Hyundai i30, Kia Cee'd und VW Golf

Wertkampf

Foto: Hans-Dieter Seufert 49 Bilder

Hyundai schickt den günstigen i30 in die umkämpfte Kompaktklasse. Wie schlägt der Neuling sich gegen den ebenfalls preiswerten, technisch eng verwandten Kia Cee’d und den VW Golf?

Neuzugänge in der Kompaktklasse, die ja nicht zu Unrecht auch Golf-Klasse genannt wird, werfen jedes Mal die Frage auf: Ist der Neue ein talentierter Golf-Schläger oder nur ein Rivale unter vielen? Kia hat mit dem Cee’d vor kurzem eine Duftmarke gesetzt, jetzt kommt Konzernmutter Hyundai mit dem technisch weitgehend identischen i30 hinzu.

Dabei soll Kia die sportliche, Hyundai die komfortorientierte Klientel bedienen, doch in einem Ziel sind sich beide einig: den VW nicht nur über den Preis zu schlagen. Denn da hätte er schon am Start verloren. Schließlich werden für einen Golf 1.4 TSI Comfortline mit vier Türen und 122 PS mindestens 21 225 Euro fällig, während der gleich starke Cee’d 1.6 in der Variante EX für nur 18 240 Euro zu haben ist.
Der i30 mit dem gleichen Benzinmotor kostet als Version Style zwar 19 790 Euro, ist aber besser, fast komplett ausgestattet. Mit dessen serienmäßigen Zutaten wie 16-Zoll-Aluminium- Rädern, Multifunktionslenkrad, Nebelscheinwerfern, Sitzheizung plus ein paar weiteren Kleinigkeiten verlangt VW für seinen Bestseller gut 3000 Euro Aufschlag.

Auch bei der Garantie zeigen sich die Wolfsburger knickrig: Für den Golf gibt es zwei Jahre Garantie – wenig mehr als ohnehin vorgeschrieben. Schon etwas generöser geht Hyundai mit diesem Thema um und gewährt drei Jahre Garantie. Aber die Spendierhosen trägt in diesem Punkt ganz klar Kia: Sieben Jahre Garantie sind ein dickes Pfund, mit dem der koreanische Hersteller hier wuchern kann.
Dass der Golf im Kostenkapitel nicht völlig untergeht, sondern punktemäßig mit dem i30 beinahe gleichzieht, überrascht dennoch nicht. Er ist in seiner Klasse eines der wertstabilsten Modelle, lässt sich günstiger versichern und belastet das Konto bei Inspektionen und Reparaturen spürbar weniger als die beiden Konkurrenten. Doch bei aller Rechnerei interessiert natürlich am meisten, was man für den finanziellen Einsatz bekommt.

Rein äußerlich bieten alle drei annähernd gleich viel Auto fürs Geld, auch Innen- und Kofferraum lassen keine großen Differenzen erkennen. Im i30 sitzt man dabei nicht schlecht, aber eine Spur zu hoch, irgendwie obendrauf. Im Fond stoßen Großgewachsene dagegen ans Dach, und die Polsterung dürfte gern etwas weniger straff sein.
Die Kia-Rückbank ist zwar noch härter, aber dafür gibt es dort mehr Kopffreiheit. Am wohlsten fühlt man sich im Golf, wo besonders die bequemen, körpergerechten Vordersitze für sich einnehmen. Im Fond werden Passagiere über 185 Zentimeter Länge allerdings den starken Beinwinkel kritisieren.

Ansonsten gibt es im Golf wenig zu meckern. Die Verarbeitungsqualität ist überzeugend, selbst wenn man in verborgene Winkel schaut. Auch die Bedienung gelingt, bis auf die des komplexen Navigationsgeräts, problemlos. Freilich glänzen auch die Radios in Kia und Hyundai nicht mit einer völlig durchdachten Bedienerführung, schon der Sendersuchlauf ist eigenwillig gelöst, und die grau auf schwarz gedruckte Instrumenten- Skalierung beim i30 lässt sich nur bei eingeschaltetem Licht einwandfrei ablesen.

