Im Grund genommen

Ausgerüstet mit jeweils der Basismotorisierung treten Ford Focus, Opel Astra und VW Golf den Beweis an, dass mit 75 PS sehr unterschiedliche Fahrqualitäten erzielt werden können.

Drei Mal 75 PS, jeweils aus technisch ähnlichen Vierventil-Vierzylindern stammend, geringe Abweichungen in den Abmessungen, etwas größere, aber wohl letztendlich nicht entscheidende in den Preisen. Den wichtigsten Unterschied zwischen Ford Focus, Opel Astra und VW Golf macht, so scheint es auf den ersten Blick, der stilistische Auftritt.

Ist die Frage nach dem attraktivsten Gesamtpaket also nur eine des persönlichen Geschmacks? Dann wäre die Sache klar: Die Abstimmung per Kaufvertrag gewinnt ganz klar der Golf, gefolgt vom Astra, dahinter der Focus.

Der exakte Check aller relevanten Eigenschaften allerdings bringt Differenzen zu Tage, die weit über den bloßen Augenschein hinausgehen, wobei in diesem speziellen Fall die Motoren die erste Geige spielen. Denn bei aller Ähnlichkeit der technischen Daten produzieren die Vierzylinder, die jeweils die Basismotorisierung dieser Brot-und-Butter-Autos darstellen, ein höchst unterschiedliches Fahrerlebnis.

Beim Golf ist es in erster Linie das einer sehr guten Laufkultur. Sein 1,4-Liter- Triebwerk benimmt sich über den gesamten Drehzahlbereich gesittet, selbst beim vollen Ausdrehen fallen weder Vibrationen noch lästiges Vierzylinder-Dröhnen auf.

In Verbindung mit dem gut abgestuften Getriebe wecken die 75 PS nicht den Eindruck, bei der Motorisierung zu sehr gespart zu haben. Der Golf verfügt über ausreichende Leistungsreserven für flottes Reisetempo und beweist dank dem höchsten Drehmoment in dieser Runde eine Durchzugskraft, die nicht an jeder milden Autobahnsteigung zum Zurückschalten zwingt.

Der Astra bleibt da, zumindest der Papierform nach, deutlich zurück. Sein Motor muss mit nur 1,2 Liter Hubraum auskommen, was ihm nicht nur für die Nennleistung eine höhere Drehzahl abverlangt. Auch für das maximale Drehmoment muss sich die Kurbelwelle schneller drehen als beim Golf, zudem fällt der Höchstwert geringer aus.

In der Praxis wirkt sich dies allerdings überraschend wenig aus. Im unteren Drehzahlbereich zieht Opels Vierzylinder nicht ganz so kräftig wie der des Golf, was die Messwerte der Beschleunigungselastizität unterstreichen. Trotzdem wirkt auch der Astra alles andere als schlapp.

Denn für den subjektiven Leistungseindruck ist in erster Linie das Ansprechen aufs Gas verantwortlich, und in dieser Beziehung zeigt sich der Opel-Motor ähnlich munter wie der des VW. Nur die Laufkultur befindet sich nicht auf ganz so hohem Niveau.

Bei gemütlicher Fahrweise fällt das kaum auf, aber oberhalb von 5.000/min brummt der Vierzylinder vernehmlich. Weil Opel das Fünfganggetriebe ähnlich abstuft wie VW und auf eine ausgeprägte Schongangcharakteristik verzichtet, wird dieser Wert auf der Autobahn oft überschritten. Der akustische Komfort erreicht deshalb nicht das vorbildliche Niveau des Golf.

Wer aus einem dieser beiden in den Focus umsteigt, erlebt eine herbe Enttäuschung. Dass hier die identische Anzahl von Pferdestärken unter der Motorhaube werkeln soll, mag man kaum glauben.

Die Leistungsentfaltung wirkt ausgesprochen zäh, und dagegen hilft auch volles Ausdrehen nichts. Zwar setzt der Drehzahlbegrenzer erst bei knapp 7.000/min ein, aber oberhalb der Nenndrehzahl fällt die Leistungskurve so stark ab, dass die hohe Drehzahl in erster Linie eine Beeinträchtigung der ansonsten guten Laufkultur bewirkt.

