Jaguar S-Type 3.0 V6 Automatik im Test

Stärken und Schwächen der Limousine

Jaguar S-Type 3.0 V6

Er sieht gut aus, stammt aus noblem Gestüt und erinnert an große Klassiker. Fragt sich nur, ob der Jaguar S-Type 3.0 hält, was er verspricht. 100 000 Kilometer im Alltagstrott enthüllen die Stärken, aber auch die Schwächen des britischen Neoklassikers.

Jaguar-Fahren krönt die Figur. Das war immer so, und das ist auch beim 1999 eingeführten S-Type so. S wie schön. Mit seinen Rundungen und den nach hinten abfallenden Linien unterscheidet sich der Jaguar wohltuend vom Allerweltsdesign. Kein Wunder, dass der überwiegende Teil der S-Type-Kunden laut Werksauskunft vor allem wegen der Form zugreift.

Das Auto ist ein Verführer. Und der für Jaguar-Verhältnisse günstige Preis trägt das Seine dazu bei, denn mit dem S-Type stieg der britische Nobelhersteller erstmals seit Jahrzehnten von der Luxusklasse in die obere Mittelklasse ab. S-Type statt E-Klasse oder Fünfer – die etwas andere Alternative. Fragt sich nur, was man sich mit der Katze sonst noch einhandelt. Die englische Krankheit mag verebbt sein, vergessen ist sie nicht. Zur Beobachtung legte sich auto motor und sport deshalb den attraktiven Jaguar für 22 Monate als Haustier zu: 100 000 Kilometer im rauen Alltag. Fazit: Wer schön sein will, muss leiden – zumindest aber vergeben können. Angefangen beim Preis:

Unter dem Strich kam der Dauertestwagen, ein S-Type 3.0 in der gehobenen Executive- Version, inklusive Automatik, variabler Stoßdämpfung (CATS-Fahrwerk), Navigationssystem und weiterer Extras auf stolze 55 280 Euro – kein Schnäppchen also, auch wenn Jaguar für ein vergleichbares Auto heute nur noch 53 670 Euro berechnet. Schwerer wiegt aber die Enttäuschung, die einen beim Einsteigen überfällt: Statt Luxus mit Stil vorwiegend Schmuddellook. Das Cockpit sieht aus wie Massenware aus Fernost, das spärliche Holz könnte auch Plastik sein, die Detailqualität erinnert an Billigheimer der Konzernmutter Ford . Da kann selbst das beim Executive serienmäßige Leder nichts mehr retten. Mit zunehmender Verweildauer verdrießen dann auch noch zahlreiche Funktionsmängel. Geräumige Ablagen sind Mangelware, der Radioempfang lässt zu wünschen übrig, Seitenfenster und Außenspiegel ziehen den Schmutz magisch an, der Regensensor sorgt für unmotivierte Scheibenwischeraktivitäten, und das Abblendlicht lässt vieles im Dunkeln. Offensichtlich ist: Bei der Konzeption des S-Type wurde heftig gespart, und zwar an allen Ecken und Enden. Man sparte bei der Sitzheizung (nur einstufig), bei den Fensterhebern (automatische Öffnung nur auf der Fahrerseite) und selbst an der Ladeluke hinter der rückwärtigen Mittelarm lehne (lausige Qualität). Und man sparte bei der Entwicklung, was unter anderem die Qualitäten der Klimaautomatik dokumentieren.

Zugluft ist ihre Spezialität – vor allem im Fußraum, wo sich die Extremitäten selbst dann in Eisklötze verwandeln, wenn das schlecht ablesbare Display auf der Mittelkonsole Zimmertemperatur anzeigt. Verschärft wurde die Situation beim Dauertestauto durch modrige Gerüche, die schon bald nach Testbeginn immer wieder in die Nase drangen – meist während der ersten Kilometer und oft in Tateinheit mit starkem Beschlag auf der Frontscheibe.