Darüber hinaus fügen sich bei den Koreanern nicht alle Kunststoff- Teile im Interieur so harmonisch zusammen wie im Golf. Auch an den verwendeten Materialien merkt man, warum Kia und Hyundai ihre Autos günstiger anbieten können als VW. In den unteren Bereichen der Armaturentafeln und Türverkleidungen wirkt vieles wie billigste Baumarktware.
Auf dem Baumarkt-Parkplatz ist man übrigens mit allen drei gut aufgehoben. Die Kofferräume sind nahezu gleich groß und die Rückbänke schnell zur Aufnahme sperriger Güter umgeklappt. Der Golf schluckt dann die schwersten Lasten, denn seine Zuladung liegt mit respektablen 513 Kilogramm über der der Konkurrenz. Die Höhe seiner Ladekante allerdings auch.
Einen Sack Blumenerde lädt man bei Kia oder Hyundai deshalb leichter ein. Beim Federungskomfort dürften sich die beiden Asiaten allerdings noch etwas redlicher um den schonenden Umgang mit den Passagieren bemühen.

Auf kurze Wellen reagieren ihre Fahrwerke zwar mit ausgeprägtem Stuckern und holzigem Ansprechen, aber der i30 gibt sich eine Spur schluckfreudiger und absorbiert lange Wellen geschmeidiger, allerdings mit kräftigen Karosserie-Bewegungen. Solches Benehmen hat der Golf in der aktuellen Generation längst abgelegt. Sein relativ straffes Fahrwerk zeigt eine souveräne Gelassenheit, an die der Hyundai nicht heranreicht.

Aber auch beim Golf ist nicht alles top, wie die Brems-Ergebnisse auf μ-Split mit unterschiedlichen Reibwerten an den linken und rechten Rädern zeigen. Hier braucht der VW mehr als 150 Meter, um zum Stehen zu kommen, das ist viel zu viel.
Der Hyundai allerdings macht seine Sache nur unwesentlich besser, allein das Ergebnis des Kia ist einigermaßen akzeptabel. Beim Handling zeigt der Kia sportliche Charakterzüge. Er lässt sich beim Slalom und den verschiedenen Ausweichtests erfreulich zügig um die Pylonen zirkeln und vermittelt auf der Landstraße durchaus Fahrspaß. Der könnte allerdings noch größer sein, wäre seine Lenkung nicht ausgesprochen gefühllos.
Mehr Präzision und Rückmeldung bietet die des i30, ohne jedoch an die rundum überzeugende Lenkung des Golf heranzureichen. Eine Aussage, die auch auf die Antriebseinheit des VW zutrifft. Der neue 1,4-Liter-Benzin-Direkteinspritzer mit Turbo scheint für ein 1300-Kilo-Auto nicht üppig, zeigt aber mit viel Drehmoment und gekoppelt an ein passend gestuftes Getriebe, wie gut Downsizing funktionieren kann.

Durchzug und Laufkultur sind so ansprechend, dass hier wohl der ideale Golf-Motor zum Test angetreten ist. Erst recht, wenn man den niedrigen Verbrauch betrachtet: Mit vorsichtigem Gasfuß bewegt, konsumiert dieser TSI nur 4,8 L/100 km – das ist TDI-Niveau. Im Durchschnitt über die ganze Testdistanz sieht es nicht ganz so vorbildlich aus, da können i30 und Cee’d sehr dicht aufschließen.
Doch auf langen Strecken mit hohem Tempo macht sich die Direkteinspritzung wieder positiv bemerkbar, denn im Maximalverbrauch liegt der VW erneut deutlich unter den Kontrahenten. Zudem werden beide Rivalen auf der Autobahn unangenehm laut, trotz identischer Motoren dröhnt der Vierzylinder im Hyundai bei hohen Drehzahlen noch stärker als im Kia.
Am Ende entpuppt sich neben dem guten Platzangebot eben doch der günstige Einstiegspreis als Hauptargument für die nahezu gleichwertigen Cee’d und i30. Technisch sind sie dagegen weitgehend auf dem Niveau des Golf vor zwei Generationen. Mit Ausnahmen bei der Sicherheitsausstattung, schließlich sind ESP und umfangreiche Airbag-Ausrüstung im Testfeld Serie. Natürlich hat der jahrelange Feinschliff bei VW seinen Preis. Aber der Golf bietet seinem Fahrer in diesem Vergleich auch mindestens so viel mehr, wie er mehr kostet.

