Honda CR-V 2.2i-CTDi im Test

Ganz schön cross

Foto: Achim Hartmann 13 Bilder

Der neue Honda CR-V, jetzt in der dritten Generation, setzt als Lifestyle-SUV eher auf die Form als auf die Funktion. Was er wirklich kann, klärt der Test der Diesel-Version.

Honda hat in die dritte Generation des kompakten CR-V alles hineingepackt, was auf rund viereinhalb Meter Außenlänge so eben Platz hat: eine ordentliche Portion SUV, dazu einen Schuss Geländewagen, eine Prise Kombi – und über allem den Duft von Crossover. Aber soviel Kross muss nicht immer frisch und knusprig bedeuten.

Der Neuauflage fehlt eine klare Formensprache und damit ein Design, das Modell und Marke unverwechselbar macht. Während Mazda ein progressives Styling-Statement nach dem anderen setzt und Lexus markant an Kontur gewinnt, bleibt der kompakte Honda- SUV designmäßig eher beliebig. Etwas mehr Civic-Courage könnte den CR-V optisch zum Topmodel machen. Immerhin deutet die nach hinten abfallende Dachlinie eine Art Coupé- Charakter an, und der wuchtige Kühlergrill sowie die dreidimensionalen Abdeckungen der Frontscheinwerfer überspielen gekonnt den großen vorderen Überhang.

Die Verlegung des Reserverades von der Heckklappe unter den Kofferraum und eine um 35 Millimeter auf 1,67 Meter verringerte Außenhöhe signalisieren, dass der CRV mehr höher gelegter Soft-SUV als hartgesottener Geländewagen sein will. Dementsprechend kommod kann man auf den Fahrersitz rutschen, ohne hinauf- oder heruntersteigen zu müssen, und findet sich in einem Ambiente, das postmodern wirkt.

Rund um die breiten, bequemen Einzelsitze mit klappbaren Armlehnen sind die üblichen, kühl wirkenden Materialien einer sachlichen Innenarchitektur verteilt: schwarzer Kunststoff und metallisch- graue Blenden im Alu-Look. Blaue Leuchtringe in Drehzahlmesser und Tachometer blinken wie laszive Lidschatten.

Der auf einem Felsvorsprung des Armaturenträgers fast frei schwebende Schalthebel sorgt nicht nur für einen architektonischen Höhepunkt, sondern auch für praktische Vorteile: mehr Fußraum durch eine kürzere Mittelkonsole sowie perfekte Bedienbarkeit auf Ellbogenhöhe.

Ablagen – vom Cupholder über ein zweiteiliges Handschuhfach bis zur CD-Box – sind so großzügig verteilt, dass die gute Übersichtlichkeit speziell nach vorn über die Motorhaube und das angenehme Raumgefühl einen praktischen Beigeschmack bekommen. Diese praktische Seite reicht im CR-V bis an die Heckklappe.

Der bogenförmig abfallenden Dachlinie zum Trotz ist die Kopffreiheit auch im Fond ausreichend, wenngleich die drei Sitzplätze auf der Rücksitzbank naturgemäß nicht so üppig dimensioniert sind wie die beiden vorne. Die Rückbank lässt sich ebenso längs und geteilt verstellen wie umklappen, um eine durchgängige Spielwiese im Laderaum zu schaffen, auf der zwei Mountainbikes transportiert werden können, ohne diese vom Vorderrad befreien zu müssen.

Wer dagegen lieber mit einer Batterie von Beauty Cases verreist, zieht einfach den zweiten Boden ein und schafft sich so einen Kofferraum mit zwei Geschossen. Ein Geschoss kann der Motorraum nicht bieten. Der 2,2-Liter-Vierzylinder- Diesel gibt sich mit Euro 4-Einstufung und serienmäßigem Partikelfilter zwar sauber, ihm fehlt aber gerade aus niedrigen Drehzahlen der archaische Schub anderer Diesel.

Er nagelt im Leerlauf durchaus kernig vor sich hin, wobei sich diese Begleitmusik beim Fahren in einer leidlich angenehmen Klangkulisse auflöst. Das Sechsgang-Getriebe hält, was der Schalthebel verspricht: Exakte, sportlich kurze Schaltwege und passende Abstufung lassen kein Bedürfnis nach einer Automatik aufkommen.

Beim Durchzug und im Verbrauch (siehe Datenblatt auf Seite 59) könnte der jüngste Spross aus der japanischen High- Tech-Schmiede Honda aber durchaus noch auf das Niveau eines VW Touran mit Zweiliter-TDI zulegen. Auch das Fahrwerk wirkt nicht geländewagenlastig. Eine breite Spur (vorne 30, hinten 15 Millimeter mehr als beim Vorgänger), der um 25 Millimeter tiefere Schwerpunkt und modifizierte Aufhängungen sorgen für überraschend guten Fahrkomfort, dem die Härte von Starrachsen und großen ungefederten Massen fremd ist. Der CR-V steckt Bodenwellen lässig weg, in Kurven bleibt die Neigung des Aufbaus moderat.

