Jaguar X-Type Estate 3.0 gegen Mercedes C 320 T

Für Frack und Pack

Foto: Hans-Dieter Seufert

Kommt Zeit, kommt Raum: Drei Jahre nach der Limousine betritt Jaguar mit dem Kombi wieder Neuland für die Marke. Mit seinem Sechszylinder-Motor zielt er genau auf das C-Klasse-T-Modell von Mercedes.

Nachwuchs im Hause Jaguar. Voller Freude gibt der stolze Vater die Ankunft des neuen Familienmitglieds bekannt, während hinter vorgehaltener Hand über die Gene der nicht ganz standesgemäßen Mutter getuschelt wird. Von ihr hat der Kleine wohl auch seine große Klappe, aber er hat Rasse und sieht blendend aus, so dass die Anerkennung des Rudels kaum ausbleiben kann. Da darf man gespannt sein, wie sich der Youngster in freier Wildbahn gegen die Platzhirsche behaupten wird. Das TModell der Mercedes C-Klasse etwa, ein mächtiger Rivale, der sein Revier nach der jüngsten Frischzellenkur vital und ehrgeizig wie nie verteidigt – und der seine Gefolgschaft nicht allein mit schnödem Pragmatismus, sondern mit Stil, Tradition und klarem Führungsanspruch um sich schart. Der X-Type Estate liegt da ganz auf dieser Linie und zeigt mit fließender Eleganz, dass man es sich leisten kann, auf optimale Raumökonomie zu verzichten. Denn für rund 43 000 Euro haben beide Konkurrenten zwar kräftige V6-Motoren, Automatikgetriebe und feine Details, aber kaum mehr Ladevolumen als ein nur halb so teurer VW Golf Variant zu bieten.

Fakt ist: Wer Autos in Kubikmeter pro Euro misst, kommt hier nicht auf seine Kosten. Dass der Jaguar in dieser Disziplin etwas besser dasteht, verdankt er seiner 17 Zentimeter längeren Karosserie und dem steileren Heck. Beides zusammen erlaubt mit umgeklappter Fondlehne auch mal den Transport einer sperrigen Truhe. Das separat zu öffnende Heckfenster erleichtert das Verstauen von Einkaufstaschen. Allein die Maximalzuladung (433 Kilogramm) ist für einen Kombi knapp bemessen. Der Mercedes verkraftet immerhin 71 Kilogramm mehr, hat bei voller Bestuhlung den größeren Gepäckraum und lässt sich genauso mühelos in einen Zwei- oder Dreisitzer verwandeln. Wenige Handgriffe reichen jeweils, um die Arretierung der Lehnen zu lösen, und die hinteren Gurtschlösser sind so verankert, dass kein Bandsalat entsteht. 

Einziger Schönheitsfehler: Weil die Sitzflächen am Platz bleiben, entsteht bei beiden keine völlig ebene Ladefläche. Auch die Insassen müssen sich etwas einschränken. Hinten können zwar zwei Erwachsene selbst längere Reisen ohne Beklemmungen überstehen, aber die Bewegungsfreiheit ist gering – erst recht, wenn sich ein Dritter hinzugesellt. Beim Jaguar stört obendrein die steilere Fondlehne und – wie vorne – ein Wulst im Rücken, der auf die Schultern drückt. Für einen stilbewussten Briten eher enttäuschend: Das serienmäßige Leder wirkt kein bisschen tierisch, sondern so künstlich wie die großflächig verteilten Echtholz-Paneele. Zudem kann die üppige Executive- Ausstattung weder schlichte Materialien noch die teils lieblose Machart überdecken. Da wirkt die C-Klasse nach der Modellpflege spürbar gediegener – von der steifen, knarzfreien Karosserie über tadellose Passungen bis hin zum neuen Cockpit mit schöneren Instrumenten, Schaltern und Oberflächen. Nur der überladene Multifunktionshebel, die zu tief platzierten Fensterhebertasten und die mäßige Übersichtlichkeit trüben das Bild.

