Honda CR-V, Gebrauchtwagen-Check, asv2517 Dani Heyne
Honda CR-V, Gebrauchtwagen-Check, asv2517
Honda CR-V, Gebrauchtwagen-Check, asv2517
Honda CR-V, Gebrauchtwagen-Check, asv2517
Honda CR-V, Gebrauchtwagen-Check, asv2517 11 Bilder

Honda CR-V im Gebrauchtwagen-Check

Gebraucht ein Außenseiter oder ein Geheimtipp?

SUV sind schwer in Mode – auch auf dem Gebrauchtmarkt. Wer nach einer günstigen Alternative zu VW Tiguan und BMW X1 sucht, bekommt mit dem Honda CR-V einen auffällig seltenen Typ. Wie zuverlässig ist der Japaner?

Meister Wünsch rümpft die Nase: Irgendwas scheint ihm heute nicht zu schmecken. Dabei lacht die Herbstsonne über das Werkstattdach, davor steht ein herausgeputzter Honda CR-V der dritten Generation. Selbst für Autofans ist der hierzulande größte Honda-SUV ein vergleichsweise exotischer Typ, den man nicht allzu häufig antrifft. Vor allem, wenn man ihn mit dem Platzhirsch VW Tiguan vergleicht. Interessanterweise brachte Honda den ersten CR-V bereits 1996 auf den Markt, also lange vor dem aktuellen SUV-Boom.

Und VW? Die Wolfsburger kamen mit ihremTiguan erst um die Ecke, als auch der letzte Analyst bestätigte, dass Autofahrer nun gerne hoch sitzen wollen und die Offroad- Optik toll finden. Das war übrigens 2007. „Und was lernen wir daraus?“, platzt Meister Wünsch dazwischen: „Auch ein Autoleben kann ganz schön fies sein.“ Weil der Honda in seiner Werkstatt ein selten gesehener Gast ist, hat sich der Meister vor unserem heutigen Termin auch bei Kollegen ein wenig schlau gemacht und deren typi- sche Probleme mit dem CR-V mit seinen Erfahrungen abgeglichen. Er macht eine Pause und zieht einen A4-großen Zettel hervor. Dann stellt er sich vor den CR-V und fängt an, aus seinen No- tizen Sätze zu formen: „Da wären die Scheibenbremsen, die gern mal quietschen. Und zwar nicht, weil die Beläge am Ende, sondern weil die Bremssättel verdreckt sind. Mehr als eine gründliche Reinigung braucht es meist nicht, kostet den Besitzer aber trotzdem ein paar Arbeitsstunden.“

Honda CR-V, Gebrauchtwagen-Check, asv2517
Dani Heyne
Wussten Sie, für was CR-V steht? Für „Comfortable Runabout Vehicle“.

Der Meister hebt den Blick vom Zettel, wirft einen Blick auf den Tacho des CR-V und murmelt: „Knapp 90.000 Kilometer runter, da könnte das Problem mit der Kupplung langsam auftauchen.“ Meister Wünsch redet von unerwünschten Schwingungen („Rupfen“), die bei diesem Modell auftreten können. Besonders dann, wenn der Honda häufig schwere Anhänger ziehen musste. Probleme mit Kupplung und Radgetrieben In einschlägigen Foren wird dieses Problem bereits unter der Frage „Kupplung unterdimensioniert?“ diskutiert. Sollte es so sein, wäre es besonders schmerzhaft, da Honda-Ersatzteile in der Regel nicht günstig sind. „Da hat man oft das Gefühl, in Japan würde extra ein Schiff losdampfen“, pflichtet Meister Wünsch bei. Um sich dann wieder auf seinen Zettel zu konzentrieren: „Knarzende Geräusche aus dem Hinterachsdifferenzial können ebenfalls auftreten.“

Bevor das Bauteil zerlegt wird, könnte ein Wechsel der Ölfüllung helfen. Anders verhält es sich, wenn man bei vollem Lenkeinschlag ein starkes Rattern spürt. Das kommt meist vom Allradsystem, das die Hinterräder nur zuschaltet, wenn es nötig wird. Heißt im Umkehrschluss, dass man überwiegend mit Frontantrieb unterwegs ist. Dabei können Ölablagerungen und Verkrustungen im Radantrieb entstehen. „Mein Tipp: ab und an aktiv den Allrad nutzen, also im Gelände oder auf lockerem Untergrund fahren. Wenn es bereits zu dem Problem gekommen ist, wäre auch hier ein Ölwechsel in den Radgetrieben die erste Maßnahme.“

Meister Wünsch hat inzwischen die Motorhaube des Honda aufgestellt und wirft einen Blick in Richtung Kupplung. „Sollte die Betätigung der Kupplung knacken, hilft einfaches Abschmieren der Pedalwelle. Anders verhält es sich leider beim Klimakompressor“, sagt er mit mahnenden Worten und tippt auf das Bauteil. „Die Magnetkupplung gilt als störanfällig, der Austausch ist nicht günstig.“

Einen letzten Punkt hat der Meister noch auf seiner Liste: „Die Außenspiegel können von allein einklappen und aus der Halterung rutschen.“ Ein Verschleiß, der eigentlich nicht sein dürfte.

