Gute Besserung

Nach der letztjährigen Blamage schraubt sich ATU 2005 an das Niveau der Vertragswerkstätten heran. Eine Filiale erzielt sogar ein „Sehr empfehlenswert“.

Auto-Teile Ungern: Beim ersten Werkstätten-Test der Schrauber- Kette im Jahr 2004 mit einem Nissan Micra lieferten die vier geprüften Betriebe ein miserables Ergebnis ab. Arbeitsleistung und Service auf niedrigstem Niveau, die Preise dafür jedoch durchaus auf Höhe vergleichbarer Vertragswerkstätten. Angesichts einer Erfüllungsquote von indiskutablen 48 Prozent bei der Inspektionsleistung, unfreundlichen Personals und zeitraubenden Annahme-Prozederes: nicht empfehlenswert. So mussten die Kunden zum Teil mehrfach zwischen Kassentresen und Werkststatt hin- und herpendeln. Logisch, dass Werner Aichinger, Vorsitzender der ATU-Geschäftsführung, damals Besserung gelobte und versprach, „diesen Werkstätten-Test zum Anlass zu nehmen, Service und Qualität weiter zu verbessern“.

Das hat geklappt: Beim diesjährigen Test von acht Werkstätten mit einem Peugeot 206 kann die mit fast 500 Niederlassungen expansive Kette fast zu den Vertragswerkstätten aufschließen. Mit 75 Prozent Erfolgsquote kommt ATU den Peugeot-Spezialisten, die gute 81 Prozent erreichen (siehe Heft 19/2005), schon nahe. Beim Preis hält man dafür Abstand. Die teuerste ATU-Inspektion rangiert noch unter der günstigsten bei Peugeot. Das beginnt schon beim Arbeitslohn, der bei ATU je nach vorgeschriebenem Paket abhängig von Alter und Kilometerleistung 79,50 beziehungsweise 95 Euro beträgt. Hinzu kommt inspektionsbezogenes Material wie Motoröl, Filter sowie Auffüllmengen von Servo-Öl, Wischerblätter plus Kleinteile.

Die Werkstätten im Test verlangen für die Inspektion am Peugeot 206 zwischen 125,40 und 208,90 Euro. Dabei liefert die günstigste Filiale, ATU Saarlouis, sogar das beste Ergebnis ab. Ob es an der hohen Peugeot- Dichte im Grenzgebiet zu Frankreich liegt? Fakt ist jedenfalls, dass hier alle präparierten Mängel gefunden und behoben wurden. Nur ein kleiner Schönheitsfehler trübt die makellose Bilanz in Saarlouis: Zwar korrigiert man den zu niedrigen Ölstand im Ausgleichsbehälter der Servolenkung, versäumt es jedoch, den Kunden auf den ölfeuchten Anschluss und damit einen erneut drohenden Verlust hinzuweisen. Denn wenn keine Ursache für den Flüssigkeitsverlust erkennbar ist, sollte der Kunde den Servoölstand genau im Auge behalten.

Ein wichtiger Hinweis, den sämtliche ATU-Werkstätten unterließen. Auch beim Annahmeprozedere ähnelt Saarlouis dem Rest der Filialen. Zunächst herrscht leichte Konfusion, da die schriftliche Anmeldung am Tresen nicht vorhanden ist und sich erst nach Rücksprache mit der Werkstatt auffindet. Dort übernimmt ein Meister, erklärt freundlich die notwendigen Arbeiten inklusive Kostenrahmen und fragt zum Abschluss nach der gewünschten Ölsorte. Ein feiner Zug, denn drei Liter des völlig ausreichenden 15W40 kosten gerade einmal neun Euro, während andere Filialen wie etwa die in Sankt Wendel Teilsynthetiköl der Viskosität 5W40 für vergleichsweise happige 7,25 Euro pro Liter einfüllen.

