Jaguar X-Type 2.5 - Reif von der Insel?

BMW 325i, Mercedes C 240: Der Jaguar X-Type 2.5 konkurriert auf einem für die britische Edelmarke ungewohnten Terrain. Für die Kundschaft mit exklusivem Geschmack soll er eine Alternative darstellen.

Es ist jenes schwer definierbare britische Flair, das einen Jaguar erst zum Jaguar macht. Material und Gediegenheit der Verarbeitung spielen eine Rolle, Holz und Leder gelten als förderliche Zutaten. Das Grundmodell des X-Type hat da nur Durchschnittliches zu bieten. Schönes Furnier gibt es zwar auf breiter Armaturenbrettfläche, aber bei den Sitzen müssen die Insassen mit wenig attraktivem Stoff vorlieb nehmen.

Der in die Karosserie-Wertung eingehende Qualitätseindruck dagegen ist ordentlich. Nicht entgratete, scharfkantige Plastikteile zeigen aber, dass der Rotstift angesetzt wurde. Auch beim Mercedes erscheinen die Verkleidung des Sitzunterbaus und die Optik der Kunststoffmaterialien nicht angemessen. Der BMW hat da einen klaren Vorsprung. Ansonsten herrscht in den Karosseriekriterien weitgehend Gleichstand.

Der Fahrkomfort jedoch wird von recht unterschiedlichen Stärken und Schwächen geprägt. So federt der Jaguar bei hoher Zuladung am besten. Der BMW und mehr noch der Mercedes stoßen bei hoher Belastung wegen der dann verkürzten Federwege an ihre Grenzen und neigen so zu heftigen Vertikalbewegungen. Zudem schluckt der Jaguar vor allem lange Wellen mit einer wiegenden Gelassenheit. BMW und Mercedes wirken da straffer, aber ebenfalls harmonisch. Dass der X-Type hier trotzdem Punkte einbüßt, liegt am weniger feinfühligen Ansprechen der Federung auf kurzen Unebenheiten und Querfugen, an den lauten Abrollgeräuschen und dem hauptsächlich von der Vorderachse ausgehenden Poltern.

Der Reisekomfort auf der Autobahn erreicht im Mercedes ganz klar das höchste Niveau. Das Rauschen des Fahrtwinds ist mit Abstand am geringsten, Abrollgeräusche treten nicht störend in Erscheinung. Auch der Sechszylinder-Motor bleibt unaufdringlich leise. Der Jaguar-V6 dagegen läuft nur im unteren und mittleren Drehzahlbereich ähnlich kultiviert. Beim Ausdrehen wird der Sechszylinder aber brummig und vibriert leicht. Eine Klasse für sich ist da der BMW-Reihensechszylinder. Leichtfüßiges, vibrationsfreies Hochdrehen, spontanes Ansprechen und ein auch bei hohen Drehzahlen keineswegs leiser, aber ausgesprochen wohlklingender Sound machen deutlich, dass hier ein Triebwerk arbeitet, das echtes Fahrvergnügen bereitet. Dazu trägt auch sein exakt schaltbares Fünfganggetriebe bei. Und: Trotz seines hohen Drehzahlniveaus erzielt er den geringsten Verbrauch.

Die Übersetzungsanpassung ist beim Mercedes mit dem Sechsganggetriebe besser gelungen. Die sechste Fahrstufe ist zwar länger übersetzt als die fünfte beim BMW, was Drehzahl und Geräusch reduziert. Dennoch ist der sechste Gang kein Schongang. Beim Jaguar dagegen ist das Zusammenspiel von Motor und Getriebe am wenigsten harmonisch. Er beschleunigt im fünften spürbar schlechter als der Mercedes im sechsten. Der Fahrer im X-Type muss wegen der größeren Gangsprünge häufiger schalten, was zwar leicht von der Hand geht, aber auch hohe Drehzahlen bedeutet, wenn der Jaguar mit der Konkurrenz mithalten soll. Die so angestrebte Verbrauchsreduktion stellt sich deshalb lediglich unter den Normbedingungen des ECE-Zyklus ein. Dort erzielt der Jaguar Werte, die nur knapp über denen des BMW, aber unter denen des Mercedes liegen.

In der Praxis sieht es jedoch anders aus. Wenn dem Jaguar-Motor viel Leistung abgefordert wird, steigt der Verbrauch überproportional an – auch wegen des permanenten Allradantriebs. Von der erstklassigen Traktion abgesehen hat der Jaguar-Fahrer aber wenig davon. Die Fahrsicherheit liegt hoch, ohne die Konkurrenz zu deklassieren. Die verfügt überdies serienmäßig über ESP, das beim Jaguar extra kostet.

Alle drei zeigen sich bis in den Grenzbereich gutmütig, so dass sich die Unterschiede hauptsächlich auf die Lenk- und Handling-Eigenschaften konzentrieren. Am präzisesten und sportlichsten fährt sich der BMW, dicht dahinter der Mercedes mit größeren Aufbaubewegungen und nicht ganz so spontanen Reaktionen. Der Jaguar, schwerster im Trio, wirkt etwas schwerfälliger, und seine Lenkung überträgt Bodenunebenheiten in höchst unkultivierter Weise bis ins Lenkrad. Auch die Bremsen bleiben vom sehr hohen Standard, den BMW und Mercedes vorgeben, ein Stück entfernt.

Das alles summiert sich und führt letztlich dazu, dass der Basisversion des neuen X-Type der dritte Platz nicht erspart bleibt.

Technische Daten
Mercedes C 240 Avantgarde BMW 325i Jaguar X-Type 2.5 V6 Classic
Grundpreis 34.510 € 30.700 € 33.200 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4526 x 1728 x 1426 mm 4471 x 1739 x 1415 mm 4672 x 1789 x 1430 mm
KofferraumvolumenVDA 455 l 440 l 452 l
Hubraum / Motor 2597 cm³ / 6-Zylinder 2494 cm³ / 6-Zylinder 2495 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 125 kW / 170 PS bei 5500 U/min 141 kW / 192 PS bei 6000 U/min 144 kW / 196 PS bei 6800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 235 km/h 240 km/h 225 km/h
0-100 km/h 8,9 s 7,8 s 9,3 s
Verbrauch 11,1 l/100 km 9,1 l/100 km 9,6 l/100 km
Testverbrauch 10,9 l/100 km 13,4 l/100 km
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