Um hochtourige Fahrweise kommt man jedoch nicht herum, wenn es gilt, auf der Autobahn Golf und Astra zu folgen. Bei der Abstufung des Getriebes nämlich hat Ford voll danebengelangt.

Im Interesse günstiger Verbrauchswerte im ECE-Zyklus verfügt der Focus über eine lange, drehzahlsenkende Übersetzung des vierten, erst recht aber des fünften Gangs. Das macht der Durchzugskraft gründlich den Garaus.

Bei Höchstgeschwindigkeit dreht der Motor mit 4.800/min, das sind 500 Umdrehungen weniger als bei Golf und Astra. Kein Wunder also, dass die Beschleunigung im oberen Geschwindigkeitsbereich spürbar schlechter ist und dass es eine Ewigkeit dauert, bis der Focus sein Maximaltempo erreicht.

Jede geringfügige Autobahnsteigung, die von der Konkurrenten locker im Fünften bewältigt wird, zwingt zum Zurückschalten. Anschließend muss wieder der vierte Gang ausgedreht werden, um nach dem Hochschalten Anschluss zu finden.

Dass eine solche Übersetzungsanpassung angesichts des beschränkten Leistungsangebots der Basismotorisierung ihren eigentlichen Zweck der Verbrauchsreduzierung verfehlt, liegt auf der Hand. Tatsächlich verbraucht der Focus im direkten Vergleich ungebührlich viel.

Sein durchschnittlicher Konsum von 8,9 Liter/100 Kilometer übertrifft den des Golf um 0,4 Liter. Aber was technisch möglich ist, demonstriert allein der Opel Astra. Obwohl bei der Vergleichsfahrt zügig bewegt, beweist er schottische Sparsamkeit und lässt mit 7,5 Liter/100 Kilometer die Konkurenz alt aussehen. Hochgerechnet auf 100.000 Kilometer und ausgehend von den heutigen Benzinpreisen bedeutet das gegenüber dem Focus eine Ersparnis von rund 3.000 Mark.

In den zahlreichen weiteren beim Vergleichstest bewerteten Kriterien entfernen sich die drei nicht so weit voneinander. Die serienmäßige Ausstattung enthält erwartungsgemäß nur das Notwendigste. Individuelle Aufwertung wird gegen gutes Geld geboten, wobei es dem sparsamen Käufer sauer aufstößt, dass er in vielen Fällen zu teuren Optionspaketen gezwungen wird.

Die Karossen zeigen ähnlichen Zuschnitt, mit einem leichten Vorsprung für den Opel, der nicht nur den größten Kofferraum besitzt, sondern auch den Fondpassagieren am meisten Knieraum bietet. Das Ambiente im Innenraum wirkt bei Opel und VW hochwertig. Beim Ford kann man über das eigenwillige Styling des Armaturenbretts geteilter Meinung sein, nicht aber über das unansehnliche Plastikmaterial.

Warum der Focus – mit anderer Motorisierung – in früheren Vergleichstests sehr gut abgeschnitten hat, wird auch diesmal deutlich: In der Abstimmung des Fahrwerks macht ihm keiner etwas vor. Guter Federungskomfort ist hier gepaart mit erstklassigem Handling und einem narrensicheren Kurvenverhalten.

Der Opel verhält sich ähnlich gutmütig und glänzt bei der Bremsprüfung mit konkurrenzlos guten Werten. Aber er besitzt eine weniger ausgewogene Federung, die auf langen Bodenwellen starke Vertikalbewegungen der Karosserie zulässt. Seine Lenkeigenschaften zeigen nicht die zielgenaue Präzision, die den Ford auszeichnet. Zur Abrundung der Fahrsicherheit fehlt beiden ESP, das noch nicht einmal gegen Aufpreis angeboten wird.

Der Golf hat es serienmäßig, gut für die Fahrsicherheit vor allem auch im Winter, wo die integrierte Antriebsschlupfregelung das Fahren erleichtert. Abgesehen davon sind seine Handlingeigenschaften nur Durchschnitt, was in erster Linie an der nicht mehr zeitgemäßen Basisbereifung mit 80er-Querschnitt liegt. Der Golf zeigt damit, in Kurven mit kreischenden Pneus untersteuernd, seine Grenzen auf, wenn Astra und Focus noch unbeeindruckt bleiben. Auf der Habenseite steht seine geschmeidige Federung.