Umfrage
Halten Sie die beiden Koreaner für ernst zu nehmende Golf-Konkurrenten?
Ergebnis anzeigen

Fazit

1. VW Golf 1.4 TSI
487 Punkte

Handlich und geräumig, dabei sparsam und fahrsicher: Erneut belegt der Golf den ersten Rang. Außer dem µ-Split-Bremsen und seinem Preis spricht wenig gegen ihn.

2. Kia Cee'd 1.6 CVVT
450 Punkte

Mit großem Platzangebot und kleinem Preis lockt der Cee'd. Auch die Fahrfreude kommt nicht zu kurz, der Federungs- und Antriebskomfort aber sehr wohl.

3. Hyundai i30 1.6
437 Punkte

Üppige Ausstattung und niedriger Preis sprechen für den i30. Der Komfort ist aber bestenfalls Durchschnitt, der Motor überraschend schlapp und rau.

Technische Daten
VW Golf 1.4 TSI Comfortline Kia Cee’d 1.6 CVVT EX Hyundai i30 1.6 Style
Grundpreis 21.225 € 18.240 € 19.790 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4204 x 1759 x 1479 mm 4235 x 1790 x 1480 mm 4245 x 1775 x 1480 mm
KofferraumvolumenVDA 350 bis 1305 l 340 bis 1300 l 340 bis 1250 l
Hubraum / Motor 1390 cm³ / 4-Zylinder 1591 cm³ / 4-Zylinder 1591 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 90 kW / 122 PS bei 5000 U/min 90 kW / 122 PS bei 6200 U/min 90 kW / 122 PS bei 6200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 197 km/h 192 km/h 192 km/h
0-100 km/h 9,8 s 10,4 s 11,2 s
Verbrauch 6,3 l/100 km 6,4 l/100 km 6,2 l/100 km
Testverbrauch 8,3 l/100 km 9,3 l/100 km 8,4 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Top Aktuell Mini Countryman Cooper D All4, VW T-Roc 2.0 TDI 4Motion Style, Exterieur VW T-Roc gegen Mini Countryman Kleine Diesel-SUV im Test
Beliebte Artikel Neuer Kia Minivan kommt 2010 Downsizing für Benzin-Motoren Hyundai Sondermodelle und Absatzplus
Gebrauchtwagen Angebote
Anzeige
Sportwagen McLaren 720S Spider McLaren 720S Spider Supersportwagen als Cabrio Nissan GT-R50 by Italdesign Nissan GT-R50 by Italdesign 990.000 Euro-Sportwagen zum 50ten
Allrad Audi SQ5 3.0 TFSI Quattro, Exterieur, Heck SUV Neuzulassungen November 2018 Audi und Porsche unter Druck Erlkönig Land Rover Defender 110 Erlkönig Land Rover Defender (2020) Der Landy kehrt zurück!
Oldtimer & Youngtimer Aston Martin Heritage EV Concept Aston Martin Heritage EV Concept Elektroantrieb für Klassiker BMW 507 Graf Goertz Die teuersten Promi-Autos 2018 2,6 Millionen für Goertz-507
Promobil Mitmachen und gewinnen Movera Cleanmaxx Handstaubsauger Ford Nugget Plus Ford Nugget Plus im Test Campervan mit Heck-Bad
CARAVANING Mitmachen und gewinnen Movera Cleanmaxx Handstaubsauger Campingplatz-Tipp Costa Verde Campingplatz-Tipp Portugal Orbitur-Camping Rio Alto