Gespart hat sich der Meister in Saarlouis allerdings auch eine Besichtigung des Fahrzeugs im Beisein des Kunden – sowohl bei der Annahme als auch bei der Abholung. Dafür erläutert die Mitarbeiterin an der Kasse knapp die Rechnungspositionen. Nette Geste: Die zweite Bremslichtbirne der geöffneten Packung sowie die teilweise geleerte Getriebeöl-Flasche, mit der das Servo-Öl aufgefüllt wurde, liegen zum Mitnehmen im Auto. In Anbetracht des günstigen Preises darf ATU Saarlouis somit als „sehr empfehlenswert“ gelten. Im Gegensatz zur Filiale in Sankt Wendel, wo nicht nur teureres 5W40- Öl eingefüllt wird. Der Mechaniker bemerkt zwar den zu langen Hebelweg der Handbremse, verzichtet aber auf eine Korrektur. Begründung: Das Einstellen dauere über eine halbe Stunde und „sei zuviel Aufwand, reicht doch auch so, bremst ja“. Die durchgebrannte Bremslichtbirne ersetzt er zwar, tippt aber, nachdem das Bremslicht wegen einer defekten Sicherung noch immer nicht leuchtet, auf einen spezifischen Defekt und empfiehlt den Kunden: „Wenden Sie sich am besten an eine Peugeot-Werkstatt.“

Zudem verschließt er den Servo-Öl-Ausgleichsbehälter nach dem Auffüllen nicht fest genug und versäumt, die Bremslei- tung unter dem Wagenboden wieder in die Halterung zu clipsen. Ein Mangel, den fünf von acht ATU-Werkstätten übersehen. So auch der Betrieb in Bremerhaven. Hier entgeht dem Mechaniker nicht nur, dass die Bremsleitung neben der Halterung baumelt und das Bremslicht defekt ist, sondern er stellt auch den Hebelweg der Handbremse nicht korrekt ein – der ist nach wie vor zu lang.

Bei der Abholung weist man den Kunden dann zwar auf den zu geringen Servo-Öl-Stand und das defekte Wischerblatt hin, repariert die Mängel jedoch erst nach Aufforderung des Kunden, während dieser warten muss. Trotz des günstigen Preises von 156,70 Euro reicht es daher nur für ein „nicht empfehlenswert“ und für die rote Laterne unter den acht getesteten ATUFilialen. Besser klappt es in Leipzig, wo bis auf den zu langen Handbremshebelweg alle Mängel behoben werden. Außerdem erspart der Betrieb seinen Kunden das Hin- und Herlaufen zwischen Annahmetresen und Werkstatt bei der Abgabe des Wagens. Anders in Augsburg, wo ATU gleich zwei Filialen betreibt.

In der Inninger Straße ist – wie im letzten Jahr bei ATU noch allgemein üblich – längeres Warten in der Werkstatt angesagt. Hier steht der Kunde im ölig-muffigen Geruch alter Bahnwaggons herum, direkt neben hämmernden Schlagschraubern und Mechanikern, die an festgerosteten Muttern herumdengeln. Positiv: In der Rechnung ist das Fehlen von Scheibenwaschflüssigkeit vermerkt, ohne dass ungefragt teurer Scheibenreiniger eingefüllt wurde. Überhaupt verzichtet ATU darauf, den Kunden mit dubiosen Rechnungsposten wie Systemreiniger oder nicht näher spezifizierten Kleinteilen zur Kasse zu bitten. Auch notwendiges Re- paraturmaterial wie Scheibenwischerblätter, Zündkerzen, Glühlampen oder Servo-Öl gibt es bei ATU zu günstigen Festpreisen, was die Rechnungen durchweg transparent und vergleichbar gestaltet. Zum Teil bemüht man sich sogar explizit um Kostensenkung, belässt zum Beispiel – wie in Augsburg – noch funktionsfähige Zündkerzen im Motor, anstatt sie zu wechseln. Ersparnis: 32 Euro.

Zudem kann der Kunde meist die Motoröl-Viskosität wählen. In Bremen findet sich statt des gewünschten 10W40 aber dennoch das teurere 5W40 auf der Rechnung – und leider auch auf dem Auspuffkrümmer des Peugeot 206, was sich beim ersten Ampelstopp durch intensive Rauchentwicklung aus dem Motorraum bemerkbar macht. Hier hätte der Mechaniker mehr Sorgfalt bei der Endkontrolle walten lassen müssen, denn neben verschreckten Kunden riskiert er damit einen Schaden an der Lambdasonde. Grundsätzlich geht man als Kunde jedoch kein besonderes Risiko ein, wenn man seinen Wagen zum günstigen Preis bei ATU inspizieren lässt.

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