Hyundai Santa Fe, Seat Tarraco, Exterieur Achim Hartmann

Hyundai Santa Fe und Seat Tarraco im Test

Siebensitzer-SUV im Diesel-Duell

Cool und selbstbewusst wie Oberklasse-SUV, praktisch und variabel wie Mittelklasse-Vans: Hyundai Santa Fe und Seat Tarraco bieten das Beste aus beiden Welten. Wir haben uns einmal durch beide geklappt und zeigen, welcher mehr draufhat.

Klappe, die Erste: Der Seat Tarraco kommt – anders als angekündigt – mit dem 150-PS-TDI zum Vergleichstest. Die kräftigere 190-PS-Version ist zum Testzeitpunkt nicht verfügbar. Ähnlich wenig Auswahl gibt es beim Hyundai Santa Fe, der als Diesel mit Allrad und Automatikgetriebe nur mit dem 200 PS starken 2.2 CRDi kombinierbar ist.

Da muss man sich also keine allzu großen Gedanken machen, was im Falle des Hyundai auch für die Ausstattung gilt. Wer einfach „Premium Seven“ (für Siebensitzer) ankreuzt, kann höchstens noch Metallic-Lack und Panoramadach dazuordern, denn sonst ist alles serienmäßig. Macht dann 53.600 Euro.

Seat Tarraco, Interieur
Achim Hartmann
Etwas einfacher und sportlicher ist der Tarraco möbliert.

Eine ganze Ecke billiger kommt der Tarraco, nicht nur, weil er in einer schwächeren Motorenvariante vorfährt. Selbst als Top-Diesel wäre er mit 43.800 Euro rund 10.000 Euro günstiger als der Santa Fe, und für den Testwagen mit 150 PS, Allradantrieb und Xcellence-Outfit starten die Preise sogar bei 41.950 Euro – plus 800 Euro fürs Siebensitzer-Paket.

In dieser Ausstattungslinie ist der Seat zwar bei Weitem nicht so üppig bestückt wie sein koreanischer Rivale, er kommt aber keinesfalls mager daher. Eine Dreizonen-Klimaanlage etwa ist ebenso serienmäßig wie 19- Zoll-Aluräder, Adaptivtempomat, Fahrprofilschalter oder das schlüssellose Startsystem samt elektrisch betätigter, sensorgesteuerter Heckklappe. In Verbindung mit dem 2.090 Euro teuren Business-Paket Infotain Plus (Navigation, Soundsystem, Digitalradio) bleiben dann kaum noch Wünsche übrig.

Auf das Adaptivfahrwerk, das hier im VW-Jargon DCC heißt, könnte man möglicherweise verzichten, doch für 940 Euro beschert es dem Tarraco einen sehr ausgewogenen Federungskomfort: nicht sänftig weich, sondern angenehm straff, gut ansprechend und erfolgreich im Unterbinden allzu großer Aufbaubewegungen. Ganz so talentiert zeigt sich der Hyundai im direkten Vergleich nicht. Er scheint zwar insgesamt weicher abgestimmt, doch das verleiht ihm eine gewisse Schunkeligkeit, die empfindsamen Naturen auf Gemüt und Magen schlagen kann. Dazu sprechen die Federelemente weniger subtil auf kleinere Unebenheiten an. Dass es an Bord des Santa Fe dennoch ziemlich kuschelig zugeht, liegt an den weich gepolsterten, mit feinem Leder bezogenen Vordersitzen.

Seat Tarraco, Interieur
Achim Hartmann
Verdammt eng geht es in der letzten Reihe zu - bei beiden Kandidaten.

Auf dem Klappgestühl in der dritten Reihe geht es hingegen bei beiden eher ungemütlich zu. Der Zustieg ist nur Kindern und athletisch talentierten, nicht zu großen Erwachsenen zumutbar, ebenso der Aufenthalt auf den schmalen Sitzen. Sie sind eine gute Sache, wenn es darum geht, ab und zu zusätzliche Passagiere mitzunehmen. Doch wer häufiger in Großfamilien oder Kleingruppen unterwegs ist, sollte vielleicht lieber einen Kleinbus oder Van wählen.

Gemütlicher Hyundai

Mehr Platz für Gepäck hat der kürzere Seat, während der Hyundai den für Fahrgäste luftigeren Innenraum bietet. Die üppige Breite und der hoch über den Insassen schwebende Dachhimmel verleihen dem Santa Fe in Verbindung mit der serienmäßigen Lederausstattung einen Hauch von Premium-Flair, das im Tarraco etwas fehlt. Angesichts seines arg nüchternen Interieurs mit Stoffbezügen sind die 1.500 Euro extra für gegerbte Tierhäute also womöglich eine empfehlenswerte Ausgabe, zumal die Karosserie insgesamt sehr sorgfältig und aus meist hochwertigen Werkstoffen gefertigt wurde.

Der Hyundai wirkt bei genauerem Hinschauen nicht ganz so detailverliebt, aber insgesamt opulenter und luxuriöser. Überhaupt hat das Fahrgefühl etwas Amerikanisches, so gesehen passt die Modellbezeichnung gut zum Wagen. Der Santa Fe schaukelt etwas unverbindlich durch Kurven, und die Lenkung ist zwar leichtgängig und exakt, lässt jedoch etwas Gefühl für Fahrbahnkontakt und Traktion vermissen.

Hyundai Santa Fe, Seat Tarraco, Exterieur
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Obwohl der Tarraco kompakter wirkt, passen fast 300 Liter Ladegut mehr ins Heckabteil.

