Goldene Mitte

Die Konkurrenz in der Mittelklasse ist groß, von überall her drängen neue Modelle auf den Markt, so dass VW die zuletzt etwas nachlassende Attraktion Passat durch ein Facelift und neue Motorvarianten auffrischt.

Das wird nicht alles unter dem Oberbegriff Mittelklasse verkauft. Enge Stufenheck-Limousinen, die in ihren Grundabmessungen auf Kompaktwagen beruhen ebenso wie beispielsweise die ausladende
E-Klasse von Mercedes. So fächert sich die früher eng
definierte Mittelklasse auf in untere, gehobene und obere Mittelklasse. Doch wo bleibt die eigentliche Mitte?

Der VW Passat verkörpert sie nahezu lupenrein. Mit stattlichen, aber nicht zu üppigen Außenabmessungen, mit genügend Innen- und Kofferraum, mit gutem Komfort, einer breiten Motorenpalette und einer qualitativ hochwertigen Anmutung.

Das honoriert der Kunde, was dem Passat hier zu Lande trotz teilweise überhöhter Preise bisher zu einem Dauerplatz unter den ersten fünf in der Zulassungsstatistik verholfen hat. In Europa liegt er an der Spitze seines Segmentes. Dass davon in Deutschland rund 70 Prozent Variant sind, stört VW nicht. Der Kombi kostet schließlich nochmals rund 2000 Mark mehr als die Limousine.

Doch die Konkurrenz ist groß, von überall her drängen neue Modelle auf den Markt, so dass VW die zuletzt etwas nachlassende Attraktion des seit Herbst 1996 gebauten großen Volkswagens durch ein 500 Millionen Mark teures Facelift und neue Motorvarianten auffrischt. Im Testwagen steckte einer dieser neuen Motoren: der 1,9 Liter große und 130 PS starke Pumpe-Düse-TDI, der die bisherige 115-PS-Version ersetzt. Der kräftige Vierzylinder-Turbodiesel (310 New-tonmeter) rangiert zwischen dem ebenfalls neuen 1,9-Liter-PumpeDüse-Motor mit 101 PS und dem bekannten V6 TDI mit 150 PS (siehe auch Kasten auf Seite 44).

Mit rund 70 Prozent Marktanteil spielen die sparsamen Diesel schon jetzt die tragende Rolle bei der Motorenwahl des Passat. Die Aufwertung durch die in ihrer Durchzugskraft deutlich verbesserten Pumpe-Düse-Aggregate wird das Interesse am Diesel weiter
steigern.

Dem 130-PS-TDI haben die VW-Marktforscher dabei eine künftige Führungsrolle zugedacht: Er soll in Deutschland 40 Prozent aller verkauften Passat antreiben, weltweit geht man von 30 Prozent aus. Nicht wenig, wenn man
das prognostizierte Gesamtvolumen von 440 000 Exemplaren für das Jahr 2001 unterstellt.

VW ist also von den Qualitäten des neuen Pumpe-Düse-TDI überzeugt. Er passt mit seinen
Leistungsdaten perfekt zum Passat. 130 PS sichern hohe Fahrleistungen, das überragende Drehmoment – es übertrifft mit 310 Newtonmetern sogar den Wert des 2,8 Liter großen V6-Benziners – sorgt für hohe Durchzugskraft in allen
Lebenslagen.

In der Tat ist die Schubkraft des Pumpe-Düse-TDI speziell zwischen 2000 und 4000 Umdrehungen beeindruckend. Sie gestattet müheloses Fahren bei mittleren und höheren Geschwindigkeiten, ohne ständig den Schalthebel bewegen zu müssen. Und auf freier Autobahn genügt schon eine vergleichsweise kurze Strecke, um den 130-PS-Passat auf seine Höchstgeschwindigkeit von fast 210 km/h zu beschleunigen.

Der Motor dreht dann selbst im sechsten Gang des im Testwagen eingebauten Schaltgetriebes deutlich über 4000/min. Man fragt sich, ob sich diese 635 Mark teure und mit mehr Schaltarbeit verbundene Investition (fünf Gänge sind serienmäßig) lohnt, wenn der höchste Gang nicht als Schongang fungiert. Zumal eine Drehzahlabsenkung dem Passat aus akustischen Gründen gut täte.

Denn die Pumpe-Düse-Diesel sind, wie auch schon im Golf und Sharan festzustellen war, keine Leisetreter. Ihre brummige Akustik stört noch mehr beim Beschleunigen und im Schiebe-
betrieb, wo außerdem leichte Vibrationen hinzukommen.

Für ein ansonsten sehr komfortables Mittelklasseauto mit Premium-Anspruch ist eine solche Geräuschkulisse kein Ruhmesblatt, zumal die Common-Rail-Konkurrenz hier bedeutend höhere Ansprüche erfüllt. Auch im unteren Drehzahlbereich läuft der Pumpe-Düse-TDI nicht so rund und vibrationsarm, wie man sich dies wünscht, so dass bei Bummeltempo oft niedrigere Gänge als nötig bemüht werden müssen.

