Jaguar F-Type V6 S im Test

Schluss mit Zurückhaltung

Jaguar F-Type V6 S, Driften, Kuvenfahrt Foto: Rossen Gargolov 42 Bilder

Vollgas, Rauch und Begrenzer-Stakkato: Wir lassen den F-Type so richtig ums Eck – und es scheint ihm zu gefallen. Denn Jaguars neuer Roadster ist zwar schön, aber auf keinen Fall zimperlich.

Es gibt Autos, die sind einfach schön. Und andere, die wollen nur rangenommen werden. Was aber, wenn man einen Roadster wie den Jaguar F-Type mal so richtig rannimmt? Der Zweisitzer ist nun mal schön, weshalb der Gedanke, ihn in die Kurven zu hämmern, absurd klingt. Er nimmt die Phallus-Proportionen des E-Type auf, ohne ihn zu kopieren: Die weit nach hinten versetzte Fahrgastzelle und die lange Motorhaube kreieren Fantasien – und Kopfkino verursachen nicht mehr viele Autos.

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Ähnlich wie beim ersten Porsche Boxster fragt man sich, wie wir die ganzen Jahre ohne ihn leben konnten. Der Boxster S wäre übrigens ebenso ein Konkurrent wie das 911 Cabrio. Mit 84.900 Euro liegt der Jaguar F-Type zwischen den beiden offenen Porsche, leistet aber mehr (380 PS).

Jaguar F-Type 2:14 Min.

Jaguar F-Type wirkt beeindruckend

Und der Jaguar F-Type bietet mehr erlebbare Hochwertigkeit sowie die Aura des Besonderen: Erst mit Druck auf die Funkfernbedienung klappen die Türgriffe auf. Das beeindruckt jedes Mal, ebenso wie der Innenraum. Doch mit dem klischeehaft betulich-britischen Stil hat der Jaguar F-Type gar nichts gemein. Sein Armaturenbrett wirkt modern und zeitlos. Kunststoff taucht entweder weich oder gummiert neben Leder und metallenen Oberflächen auf, die vorherrschende Farbe ist ein subtiles Schwarz.

Zurückhaltend bleiben die zentralen Lüftungsdüsen eingefahren, bis sie benötigt werden. Wenn sie hochsurren, ist das ein ähnliches Schauspiel wie im XF – und eine weitere Bestätigung für Käufer, etwas wirklich Außergewöhnliches erworben zu haben. Seine entrückten Formen lassen den Jaguar F-Type aus dem Angebot der zweisitzigen Sport-Cabrios herausragen.

Mit jeglicher Zurückhaltung ist es vorbei, sobald man den Startknopf betätigt. Wir sind ja schon gewohnt, dass Sportwagen mit aufgerissener Auspuffklappe und kurzem Fanfarenstoß erwachen. Aber der Jaguar F-Type trompetet gleich so laut los, dass man fast erschreckt und geradezu fassungslos den hochschnellenden Drehzahlmesser bestaunt. Der Neue macht ernst.

Jaguar F-Type mit kraftvollem Klang und straffem Fahrwerk

Elektrisch lassen wir das Verdeck in seinen Stauraum verschwinden, und schlag-artig wird die Bestimmung des Jaguar F-Type klar: Er ist offen. Interessanterweise wirkt er nicht wie ein nachträglich zum Roadster aufgeschnittenes Coupé. Obwohl man tief in der Karosserie platziert ist, kommt man sich nicht eingebaut vor. Der Jaguar F-Type schmiegt sich einfach um seine Passagiere herum, sitzt, ohne einzuengen.

Wir lassen die Seitenscheiben herunter, was keine unangenehmen Verwirbelungen verursacht. Das unauffällig zwischen den Überrollbügeln montierte Windschott formt die Strömung zu einer sanften Brise. Sie lässt sich natürlich per Gaspedal zum Orkan steigern, denn der Jaguar F-Type erreicht auch offen locker über 250 km/h. Er dreht selbst die hohen Gänge willig aus, schraubt sich mühelos bis in diese Regionen. Und man fragt sich, ob denn der Achtzylinder mit 510 PS für 15.000 Euro mehr wirklich den Spaß noch deutlich steigern könnte.

Schon serienmäßig beschallt der V6 in Sportauspuff-Lautstärke. Dabei erinnert der Dreiliter stark an die alten Reihensechszylinder von BMW. Akustisch bleibt der Kompressor im Hintergrund, verkneift sich Heul-Geräusche. Dass der Jaguar F-Type seine Werksangaben nicht ganz erreicht, liegt nicht an zu wenig Motivation – sondern an zu viel Gewicht. Über 1,7 Tonnen müssen angeschoben werden, deutlich mehr, als Jaguar verspricht, was zu einem relativ hohen Verbrauch führt (13,3 Liter/100 km).

