Hyundai Santa Fe gegen Chevrolet Captiva

Korea-SUV

Foto: Foto: Hans-Dieter Seufert 23 Bilder

Zwei Neuzugänge aus koreanischer Produktion sollen den europäischen SUV-Markt beleben. Welche Talente sie dazu mitbringen, klärt der Vergleich von Chevrolet Captiva und Hyundai Santa Fe.

In keinem anderen Fahrzeugsegment passiert so viel wie in der jungen Gattung der SUV. Kein Autohersteller kann und will es sich daher leisten, in dieser boomenden Sparte nicht präsent zu sein. Doch was macht einen echten SUV überhaupt aus? Substanzielle Bestandteile des Erfolgsrezepts sind auf jeden Fall die erhöhte Sitzposition, ein möglichst variables Raumkonzept mit viel Platz und natürlich der Traktionsbonus des Allradantriebs, obwohl diese Autos kaum jemals schweres Gelände sehen und fast ausschließlich als Straßenfahrzeuge genutzt werden.

Entsprechend hoch ist also die Erwartung der Kunden an den Reisekomfort. Auf dem weit gefächerten Terrain der SUV suchen die beiden Koreaner Chevrolet Captiva und Hyundai Santa Fe ganz pragmatisch ihre Nische knapp unterhalb der Größe eines VW Touarag, aber mit deutlichen Abschlägen beim Preis. Harte Kraxler sind sie trotz ihres Allradantriebs eindeutig nicht, schon weil sie keine Gelände-Untersetzung haben. Für den kurzen Ausritt auf Feldwege oder Wiesen oder als Unterstützung auf glattem Untergrund reicht das Antriebskonzept aber allemal.

Im Normalfall sind sie Fronttriebler – ein Plus vor allem in Sachen Verbrauch. Nur solange die Radsensoren Schlupf registrieren, werden die Hinterräder über eine elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung zugeschaltet. Bis zu 50 Prozent der Antriebskraft können dann an sie umgeleitet werden. Eine Besonderheit bietet hier der Hyundai. Sollte es sich zum Beispiel beim Anhängerbetrieb als sinnvoll erweisen, lässt sich die Kupplung per Knopfdruck auch manuell aktivieren und eine 50:50-Kraftverteilung festschreiben.

Weil sich drei von vier Käufern des Vorgängermodells ohnehin für die Frontantriebsvariante entschieden, bietet Hyundai auch für den neuen Santa Fe diese Alternative. Gleiches gilt für den Captiva. Trotz konzeptioneller Verwandtschaft sind die beiden SUV dennoch von ganz unterschiedlichem Charakter. Der zeigt sich vor allem in der Auslegung des Fahrwerks. Ganz dem Komfort verpflichtet, präsentiert sich der Santa Fe mit weicher Feder-Dämpfer-Abstimmung als sänftenartiges Gefährt. Lange Bodenwellen werden so nahezu vorbildlich glattgebügelt. Waschbrettpisten allerdings mag der Hyundai weniger, er quittiert sie mit vibrierendem Gestühl, das zudem sofaähnlich weich ausgelegt ist.

Die strafferen Sitze des Captiva und die vielfältigen elektrischen Verstellmöglichkeiten für den Fahrer setzen hier einen positiven Kontrapunkt. Irritierend wirkt sich die softe Gangart des Santa Fe bei plötzlichen Lenkbewegungen oder in welligen Kurven aus. Da produziert er mitunter unangenehme Schaukelbewegun- gen – eine Erscheinung, die sich mit zunehmender Beladung freilich abschwächt. Die Lenkung, obwohl in der Mittellage ungewöhnlich leichtgängig, arbeitet dennoch zielgenau und gestaltet das Handling weitgehend problemlos. Das gilt mit leichten Abstrichen auch für den Captiva, mit dessen indirekter Lenkung allerdings selbst auf gerader Strecke ständig korrigiert werden muss.

