Jaguar XK8 Cabrio im Test

Zur Sache Kätzchen

Jaguar XK8-Cabriolet

Schöner ging selten ein Dauertest zu Ende. Das Jaguar XK8-Cabriolet mit Vierliter-V8- Motor überzeugte 100 000 Kilometer lang nicht nur durch seine Form, sondern auch durch seine Alltags- und Reisequalitäten.

Wäre der Jaguar XK8 jene Katze, die er als Wappentier führt, so hätte er nach 100 000 Kilometern den Zustand eines alten Katers erreicht. Da dies nur ein Jahr und zehn Monate dauerte, ist dem Kätzchen damit eher eine Reifeprüfung gelungen.

Das antiguablaue Jaguar XK8-Cabriolet wurde auf der Strecke Stuttgart–Passau–Wien stilvoll eingefahren und erfuhr eine Schlussetappe, die einer Tour-de-France-Etappe nicht unwürdig wäre, nämlich ab Contrexville über Lançon, La Croix Valmer und Les Ceignes zurück nach Waiblingen. Dazwischen lagen exakt 101 071 Kilometer für den Jaguar, aber bloß kurze 22 Monate für die Tester von auto motor und sport. Verantwortlich für diesen Zeitraffer-Effekt war, dass sich der XK8 bei Langstreckenfahrten als erste Wahl empfahl. Er beschleunigte nicht nur in 7,5 Sekunden von null auf 100 km/h, sondern ebenso beeindruckend vom früheren Jaguar-Standard auf das Qualitätsniveau der Luxusklasse .

Wurde der 4,76 Meter lange 2+2-Sitzer im Einzeltest sowie dem Doppeltest mit dem Mercedes SL 500 mit mehr Lorbeer bedacht als der britische Feldherr Wellington, so musste er im Dauertest über 100 000 Kilometer Qualitäten beweisen, die früher keine Paradedisziplinen waren.

Zwar stehen insgesamt fünf außerplanmäßige Werkstatt-Termine auf der Liste der Störungen, doch weder eine defekte elektrische Sitzverstellung des Fahrersitzes noch Radlagergeräusche vorne, eine ver klemmte Motorhaubenverriegelung, Fehlfunktion der Fensterautomatik beim Türöffnen noch letztlich bei Kilometerstand 96 914 vier erneuerte Stoßdämpfer führten zu einer Panne während der Fahrt. Mängel dieser Art sind typisch – nicht weil Jaguar britischer Abstammung ist und die Hausaufgaben nicht gemacht hat. Nein, diese lästigen Kleinigkeiten sind nach den Dauertesterfahrungen von auto motor und sport typisch für mit komplizierter Technik überfrachtete Luxusautos.

Der Nachfolger der barocken XJS-Modelle bereicherte ab dem 12. Dezember 1997 den Dauertestfuhrpark und kostete damals 138 940 Mark. Erste Amtshandlungen waren der Wechsel auf Winterreifen und eine rote Eintragung in die Bordkarte: „Sehr poltriges, stößiges Fahrwerk.“ Die Malaise im Fahrkomfort konnte aber nicht den Pirelli-Winter- 210-Asimmetrico-Reifen in die Karkasse geschoben werden, sondern einem Extra.

Die 18-Zoll-Räder mit Leichtmetallfelgen im „7-Spoke“- Design kosteten damals nicht nur 1510 Mark Aufpreis, sondern verliehen dem Jaguar auch den Abrollkomfort eines Maulesels anstelle einer Katze. Die Umrüstung auf 17-zöllige Samtpfoten im „5-Spoke“-Design und neue Sommerreifen erfolgte bei Kilometerstand 21 575 am 15. April 1998. Ein nächster Satz Pirelli P Zero Asimmetrico musste dann erst wieder bei 71 288 km aufgezogen werden und hielt bis zum Ende des Dauertests.

Noch auf den 18-Zoll-Winterreifen und knapp nach dem Jahreswechsel 97/98 demonstrierte der Jaguar, dass er kein Schneegepard ist und die stets sommerlichen Gefilde Floridas und Kaliforniens den verschneiten österreichischen Alpen als Jagdrevier vorzieht. Dort offenbarte er eklatante Traktionsschwächen beim Bergauffahren auf verschneiter Fahrbahn – aber auch eine heikle Rutschtendenz über die Vorderachse beim Bergabfahren, weil sich die fünfstufige Getriebeautomatik nicht im ersten Gang sperren lässt und praktisch ab Leerlaufdrehzahl in die zweite Fahrstufe wechselt.

