten lassen, trägt die Antriebseinheit des A4 nicht gerade zur Agilität bei. Im Gegenteil: Die lange Übersetzung behindert das Beschleunigungsvermögen.

Weil der fünfte Gang theoretisch bis weit über 300 km/h reicht, muss die Automatik auf der Autobahn ständig in den auf Höchstgeschwindigkeit ausgelegten Vierten zurückschalten. Das sorgt im Extremfall für Verbrauchswerte von über 15 Liter auf 100 Kilometer.

Der zügellosere Trinker ist allerdings der Jaguar. Er genehmigt sich im Test über einen halben Liter mehr auf 100 Kilometer und lässt auf diese Distanz bei schneller Autobahnfahrt über 16 Liter durch die Brennräume fließen. Dabei muss auch sein mit 231 PS etwas stärkerer Dreiliter-V6 gegen eine zu lange Getriebeübersetzung ankämpfen und häufig einen Gang zurückschalten. Erschwerend kommt hinzu, dass der Automat die passende Fahrstufe mitunter erst mit Verzögerung findet und den Motor unnötigerweise auf Hochtouren drehen lässt. Die bei Jaguar sonst so gelobte Gelassenheit bleibt bei diesem Getriebe auf der Strecke.

Beruhigend hingegen die Qualitäten der Bremsanlage. Sie zaubert Fabelwerte auf den Asphalt und muss sich nur einen ungenügend definierten Druckpunkt am Pedal vorhalten lassen. In dieser Beziehung ist die Bremse des A4 vorbildlich; dafür kommt dieser beladen beim Bremstest aus Tempo 100 erst rund vier Meter später zum Stillstand.

Punkte holt der A4 dank seiner umfangreicheren Sicherheitsausstattung. Audi liefert ihn beispielsweise ab Werk mit ESP aus, was Jaguar mit 1.428 Mark extra berechnet. Und Seitenairbags im Fond, bei Audi erhältlich, glänzen bei Jaguar durch Abwesenheit.

Ansonsten verursachen beide Konkurrenten gemäß ihrer stattlichen Grundpreise beachtliche Unterhaltskosten, besonders der X-Type. Den stufen die Versicherungen über Erwarten hoch ein.

Bei Wartung und Kraftstoffkosten liegt er dagegen gleichauf mit dem A4. Dass Audi allerdings nur ein Jahr Garantie gewährt, passt nicht ins Bild von gehobener Qualität. Jaguar vertraut seinem Produkt offensichtlich mehr und garantiert für drei Jahre.

Die Vorteile reichen aber nicht aus, um das Kostenkapitel für sich zu entscheiden – das Gleiche gilt für insgesamt sechs der sieben Wertungen. So gesehen darf man bei Audi denn auch aufatmen: Ganz so scharf wie befürchtet sind die Zähne des kleinen Jaguar nun doch nicht. Noch ist die schmucke Raubkatze namens X-Type handzahm.

Fazit

1. Jaguar - X-Type V6 3.0 - 29413
489 Punkte

2. Jaguar X-Type 3.0: Jaguar zeigt mit dem X-Type, wie ein Topmodell in der Mittelklasse ausgestattet sein muss: Um einen Platzhirsch zu vertreiben, müsste der X-Type allerdings über einen besseren Antrieb verfügen. Zudem verdienen Qualitätsanmutung und Verbrauch Kritik.

2. Audi A4 3.0 Quattro
515 Punkte

Solidität und Fahrkomfort bei gleichzeitig agilem Fahrverhalten sichern dem Audi den Sieg. Der kernige Sechszylinder in Verbindung mit der nervös schaltenden Automatik sowie die magere Serienausstattung überzeugen jedoch nicht.

Technische Daten
Jaguar X-Type 3.0 V6 Sport Audi A4 3.0 Quattro
Grundpreis 42.380 € 38.000 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4672 x 1789 x 1430 mm 4548 x 1772 x 1428 mm
KofferraumvolumenVDA 452 l 445 bis 720 l
Hubraum / Motor 2967 cm³ / 6-Zylinder 2976 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 169 kW / 231 PS bei 6800 U/min 162 kW / 220 PS bei 6300 U/min
Höchstgeschwindigkeit 230 km/h 238 km/h
0-100 km/h 9,3 s
Verbrauch 10,5 l/100 km 10,8 l/100 km
Testverbrauch 12,2 l/100 km
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