Honda Civic 1.5i VTEC-E im Test

Zurück in die Erfolgsspur?

Viel Mut gehört nicht dazu, das erfolglose Kompaktmodell Honda Concerto nach sechs Jahren auszurangieren. Sein Nachfolger Civic soll mit verbesserter Technik und europäischem Design Honda in diesem Segment wieder auf Erfolgskurs bringen.

Als der Concerto 1989 erstmals die europäische Bühne betrat, sollte er in der Kompaktklasse den Ton angeben. Unter den vielen Kassenschlagern in diesem Segment wollte auch Honda eine erste Geige plazieren. Doch statt mit klassischer Linie vorzufahren, präsentierte der japanische Hersteller das neue Modell, ein Pendant zum britischen Rover 216, mit einem altbackenen, wenig harmonischen Styling. Der Concerto schaffte nie den Sprung unter die Top ten der Verkaufs- Hitparade und mußte nach sechsjähriger Bauzeit das Honda- Ensemble wieder verlassen.

Mit dem Civic 5-Türer stand der Nachfolger schon bereit. Um sich von dem schlechten Image des in England gebauten Modells zu lösen, verzichtete Honda bei der Neuentwicklung nicht nur auf den klangvollen Namen Concerto, sondern verabschiedete sich auch von der einfallslosen Designlinie. Nach Kundenbefragungen glaubt man, nun den Geschmack der europäischen Käufer besser zu kennen: Ein schwarzer Kühlergrill mit Chromfassung, höhere Kotflügel, überarbeitete Scheinwerfer und verbesserte Türgriffe gehören zu den neuen Styling- Elementen bei Hondas jüngstem Modell.

Damit der Civic 5-Türer über den Concerto hinauswachsen kann, wurde nicht nur das Design komplett überarbeitet, auch in den Außenabmessungen legte er zu: In der Länge mißt das neue Modell, dessen Bodengruppe auf der des bekannten Civic beruht, fünf Zentimeter mehr (4,32 Meter), der Radstand wurde um sieben Zentimeter auf 2,62 Meter verlängert. Die Folge: ein gutes Platzangebot vorne und genügend Knieraum im Fond. Nur an der hinten stark eingeschränkten Kopffreiheit konnte der Wachstumsschub nichts ändern. Zierlich sind auch die Ablageflächen geraten.

Hinten können Utensilien nur in einer Tasche an der Sitzrückseite oder auf der Hutablage aufbewahrt werden. Die Fächer in den Vordertüren bieten gerade Platz für das Allernötigste, und obwohl es keinen Beifahrer-Airbag gibt, ist auch das Handschuhfach sehr klein. Viel großzügiger geht es im Kofferraum zu. Die Fließheckversion bietet ein Ladevolumen von 380 Litern, das sich dank der umklappbaren Rücksitzbank auf maximal 830 Liter steigern läßt – ein gutes Angebot für ein Auto in dieser Klasse. Viel Sinn für Funktionalität hat Honda auch bei der Konstruktion der im Verhältnis ein Drittel zu zwei Drittel umklappbaren Rücksitzbank bewiesen – es funktioniert auf Anhieb mit einer so spielerischen Leichtigkeit, wie sie sich bei anderen Modellen nicht einmal nach dem Studium der Bedienungsanleitung einstellen will. Mit Liebe zum Detail wurde auch das Cockpit gestaltet, in dem alle Instrumente übersichtlich angeordnet und alle Schalter leicht zu bedienen sind. Die serienmäßigen Holzeinlagen verleihen dem Armaturenbrett eine elegante Note. Doch dieser schöne Schein kann über die wenig komfortablen Sitze nicht hinwegtäuschen. Die Polster sind zwar straff, aber kaum konturiert, so daß es den Beinen an Seitenhalt fehlt. Eine Höhenverstellung gibt es nicht einmal gegen Aufpreis. Das Wohlbefinden im Civic schmälern auch Schwächen im Federungskomfort.

Vor allem kurze Bodenwellen dringen nahezu ungemildert zu den Passagieren durch, nur lange Wellen werden wirksam geschluckt. Doch der Honda läßt noch weitere Wünsche offen: So kann auch der 1,5 Liter-Motor namens VTEC-Economy (Variable Valve Timing and Lift Electronic Control), der bis auf geringe Modifikationen aus der Civic-Baureihe übernommen wurde, nicht überzeugen. Das 90 PS starke Triebwerk braucht hohe Drehzahlen, um seine Kraft zu entfalten, und nervt unter Last mit permanentem Dröhnen. Die Durchzugskraft leidet auch unter der zu langen Übersetzung des fünften Gangs: 29,3 Sekunden braucht der Civic, um von 80 auf 120 km/h zu beschleunigen, womit er in puncto Elastizität der Konkurrenz hinterherfährt.

Die Stärke des Vierzylinders liegt in seinem geringen Benzinkonsum. Mit einem Testverbrauch von 7,4 Litern auf 100 Kilometer gehört der Civic in seiner Klasse zu den sparsamsten Modellen – Folge des VTEC-Systems, bei dem die Einlaßventile über einen Computer in Abhängigkeit von Drehzahl, Kühlmitteltemperatur, Motorlast und Geschwindigkeit gesteuert werden. Gute Noten sammelt der Civic auch mit seinem neutralen Fahrverhalten. Selbst bei hohen Kurvengeschwindigkeiten verhält er sich weitgehend neutral und schiebt im Extremfall höchstens über die Vorderräder zum Außenrand. Auch plötzliche Lastwechsel in Kurven provozieren keine Überreaktionen. Zusammen mit der exakt ausgelegten Lenkung, dem guten Geradeauslauf und den wirksamen Bremsen vermittelt er viel Fahrsicherheit.

Wenig Freude kommt angesichts der Preispolitik von Honda auf. 13.700 Euro kostet der Civic 5-Türer in der getesteten Version und liegt damit auf dem Niveau der japanischen Konkurrenz. Der neue Ford Escort mit Fließheck ist dagegen etwas billiger: Er steht in der vergleichbaren Version mit 13.540 Euro in der Preisliste und bringt auch noch Fahrer- und Beifahrer-Airbag serienmäßig mit. Wer bei Honda auf Nummer Sicher fahren will, muß mit dem Kauf eines Civic 1.5 bis Mitte des Jahres warten, weil die Luftsäcke erst dann gegen einen Aufpreis von 980 Mark lieferbar sind. Doch die Ausstattungsliste hält weitere Ungereimtheiten bereit.

Während Fondkopfstützen überhaupt nicht im Programm sind, gibt es ABS gegen 750 Euro Aufpreis nur in Verbindung mit der teuersten Variante, die 1.640 Euro mehr kostet als die Basis und neben den Airbags serienmäßig mit elektrischen Fensterhebern, elektrisch verstellbaren Außenspiegeln und elektrischem Schiebedach ausgestattet ist. Ärgerlich, daß sicherheitsbewußte Kunden so gezwungen werden, teure Extras zu ordern. Da scheint es nicht verwunderlich, wenn die japanischen Hersteller mit ihrem Preisvorteil auch viele Kunden verlieren.

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Technische Daten
Honda Civic 1.5 VTEC-E
Grundpreis 15.431 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4315 x 1695 x 1390 mm
KofferraumvolumenVDA 380 bis 830 l
Hubraum / Motor 1493 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 66 kW / 90 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
0-100 km/h 11,5 s
Verbrauch 6,6 l/100 km
Testverbrauch 7,4 l/100 km
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