Hyundai Santa Fe 2.2 CRDi im Test

Aufstiegs-Runde

Foto: Hans-Dieter Seufert 12 Bilder

Groß wie der VW Touareg, aber viel günstiger: Mit dem neuen, rundlich geformten Santa Fe will Hyundai in die Oberliga. Aber ist der Koreaner wirklich fit dafür? Und wie passt sein neuer 150-PS-Diesel zum ambitionierten Auftritt?

Weg vom schrulligen Korea-Design, raus aus der Billigecke – und mitten hinein ins profitable Geschäft der großen SUV. Hier soll Hyundais neues Riesen-Baby neue Kunden ködern. Dass manche Karosseriedetails an VW Touareg, Porsche Cayenne oder BMW X5 erinnern, ist natürlich kein Zufall.

Wobei es weniger um den Geländeeinsatz als um den komfortablen Straßenbetrieb geht. Wirklich sportliche Ambitionen hat der Neue nicht. Ihn allen Ernstes als „Sportsroader“ zu vermarkten ist Etikettenschwindel. Gegenüber dem Vorgänger hat der Hyundai Santa Fe in allen Dimensionen zugelegt. Dank vergrößertem Radstand finden nun vier bis fünf Insassen bequem Platz. Die weichen, Sofa-ähnlichen Vordersitze bieten jedoch kaum Seitenhalt. Bedauerlich auch, dass die hinteren Kopfstützen zu kurz geraten sind.

Gut: Die Lehne der geteilten Rückbank lässt sich mehrstufig justieren. Optional gibt es ein „Sitzpaket“ mit zwei versenkbaren Einzelsesseln (1490 Euro) ganz hinten – kein anderer SUV dieser Größenklasse bietet so etwas. Diese Sitze offerieren überraschend viel Lebensraum für Mitfahrer bis 1,75 Meter Größe – weil der Fußraum ähnlich wie in der kurzen Mercedes R-Klasse relativ tief liegt. Der Zugang zu den Notsitzen gestaltet sich aber überaus beschwerlich.

Der Laderaum hinter den fünf Standard-Sitzen ist groß (528 Liter) und bei umgelegter zweiter Sitzreihe geradezu üppig (1570 Liter). Lobenswert: der solide Griff an der hoch aufschwingenden Heckklappe. Er erleichtert das Zuziehen und schützt vor schmutzigen Fingern.

Überzeugend und reichhaltig geriet die Ausstattung des Santa Fe,sieht man einmal von den billig wirkenden Schmuckleisten aus Holz- und Alu-Imitat ab.

So gehört die Klimaanlage zur Serienausstattung; Ablagen gibt es in Hülle und Fülle. Dass ein DVD-Navigationssystem oder eine Bluetooth-Anbindung derzeit nicht zu haben ist, mag die angepeilte Kundschaft kalt lassen. Komfort und Funktionalität sind ihr wichtiger als technische Raffinesse. Darum bietet Hyundai den Neuen nicht nur mit Allradantrieb an (Aufpreis beim Benziner 3000, beim Diesel 2500 Euro), sondern auch als preisgünstigeren, leichteren Fronttriebler. Zwei Drittel der Kunden werden sich wohl für die abgespeckte Version entscheiden. Äußerlich ist sie von der Allrad- Variante nicht zu unterscheiden. Der bekannte 2,7-Liter-V6-Benziner (jetzt mit 189 PS) wird in Deutschland kaum eine Rolle spielen. Dafür das andere Triebwerk – der neue 2,2-Liter-Common-Rail-Diesel. Er bringt 150 PS und kräftige 335 Nm schon ab 1800 Touren.

Das maximale Drehmoment steht bis 2500/min bereit. Der Diesel ist akustisch so gut gedämmt, dass im Innenraum kaum etwas von seiner nagelnden Wesensart zu vernehmen ist. Mit der Fünfstufen-Automatik (Aufpreis 1590 Euro) geht es zwar komfortabel, aber deutlich zögerlich voran. Sie wirkt zu keinem Zeitpunkt überzeugend, gerade bei forcierter Beschleunigung nervt sie mit der Suche nach dem richtigen Gang.

