Jaguar X-Type 3.0 V6 Sport

Lord-Schritt

Mit Allradantrieb und dem Charme betörender Rundungen soll sich der kleine Jaguar im Mittelklasse-Segment etablieren. Die inneren Werte des neuen X-Type beleuchtet der Test der Dreiliter-Version.

Wenn sich eine Traditionsmarke aus dem Olymp der Luxusklasse in die Niederungen der Mittelklasse begibt, dann ist eines gewiss: Um Rang und Namen braucht sich die Kundschaft nicht zu sorgen. Imagemäßig kann ihr so leicht keiner das Wasser reichen.

So gesehen könnte denn auch die Startposition des neuen Jaguar X-Type besser nicht sein. Erstmals gibt es für alle, die üblicherweise zur BMW Dreier-Reihe, zur Mercedes C-Klasse oder zum Audi A4 greifen, eine Alternative aus edlem Gestüt. Ab 59.457 Mark für die 2,5-Liter-Ausführung ist man dabei. Und wenn es etwas mehr sein darf, lockt der X-Type 3.0 für 68.454 Mark in der hier getesteten Sportausführung.

Seine erste Bewährungsprobe bestand der Testwagen, der erste auf deutschen Straßen, mit Bravour. Niemand, der die Mittelklasselimousine nicht auf Anhieb als Mitglied der Jaguar-Familie erkannt hätte. Mit seinen schwungvollen Linien und dem markentypischen Gesicht hat der X-Type keine Identitätsprobleme.

Wirklich klein ist der kleine Jaguar übrigens keineswegs: Mit 4,67 Meter Länge übertrifft er einen Mercedes der C-Klasse um 15 Zentimeter, auch wenn sein Radstand infolge des großen vorderen Karosserieüberhangs fünf Zentimeter kürzer  ausfällt.

Diese Proportionen sind zugleich ein Indiz für das bei Jaguar bisher nicht gewohnte technische Konzept: Die plebejische Verwandtschaft des X-Type – sein Schwestermodell ist der Ford Mondeo – diktierte den bei Fronttrieblern üblichen Quermotor. Die Ehrenrettung ist der angeflanschte Hinterradantrieb, der ihn zum ersten Allradler der Firmengeschichte macht.

Ford-Gene lassen sich auch am Motor nachweisen. Der Jaguar-V6, bekannt aus dem S-Type, basiert auf einem Ford-Produkt, wird aber standesgemäß veredelt. Das Resultat sind beim Dreiliter nominell 231 PS, was den X-Type auf eine Stufe mit dem BMW 330i stellt.

Den Besitzer braucht die Verwandtschaft mit Ford freilich nicht zu grämen, denn man merkt sie dem X-Type nicht an. Das gilt auch für die Inneneinrichtung. Da kommt der X-Type den landläufigen Vorstellungen von einem Jaguar eindeutig näher als sein größerer Bruder, der S-Type. Großflächiges Furnier auf dem Armaturenbrett, wohnliche Farben und auf Wunsch handwerklich vernähtes Leder lassen den erwünschten Hauch von Noblesse erkennen. Man merkt: Hier  ist man nicht bei armen Leuten.

Dass sich dieser Eindruck auch bei näherer Betrachtung nicht verflüchtigt, spricht für die Qualitätsbemühungen des Herstellers. Passungen, Verarbeitung und Materialbeschaffenheit übertreffen alles, was Jaguar bisher vorweisen konnte. Aber auch sonst spürt man den Fortschritt: Auf den Fahrer wartet eine tadellose Sitzposition, und an der Passform der Sitze gibt es nichts auszusetzen. Allerdings bedarf es in Anbetracht der starken seitlichen Aufpolsterung eines schmalen Rückens.

Schlechter ergeht es indessen den im Fond verweilenden Passagieren. Dort müssen sie mit einer harten, konturlosen Sitzbank vorlieb nehmen, deren steile Sitzlehne ihnen eine demütige Haltung aufzwingt. Bein- und Kopfraum sind knapp bemessen, was man von dem dahinter liegenden Karosserieabteil nicht behaupten kann. Der Kofferraum fasst 452 Liter (Zuladung: 418 Kilogramm) und ist der Stolz der Konstrukteure, übertrifft er doch jeden anderen Jaguar-Kofferraum.

Durch Zukauf der umklappbaren Rücksitzlehnen lässt er sich zudem noch vergrößern. Außerdem stellt man erfreut fest, dass sich unter dem Boden ein vollwertiges Ersatzrad befindet. Ansonsten wird aber schnell klar, wo das Geld, das man offensichtlich in die Qualität steckte, wieder eingespart wurde: Die Ausstattungsliste sagt alles.

So holte Jaguar eigens für den X-Type die Fensterkurbel aus der Versenkung. Elektrische Fensterheber hinten sind bei der Sport-Version ebenso mit Aufpreis behaftet wie vieles andere, darunter die elektronische Fahrdynamikregelung ESP, was besonders bei einem Auto dieser Preisklasse nicht zu vertreten ist. Vorbildlich indessen ist die sonstige Sicherheitsausstattung: zweistufige Airbags vorn, Sitzpositionserkennung und seitliche Kopfairbags vorn und hinten.

