Hyundai Tucson 2.0 CRDi gegen Toyota RAV4 D-4D

Preis-Kocher

Foto: Hans-Dieter Seufert 8 Bilder

Neue Konkurrenz für den kompakten Allrad-Bestseller aus Japan. Der viel preisgünstigere Herausforderer aus Korea will dem arrivierten Platzhirsch die Zähne zeigen. Ein Vergleich der beiden Diesel-Varianten.

Tusch, Feuerwerk, Konfettiregen und Gratulation: Der Toyota RAV4 feiert seinen zehnten Geburtstag.

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Vergleichstest Toyota RAV4 D-4D, Hyundai Tucson 2.0 CRDi
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Eine erfolgreiche Dekade liegt hinter dem Allradler, der das Segment der Vierrad- Freizeitmobile für Wald und Asphalt, kurz SUV gerufen, begründet hat.

Seit 2000 ist nun schon die zweite Generation im Angebot, und Niedrigpreis-Schnäppchen sind bei Toyota nicht mehr zu haben, wie der RAV4 2.0 D-4D in der Executive-Version für 30 900 Euro belegt.

Günstige SUV kommen heute aus Korea, wie der Hyundai Tucson 2.0 CRDi. Der will dem Jubilar mit seinem Kampfpreis von 24 290 Euro die Kunden abspenstig machen.

Warum auch nicht, denn auf den ersten Blick haben die beiden viel gemein. Sie eint der lediglich für milde Geländeausflüge gewappnete Allradantrieb ohne Sperrdifferenziale oder Reduktionsgetriebe. Auch das Motorkonzept, jeweils ein Zweiliter-Diesel mit Common-Rail-Einspritzung, über 110 PS stark, nur nach Euro- 3-Norm abgasentgiftet und ohne Rußpartikelfilter, lässt kaum Unterschiede erahnen.

Ein Blick in die Ausstattungslisten gibt dann einen ersten Hinweis, warum der Toyota 6610 Euro teurer ist. Nur bei ihm gehören ESP, CD-Radio, Ledersitze, Schiebedach und Tempomat zur Serienausstattung. Bei Hyundai dagegen ist ein Tempomat nicht lieferbar, Ledersitze kosten 2050 Euro mehr, und der Lebensretter ESP ist erst Anfang Februar 2005 lieferbar – für einen Aufpreis von 300 Euro.

Mit einem organischen Produkt hat das Hyundai-Leder nur noch ganz entfernt zu tun. Es sieht aus wie eine Kunststoff-Folie und ist auch genauso rutschig. Der Billig-Look passt zur mittelgrauen Testwagen- Innenausstattung, so lieblos sehen sonst nur Modellautos vor der Lackierung aus.

Aber nicht nur optisch fehlt eine Menge Feinschliff. Auch die verstreute Anordnung der Bedienelemente, von denen einige durch das Lenkrad verdeckt werden, erscheint nicht gut durchdacht.

Viel besser strukturiert ist der RAV4 zwar auch nicht, aber die eingesetzten Materialien hinterlassen einen deutlich hochwertigeren Eindruck. Hier macht sich die längere Produktionszeit offenbar bezahlt.

Ein SUV-Kauf wird häufig damit begründet, dass diese Autos viel Platz für sperriges Gepäck bieten. Beim Toyota trifft das auch zu, vor allem, weil mit wenigen Handgriffen die Fondsitzbank entfernt werden kann.

Der Hyundai knausert dagegen gewaltig mit Gepäckraum, ein VW Golf hat deutlich mehr zu bieten. Selbst die Zuladung liegt nur knapp über Kompaktwagen-Niveau. Allerdings darf in den RAV4 noch weniger Gewicht gepackt werden. Selbst ein Smart Forfour verträgt mehr.

Wenn schon die Zuladung nicht als Kaufgrund herhalten kann, dann eben die hohe und damit als angenehm empfundene Sitzposition. Daran gibt es im Toyota denn auch wenig auszusetzen. Allerdings bieten die Sitze kaum Seitenhalt und für große Menschen auch zu wenig Oberschenkel- Auflage und deutlich zu kurze Sitzlehnen. Im Fond sind allenfalls drei Kinder gemütlich untergebracht oder zwei Erwachsene.

Große Unterschiede zum Hyundai-Gestühl finden sich nicht.

Im Tucson ist die Konturierung der ersten Reihe jedoch etwas stärker ausgeprägt. Beide Autos sollten mit Sitzheizung geordert werden, denn die Heizungen sprechen bei Frost nur mit einiger Verzögerung an. Zuheizer, wie sie andere Diesel bieten, gibt es nicht, beim Toyota kann allerdings während der Startphase die Leerlaufdrehzahl für eine schnellere Erwärmung per Knopfdruck angehoben werden.

Tiefe Temperaturen offenbaren noch eine weitere Eigenart des Toyota: Sein Diesel nagelt beim Kaltstart wie eine ganze Zimmermann-Kolonne. Überhaupt gebärdet sich der Vierzylinder im RAV ungewöhnlich laut und rau, nicht nur im Stand. Wird dieser Motor im Corolla geordert, sind seine Lebensäußerungen hör- und spürbar moderater. Der Hyundai-Diesel hat zwar die besseren Manieren, hinterlässt aber einen deutlich schlapperen Eindruck.

Glaubt man den technischen Daten, ist der Hyundai gerade einmal drei PS schwächer, gefühlsmäßig liegt der Abstand eher bei 15 PS. Beim Anfahren fällt der Unterschied noch nicht so auf, und der Hyundai überzeugt durch seine gleichmäßige Leistungsentfaltung, aber den typischen Diesel-Bums hat er nicht.

