Honda Accord gegen Toyota Avensis

Zeitzünder

Foto: Hans-Dieter Seufert

Sie kommen spät – aber gewaltig. Honda und Toyota bringen ihre neuen Mittelklasse-Limousinen jetzt auch mit innovativen Dieselmotoren ins Geschäft.

Gelacht haben sie über  die Japaner – damals,  als Deutschland  mit Rollei knipste,  per Braun-Schneewittchensarg  Schallplatten abspielte  oder vor der Grundig-Glotze  saß. Draußen stand vielleicht  ein NSU, in der Garage eine  Zündapp. Okay, die ersten Gehversuche  von Canon, Sony oder  Honda wirkten hier zu Lande  vielleicht noch etwas putzig,  doch im Laufe der Jahre verging  den Europäern das Lachen  so schnell wie ihre vermeintlich  unangreifbaren Traditionsmarken.  Droht dieses Schicksal nun  auch dem Diesel-Establishment  im klassischen Limousinenformat  der Mittelklasse?

Nun,  Druck machen sie, die Japaner.  Etwa mit dem Toyota Avensis  D-CAT, einer Evolution des bekannten  2.0 D-4D mit aufwendiger  Abgasreinigung inklusive  Partikelfilter. Oder Honda mit  dem 2.2i-CTDi, dem ersten eigenen  Dieselmotor im Accord.  Und der 140 PS starke Honda-  Vierventiler nutzt die Gnade der späten Geburt: Ohne Kaltstartgenagel  schmeichelt er  vom Start weg mit Laufkultur,  pirscht ohne Kupplungsakrobatik  samtig los und lässt seine 340  Newtonmeter sanft branden.  Zwar spricht er einen Tick verzögert  auf Gasbefehle an, elanbremsende  Turbolöcher überlässt  er jedoch der Konkurrenz.  Er mimt, von zwei Ausgleichswellen  ruhig gestellt, den Musterknaben.  Und das mit Schmackes:  Wenn andere Diesel noch  schlaff im Drehzahlkeller rumhängen,  pfeift der CTDi bereits  munter mit der verstellbaren  Turbine. Wenn die anderen  jenseits 4000/min schon  an Feierabend denken, nimmt  der Honda unbeeindruckt Kurs  auf die 5000er-Marke.

Ob es  daran liegt, dass Entwicklungschef  Kenichi Nagahiro bereits  bei den drehzahlgierigen  VTEC-Benzinern mit von der  Partie war?  Fakt ist jedenfalls, dass  beim Überholen der niedrigere  Gang drinbleiben kann, ohne  dass dem Vierventiler oben raus  die Luft ausgeht. Obwohl das exakte Fünfganggetriebe Lust  statt Frust bereitet. Wie die  Fahrleistungen: 9,4 Sekunden  auf 100, Maximaltempo 210.  Da muss sich der Avensis  hinten anstellen, nimmt sich für  den Sprint zwei Sekunden mehr  Zeit und belässt es bei Tempo  195. Ein störendes Turboloch  erlaubt sich sein Vierventiler  ebenfalls nicht, entlässt seine  280 Newtonmeter kalkulierbar  und gleichmäßig, unterstützt  durch das präzise Fünfganggetriebe. 

Ab 3500/min gibt sich  der Common-Rail-Diesel allerdings  etwas schlaffer und brummiger  als der Honda.  Schwamm drüber, der DCAT  ist schließlich bekennender  Öko-Freak und zieht der  Konkurrenz in puncto Abgasreinigung  eins über. Während es  den Partikelfilter bei Honda erst  2005 geben wird, hat Toyota  bereits jetzt nicht nur einen innovativen  Speicherkat an Bord,  sondern gleich den kompletten  Motor grundsätzlich auf die  Verringerung von Stickoxiden  und Rußpartikeln getrimmt.  So wird mehr Abgas als  üblich zurückgeführt, wassergekühlt  und per Extra-Katalysator  gereinigt. Im Auslasstrakt  steckt zudem eine fünfte Einspritzdüse,  die bei der Regeneration  des Speicherkatalysators  hilft, der ohne Additiv auskommt.  Damit ist der D-CAT  laut Toyota einer der saubersten  Diesel der Welt und unterbietet  die Euro 4-Norm bei weitem.  Auch der Honda erfüllt Euro  4, und da er sogar einen  Hauch weniger CO2 emittiert als  der Toyota, zieht er punktemäßig  fast gleich – beim Verbrauch  mit einem Testdurchschnitt  von 7,1 Liter auf 100 Kilometer  sogar am Avensis mit  8,4 Litern vorbei.