Nicht alles, was in der Aufpreisliste steht, ist freilich erstrebenswert. So irritierte die automatische Regelung für die Klimaanlage durch starke Temperaturschwankungen, kombiniert mit Zugluft aus wechselnden Richtungen. Und wer auf das Navigationsgerät mit Bildschirm Wert legt, wird zugleich mit einer Novität namens Touchscreen konfrontiert, die sich als zweischneidige Angelegenheit entpuppt. Durch Fingerdruck auf entsprechende Felder des Schirms können unter anderem Audio-, Telefon- und Klimafunktionen aktiviert werden. Der Nachteil: Das Aufsuchen der Menüs braucht Zeit und die Bedienung Konzentration. Beides ist dazu angetan, den Fahrer vom Verkehrsgeschehen abzulenken.

Davon abgesehen gibt es freilich nicht viel, was den Fahrer verdrießen könnte. Wie es sich für einen Jaguar gehört, wird Komfort beim X-Type groß geschrieben, und das gilt löblicherweise auch für die Sportausführung. Seine schluckfreudige Federung verleiht ihm die markentypische Geschmeidigkeit. Von sportlicher Härte kann höchstens beim Überfahren von kurzen Querwellen die Rede sein.

Weniger diskret sind allerdings die Begleitgeräusche. Akustisch bleiben den Passagieren die Unvollkommenheiten des Straßenbelags nicht verborgen. Auch die Windgeräusche sind bei höherem Tempo nicht zu überhören.

Zur sanften Art des Jaguar passen seine fahrdynamischen Qualitäten. Er ist nicht der Agilste, aber die geschwindigkeitsabhängige Lenkung arbeitet leichtgängig sowie präzise und trägt entscheidend zur Mühelosigkeit bei, mit der sich der X-Type auf kurvenreichen Strecken dirigieren lässt.

Nur in engen Kurven schiebt er bei forcierter Fahrt schon mal kräftig über die Vorderräder. Ansonsten dominiert ausgeprägte Neutralität, unterstützt von einem Allradantrieb, der 60 Prozent der Kraft den Hinterrädern zuteilt.

Er garantiert zugleich, dass auch unter widrigen Bedingungen kräftig beschleunigt werden darf. An Traktion herrscht logischerweise kein Mangel, und der Dreilitermotor bietet genügend Leistungsreserven, um das Beste daraus zu machen. Vom Stand auf 100 km/h verstreichen 7,7 Sekunden, 0,7 Sekunden mehr als nach Werksangabe, was angesichts des stattlichen Gewichts auch kein Wunder ist. Der Testwagen brachte 1.617 Kilogramm auf die Waage (Werksangabe: 1.555 kg).

Besondere Vorzüge sollte man von dem V6-Triebwerk freilich nicht erwarten. Für zügiges Fahren empfiehlt es sich, oberhalb von 3.000/min zu bleiben. Ab 5.000/min machen sich sodann die klassichen V6-Vibrationen bemerkbar, so dass der Griff zum etwas hakelig geführten Schalthebel des gut abgestuften Fünfganggetriebes nahe liegt. Auch im Verbrauch ist dieser V6 kein Vorbild: 12,5 L/100 km im Testdurchschnitt.

Den Kenner dürfte dies nicht erschüttern. Schließlich handelt es sich um einen Jaguar. Da liegt der gesegnete Appetit nun mal in der Familie.

Fazit

Saubere Arbeit: Der Jaguar X-Type leistet sich keine gravierenden Schwächen: Seine Stärken sind der Komfort, die Fahrsicherheit und - dank Allradantrieb - die Traktion. Wenig begeisternd hingegen sind der durstige V6-Motor und das Raumangebot im Fond.

Technische Daten
Jaguar X-Type 3.0 V6 Sport
Grundpreis 40.350 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4672 x 1789 x 1430 mm
KofferraumvolumenVDA 452 l
Hubraum / Motor 2967 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 169 kW / 231 PS bei 6800 U/min
Höchstgeschwindigkeit 235 km/h
0-100 km/h 7,7 s
Verbrauch 10,3 l/100 km
Testverbrauch 12,5 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Top Aktuell Mercedes-AMG GT 63 S 4Matic+ 4-Türer Coupé, Exterieur Mercedes-AMG GT 4-Türer im Test Wie gut ist der Panamera-Rivale?
Beliebte Artikel Mercedes-AMG GLC 63 S Coupe?, Exterieur Mercedes-AMG GLC 63 S Coupé Schnittige Wuchtbrumme im Test Racechip Hyundai i30 N - Tuning - Kompaktsportwagen Racechip-Hyundai i30 N im Test 320 Tuning-PS im Kompakten
Anzeige
Sportwagen sport auto 1/2019 - Heftvorschau sport auto 1/2019 8 Sportwagen im Handling-Check Aston Martin Valkyrie V12-Motor des Aston Martin Valkyrie So schreit der 1.000-PS-Sauger
Allrad Porsche Macan, Facelift 2019 Porsche Macan (2019) Facelift Scharfes Heck, starke Motoren Audi SQ5 3.0 TFSI Quattro, Exterieur, Heck SUV Neuzulassungen November 2018 Audi und Porsche unter Druck
Oldtimer & Youngtimer Porsche 911 (996) Carrera Coupe Porsche 911 (996) Kaufberatung Probleme des Schnäppchen-Elfer Aston Martin Heritage EV Concept Aston Martin Heritage EV Concept Elektroantrieb für Klassiker
Promobil Etrusco Alkoven A 7300 DB (2019) Etrusco-Wohnmobile 2019 T-Modell und der erste Alkoven VW Grand California (2019) VW Grand California (2019) Vor- und Nachteile des Crafter-Bus
CARAVANING Platz 10: Alpencamping Nenzing Top 10 Winter-Campingplätze Allgäu, Italien & Co. Tür 13 Adventskalender 2018 Mitmachen und gewinnen Sportchronograph von Casio EDIFICE