Golf TDI, Mégane dCi, 307 HDi

Nicht-Raucher

Foto: Achim Hartmann 41 Bilder

Nicht nur Wunder dauern bei VW bisweilen etwas länger. Aber nun gibt es ihn, den Golf TDI mit Rußfilter. Was er taugt, zeigt der Vergleich mit dem Filter-Pionier Peugeot 307 HDi 135 und dem Renault Mégane 1.9 dCi.

Wo immer der Feinstaub auch wirbeln mag: An diesen Autos kann es nicht liegen. Alle drei Diesel rauchen nämlich serienmäßig mit Filter – die berüchtigten Partikel werden also gesammelt und vernichtet. Das nützt der Umwelt und auch dem Gewissen. Peugeot 307-Fahrer genießen diesen Vorzug schon seit Jahren, aber nun müssen sich in der Kompaktklasse auch Renault- und VW-Kunden nicht länger als Schmutzfinken fühlen. Renault bietet die Filtertechnik in Verbindung mit dem 1,9-Liter-Motor im Mégane dCi an.

VW zieht mit dem Golf 2.0 TDI nach, dessen Motor aber im Gegensatz zur ungefilterten Version von gestern ist. Es handelt sich um den alten Zweiventil-Diesel ohne Ausgleichswellen. Bei Peugeot bekommt man hingegen den noch taufrischen Zweiliter-Diesel (HDi 135) als Vierventiler. Neu ist zudem die im vergangenen Herbst vollzogene Modellüberarbeitung.

Seither grinst am 307-Bug der markentypische Riesengrill. Aber auch der Renault Mégane blickt neuerdings etwas entschlossener in die Welt: Ein Facelift schenkte ihm andere Nasenlöcher und eine attraktivere Unterlippe – beides steht dem Kompaktwagen gut. Alle drei Saubermänner zeichnet aus, dass sie die automobile Vernunft verkörpern. Sie sind kräftig, aber sparsam, und nicht zu groß für enge Parklücken. Die Ausstattungslisten umfassen nahezu alles, was das Herz begehrt, und wer nicht häufig mit voller Besetzung auf Reisen geht, der kann auch mit dem Raumangebot zufrieden sein. Mehr Auto braucht man normalerweise eigentlich nicht. Gleichwohl gibt es Unterschiede.

Der Renault bietet Abwechslung im Design, eignet sich jedoch nur bedingt als Familienauto, denn auf den Rücksitzen und im Kofferraum geht es eng zu. Bei Peugeot schwelgt man inzwischen im Ausstattungsrausch, wie der Testwagen mit der Zusatzbezeichnung Platinum vorführt.

Als solcher kostet er zwar etwas mehr, bietet aber echten Luxus und leistet sich sogar – vorläufiger Höhepunkt in der Kompaktklasse – Echtleder am Armaturenbrett. VW übt sich in Sachen Ausstattung dagegen in gewohnter Bescheidenheit.

Die Stärken des Golf liegen eher im Bereich der Sekundärtugenden: Er fühlt sich solider an als seine Widersacher, die Bedienung macht die geringsten Probleme, und wer verreist, weiß das Plus an Kofferraum und Zuladung zu schätzen. Zwiespältiger sind freilich die Eindrücke beim Gasgeben. Der TDI-Motor mag nun in Sachen Ruß eine weiße Weste haben, aber ansonsten erinnert sein Betragen eher an landwirtschaftliches Gerät: Er brummt und vibriert, als wäre Laufkultur beim Diesel immer noch ein Fremdwort. Dafür zieht er wie ein Ochse (besser sogar als die filterlose Variante) und ist obendrein überdurchschnittlich genügsam.

Das muss man ihm zugute halten: Limousinen, die in 9,3 Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigen können, Tempo 205 erreichen, aber im Durchschnitt nur 7,1 L/100 km verbrennen, sind rar wie Hühnerzähne. Da müssen sich auch die staubfreien Diesel der französichen Konkurrenz strecken. Der Renault bewegt sich zwar erfreulich munter, bietet aber nicht ganz den Nachdruck und die Elastizität des Golf. Für die Ohren ist er allerdings deutlich angenehmer. Das gilt auch für den Peugeot-Motor, der im Übrigen seine Kraftreserven verhaltener mobilisiert und sich noch dazu an der Tankstelle einen Schluck mehr genehmigt.

Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass alle drei Filter-Diesel in den jeweiligen Modellpaletten momentan die beste Wahl sind. Welchem der drei man den Vorzug gibt, ist nicht zuletzt eine Frage persönlicher Vorlieben. Für den Renault etwa spricht vor allem die angenehme Federung. So wie der Mégane Fahrbahnmängel unterschiedlicher Ausprägung glattbügelt, fühlt man sich an französische Sänften der Vergangenheit erinnert.