Der nahe liegende Befund, den auch die Werkstatt nicht widerlegen konnte: Das Klimaaggregat saugt sich nachhaltig mit Feuchtigkeit voll –  offenbar ein konstruktionsbedingter Mangel. So wurde im Rahmen der Inspektion bei Kilometer 47 418 und dann wieder bei 80 338 der Wärmetauscher gereinigt, aber der Erfolg währte nur kurz. Als dauerhaft erwies sich indessen die Reaktivierung des Klimakompressors: Bei Kilometerstand 75 928 musste die dafür zuständige Magnetkupplung erneuert werden, und zugleich wurde das Türschloss der Fahrertür ersetzt, da es nicht mehr der Fernbedienung gehorchte – einer von insgesamt sechs außerplanm äßigen Boxenstopps, die der Jaguar einlegte.

Betrachtet man die Bilanz von ihrer positiven Seite, dann kann der S-Type für sich geltend machen, dass er sein Ziel stets aus eigener Kraft erreichte. Standfestigkeit bewies auch die Karosse, zumindest was die Basisqualität betrifft. Klappergeräusche verkniff sich der Jaguar, die Türen schlossen am Ende genau so satt wie am Anfang, und frisch gewaschen glänzte das Auto wie neu geboren.

Selbst in puncto Sitze, bei Jaguar traditionell eine der Problemzonen, gab es diesmal nichts zu rügen: Die Polster blieben einwandfrei in Form und überzeugten durch guten Komfort, sieht man von der Lordosenstütze ab, die sich in ausgefahrenem Zustand wie eine Faust in den Rücken bohrt. Aber sonst profilierte sich der S-Type trotz der oben aufgezählten Schwächen als angenehmer Reisebegleiter. Seine Tugenden entfaltet er vor allem beim Gleiten.

Dann summt der Dreiliter-V6 jaguarmäßig gepflegt dahin, das adaptive CATS-Fahrwerk wiegt die Insassen im Komfortmodus, und die Fünfgangautomatik zeigt sich von ihrer angenehmeren Seite. Platz ist genügend vorhanden – vier Passagiere genießen ausreichend Bewegungsfreiheit, und auch mit dem flach geratenen Kofferraum kommt man im Normalfall aus. Bei größeren Transportvorhaben lassen sich die hinteren Sitzlehnen nach vorn klappen.

Die Behaglichkeit schwindet jedoch, sobald man dem S-Type die Sporen gibt. Dann fühlt sich der durchzugsschwache V6 zu Drehzahlen genötigt, bei denen es mit der Laufkultur nicht weit her ist, und die Automatik stolpert heftig ruckend und mit deutlichem Verzug durch die Gänge. Knapp 3000 Kilometer nach Dauertestende legte ein defekter Schaltschieber das Getriebe völlig lahm. Ein Schaden, der mit 2700 Euro zu Buche schlägt.

Zugleich drängt sich der Eindruck auf, dass bei Jaguar die Leistungsangaben auf dem Prinzip Hoffnung basieren. Von angegebenen 238 PS war in der Praxis nicht viel zu spüren – gegen Ende der Distanz noch weniger als zu Beginn, was die schlechteren Fahrleistungswerte bestätigen. Zumindest die Traktionskontrolle erweckt den Anschein vehementer Kraftentfaltung. Schon kleinste Bodenunebenheiten verleiten das Regelorgan dazu, voreilig einzugreifen. Der Lenkung folgt das Auto eher träge, sodass es mit dem Reiz des Schnellfahrens nicht weit her ist.

Das vermag auch das adaptive CATS-Fahrwerk nicht zu verhindern, obgleich es dazu beiträgt, dass der S-Type bei rasanter Fahrt auf unebener Strecke Haltung bewahrt. Andererseits reagiert es sensibel auf unterschiedliche Profiltiefen der Reifen und beantwortet Winterbereifung mit deutlich nachlassender Richtungsstabilität.