Als hauptberuflicher Fronttriebler gönnt sich der CR-V ein leicht untersteuerndes Fahrverhalten. Erst wenn die Sensoren an einem der Vorderräder Schlupf konstatieren, werden über zwei Hydraulikpumpen (deshalb heißt das System Dual Pump), die ins Hinterachsdifferenzial integriert sind, entsprechende Drehmomente an die Hinterräder geleitet.

Hondas Dual-Pump-System kommt ohne große Elektroniksteuerungen aus und arbeitet so diskret, dass der Einsatz der Hinterräder nicht wirklich wahrgenommen wird. Auf trockener Fahrbahn gewährleistet der vom serienmäßigen Stabilitätsprogramm VSA kontrollierte Frontantrieb aber allemal ausreichend Traktion, ohne dabei heftig an der Lenkung zu zerren.

Bemerkenswert an der Lenkung ist, dass Honda zwei Systeme einsetzt: eine geschwindigkeitsabhängige variable elektrische Servolenkung im Zweiliter- Benzinmodell und eine klassische im Diesel mit hydraulischer Unterstützung. Sie fühlt sich etwas diffus an, also ohne genaue Rückmeldungen. Rückmeldung bieten die optionalen Sicherheitssysteme.

Eine Rückfahrkamera liefert Bilder aus dem Heckbereich auf den Bildschirm des Navigationsgerätes. Der radargestützte Tempomat klinkt den CR-V in Kolonnen ein, während das Kollisions-Schutzsystem mit Bremseingriffen Auffahrunfälle verhindern oder deren Folgen abschwächen soll (siehe Spotlight). Damit ist ein Sicherheitssystem, das bislang in Luxusautos wie in Mercedes CL und Lexus GS 460 glänzt, erstmals in der SUV-Mittelklasse verfügbar.

Honda will Unfallgefahren ab und mehr Druck auf die Konkurrenz aufbauen. Etwas mehr Druck könnte auch die CR-V-Bremsanlage vertragen, ihr Durchschnittswert von 43 Meter Bremsweg aus 100 km/h ist tatsächlich nur durchschnittlich. Dennoch überwiegen die japanischen Momente, also viel Nutzwert fürs Geld. Andererseits gilt inzwischen auch umgekehrt: viel Geld für den Nutzwert. 34 900 Euro für den CR-V 2.2i CDTI in der Executive-Ausstattung – das waren früher mal happige 70 000 Mark.

Fazit

Der neue CR-V punktet mit einer umfangreichen Sicherheitsausstattung, die in dieser Klasse einmalig ist. Allerdings fehlen dem Diesel Durchzugsstärke und der Bremse Biss.

Technische Daten
Honda CR-V 2.2i-CTDi Executive
Grundpreis 36.500 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4525 x 1820 x 1675 mm
KofferraumvolumenVDA 524 bis 1532 l
Hubraum / Motor 2204 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 103 kW / 140 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 187 km/h
0-100 km/h 10,5 s
Verbrauch 6,6 l/100 km
Testverbrauch 9,1 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Top Aktuell Mercedes-AMG GT 63 S 4Matic+ 4-Türer Coupé, Exterieur Mercedes-AMG GT 4-Türer im Test Wie gut ist der Panamera-Rivale?
Beliebte Artikel Mercedes-AMG GLC 63 S Coupe?, Exterieur Mercedes-AMG GLC 63 S Coupé Schnittige Wuchtbrumme im Test Racechip Hyundai i30 N - Tuning - Kompaktsportwagen Racechip-Hyundai i30 N im Test 320 Tuning-PS im Kompakten
Gebrauchtwagen Angebote
Anzeige
Sportwagen Toyota Supra - Sportcoupé - Fahrbericht Toyota GR Supra (2019) Premiere in Detroit Lexus RC F Track Edition Lexus RC F Track Edition (2019) Mit 500 PS auf die Piste
Allrad Porsche Macan, Facelift 2019 Porsche Macan (2019) Facelift Scharfes Heck, starke Motoren Audi SQ5 3.0 TFSI Quattro, Exterieur, Heck SUV Neuzulassungen November 2018 Audi und Porsche unter Druck
Oldtimer & Youngtimer Porsche 911 (996) GT3 Porsche 911 (996) Kaufberatung Jetzt steigen die Preise Aston Martin Heritage EV Concept Aston Martin Heritage EV Concept Elektroantrieb für Klassiker
Promobil Dethleffs Globeline (2019) Dethleffs Globeline T 6613 EB Neue Baureihe auf Sprinter Mitmachen und gewinnen 5 x Eiskratzer Sets von KUNGS
CARAVANING LMC Style Lift 500 K (2019) Premiere LMC Style Lift 500 K Hubbetten-Caravan für Familien Dethleffs Generation Scandinavia 695 BQT Dethleffs Generation Scandinavia Neuer Grundriss mit Bugküche