Aber der Verbrauch stimmt. Nur 5,6 Liter pro 100 Kilometer verspricht die EU-Norm im Mittel. Das ist im normalen Fahrbetrieb für ein so großes Auto zwar etwas utopisch, wer aber den Gasfuß zurückhält, schafft leicht die Sechs-Liter-Grenze. Im Testdurchschnitt mit häufiger Ausnutzung
des Leistungspotenzials kamen 6,7 L/100 km zusammen. Immer noch ein guter Wert, der in
Verbindung mit dem 62-Liter-Tank eine Reichweite von über 900 Kilometern zulässt.

Noch drei Jahre soll der Passat in dieser Grundform den Markt dominieren. Da wurde beim Facelift nicht gespart. Es umfasst 2300 Änderungen sowie alle Karosserieteile außer Türen und Dach. Die Unauffälligkeit, mit der dies gelang, ist allerdings wieder einmal verblüffend. Denn was wirklich auffällt, sind die neuen Klarglasscheinwerfer und Heckleuchten sowie der chromverzierte Kühlergrill, der die vordem langweilige Frontpartie aufpeppt. Auch in der Seitenansicht setzen die mit Chrom eingefassten Fenster Glanzlichter.

Eine neue Mittelkonsole mit Cupholdern und Armlehne sowie modifizierte Instrumente führen das Facelift im Innenraum fort. Wichtigste Zutat ist indes die nun für alle Modelle serienmäßige Klimaanlage.

Seinem Anspruch auf Premium-Qualität wird der Passat jetzt auch in der Ausstattung gerecht, vor allem bei den Extras. Es gibt ein Multifunktionslenkrad (Aufpreis 528 Mark), die Einparkhilfe PDC (762 Mark), das dynamische Radio-Navigationssystem RNS (4890 Mark), in ihrer Leuchtkraft hervorragende Bi-Xenonscheinwerfer (1887 Mark) und ein
Solarschiebedach (2200 Mark) zur Zwangslüftung des abgestellten Fahrzeugs.

Geblieben sind der gute Federungskomfort und die unproblematischen Fahreigenschaften (ESP serienmäßig). Subjektiv federt der Passat jetzt noch eine Spur besser und lässt sich präziser beherrschen als früher. Grund ist die höhere Karosseriesteifigkeit und die vorn wie hinten verbreiterte Spurweite.

Die breitere Basis, die mit mehr Platz im Motorraum einhergeht, hat auch im Hinblick auf künftige Motorisierungen Sinn. Denn VW macht kein Geheimnis daraus, dass nächstes Frühjahr ein neues Topmodell die Passat-Familie krönen wird.

Der Clou dieses Luxus-Passat wird ein völlig neuer Acht-zylinder auf VR-Basis (3,7 Liter, 250 PS) sein, mit dem dieser endgültig die goldene Mitte verlassen wird. Doch der V8 wird die Position der Bau-
reihe nicht in Frage stellen. Schon gar nicht die der Dieselmodelle.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • sehr gutes Raumangebot saubere Verarbeitung funktionelle Gestaltung hohe Steifigkeit
  • schlecht ablesbare Instrumente und Schalter
Fahrkomfort
  • guter Federungskomfort bequeme Sitze gute Klimatisierung geringe Bedienungskräfte
  • hoher Innengeräuschpegel
Antrieb
  • durchzugsstarker Motor gute Fahrleistungen leicht schaltbares Getriebe
  • mäßige Laufkultur
Fahreigenschaften
  • sicheres Kurvenverhalten gute Handlichkeit sauberer Geradeauslauf präzise Lenkung
  • Traktionsschwäche bei nasser Fahrbahn
Sicherheit
  • standfeste Bremsen vier Airbags hohe Struktursicherheit
  • Kopf-Airbags nur als Extra fehlende Mittelkopfstütze hinten
Umwelt
  • niedriger Verbrauch schadstoffarm nach EU 3
Kosten
  • geringer Wertverlust viele Servicestellen
  • relativ hoher Anschaffungspreis nur ein Jahr Garantie

Fazit

Der facegeliftete Passat sichert sich mit seinen ausgewogenen Eigenschaften die führende Stellung in der Mittelklasse. Die Aufwertung ist optisch und funktionell spürbar. Der neue Pumpe-Düse-Diesel läuft durchzugsstark und sparsam, könnte aber leiser sein.

Technische Daten
VW Passat 1.9 TDI Highline
Grundpreis 28.375 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4703 x 1746 x 1462 mm
KofferraumvolumenVDA 475 bis 800 l
Hubraum / Motor 1896 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 96 kW / 130 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 208 km/h
0-100 km/h 10,4 s
Verbrauch 5,7 l/100 km
Testverbrauch 6,7 l/100 km
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