Hat Stil, braucht aber mehr Klasse

Tradition verpflichtet – im Falle des Lancia Thesis 3.0 zu stilvoller Erscheinung und Distanz zur Norm. Wie die große Limousine diesen Anspruch einlöst, klärt der erste Test.

Den Thesis gibt es mit 2,4-Liter-Fünfzylinder, 170 PS und Sechsganggetriebe schon ab 32.950 Euro. Damit liegt der große Lancia auf dem Niveau des vergleichbaren Audi A6 2.4, den Mercedes E 240 unterbietet er um 3962 Euro – bei jeweils besserer Ausstattung wohlgemerkt.

Selbst für Bi-Xenon-Scheinwerfer mit Reinigungsanlage, Alcantara-Bezüge und Connect-System mit Hotline zum individuellen Stauberater per Freisprechanlage wird kein Cent extra fällig. Für den Dreiliter-Testwagen (158 kW/215 PS) mit serienmäßiger Fünfgang-Automatik und weiteren Annehmlichkeiten des Emblema-Pakets (elektrisch verstell- und beheizbare Vordersitze mit Memory, Leder, Bose-Soundsystem) errechnet sich ein Grundpreis von 41.600 Euro.

Weit beeindruckender als das, was er hat, ist, wie er es hat. Sein stilvolles Interieur zeigt jenen lockeren Umgang mit dem Feinen. Moderne Technik verbindet sich auf angenehme Weise mit dem Flair alter Handwerkskunst.

Den stattlichen Zuwachs an Länge (plus 20 Zentimeter) und Radstand (plus zehn) gegenüber dem Kappa kann der Thesis allerdings nicht in ein entsprechend üppigeres Platzangebot umsetzen. Trotz der hohen Sitzposition ist das Raumgefühl eher durchschnittlich, der Kofferraum mit Durchladeeinrichtung in der Armlehne schrumpfte von 525 auf 480 Liter.

Die straff gepolsterten Sitze ohne ausgeprägte Seitenführung und das Fahrwerk stimmen überdies darauf ein, dass Lancia Komfort nicht als Sanftmut definiert. Die Software-Abstimmung ist mehr auf Dynamik getrimmt, was zwar Vorteile beim Kurvenräubern bringen mag, aber dem angestrebten Konzept einer gediegenen Reise-Limousine zuwider läuft.

Denn trotz des serienmäßigen Dämpfungssystems Skyhook, das über Sensoren permanent Straßenzustand, Querbeschleunigung sowie Karosseriebewegungen abgleicht und durch blitzschnellen Eingriff die Insassen vor Erschütterungen bewahren soll, federt der Thesis reichlich straff. Nur mit dem Langstreckenkomfort kann man insgesamt zufrieden sein. Mit seinem mäßig untersteuernden Eigenlenkverhalten und dem sanft, aber wirksam eingreifenden ESP verträgt der Fronttriebler sogar eine beherzte Hand am Volant.

Der Dreiliter-V6 zeigt durchaus sportliche Ambitionen – vorausgesetzt, man gönnt dem Vierventiler eine gewisse Mindestdrehzahl. Am wohlsten fühlt er sich zwischen 3000 und 6000/min, wo das anschwellende Drehmoment und die gute Laufkultur zügige Fortbewegung ermöglichen. Beim Ausdrehen wird er allerdings laut, und darunter will sich das Gefühl gepflegter Souveränität nicht recht einstellen.

Denn bei sanfter Behandlung des Gaspedals reagiert die Fünfstufenautomatik zunächst träge und unwillig, bei forcierter Gangart aber umso hektischer, um dem Motor die geforderte Leistung abzupressen. Zudem ist ein unzeitgemäßer Testverbrauch (13,8 Liter/100 km) zu vermelden.

Schon im nächsten Jahr soll deshalb ein durchzugsstärkerer 3,2-Liter-V6 folgen. Auch der Fünfzylinder-Diesel (Vierventiler mit mehr Leistung) und das Fahrwerk werden bis dahin überarbeitet, was dem in Antrieb und Komfort derzeit nur durchschnittlichen Thesis sicher gut tun dürfte.

Fazit

Eine stilvolle, gut ausgestattete Alternative zum Establishment. Antriebs- und Federungskomfort passen jedoch nicht zum luxuriös-gediegenen Anspruch.

Technische Daten
Lancia Thesis 3.0 V6 Emblema
Grundpreis 41.600 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4888 x 1830 x 1470 mm
KofferraumvolumenVDA 480 l
Hubraum / Motor 2959 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 158 kW / 215 PS bei 6300 U/min
Höchstgeschwindigkeit 234 km/h
0-100 km/h 9,5 s
Verbrauch 13,6 l/100 km
Testverbrauch 13,8 l/100 km
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