Jaguar XK 4.2L V8 im Test

Jag-Trieb

Foto: Hans-Dieter Seufert 20 Bilder

Ist er schön? Ganz offensichtlich, das lässt sich aus vielen glühenden Blicken schließen, die dem neuen Jaguar XK folgen. Ist er talentiert genug für den Erfolg in der Coupé-Oberklasse? Der erste Test zeigt es.

Zwei Worte, eine Erkenntnis: „Aston Martin“ sagt der Ampelnachbar in der E-Klasse zu seiner Begleiterin, was ihm auch aus der Entfernung deutlich von den Lippen abzulesen ist. Leider daneben – und trotzdem ein Treffer: Es gibt schlimmere Automobil-Schicksale als die Verwechslung mit einem Vantage. Zumal die Ähnlichkeit in diesem Fall ja wenigstens in der Familie bleibt. Das hören sie bei Jaguar nicht gerne. Aber ein Nachteil wird das Äußere im Leben des neuen Coupés schon deshalb nicht sein, weil sich der Sex-Appeal seiner betonten Hüften, der Spannungsbogen des Dachpavillons und der klassische, feinmaschige Jaguar-Grill jedem Mode-Verdacht entziehen.

Das Alter, so lässt sich prophezeien, wird ihm nicht viel anhaben können. Allein das kann ein Kaufargument sein. Pragmatiker dürfen sich an seiner kompletten Serienausstattung freuen, die Details wie Bi-Xenon-Scheinwerfer, elektrisch verstellbare Ledersitze und DVD-Navigation umfasst. Das relativiert die Zahl auf der Preisliste: Der XK-Einstieg liegt bei 81 500 Euro (siehe Spotlight). So ist er bereit für die Gedankenspiele möglicher Käufer: Ein Porsche 911 könnte ja in Frage kommen, der etwas billiger ist, der BMW Sechser oder ein nur geringfügig schwächerer Mercedes SL 350, der ihm das klappbare Dach voraus hat. Auch das Maserati Coupé GT zählt noch zu den Konkurrenten, weil es kaum weniger betörend aussieht und über 90 PS mehr leistet.

Denn wirklich neu ist zwar die Aluminium- Karosserie des XK, nicht aber sein im unteren Drehzahlbereich etwas uninspiriert wirkender 4,2-Liter-V8, der es wie im Vorgänger auf 298 PS Leistung bringt. Mehr ist erst im Herbst zu erwarten: Dann soll die Kompressor-Version mit 420 PS auf den Markt kommen. Aber schon jetzt entzückt der XK mit seinem grollenden Sound, einem metallisch-durchdringenden Fauchen, das die Jaguar- Phonetiker seinem Triebwerk antrainiert haben. Es spricht jetzt mit amerikanischem Akzent, allerdings nicht in brüllender Muscle-Car-Tonlage – und vor allem äußert sich der V8 nur in der Nähe des roten Bereichs wirklich auffällig.

Bei flüssiger Fahrt herrscht gepflegte Stille, während über 180 km/h das kernige Ausatmen des Achtzylinders mit dem deutlich hörbaren Fahrtwind konkurriert. Ein Rauschen um A-Säulen und Spiegel mag da tolerabel sein, nicht jedoch das Wummern um die Windschutzscheibe, wie es beim Testwagen auftrat.

Es wird wie immer Jaguar-Käufer geben, die nur ausnahmsweise in höhere Geschwindigkeitsbereiche vordringen. Ihren Ansprüchen kommt der neue XK mit den ruckfreien Reaktionen seiner Automatik, der bequemen Sitzposition und den vielfältigen Verstellmöglichkeiten der gut profilierten Ledersessel entgegen, weniger mit jener vollendeten Fahrwerksgeschmeidigkeit, die sie traditionell von einem großen Jaguar-Coupé erwarten. Speziell bei langsamer Fahrt enttäuscht das knochige Ansprechen der Federung auf kurzen Unebenheiten. Allerdings war der Test-XK mit optionalen 20-Zoll-Rädern bestückt, und absolut betrachtet ist er trotz dieser Schwäche nicht unkomfortabel.