Dafür tendiert der Korea-Chevy bei der Federung eher zur strafferen Seite, jedoch weit entfernt von sportlicher Härte. Die Art, wie er Unebenheiten jeder Art wegsteckt, ist ein gelungener Kompromiss zwischen Komfort und erwünschter Präzision. In Kurven verhalten sich die Kandidaten sanft untersteuernd, das jeweils serienmäßige ESP greift bei Bedarf frühzeitig ein. In der Raumnutzung zeigen beide dann ihre eigentliche Stärke. Selbst groß gewachsene Hinterbänkler müssen keineswegs darben.

Beim Santa Fe kann man sogar die Lehnenneigung in begrenztem Rahmen variieren. In der fünfsitzigen Grundversion lassen sich die Rücksitzlehnen umklappen und so eine üppige, ebene Ladefläche schaffen. Mit einem simplen Handgriff geht das bei beiden erfreulich leicht. Zum Test stand der Santa Fe in der fünfsitzigen Top-Version GLS 4WD zur Verfügung, doch ein Siebensitzer-Paket ist optional erhältlich (siehe Spotlight Seite 60). Beim Captiva 2.0 LT ist diese Möglichkeit bereits Bestandteil der getesteten Exclusive-Ausstattung. Nahezu Gleichstand herrscht bei den Dieselmotoren, die mit Common-Rail-Einspritzung ausgerüstet sind.

Partikelfilter und Euro 4-Einstufung kann jedoch nur der Captiva vorweisen, für den Santa Fe soll dies erst Mitte November kommen. Früher ausgelieferte Modelle will Hyundai allerdings kostenlos nachrüsten. Mit jeweils 150 PS sind die beiden Schwergewichte nicht eben üppig motorisiert. Vor allem der Santa Fe setzt sich mit der Fünfstufen-Automatik nur behäbig, aber komfortabel schaltend in Bewegung.

Deutlich nagelnd zeigt er auch bei Reisegeschwindigkeiten um 160 km/h noch genügend Temperament. Gerade umgekehrt verhält es sich beim Captiva, der zwar subjektiv agiler antritt, dafür jedoch im höheren Drehzahlbereich zäher wirkt. Zudem reagiert seine Fünfstufen- Automatik oft schon auf kleine Bewegungen des Gasfußes mit hektischen Schaltvorgängen. Da hilft dann nur die manuelle Gangwahl.

Beide Kandidaten sind zwar keine Kostverächter, ein Testverbrauch um elf Liter ist in der Zwei-Tonnen-Klasse dennoch akzeptabel. Schon deshalb ist der Diesel jeweils die beste Wahl, zumal beide eher für die Straße als für echte Offroad- Passagen gedacht sind. Unterm Strich entscheiden letztlich Nuancen. Für den Captiva sprechen die ausgewogeneren Fahreigenschaften und die praktischere Bestuhlung. Der Santa Fe kann mit etwas besserer Raumnutzung und dem harmonischeren Antriebskonzept punkten.

Fazit

1. Hyundai Santa Fe
452 Punkte

Vor allem im Antriebskapitel erobert der Santa Fe seinen dünnen Vorsprung. Auch Raumangebot, Verbrauch und Sicherheitsausstattung sind besser. Nicht gut: schwache Bremsen, höhere Unterhaltskosten.

2. Chevrolet Captiva
442 Punkte

Wer Allradantrieb nicht fürs Gelände braucht, ist mit dem maximal siebensitzigen Captiva gut bedient. Die Stärken des komfortablen Koreaners liegen klar im Straßenbetrieb - trotz einiger Antriebsschwächen.

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Technische Daten
Hyundai Santa Fe 2.2 CRDi 4WD 5-Sitzer GLS Chevrolet Captiva 2.0 Diesel 4WD 7-Sitzer LT Exclusive
Grundpreis 33.580 € 37.390 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4675 x 1890 x 1795 mm 4635 x 1850 x 1720 mm
KofferraumvolumenVDA 528 bis 1582 l 85 bis 1581 l
Hubraum / Motor 2188 cm³ / 4-Zylinder 1991 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 110 kW / 150 PS bei 4000 U/min 110 kW / 150 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 178 km/h 180 km/h
0-100 km/h 13,2 s 13,5 s
Verbrauch 8,1 l/100 km 8,6 l/100 km
Testverbrauch 10,9 l/100 km 11,2 l/100 km
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