Die verhilft ihm zusammen mit der besten Sicherheitsausstattung zum Gewinn der Eigenschaftswertung. Aber in der Kostenrechnung schlägt der Astra zu und wird so Gesamtsieger.

In beiden Fällen, keine Frage, kommt man mit der Basis weit besser an als bei Ford.

Fazit

1. Ford - Focus 1.4 16V - 29463
463 Punkte

3. Ford Focus: Den erstklassigen Fahrwerkseigenschaften steht eine unbefriedigende Antriebseinheit gegenüber. Die lange Getriebeübersetzung zügelt das Temperament, aber nicht den Verbrauch des Focus.

2. Opel Astra
499 Punkte

Geräumige Karosserie, gute Fahreigenschaften, erstklassige Bremsen, vorbildlich niedriger Verbrauch und günstiger Anschaffungspreis machen den Opel zum Gesamtsieger.

3. VW Golf
496 Punkte

Mit kultiviertem Motor, komfort betontem Fahrwerk und der besten Sicherheitsausstattung glänzt der Golf. Unzeitgemäße Basisbereifung und hoher Verbrauch kosten wichtige Punkte.

Technische Daten
VW Golf 1.4 16V Opel Astra 1.2 Ford Focus 1.4 16V Ambiente
Grundpreis 16.205 € 14.185 € 14.875 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4149 x 1735 x 1444 mm 4110 x 1709 x 1425 mm 4152 x 1702 x 1481 mm
KofferraumvolumenVDA 330 bis 1184 l 370 bis 1180 l 350 bis 1205 l
Hubraum / Motor 1390 cm³ / 4-Zylinder 1199 cm³ / 4-Zylinder 1388 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 55 kW / 75 PS bei 5000 U/min 55 kW / 75 PS bei 5600 U/min 55 kW / 75 PS bei 5000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 171 km/h 170 km/h 171 km/h
0-100 km/h 14,1 s
Verbrauch 6,6 l/100 km 6,2 l/100 km 6,7 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Neues Heft
Top Aktuell Mini Countryman Cooper D All4, VW T-Roc 2.0 TDI 4Motion Style, Exterieur VW T-Roc gegen Mini Countryman Kleine Diesel-SUV im Test
Beliebte Artikel Mazda 2 G 115, Skoda Fabia 1.0 TSI, VW Polo 1.0 TSI, Exterieur Mazda 2, Skoda Fabia und VW Polo im Test Wer liegt im Stadtrummel vorn? 190 E, 3.2 AMG-C32, C43 AMG, Exterieur 190E 3.2, C 32, C 43 AMG AMG-Sechszylinder aus 3 Epochen
Gebrauchtwagen Angebote
Anzeige
Sportwagen Toyota Supra - Sportcoupé - Fahrbericht Toyota GR Supra (2019) Premiere in Detroit Lexus RC F Track Edition Lexus RC F Track Edition (2019) Mit 500 PS auf die Piste
Allrad Porsche Macan, Facelift 2019 Porsche Macan (2019) Facelift Scharfes Heck, starke Motoren Audi SQ5 3.0 TFSI Quattro, Exterieur, Heck SUV Neuzulassungen November 2018 Audi und Porsche unter Druck
Oldtimer & Youngtimer Porsche 911 (996) Carrera Coupe Porsche 911 (996) Kaufberatung Probleme des Schnäppchen-Elfer Aston Martin Heritage EV Concept Aston Martin Heritage EV Concept Elektroantrieb für Klassiker
Promobil Tür 13 Adventskalender 2018 Mitmachen und gewinnen Sportchronograph von Casio EDIFICE Spacecamper Limited (2019) auf VW T6 Spacecamper Limited (2019) Campervan-Allrounder auf VW T6
CARAVANING Tür 13 Adventskalender 2018 Mitmachen und gewinnen Sportchronograph von Casio EDIFICE LMC Style Lift 500 K (2019) Premiere LMC Style Lift 500 K Hubbetten-Caravan für Familien