Das Ganze mutet bei rascherer Fahrt unwillig und träge an. Blickt man freilich nach der Mess-Arie aufs Laptop mit den Auswertungskurven, zeigt sich ein anderes Bild. Der Hyundai düst jeweils einen Hauch schneller durch die Pylonengassen als der Seat. Der wiederum fühlt sich beim Fahren deutlich agiler und lebendiger an, die Lenkung ist präziser und rückmeldungsfreudiger, alles wirkt deutlich leichtfüßiger. Darüber hinaus wiegt der Tarraco fast zwei Zentner weniger und ist 3,5 Zentimeter kürzer sowie drei Zentimeter flacher.

Dass er dennoch bei Slalom und Wedelgasse minimal langsamer ist, dürfte am noch eilfertiger einschreitenden Stabilitätsprogramm liegen. Praxisrelevant ist das nicht, denn beide SUV sind geradezu mustergültig fahrsicher, zeigen kaum spürbare Lastwechselreaktionen und bekommen dank der Vierradantriebe nur in Extremfällen Traktionsprobleme.

Sparsamer Seat

Einen ähnlich positiven Eindruck hinterlassen die beiden Bremsanlagen. Ohnehin sind auf diesem Gebiet gerade im SUV-Segment große Fortschritte zu verzeichnen. Moderne Kompakt- und Mittelklasse-SUV wie diese bremsen heutzutage mit Verzögerungswerten jenseits der 10 g – eines Werts, der einstmals als Benchmark für sportliches Bremsen galt. Das heißt: Nach rund 36 Metern kommen sie bei einer Vollbremsung aus 100 km/h zum Stehen – und zwar ziemlich gleichauf.

Seat Tarraco, Exterieur
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Der Tarraco ist sparsamer - und zwar deutlich mit 8 l auf 100 km. 0,7 Liter mehr verbraucht der Santa Fe im Testmittel.

Für die aktive Sicherheit sorgt jeweils ein stattliches Arsenal elektronischer Helferlein. Adaptive Tempomaten gehören ja mittlerweile fast zur Pflicht, ebenso Spurhalte- und Spurwechselwächter. Sie achten auch in den Testkandidaten auf größtmögliche Sicherheit, beim Tarraco sogar etwas übereifrig. Dort warnt gern der serienmäßige aktive Spurassistent, man möge doch bitte die Lenkung übernehmen – selbst wenn der Fahrer das Volant gar nicht losgelassen hat. In einigen Fällen sorgt der Spurhalter sogar für eine rechthaberische Warnbremsung.

Gute und einfache Bedienbarkeit aller Fahrzeugsysteme hat sich ja schon als Hyundai-Stärke eingeprägt, der Santa Fe macht keine Ausnahme. Das wirkt zwar alles nicht so cool und zeitgeistig wie große Touchflächen und ebenso spitzohrige wie redselige Sprachassistenten, doch es hilft ungemein beim sicheren Bedienen eines Kraftfahrzeugs.

Fast genauso gut funktioniert das beim Seat, auch weil bei ihm noch ein Infotainment aus dem VW-Teilelager zum Einsatz kommt, das über zwei altmodische Drehknöpfe links und rechts des Monitors verfügt. Auch hier gilt: Nicht so hip, aber effizient.

Haben wir noch was vergessen? Ach ja, die Motoren. Das liegt womöglich daran, dass zum einen kräftige Diesel immer noch sehr gute Antriebsquellen für größere Autos sind, vor allem, wenn sie jeweils Euro 6d-Temp erfüllen. Und zum anderen daran, dass sie so gut und unauffällig arbeiten.

Etwas kultivierter dieselt der Seat-Selbstzünder, die besseren Fahrleistungen liefert der Hyundai-Motor. Doch die gemessenen und gefühlten Unterschiede sind sehr viel geringer, als es die Differenz von 50 PS und 100 Nm vermuten lässt. Subjektiv wirkt der Tarraco sogar fixer, was vielleicht an seinem mitunter hibbelig hin- und herschaltenden Automatikgetriebe liegt. Sparsamer ist er obendrein, 0,7 Liter Unterschied sind gar nicht so wenig. Hat also doch ganz gut geklappt für den Seat Tarraco.

Hyundai Santa Fe, Seat Tarraco, Exterieur
Achim Hartmann 1/22 Hyundai Santa Fe und Seat Tarraco streben nach dem Selbstbewusstsein der SUV-Oberklasse und der Variabilität von Mittelklasse-Vans. Ob ihnen das gelingt wird sich im Laufe des Tests zeigen.
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Fazit

1. Seat Tarraco 2.0 TDI 4D 423 Punkte

Trotz des schwächeren Motors setzt sich der viel billigere Tarraco mit dem komfortableren Fahrwerk, mehr Laderaum und seinem sparsameren Antrieb etwas besser in Szene.

2. Hyundai Santa Fe 2.2 CRDi 4WD 395 Punkte

Der hohe Preis der Top-Version wirft den Santa Fe hier zurück, ebenso der höhere Verbrauch und das knappere Raumangebot. Top sind dagegen Sitze, Fahrsicherheit und der kräftige Diesel.

Technische Daten

Hyundai Santa Fe 2.2 CRDi 4WD 7-Sitzer Premium Seat Tarraco 2.0 TDI 4Drive Xcellence
Grundpreis 53.600 € 41.950 €
Außenmaße 4770 x 1890 x 1705 mm 4735 x 1839 x 1674 mm
Kofferraumvolumen 547 bis 1625 l 230 bis 1920 l
Hubraum / Motor 2199 cm³ / 4-Zylinder 1968 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 147 kW / 200 PS bei 3800 U/min 110 kW / 150 PS bei 3500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 203 km/h 198 km/h
0-100 km/h 9,6 s 10,6 s
Verbrauch 6,3 l/100 km 5,6 l/100 km
Testverbrauch 8,7 l/100 km 8,0 l/100 km
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