Mit Zurückhaltung  sind Werte um fünf Liter  möglich, beim Honda sogar  darunter. Eine klasse Leistung  angesichts vollwertigen Limousinenkomforts.  Den dokumentiert der Accord  bereits beim Einsteigen mit soliden verchromten Bügeltürgriffen,  um die Passagiere  direkt mit stark ausgeformten  Sportsitzen sowie einer tiefen,  gut passenden Position zu empfangen.  Avensis-Passagiere sitzen  eher auf als in ihren komfortabel  gepolsterten Sitzen.  Große, vorbildlich ablesbare  Instrumente und weitgehend  eindeutige Bedienung bieten  beide. Lederpolster gibt es nur  für den Avensis, beim Honda  Accord Sport stehen sie genauso  wenig wie Schiebedach oder  Xenonlicht auf der Liste, dafür  Metallic-Lack und DVD-Navigation  plus Berührungsbildschirm  (3015 Euro). Klimaautomatik,  Tempomat, Alcantara-  Bezüge, CD-Radio, Alu-Räder  sowie Regensensor sind im  Preis von 26 360 Euro enthalten.  Ähnlich wie beim 25 300  Euro teuren Avensis Executive,  der neben Kopfairbags vorn und  hinten sowie Seitenairbags wie  beim Accord sogar noch einen  für das Fahrerknie parat hält.  Die zweite Auflage des Avensis orientiert sich in Stil und Verarbeitung  klar gen Oberklasse,  vergessen ist die Zeit des blassen  Ur-Vorgängers Carina. Wer  sich neben Leder noch die  sprachgesteuerte DVD-Navigation  mit ausfahrbarem Farbmonitor  (2400 Euro) und Xenonlicht  (800 Euro) gönnt, der  nimmt schon einen tiefen Zug  Luxusklasse. 

Und so gleitet man mit  hervorragendem Abrollkomfort  über kleine wie große Unebenheiten,  den leise grummelnden  Diesel am Fuß, feinen  Stereoklang im Ohr, und auf das  gesprochene Kommando „Ich  habe Hunger“ bekommt man  eine Auswahl Restaurants auf  den Navi-Bildschirm. Forsche  Kurswechsel reißen die Besatzung  allerdings aus der Ruhe,  denn darauf reagiert der Avensis  mit deutlichen Karosseriebewegungen.  Die schnelle Nummer liegt  dem Accord subjektiv besser,  nicht nur wegen seiner roten  Instrumentenbeleuchtung und dem Carbonimitat-Dekor auf  der Mittelkonsole. Er vermittelt  den zum quirligen Motor passenden  Bewegungsdrang, lenkt  leicht ein, animiert zu schneller  Kurvenfahrt und hält präzise  Kurs. Die Federelemente lassen  allerdings kleine Unebenheiten  trocken passieren und versetzen  die Karosserie auf groben Unebenheiten  sowie langen Wellen  in Bewegung.

Trotz Mehrgewichts wirkt  der Honda leichtfüssiger als der  Avensis, der jedoch genauso  schnell durch die Fahrdynamikprüfung  saust. Beide Fronttriebler  verhalten sich hier wie  auf der Straße neutral bis untersteuernd,  bleiben gut beherrschbar  und stehen serienmäßig unter  dem Schutz elektronischer  Stabilitätsprogramme.  Standfest und gut dosierbar  sind auch die Bremsanlagen, die  selbst bei voller Zuladung von  rund 500 Kilogramm keine  Schwäche zeigen. Raum für  Zuladung gibt es reichlich, etwa  Kofferraumvolumina von  459 (Honda) und 520 (Toyota)  Liter, die sich durch Umklappen  der serienmäßig geteilten Rückbänke  steigern lassen.

Vorsicht  beim Toyota: Seine Scharnierbügel  ragen in den Kofferraum  hinein, dafür behindern beim  Accord die Radkästen den  Transport sperriger Ladung.  Ohne jegliche Behinderung  können sich Passagiere auf den  Rücksitzen entfalten. Platz für  Kopf und Beine sowie bequeme  Polsterung laden zum Reisen  ein, zumal beide Limousinen  selbst bei hohen Geschwindigkeiten  akustisch zurückhaltend  bleiben.  Ansonsten ist es mit der  japanischen Diesel-Zurückhaltung  vorbei. Und auch wenn der  Accord dank seinem kraftvollgeschmeidigen  Motor das direkte  Duell mit Komfort-Öko  Avensis knapp gewinnt, lachen  sollten die Etablierten über keinen  von beiden.  

Fazit

1. Toyota Avensis 2.0 D-CAT
500 Punkte

Den Vergleich knapp verloren, aber die Herzen Komfortsuchender und Umweltbewusster gewonnen: Der Avensis bietet oberklassig angehauchtes Fahrverhalten und zukunftsweisende Abgasreinigung.

2. Honda Accord 2, 2i-CTDi
502 Punkte

Leise, kultiviert, drehfreudig und sparsam: Der 2,2-Liter- Diesel von Honda begeistert durchweg. Dazu ist der Accord gut ausgestattet und verarbeitet und fährt agil. Beim Komfort und den Kosten lässt er jedoch Punkte.

Technische Daten
Honda Accord 2.2i-CTDi Sport Toyota Avensis 2.0 D-CAT Executive
Grundpreis 26.460 € 25.300 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4665 x 1760 x 1445 mm 4630 x 1760 x 1480 mm
KofferraumvolumenVDA 459 l 520 l
Hubraum / Motor 2204 cm³ / 4-Zylinder 1995 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 103 kW / 140 PS bei 4000 U/min 85 kW / 116 PS bei 3600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 210 km/h 195 km/h
0-100 km/h 9,4 s 11,4 s
Verbrauch 5,5 l/100 km 6,1 l/100 km
Testverbrauch 8,4 l/100 km
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