Ganz schön viele Problemstellen, oder? „Wenige sind es tatsächlich nicht“, pflichtet der Meister bei, relativiert aber auch gleich: „Diese Fehler können auftreten, müssen aber nicht. Es ist eine Sammlung über Jahre – von verschiedenen Fahrzeugen. Das muss man sich bei der Suche nach einem Gebrauchten bewusst machen. Und im Zweifel genau hinhören.“

Honda CR-V, Gebrauchtwagen-Check, asv2517
Dani Heyne
Bordsteingruß: Kommt in den besten Auto-Ehen vor – und tut nur optisch weh.

Dann legt er seinen Zettel beiseite und beginnt, die schwarzen Bleche des CR-V auf Kratzer, Beulen und Parkrempler zu untersuchen. Anschließend widmet er sich den Spaltmaßen; verlaufen diese ungleichmäßig, könnte es sich um einen schlecht instand gesetzten Unfallschaden handeln. „Wir wollen uns schließlich ein genaues Bild von diesem Exemplar hier machen.“ Unser CR-V steht so schlecht nicht da: zwei Kratzer an den Türkanten, zwei auf den Alufelgen. Und damit geht’s zur Probefahrt. Vor dem Start sucht Meister Wünsch das Serviceheft im Handschuhfach, findet aber keins. „Kein gutes Zeichen, hier sollten wir beim Vorbesitzer noch mal nachfragen. Das verliert man ja normalerweise nicht.“

Wie fühlt sich der 2,2 Liter große Diesel an? „Kernig“, ruft der Meister vom Fahrersitz und hangelt sich durch das Schaltgetriebe. „Es hakelt ganz leicht“, lautet seine Einschätzung. An der Kupplung hat er nichts auszusetzen: „Guter Druckpunkt, keine Quietschgeräusche.“

Dieser CR-V wurde länger nicht gecheckt

Nach erfolgreicher Probefahrt surrt der Honda auf der Hebebühne nach oben. Auf halber Höhe wirft Meister Wünsch wie immer einen längeren Blick auf die Bremsen. Die Bremsscheiben sind nicht eingelaufen und die Beläge haben noch genug Fleisch. Also ganz nach oben mit dem CR-V. Dabei zückt Meister Wünsch eine Taschenlampe und macht sich an den Unterbodencheck. Motor und Getriebe sind trocken, aber der Auspuffflansch zum Katalysator macht es nicht mehr lang – der Rost frisst ihn auf.

Honda CR-V, Gebrauchtwagen-Check, asv2517
Dani Heyne
Heftiger Rost: Obwohl der Auspuffflansch massiv ist, hat ihn der Rost bald durch.

An der Vorderachse sind die Gummis beider Traggelenke verschlissen, die gehören getauscht. Einen Federbruch hat es nicht gegeben, aber die Schutzhüllen der vorderen Stoßdämpfer sind an mehreren Stellen eingerissen. Werden sie nicht getauscht, kann der Stoßdämpfer Schaden nehmen. „Und schaut euch mal den Ladeluftkühler an“, ruft Meister Wünsch und leuchtet ins linke Radhaus. Der exponierte Einbauort bringt es mit sich, dass die Lamellen voller Steine sind. „Wohl nur eine Frage der Zeit, bis er undicht wird.“ Der Zustand dieses CR-V bestätigt uns, was die Liste an möglichen Problemen angekündigt hat. Vor allem, wenn er nicht regelmäßig geprüft wird, kann der Honda im Alter Probleme machen. „So langsam bekomme ich eine Ahnung, warum wir kein Serviceheft gefunden haben“, sagt Meis- ter Wünsch zum Abschied.

Bleibt noch der Preischeck: Gebrauchte Honda CR-V von 2008 (wie dieser) starten mit dem 140 PS starken Diesel und rund 90.000 Kilometern bei 8.700 Euro. Vergleichbare Benziner sind fast genauso teuer.

Versionen, Motoren & Ausstattung

Wussten Sie, für was CR-V steht? Für „Comfortable Runabout Vehicle“. Was großzügig übersetzt so viel wie „komfortabler Flitzer“ bedeutet. Auf die Abkürzung ist Honda aber noch lange vor dem aktuellen SUV-Boom gekommen – zu dieser Gattung zählt der Honda CR-V schließlich. 1996 kam er zur Welt und läuft aktuell in vierter Generation vom Band.