Oberhalb der Autobahn-Richtgeschwindigkeit wird er nur mühsam schneller. Überholvorgänge dauern ihre Zeit, flott gefahrene Kurierwagen eilen dem Tucson zügig davon.

Der RAV4 gibt sich etwas engagierter. Nach dem Überwinden einer leichten Anfahrschwäche legt er leichtfüßiger an Drehzahl und damit an Geschwindigkeit zu. Der lang ausgelegte fünfte Gang bremst seinen Tatendrang auf der Autobahn ebenfalls etwas ein, sorgt auf der anderen Seite aber für einen akzeptabeln Verbrauch. 8,5 Liter/100 km im Testmittel gehen angesichts des gebotenen Temperaments in Ordnung.

Davon kann beim Tucson nicht die Rede sein. Er konsumiert nur dann verhalten, wenn das Gaspedal gestreichelt wird. Im Schnitt fließen zehn Liter/ 100 km durch die Hochdruckleitungen der Einspritzanlage, das ist nicht sparsamer als ein vergleichbarer Benzinmotor.

Große Unterschiede gibt es auch beim Fahrverhalten, vor allem auf der Landstraße. Hier fühlt sich der RAV4 spürbar zu Hause. Präzise Lenkung, verbindliches Fahrwerk, er flitzt wie ein leicht höher gelegter Sportwagen um die Ecken, federt aber auch genauso ungern, was den Komfort über Gebühr einschränkt.

Dennoch, soviel Fahrspaß bietet kaum ein anderer Allradler. Treibt man es zu bunt, bremsen weiche ESP-Eingriffe, bevor es wirklich kritisch wird. Die Elektronik sorgt auch dafür, dass der Toyota bei den Fahrdynamik- Tests teilweise langsamer um die Pylonen fährt als der ungeregelte Hyundai. Der kann bei den Extrem-Fahrmanövern zwar gut mithalten, lässt sich aber längst nicht so leichtfüßig und mühelos durch enge Wechselkurven bewegen. Sein Aufbau wankt dabei, die Lenkung gibt nur wenig Rückmeldung, und er untersteuert stärker.

Der Tucson ist eher ein Cruiser, und dazu passt auch sein weiches Fahrwerk, das ganz klar eine der Schokoladenseiten des Hyundai ist. Wellen werden geschmeidig egalisiert, Querfugen nur leicht stolperig gemeistert. Selbst der Abrollkomfort ist besser als beim Toyota.

Aber der Toyota federt nicht nur schlecht, er mag auch nicht unter allen Umständen kraftvoll bremsen. Sind die Reibwerte zwischen Straße und Gummi an den linken und rechten Rädern gleich, ist die Verzögerung immerhin durchschnittlich. Aber wehe, eine Seite bremst auf Eis und die andere auf Asphalt. Dann steht die Fuhre aus 100 km/h heruntergebremst erst nach 169 Metern. Ein völlig inakzeptabler Wert.

Der Hyundai zeigt, dass ein kompakter SUV bei dieser so genannten μ-split-Bremsung nicht prinzipiell schlechter abschneiden muss als andere Autos. Allerdings sind seine Verzögerungswerte ansonsten nicht zufriedenstellend. Möglich, dass dafür das hohe Gewicht des Tucson mitverantwortlich ist. Fast 1700 Kilogramm bringt er auf die Waage und damit rund drei Zentner mehr als der RAV4. Gibt es also besonders viel Auto bei Hyundai?

Die Hyundai fahrenden auto motor und sport-Leser bejahen diese Frage zu fast 90 Prozent, wie die Umfrage-Ergebnisse zur Jahreswahl der besten Autos zeigen. Eine beeindruckend hohe Quote. Vor allem ist sie höher als bei den Toyota-Kunden, die ja ebenfalls als nahezu wunschlos gelten, wenn es um die eigene Marke geht. Dennoch gehen nur 74 Prozent der Toyota-Fahrer davon aus, bei ihrer Marke ein gutes Preis- Leistungs-Verhältnis zu bekommen.

Doch der Test zeigt, dass das Geld für den RAV4 mit Dieselmotor viel besser angelegt ist als für den Diesel- Tucson.

Ihr Image konnte die Marke Hyundai in den letzten Jahren zweifellos kräftig verbessern. Jetzt muss nur noch das Produkt mit diesem Aufwärtstrend Schritt halten.

Fazit

1. Hyundai Tucson 2.0 CRDi 4WD GLS
421 Punkte

Dem mager ausgestatteten Tucson (kein ESP) fehlt die Reife des seit zehn Jahren gebauten Toyota, und sein Motor ist zu durstig. Beim Preis und Federungskomfort allerdings liegt er in diesem Vergleich klar vorn.

Technische Daten
Toyota RAV4 2.0 D-4D 4x4 Executive Hyundai Tucson 2.0 CRDi 4WD GLS
Grundpreis 30.900 € 24.290 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4265 x 1785 x 1705 mm 4325 x 1795 x 1730 mm
KofferraumvolumenVDA 400 bis 1820 l 325 bis 1375 l
Hubraum / Motor 1995 cm³ / 4-Zylinder 1991 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 85 kW / 116 PS bei 4000 U/min 83 kW / 113 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 170 km/h 168 km/h
0-100 km/h 12,2 s 14,4 s
Verbrauch 7,1 l/100 km 7,1 l/100 km
Testverbrauch 8,5 l/100 km 10,0 l/100 km
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