Mit dem serienmäßigen Fünfgang-Handschalter gibt sich der Diesel souveräner: Ist die manuelle Schaltbox an Bord, zieht das Auto los, als sei der Leibhaftige hinter ihm her. Besonders bei der Kombination Turbodiesel und Automatik stört das hohe Gewicht des Korea- SUV, der Dieselmotor hat mit dem Zweitonner seine liebe Mühe.

Der Testverbrauch von 12,3 L/100 km outet ihn als Säufer. 100 Kilogramm entfallen allein auf das schlupfgesteuerte Allradsystem; es ähnelt dem im kommenden Suzuki SX 4. Im Normalbetrieb geht die volle Antriebspower nach vorn, bei Schlupf gelangen via elektromagnetisch betätigter Lamellenkupplung bis zu 50 Prozent der Kraft zur Hinterachse. Für bessere Traktion beim Gelände- oder Anhängerbetrieb lässt sich die Kraftverteilung sperren. Merkwürdigerweise darf der allradgetriebene Santa Fe nur 2000 Kilogramm ziehen, beim Fronttriebler sind es aber 2200. Offensichtlich muss hier die Fahrzeug- Homologation nachgebessert werden. Im Straßen-Fahrbetrieb erweist sich der Santa Fe tatsächlich als gediegen komfortables Auto. Das Fahrwerk mit einzeln aufgehängten Rädern ist keineswegs so weich wie beim Vorgänger. Einen befriedigenden Eindruck hinterlassen die Bremsen, die fadingfrei verzögern. Die Lenkung ist leichtgängig, aber zielgenau. Selbst die forcierte Kurvenfahrt mit dem leicht untersteuernden Santa Fe wird nie zum Abenteuer. Geht man in der Kurve abrupt vom Gas, macht das Heck einen leichten Schwenk – und wird sofort vom serienmäßigen ESP eingefangen. Der Aufstieg in die Oberliga hat seinen Preis: Gegenüber dem Vorgänger ist der neue Santa Fe um die Hälfte teurer geworden. Mit rund 32 000 Euro bleibt er als Fünfsitzer dennoch deutlich unter der Premium-Konkurrenz – und misst sich eher mit Autos wie dem Toyota RAV4, dem Honda CR-V, dem Ssangyong Kyron und dem Kia Sorento. Als Siebensitzer kostet er ab 35 000 Euro aufwärts. Dennoch sollte eine Kaufentscheidung für den dieselnden Santa Fe aufgeschoben werden: Derzeit wird er nur mit Euro 3-Einstufung und einem Gutschein für den nachträglichen Einbau eines Partikelfilters ausgeliefert. Erst im Frühherbst wird es den Filter und die Zertifizierung nach Euro 4 geben. Dann hat das Auto Zukunft – auch im Hinblick auf einen möglichen Wiederverkauf.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gute Platzverhältnisse
  • viel Ladevolumen
  • mäßige Interieuranmutung
  • schlechte Übersichtlichkeit nach hinten
Fahrkomfort
  • guter Federungskomfort
  • gute Geräuschdämmung
  • Sitze mit wenig Seitenhalt
  • keine DVD-Navigation
Antrieb
  • starker, leiser Diesel
  • großer Tank (75 Liter)
  • schlecht abgestimmtes Automatikgetriebe
Fahreigenschaften
  • leicht untersteuerndes Kurvenverhalten
  • leichtgängige Lenkung
  • gute Traktion
  • seitenwindempfindlich
Sicherheit
  • ESP serienmäßig
  • niedrige Kopfstützen hinten
Umwelt
  • nur Euro 3-Einstufung
  • hoher Verbrauch
Kosten
  • akzeptabler Neupreis
  • Fronttriebler als preiswertere Alternative

Fazit

Kein harter Offroader, sondern eher ein gut gemachter, üppig ausgestatteter softer SUV zum bezahlbaren Preis. Sein Diesel muss jedoch sauberer werden. Und die Automatik befriedigt nicht.

Technische Daten
Hyundai Santa Fe 2.2 CRDi 4WD 7-Sitzer GLS
Grundpreis 35.070 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4675 x 1890 x 1795 mm
KofferraumvolumenVDA 91 bis 1570 l
Hubraum / Motor 2188 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 110 kW / 150 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 178 km/h
0-100 km/h 14,1 s
Verbrauch 8,1 l/100 km
Testverbrauch 12,3 l/100 km
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