Allerdings basiert das Renommee beider Marken nicht allein auf gehobener Qualität und Ausstattung, sondern mindestens ebenso auf hochklassigem Komfort. Diese Erwartung erfüllt der als Estate straffer abgestimmte X-Type mit seiner stößigen, hölzernen Federung sowie dem polternden Abrollverhalten nur zum Teil. Erst mit höherer Zuladung stellt sich etwas von der wiegenden Geschmeidigkeit ein, die seit Generationen das Fahrerlebnis in einem Jaguar prägt. Beim Mercedes verhält es sich genau umgekehrt. Querfugen und kurze Unebenheiten werden feinfühlig und leise absorbiert, während die durch Belastung verkürzten Federwege auf groben Wellen zu kräftigen Vertikalbewegungen führen. In Verbindung mit bequemeren Sitzen, besser isolierten Windgeräuschen und der kultivierteren Antriebseinheit erreicht sein Reisekomfort aber insgesamt ein höheres Niveau. Der Motor hat daran entscheidenden Anteil, wobei die rund drei Liter großen, über 200 PS starken V6-Aggregate eine entspannte, gepflegte Fortbewegung versprechen.

Doch die Unterschiede sind größer als erwartet: Nur bis zum mittleren Drehzahlbereich bleibt der von Ford stammende Jaguar-Sechszylinder ähnlich samtig und leise wie der Mercedes-V6. Beim Ausdrehen brüllt er hingegen wie ein Löwe und vibriert vor Erregung, um dann als Papiertiger zu landen. Denn im Vergleich zum nominell schwächeren C 320 wird die Höchstleistung erst bei 6800 statt 5700/min erreicht, im mittleren Bereich fehlt es spürbar an Kraft. Da muss die im fünften Gang länger übersetzte Automatik viel häufiger schalten, was sie nur unwillig und mit härteren Rucken tut. So hat die C-Klasse nicht nur das bessere Temperament und die angenehmere Akustik auf ihrer Seite, sondern dazu einen niedrigeren Benzinverbrauch. Natürlich fordern hier auch Gewicht und Reibungsverluste des obligatorischen Vierradantriebs beim Jaguar einen Tribut, der sich freilich bei widrigem Wetter durch überlegene Traktion positiv bemerkbar macht.

Ansonsten bringt der Aufwand in fahrdynamischer Hinsicht wenig, zumal der X-Type wegen seiner stößigen, teigigen Lenkung bei Ausweichmanövern indifferenter und schwerfälliger wirkt. Auch die Verzögerung erreicht nicht ganz das hohe Niveau des Mercedes. Der lässt sich in kritischen Situationen sogar etwas leichter beherrschen, was vorwiegend auf das Konto seines besseren Handlings geht. In Kurven ist er gutmütig und berechenbar, lenkt präziser, spontaner ein und kündet die Annäherung an den Grenzbereich durch ein wischendes Heck an, das von der Regelelektronik sanft, aber bestimmt in Zaum gehalten wird. Durch die optimierte Fahrwerks- und Lenkungsabstimmung hat der Hecktriebler jedenfalls klar gewonnen. Am Ende baut der C 320 T seinen Punktevorsprung weiter aus, weil er auch die Umwelt- und Kostenwertung zu seinen Gunsten entscheidet. Da muss der junge Jaguar noch einiges an Geschmeidigkeit, Sprungkraft und Treffsicherheit zulegen, um im Revier der großen Tiere erfolgreich Beute zu machen. 

Fazit

1. Jaguar X-Type Estate 3.0 Executive
464 Punkte

Die elegante, geräumige Karosserie und die gute Traktion (Allradantrieb) sprechen für den Jaguar. In Qualität, Komfort, Fahreigenschaften und Leistungscharakteristik bleibt er jedoch hinter den Erwartungen zurück.

2. Mercedes C 320 T-Modell
516 Punkte

Der Sieg des Mercedes lässt an Klarheit nichts zu wünschen übrig. Er ist besser verarbeitet, komfortabler und handlicher, dazu günstiger im Unterhalt. Vor allem der kultiviertere, sparsamere Antrieb wirkt überzeugend.

Technische Daten
Jaguar X-Type Estate 3.0 V6 Executive Mercedes C 320 T Avantgarde
Grundpreis 45.830 € 43.303 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4716 x 1789 x 1441 mm 4541 x 1728 x 1466 mm
KofferraumvolumenVDA 445 bis 1415 l 470 bis 1384 l
Hubraum / Motor 2967 cm³ / 6-Zylinder 3199 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 169 kW / 231 PS bei 6800 U/min 160 kW / 218 PS bei 5700 U/min
Höchstgeschwindigkeit 227 km/h 242 km/h
0-100 km/h 9,1 s 7,7 s
Verbrauch 10,6 l/100 km 11,0 l/100 km
Testverbrauch 12,8 l/100 km 12,3 l/100 km
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