Allerdings lassen sich CATS mitsamt den dazugehörigen Stoßdämpfern gute Steherqualitäten attestieren, was man von den Bremsen des S-Type nicht behaupten kann. Im Gegensatz zur Dämpferausstattung unterlagen sie zügigem Verschleiß. Schon bei 32 000 Kilometer waren die Bremsbeläge fällig (inklusive neuer Bremsscheiben hinten), dann wieder bei 63 769 km (Beläge und Scheiben vorn), bei 80 338 km (Beläge hinten) und schließ- lich bei 94 918 km (Beläge und Scheiben vorn und hinten). Ursache dieses Debakels: Einmal mehr wurde bei Jaguar am falschen Ende gespart. Falsch auch, weil die Folgekosten auf Jaguar zurückfallen. Bei drei Jahren (oder 100 000 Kilometer) Garantie plus das kostenfreie Royal Service-Paket (alle Verschleiß- teile und Kundendienst für 100 000 Kilometer umsonst) kommen zumindest die Erstbesitzer der vor September 2001 ausgelieferten Modelle meist ungeschoren davon. Das lässt die kleineren und größeren Malaisen des S-Type – nicht zu vergessen die kurzen Service-Intervalle von nur 16 000 Kilometer – in einem milderen Licht erscheinen. Es kann aber nicht dar- über hinwegtäuschen, dass auch der Royal-Kunde gut bei Kasse sein solle. 15 Cent pro Kilometer, das ergab die Endabrechnung, machten den Unterhalt des Jaguar zu einem teuren Vergnügen, vor allem an der Tankstelle. Mit durchschnittlich 13,2 L/100 km (bei schneller Fahrt bis zu 19 Liter) schlugen die Benzinkosten kräftig ins Kontor.

Erschwerend kommt hinzu, dass man bei Jaguar die Spendierhosen inzwischen an den Nagel hängte: Royal Service wurde abgeschafft, die Garantie umfasst nur noch Defekte infolge Material- und Fertigungsfehlern, nun aber ohne Kilometerbegrenzung. Als Entschädigung gibt es ein Trostpflaster im XL-Format: Im Rahmen der jüngst erfolgten Modellüberarbeitung verspricht Jaguar, so ziemlich alle Kritikpunkte getilgt zu haben. Wollen wir's hoffen.   

 

32.025 km
Jaguar-Modelle neigen zur Pfützenbildung. So auch der Dauertestwagen: Der Motor-Ölkühler war undicht und musste ersetzt werden. Die Prozedur wiederholte sich bei Kilometerstand
 
75.928 km
Die Klimaanlage stellte ihren von starken Gerüchen begleiteten Dienst ein: Kupplung für den Klimakompressor kaputt. Die Reparatur reaktivierte den Kompressor, aber auch den Gestank

94.918 km
Der Jaguar frisst Bremsen. Außer den mehrmals ersetzten Scheiben und Belägen war auch die Bremszange hinten rechts fällig. Sie klemmte, und ein außerplanmäßiger Werkstatt­besuch war angesagt

Seit Mitte 2000 fahre ich einen Jaguar S-Type 3.0. Dies ist mein erster Jaguar. Es handelt sich um einen zuverlässigen und komfortablen Reisewagen, den ich beim im kommenden Jahr anstehenden Neuwagenkauf zumindest wieder in die engere Wahl ziehen würde. Ob ich ihn tatsächlich nochmals kaufe, hängt in erster Linie von der Verbesserung der Qualität, einem ansprechenderen Innenraumambiente sowie der Reduzierung des Benzinverbrauchs ab.
Johannes Hundtgeburth 10589 Berlin
 
Als ich im Juni 2000 einen Jaguar S-Type V6 kaufte, ahnte ich noch nicht, was es für Probleme gibt. Schon bei der Auslieferung stellte ich Mängel fest (Sitzbezug und Felge beschädigt). Der Kofferraum öffnete sich mit der Fernbedienung nur selten, die Empfangsleistung des Radios war mangelhaft. Danach traten weitere Probleme auf. Als ich in der Nacht das Fahrzeug entriegelte: kein Licht im Fahrgastraum. Beim Start ging das Fahrtlicht nicht an. Der Scheibenwischer ging an, ohne dass die Scheibe nass war. Für die Werkstatt ein Rätsel. Als dann noch während der Fahrt der Motor ausging, suchte ich erneut die Werkstatt auf. Ohne Erfolg.
Wolfgang Gram 67354 Römerberg

Wie nicht anders von Jaguar gewohnt, handelt es sich auch beim Modell S-Type um ein sehr stilvolles Auto, welches an Komfort und Ausstattung keine Wünsche offen lässt. Wer von einem Auto mehr erwartet, als nur von einem Punkt zu einem anderen zu gelangen, ist schnell dem Charme dieser Marke erlegen. Was die Zuverlässigkeit betrifft, so folgt die Ernüchterung auf dem Fuß. So war nach nur 8000 Kilometer ein neuer Motor fällig; ein Pleuellager war defekt.
Wolfgang Rieck 25541 Brunsbüttel
 
