Heim-Niederlage

Nur knapp verpasst Peugeot ein herausragendes Gesamtergebnis. Ausgerechnet in Saarbrücken, dem deutschen Hauptsitz von Peugeot, leisten sich die Mechaniker einen peinlichen Ausrutscher.

Schrauben versetzt Berge. Nach zwei wenig schmeichelhaften Werkstätten-Tests in den Jahren 1995 und 2002 arbeiten sich die Peugeot-Mechaniker in diesem Jahr in die Spitzengruppe. Gleich drei der acht getesteten Betriebe finden alle Fehler. Das gelang 1995 nur einer, 2002 keiner einzigen Peugeot-Werkstatt. Weil aber die Niederlassung am deutschen Peugeot-Hauptsitz Saarbrücken miserable Arbeit leistet, sinkt die Erfolgsquote von 85 auf 81 Prozent. Besonders ärgerlich für Peugeot: Mit 85 Prozent wäre die Löwenmarke nur ganz knapp an der Goldmedaille im auto motor und sport-Werkstätten-Test 2005 vorbeigerutscht. So gerät sogar der Podestplatz für die französische Marke ins Wanken. Praktisch vorgegeben sind dagegen bei sieben der acht Werkstätten die Inspektionskosten.

Seit einigen Jahren können Peugeot-Betriebe so genannte Wartungspakete zu Festpreisen anbieten. Außer der Gerstmann GmbH in Leipzig nutzen alle getesteten Werkstätten diese von Peugeot geförderte, freiwillige Maßnahme, die dem Kunden Kostensicherheit geben soll. Zwischen 219 und 254 Euro teuer sind die Pakete für die C-Wartung, wie Peugeot eine große Inspektion nennt. In diesem Preis sind der gesamte Arbeitslohn, 2,75 Liter Motoröl, Kraftstoff-, Öl- und Luftfilter, Kleinteile sowie Auffüllmengen an Servolenkungs- und Getriebeöl, Bremsflüssigkeit, Scheibenklar und Kühlwasser enthalten. Durch einen höheren Ölbedarf oder zusätzliches Material können sich die Gesamtkosten der Inspektionen jedoch erhöhen.

Im Fall des auto motor und sport-Werkstätten-Tests erklärt sich die Differenz zwischen Inspektionspreis und den Gesamtkosten für die Inspek- tion auch mit der zu ersetzenden Bremslichtlampe, den verschlissenen Scheibenwischern und den bei einigen Wagen zu wechselnden Pollenfiltern. Allerdings ist der Umfang der Wartungspakete ohnehin nicht einheitlich. Zwar schreibt Peugeot einen Mindestumfang vor, die Werkstätten können den Umfang aber erweitern. So packen vier Betriebe Zündkerzen mit ins Paket, bei Deckert, Weiland und Peugeot Sachsen fallen dafür Mehrkosten an. Deswegen sollten Peugeot- Werkstattkunden sich über den Inhalt des Paket-Angebots genau informieren. Die Pakete haben den Vorteil, dass sich die Betriebe nicht mehr mit Kleinteilen oder Wischwasser die Kasse füllen können und ausreichend Arbeitslohn auch für kleinere Zusatzreparaturen eingeplant ist.

So berechnete keiner der sieben Paket-Betriebe Lohn für den Austausch der Bremslichtlampe, das Einstellen der Handbremse oder das Wechseln der Wischerblätter. Diese nicht extra berechneten Kleinarbeiten werden jedoch durch die hohen Paketpreise relativiert. Die Festpreise selbst variieren aufgrund unterschiedlicher Stundensätze regional von Werkstatt zu Werkstatt. Dass die Kunden mit der Paketlösung nicht unbedingt günstiger wegkommen, zeigt das Autohaus Gerstmann. Zwar werden hier alle Posten einzeln addiert – allein für den Wechsel der Bremslichtlampe stehen happige 13 Euro Lohn zu Buche –, insgesamt aber fällt die Rechnung bei Gerstmann niedriger aus als in den anderen sieben Betrieben, die alle im Paket abrechnen.