Dafür lässt sich die Karosserie selbst auf schlechten Straßen nicht zum Verwinden hinreißen. Kritik verdient eher die zu straffe Abstimmung des adaptiven Fahrwerks im Komfort-Modus, wohingegen „Sport“ zu viel Karosseriebewegung zulässt. Die Spreizung der beiden Stufen ist einfach zu gering. Das Achtgang-Automatikgetriebe von ZF schießt zwar auf Paddelzug unter sexy Auspuffraunen die Stufen hinein; überlässt man dem Getriebe aber die Gangwahl, dann fehlt es an sportlichem Ehrgeiz – es schaltet nicht schnell genug zurück. Auf der Landstraße – wo es den Roadster unweigerlich hinzieht – schnippt man deshalb besser am Paddel.

Schon lange nicht mehr rollen die britischen Modelle wie Samt und Seide ab, sondern straff und saugend. So fließt allerdings auch mehr als genug Information zum Fahrer. Er ist immer bestens im Bilde, wo die Hinterachse gerade steht. Bei eingeschaltetem ESP lässt sie sich ohnehin nicht zu mehr als einem Zucken bewegen – auch nicht im laxeren Sport-Modus.

Roadster bleibt stets beherrschbar

Weil man sofort Vertrauen fasst, traut man sich auch, Gas zu geben. Das klingt platt, ist aber der Schlüssel zum Fahrspaß: Der Jaguar überfordert seinen Fahrer nicht mit spitzen, unvorhersehbaren Reaktionen. Muss man sich an viele Sportwagen erst langsam gewöhnen, so wird der Jaguar F-Type sofort zum alten Kumpel. Mögen andere von Profis pilotiert schneller sein – der Amateur wird mehr Spaß mit dem Jaguar haben.

Der handfeste Roadster verlangt geradezu danach, gröber angepackt zu werden. Also prügeln wir ihn über den Kleinen Kurs von Hockenheim – um die eingangs gestellte Frage zu beantworten: Was, wenn man den Jaguar F-Type mal so richtig rannimmt? Wir schalten ESP ab, damit er ohne Zügel zeigen kann, was er auf dem Kasten hat. Sofort ist wieder das Vertrauen da, das wir schon auf der Landstraße hatten. Der Jaguar will niemanden verladen, ist wunderbar ausbalanciert, interagiert weich und geschmeidig. Weil ihm jede Schärfe fehlt, kommt er bei den Fahrdynamik-Tests aber nicht auf Fabelzeiten. Alleine, wen stört es?

Der Jaguar F-Type hat ein anderes Faible: Er fährt gerne quer. Ein aufmunternder Lastwechsel reicht aus, und das Heck gleitet sanft heraus. Vollgas hält den Drift bis zum Kurvenausgang am Leben, und dann trollt sich die Hinterachse wieder in die Spur. Ohne Ruck, ohne Konter. Der Neue wehrt sich nicht dagegen, gefordert zu werden – es scheint ihm sogar zu gefallen.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • hohe Karosseriesteifigkeit
  • gute Material- und Verarbeitungsqualität
  • gutes Platzangebot für zwei
  • Verdeck öffnet und schließt bis 50 km/h
  • kleiner Kofferraum
  • schwierige Bedienung des Infotainmentsystems
  • hohes Fahrzeuggewicht
  • unpraktische Tachoskalierung
Fahrkomfort
  • passende Sitzposition
  • authentisches Offenfahr-Gefühl
  • geringe Windgeräusche
  • auf kurzen Bodenwellen sehr straffe Federung
Antrieb
  • gute Fahrleistungen
  • drehfreudiges V6-Triebwerk
  • sehr guter Durchzug
  • emotionaler Klang
Fahreigenschaften
  • gute Balance zwischen Vorder- und Hinterachse
  • einfach im Grenzbereich zu bewegen
  • präzise Lenkung
  • Rollneigung in Kurven
Sicherheit
  • fein dosierbare Bremsanlage mit guter Wirkung
  • kaum Assistenzsysteme verfügbar
Umwelt
  • gut funktionierendes Start-Stopp-System
  • hoher Verbrauch
Kosten
  • der Exklusivität angemessener Preis
  • drei Jahre Garantie
  • sehr hohe Kasko-Einstufung
  • hohe Unterhaltskosten
  • jährliche Inspektion nötig

Fazit

Seit langem baut Jaguar wieder einen echten Sportwagen. Das Kapriolen-freie Fahrwerk und der emotionale Motor machen einfach Laune. Allerdings sind Verbrauch und Gewicht zu hoch.

Technische Daten
Jaguar F-Type S Cabrio S
Grundpreis 86.500 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4470 x 1923 x 1308 mm
KofferraumvolumenVDA 196 l
Hubraum / Motor 2995 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 280 kW / 380 PS bei 6500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 275 km/h
0-100 km/h 5,2 s
Verbrauch 8,6 l/100 km
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