Für ihn spricht auch, dass der Hauch von Härte zu seinem agilen Handling passt, mit dem er sich am gründlichsten von seinem Vorgänger unterscheidet. Wie kein anderer Jaguar der jüngeren Markengeschichte erfüllt er den Wunsch nach sehr zügiger Fortbewegung. Er unterstützt sie mit einer ebenso feinfühligen wie präzisen Lenkung und lange anhaltender Neutralität in schnellen Kurven, äußerst standfesten Bremsen sowie extrem schnellen Gangwechseln. Wer will, kann neuerdings zu Schaltpaddeln am Lenkrad greifen, was eine bessere Wahl ist als das Sportprogramm, denn es neigt dazu, die sechs Stufen unnötig hektisch zu sortieren. Das irritiert, weil es dem sonst so distinguierten XK-Charakter widerspricht.

Denn selbst in den Händen eines emphatischen Fahrers gibt es kaum eine Situation, in der er seine Gelassenheit verlieren würde – vorausgesetzt, der Jaguar-Benutzer kommt nicht auf die Idee, den Rauchzarten mit dem ewigen Rocker namens 911 zu verwechseln. Abwegig wäre das schon deshalb, weil das Coupé trotz der neuen Aluminium-Karosserie kein leichtes Auto geworden ist: Es wiegt mit gut 1,7 Tonnen etwa so viel wie bisher.

Deshalb überrascht es auch nicht, dass das Werks-Versprechen von 6,2 Sekunden für den Spurt auf 100 km/h verfehlt wird: Er braucht sechs Zehntel länger dafür. Man gönnt sie dem XK, anders als seinen Umgang mit dem Kraftstoff: Um die 14 Liter Superbenzin auf 100 Kilometer fordert er bei gelöstem Langstrecken- Trab, entschiedener Volllastbetrieb lässt die Verbräuche an der 20-Liter-Marke kratzen – zu viel, auch wenn das seine potenziellen Käufer in der Regel nicht belasten wird.

Sie dürfen sich dafür an anderen schwachen Seiten des XK reiben.Manche Plastik-Applikationen wie die Einfassung des Touchscreen-Monitors zählen dazu, deren profane Anmutung sich nur schwer in die Nachbarschaft von beigefarbenem Leder und Walnussholz einfügen will. Außerdem stört die mangelnde Kopffreiheit für Fahrer über 1,85 Meter Körpergröße: Die massive Umrahmung der Seitenfenster schränkt die Bewegungsfreiheit ein.

Und der Beifahrer sucht vergebens nach einem Haltegriff. Form und Format des neuen XK sprechen dafür, dass ihm das nicht wenige Liebhaber nachsehen werden. Denn zu den Vorzügen des großen Coupés zählt auch die Fähigkeit, seine Erhabenheit auf den Fahrer zu übertragen.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • sehr steife Karosserie
  • saubere Verarbeitung
  • Materialien teilweise nicht auf Premiumniveau
  • hintere Notsitze nur als Ablagefläche brauchbar
  • nach hinten unübersichtlich
  • Touchscreen-Monitor zum Teil schwer ablesbar
Fahrkomfort
  • passend profilierte Sitze mit großem Verstellbereich
  • störende Windgeräusche
  • Federungsschwächen auf kurzen Wellen
Antrieb
  • angemessene Fahrleistungen
  • leises Motorgeräusch
  • sanft und sehr schnell schaltende Automatik
  • geringe Reichweite
Fahreigenschaften
  • agiles Handling
  • unproblematisches Kurvenverhalten
Sicherheit
  • standfeste Bremsen
  • gute Sicherheitsausstattung
Umwelt
  • hoher Verbrauch
Kosten
  • umfangreiche Ausstattung
  • hoher Anschaffungspreis
  • hohe Unterhaltskosten

Fazit

Für optische Präsenz gibt es kein Wertungsschema. Aber auch das sportliche Handling des Jaguar XK beeindruckt, während der Fahrkomfort nicht völlig überzeugen kann. Und er verbraucht zu viel.

Technische Daten
Jaguar XK 4.2L V8
Grundpreis 85.400 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4791 x 1893 x 1322 mm
KofferraumvolumenVDA 300 l
Hubraum / Motor 4196 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 219 kW / 298 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 6,8 s
Verbrauch 11,4 l/100 km
Testverbrauch 15,8 l/100 km
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