Daran ändert auch nichts, dass der Mechaniker bei Gerstmann für 3,24 Euro einen Liter Scheibenklar in den vollen Waschbehälter schummelt. Ohnehin sind die Kosten für eine 206-Inspektion mit Preisen zwischen 252 und 340 Euro deutlich höher als bei Toyota für den 206-Konkurrenten Yaris. Eine große Yaris-Inspektion berechneten die Toyota-Betriebe mit 168 bis 271 Euro (siehe Heft 18). Beim Thema Motoröl macht sich das Peugeot-Wartungspaket zumindest auf der Rechnung positiv bemerkbar. Weil der Kunde je nach Motorvariante beim 206 nur einen viertel bis halben Liter Öl selbst bezahlt, die Werkstätten dagegen 2,75 Liter Nachfüllmenge aus dem Festpreis bestreiten, beschränken sich die zusätzlichen Öl-Kosten auf maximal sechs Euro.

Außerdem füllen die meisten Werkstätten günstiges und völlig ausreichendes Teilsynthetik-Öl in den Motor. Das spart dem Kunden wiederum Geld, wenn er zwischen den Inspektionen Öl nachfüllen muss. Bei Gerstmann weist die Rechnung die drei Liter Motoröl mit 39,15 Euro dagegen als höchsten Materialposten auf. Der besteht bei der Peugeot-Heimniederlassung Saartal in einem Satz hinterer Bremsklötze, zuzüglich Einbau. Dem Kunden war zuvor nicht die Notwendigkeit neuer Bremsklötze signalisiert worden, denn beim Vorab- Check hatte der Meister auf das Beisein des Kunden verzichtet. Vereinbart wurde lediglich ein Bremsflüssigkeitswechsel.

Der schlägt mit 52,80 Euro für Lohn und Material zu Buche. Dazu muss der Kunde auch noch happige 4,15 Euro Entsorgungsgebühr für die alte Bremsflüssigkeit berappen. Wenig kundenfreundlich gestaltet sich auch die Abholung in der Saarbrücker Niederlassung. Kein Meister lässt sich blicken. Wenn etwas Besonderes am Auto gewesen sei, könne sie einen rufen, meint die Kassiererin. Verkehrte Welt. Woher sollen Kunden wissen, ob am Wagen bei der Inspektion etwas Ungewöhnliches aufgefallen ist, das besprochen werden sollte?

So wird in Saarbrücken denn auch nicht vor möglichem Servoöl-Verlust gewarnt, sondern lediglich der Behälter aufgefüllt. Das allein genügt aber nicht. Wenn ein Mechaniker keine Ursache für den Flüssigkeitsverlust feststellen kann, muss dem Kunden zumindest geraten werden, regelmäßig den Ölstand zu kontrollieren. Peugeot Saartal rangiert damit bei Arbeitsleistung und Service deutlich hinter den sieben anderen Betrieben. In fünf Werkstätten besichtigt der Meister zusammen mit dem Kunden den Wagen bei der Abgabe. Nur Peugeot Saartal, das Autohaus Deckert und Peugeot Sachsen verzichten darauf.

Wie sinnvoll ein Vorab-Check ist, zeigt das Beispiel Dehn & Toben in Bremerhaven: Kurz vor Feierabend begutachtet der Meister das Auto 45 Minuten lang zusammen mit dem Kunden, klärt anfallende Reparaturen und fragt sogar nach, ob er den Kofferraum für Wartungsarbeiten öffnen dürfe. Die Spätschicht lohnt: Der Meister entdeckt sechs Fehler bei der ersten Begutachtung des 206 auf der Hebebühne. Der Kunde hat Mängel wie das eingerissene Wischerblatt, den zu langen Handbrems-Hebelweg oder das defekte Bremslicht mit eigenen Augen gesehen. Außerdem vermittelt es dem Kunden das Gefühl, gut aufgehoben zu sein und ernst genommen zu werden, wenn der Meister sich die Zeit nimmt und mit ihm den Wagen anschaut. Auch die beiden anderen Werkstätten mit voller Punktzahl, Weiland in Neunkirchen und Peugeot Weser- Ems in Bremen, beginnen die Inspektion mit einem Vorab-Check.

Dass dies aber nicht automatisch Garant für Bestleistungen ist, zeigt die Gerstmann GmbH. Zwar findet der Annahmemeister vier Mängel. Weil aber der Monteur die gute Vorarbeit nicht mit derselben Akribie fortsetzt, rutscht das Autohaus auf den vorletzten Platz, knapp vor Peugeot Saartal. Im Gegensatz zu diesen zwei Ausreißern zeigen die sechs anderen Betriebe eine positive Tendenz bei Peugeot auf und erweisen sich damit als absolut schraubwürdig.

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