Dennoch wird das Auto fahrdynamisch nicht zum Wackelkandidaten: Kurven nimmt der Renault keineswegs schlotternd, sondern willig, mit hoher Präzision und geringem Kraftaufwand. Allerdings dürfte die Lenkung dabei etwas mehr Fahrbahnkontakt vermitteln.

Potenzial für Verbesserungen bieten auch die Sitze: Auf den kurz geratenen Polstern mit unpraktischer Verstellung sitzt man wie der Vogel auf der Stange. Schwerer fällt es da schon, Gründe für den Kauf des Peugeot zu finden. Neben der Luxusausstattung und dem üppigeren Raumangebot bieten sich die komfortableren Sitze an. Ansonsten steht der 307 in dieser Runde in vieler Hinsicht auf verlorenem Posten. Sein Fahrwerk verwandelt kurze Stöße in heftige Rüttelbewegungen, vermag aber auch gröbere Unebenheiten nur unvollkommen zu absorbieren. Die Schaltung ist unpräzise, im Bremsentest zeigt er Stabilitätsschwächen, und beim schnellen Kurvenfahren stört das synthetische Lenkgefühl. Es gibt also noch viel zu tun, Peugeot müsste es nur anpacken. Und womit lockt der Golf? In der hier getesteten Sportline-Version vor allem mit fahrdynamischer Brillanz. Enge Biegungen nimmt er ebenso gelassen wie schnelle Wechselkurven. Geradeausschieben ist nur im Extremfall ein Thema.

Dabei fühlt sich seine Lenkung so an, wie man sich das vorstellt: exakt, zielgenau, ausreichend kommunikativ, aber ohne auf schlechten Straßen Stöße zu verteilen. Der Schalthebel ist präzise geführt und lässt die Gänge auf kurzen Wegen einrasten, man sitzt auf straffen, gut konturierten Sportsitzen – in diesem Trio ist der Golf das, was man üblicherweise Fahrerauto nennt. Ein Fehler wäre es jedoch, überdurchschnittlichen Komfort zu erwarten.

Das Sportfahrwerk mit verkürzten Federwegen, serienmäßig in der Sportline-Variante, raubt dem Golf beim Fahren auf zweitklassigen Straßen jede Geschmeidigkeit. Vor allem die größeren Wellen überfordern die Federung. Aber selbst auf der Autobahn gibt der VW keine Ruhe – ein Mangel, der gleichermaßen auf die Akustik zutrifft. Motor- und Abrollgeräusche nehmen hier Ausmaße an, die auf Dauer den Wohlfühlfaktor deutlich reduzieren. Dass es den Insassen im Renault und Peugeot in dieser Beziehung kaum anders ergeht, macht die Sache nicht besser.

Schließlich kann aber auch der Komfortmangel des Golf nicht verhindern, dass er als das beste Angebot aus diesem Vergleich hervorgeht. Die Geschmäcker mögen verschieden sein, aber nach Punkten schmeckt der Golf nun mal am besten. Auch mit Filter.

Fazit

1. VW Golf TDI
509 Punkte

Der Golf überzeugt als Allrounder. Er ist kraftvoll, sparsam und bietet das beste Handling. Der raue Motor und die harte Federung trüben aber den Komforteindruck.

2. Renault Mégane 1.9 dCi
505 Punkte

Seine Glanznummer ist die geschmeidige Federung, sein größter Nachteil das knappe Raumangebot. Erfreulich: der neue, kultivierte Dieselmotor.

3. Peugeot 307 HDi 135
481 Punkte

Die Luxusausstattung und das gute Raumangebot sind die Hauptattraktionen des 307. Ansonsten fehlt es aber in vielen Bereichen an Feinschliff, nicht zuletzt im Komfort.

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Technische Daten
Peugeot 307 HDi FAP 135 Platinum Renault Mégane 1.9 dCi FAP Dynamique VW Golf 2.0 TDI Sportline
Grundpreis 26.350 € 22.500 € 24.903 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4212 x 1746 x 1510 mm 4209 x 1777 x 1458 mm 4204 x 1759 x 1485 mm
KofferraumvolumenVDA 341 bis 1328 l 330 bis 1190 l 350 bis 1305 l
Hubraum / Motor 1997 cm³ / 4-Zylinder 1870 cm³ / 4-Zylinder 1968 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 100 kW / 136 PS bei 4000 U/min 96 kW / 130 PS bei 4000 U/min 103 kW / 140 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 202 km/h 200 km/h 205 km/h
0-100 km/h 10,1 s 9,6 s 9,3 s
Verbrauch 5,5 l/100 km 5,6 l/100 km 5,5 l/100 km
Testverbrauch 7,7 l/100 km 7,0 l/100 km 7,1 l/100 km
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