Ich fahre einen S-Type 3.0. Meine Fahrleistung beträgt zirka 3000 Kilometer monatlich. Fahrerisch ist der Wagen sehr gut. Das Sportfahrwerk ist perfekt abgestimmt. Die Verarbeitungsqualität ist nicht zu beanstanden. Nur der Wählhebel der Automatik knarrt manchmal, und der Scheibenwischer quietscht. Schlechte Erfahrungen habe ich mit den elektronischen Helferlein. Der Bordcomputer hat eine Toleranz von zehn Prozent, das Navigationssystem ist eine Zumutung. Die große Stärke ist das Gleiten auf der Autobahn.
Walter Binder 29320 Hermannsburg

Der S-Type ist, Ford sei Dank, der erste wirklich voll alltagstaugliche Jaguar, der mir untergekommen ist. Meiner hat in 30 000 Kilometer keine Werkstatt außerplanmäßig aufsuchen müssen. Fahrleistungen und Verbrauch sind o.k., die Verarbeitung ist britisch, will sagen besser als italienisch. Zu bemängeln sind generell die unbefriedigende Anpassung von Motor und Getriebeautomatik, das zögerliche Ansprechen der Maschine, der Mangel an Ablagen und eine Armaturentafelgestaltung mit wenig Sinn für Jaguar-Tradition. Carlheinz Moesta 53518 Adenau Meine Frau und ich sind seit Januar 2000 stolze Besitzer eines Jaguar S-Type 3.0 Schaltwagens. Außer einem defekten Türschloss auf der Fahrerseite hatten wir keine Probleme. Wir sind 20 000 Kilometer gefahren. Es ist unser erster Jaguar, wir können ihn nur weiterempfehlen.
Werner Stmckmeier 31683Obemkirchen
 
Meinen ersten S-Type habe ich im Juni 1999 übernommen, mit 108 000 Kilometer gut verkauft und einen zweiten S-Type gleichen Typs mittlerweile 20 000 Kilometer gefahren. Die Fahrfreude und das Erlebnis mit diesen Katzen ist von besonderer Art, die Zuverlässigkeit ist eine überraschende Stärke. Ein ungeplanter Werkstattaufenthalt wegen ausgefallenen Klimakompressors
Michael Voelkel 71717Beilsteinz
 
Nach einem Jahr mit dem S-Type kann ich sagen: im Großen und Ganzen sehr positive Erfahrungen. Verbesserungswürdig: der Benzinverbrauch. Im gemischten Verkehr kommt man kaum unter 13 U100 km. Kleinigkeiten werden durch die elegante Erscheinung aufgehoben.
Horst Schulze 70162 Stuttgart

Vor- und Nachteile

  • Angenehmer Reisekomfort
  • Gutes Raumangebot
  • Im unteren und mittleren Drehzahlbereich kultivierter Motor
  • Bequeme Sitze, gute Sitzposition
  • Reichhaltige Serienaus-stattung
  • Leichtgängige Lenkung
  • Drei Jahre Garantie
  • Attraktive Form
  • Mäßige Detailverarbeitung
  • Flacher Kofferraum
  • Schlechte Übersichtlichkeit
  • Eingeschränkte Laufkultur bei hohen Drehzahlen
  • V6-Motor mit geringer Durchzugskraft
  • Hoher Benzinverbrauch
  • Unbefriedigend abgestimmte Automatik
  • Mangelhafte Klimaautomatik
  • Verschleißfreudige Bremsanlage
  • Unpräzise Lenkung
  • Unbefriedigendes Navigationssystem
  • Kurze Inspektionsintervalle
  • Übersensibles ASR
Technische Daten
Jaguar S-Type V6 Executive
Grundpreis 44.176 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4861 x 1819 x 1441 mm
KofferraumvolumenVDA 385 l
Hubraum / Motor 2967 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 175 kW / 238 PS bei 6800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 226 km/h
Verbrauch 11,9 l/100 km
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