Der erste CR-V streckte sich bereits 4,50 Meter in die Länge, was einen luftigen Innenraum versprach. Eine japanische Besonderheit dieses Modells war es, dass die Hecktür seitlich nach rechts öffnet. 1999 gab es die erste Modellpflege, bei der vor allem der Frontstoßfänger verändert wurde. Zum Automatikgetriebe gesellte sich ein Fünfgang-Schaltgetriebe. Für den Kofferraum hat Honda eine Überraschung parat: einen Campingtisch, der gleichzeitig als Bodenplatte dient.

Im Herbst 2001 präsentierten die Japaner die zweite Modellgeneration des CR-V (Modellcode RD). Im hohen Viertürer war abermals viel Platz, das Kofferraumvolumen beträgt bei umgelegter Rückbank 952 Liter. Auch dieser CR-V verfügte wieder über das Real Time genannte Allradsystem, das bei geringer Traktion der antreibenden Vorderräder automatisch die Hinterräder dazunimmt. Um keine falsche Vorstellungen zu erzeugen: Der Allradantrieb dient mehr der Fahrsicherheit als dem Vorankommen in unwegsamem Gelände. Eine fehlende Getriebeuntersetzung sowie die selbsttragende Karosserie mit Einzelradaufhängung machen aus dem CR-V keinen Geländewagen, sondern einen SUV nach gängiger Mode.

Im Herbst 2004 gab es ein leichtes Facelift. Motorenseitig kam der beliebte 2,2 Liter große Diesel mit 103 kW (140 PS) ins Programm – zur Freude der Fans, die einen starken Selbstzünder vermisst hatten. Der dritte CR-V (Modellcode RE5) kam im Herbst 2006 – 4,52 Meter lang, 1,8 Meter breit und 1,6 Tonnen schwer. Auch er verfügt über permanenten Allradantrieb.

Die Motorenpalette umfasst zwei Benziner (2.0 mit 150 PS und 2.4 mit 166 PS) sowie einen Dieselmotor (2.2 mit 140 PS). Seit dem Facelift 2009 erfüllt dieser Selbstzünder die Euro-5-Abgasnorm und leistet 150 PS. Alle Vierzylinder kommen stets mit Allrad und sind entweder an ein Sechsgang-Schaltgetriebe oder eine Fünfgangautomatik gekoppelt.

Fazit

Der Honda CR-V ist ihr Typ, wenn Sie einen günstigen gebrauchten SUV der 4,50-Meter-Klasse suchen – einen, der sich aus der Masse abhebt. Reichlich Platz auf zwei Reihen und im Kofferraum ist Ihnen genauso wichtig wie ein kräftiger Dieselmotor? Dann könnte der CR-V der dritten Generation Ihren Geschmack treffen. Vor allem, wenn Sie auf Automatikgetriebe stehen. Diese Kombination ist beim großen Honda zu empfehlen. Genau wie ein gründlicher Check vor dem Kauf, denn der CR-V hat seine Problemzonen. Ist dort alles in Ordnung, wird er Ihnen Freude machen.

Das gefällt uns:

Dass dieser Honda hierzulande keine Massenware verkörpert – man trifft ihn vergleichsweise selten an. Und das ist, im Vergleich zu den Platzhirschen in dieser Fahrzeugklasse durchaus angenehm zu werten. Zudem überrascht sein geräumiger Innenraum. Und die Tatsache, dass er rund zehn Jahre früher am Start war als zum Beispiel der VW Tiguan.

Das stört uns:

Schaut man auf die nackten Fakten des Honda CR-V, gibt’s eigentlich nichts zu kritisieren. Seine Ausstattung (inklusive Extras) muss sich nicht verstecken, das Motorenangebot ist ausreichend und seine Preise sind nicht gepfeffert. Was stört? Die Materialauswahl, und die Verarbeitungsqualität hätte etwas hochwertiger ausfallen können.

So ist die Marktlage:

Gar nicht mal so schlecht. Sucht man nach der hier vorgestellten dritten Generation des CR-V, findet man in den gängigen Gebrauchtwagenbörsen rund 900 Angebote, viele davon mit guter Ausstattung und vergleichbar wenig Kilometern auf dem Tacho. Die Chance, dass einer in der Nähe steht, ist also vergleichsweise hoch.

SUV Gebrauchtwagen Opel Mokka, Meister Wünsch, Gebrauchtwagen-Check, asv2618 Opel Mokka im Gebrauchtwagen-Check Wie fit ist der Mini-SUV im Alter?

Machen gebrauchte Exemplare Probleme? Und falls ja, welche?

Honda CR-V
Artikel 0
Tests 0
Generationen 0
Alles über Honda CR-V
Mehr zum Thema Gebrauchtwagen
Nissan 350Z, Mazda RX-8, Exterieur
Gebrauchtwagen
Skoda Superb, Exterieur
Gebrauchtwagen
VW Beetle RSI, Exterieur
Gebrauchtwagen