Während Walter Röhrl bei der Oldtimer-Rallye Planai Classic mit einem MG TA und Hanfstricken auf den Antriebsrädern zum Schnee- und Bergkönig avancierte, musste der Jaguar XK8 am Berg geborgen werden: mit rund 1200 Mark teuren Schneeketten der Dimension 245/45 R 18, die im steirischen Ennstal ansonsten auf Leicht- Lastwagen aufgezogen werden. Auch bei Regen leistet sich das Nobel- Cabrio nicht die besten Manieren. Werden die Türen geöffnet, platscht das himmlische Nass wegen des seitlich stark eingezogenen Verdecks auf die Sitzflächen oder die Passagiere.

Doch wer immer, ob bei Schneefall, Regen oder Sonne, auf den XK8 zuging, Schlüssel samt Fernbedienung in der Hand, und die Türen unter dem koketten Aufleuchten der Blinker entriegelte, verzieh dem Jag dessen Marotten. Schließlich liegt keine andere Serienkarosserie so lasziv auf den Rädern wie die Schöpfung des im Sommer gestorbenen Jaguar -Designers Geoffrey Lawson. Männer, die Pfeife rauchen, erinnert dieser Anblick selbstverständlich an den E-Type.

Man kann in den Schwüngen der Kotflügel, der Wölbung des Hecks und den Rundungen der Motorhaube auch eine Hommage an die junge Rita Hayworth, die sich auf einer Chaiselongue rekelt, erkennen. Welche Verheißungen der parkende XK8 auch immer signalisiert, sie werden beim Fahren nicht enttäuscht, wie spontane Einträge in die Bordkarten beweisen: „Tolles Auto“ – „Schnurrt wie eine Katze“ – „Traumhafte Motor-Getriebe- Kombination“ – „Angenehm geringe Windgeräusche jenseits von 200 km/h“ – „Toll für lange Strecken“.

Die Komplimente verdiente sich der XK8 dank seines aus- geprägten Reisekomforts. Der summiert sich aus den Fahrleistungen und der Geschmeidigkeit des V8-Motors, den moderaten Windgeräuschen bei geschlossenem Verdeck (Innengeräusch 75 dB(A) bei 180 km/h, zum Vergleich 82 dB(A) beim Mercedes SL 500), den guten Allwetter-Eigenschaften des zweilagigen und gefütterten Stoffverdecks, der Spurtreue bei höheren Geschwindigkeiten, dem guten Federungskomfort auf langen Bodenwellen, dem für zwei Personen großzügig bemessenen Kofferraum und schließlich dem stilvollsten Innenraum seiner Preisklasse.

Kleine Mängel haben sich zwischen dem Wurzelholz des Armaturenbretts und den Lederbezügen der Sitze nie zu großen Ärgernissen komprimiert: Die Sitzkissen sind etwas zu hoch, hart und kurz. Die Schalter der elektrischen Sitzverstellung sind zwischen Sesselfuß und Handbremshebel gequetscht. Das Nachtdesign, also die Beleuchtung wichtiger Bedienelemente, ist dürftig oder gar nicht vorhanden. Die niedrige Windschutzscheibe neigt bei Regen rasch dazu, innen zu beschlagen. Die Sitzheizung erreicht blitzartig Grill-Temperaturen. Das helle Velours des Dachhimmels und die beigen Lederbezüge verschmutzen ohne besondere Vorsicht und Pflege zügig.

Was sind diese Fährnisse gegen die Behaglichkeit des Innenraums? – Nebbich. Die Sitzposition des Fahrers ist – auch dank der Lenkradverstellung – überwiegend entspannt, die Bedienungselemente sind auf der breiten Mittelkonsole logisch zusammengefasst. Auf den Notsitzen lassen sich bei Bedarf entweder Kinder oder rüstige ältere Tanten unterbringen. Der inzwischen auf 152 100 Mark inklusive dreijähriger Service-Garantie verteuerte XK8 wird kaum als Cabrio gekauft, um nahe und entfernte Verwandtschaft zu transportieren, sondern um verwandtschaftliche Beziehungen zu Luft und Sonne zu pflegen. Schließlich reduziert sich das Öffnen und Schließen des Verdecks auf das Drücken eines einzigen Knopfes, und auch die zwar praktische, aber mäßig stilvolle Persenning aus weichem PVC ist unkompliziert zu montieren.

Dieser Meinung schlossen sich 1998 in Deutschland 914 Käufer an, 687 entschieden sich für das Coupé. Im Jahr 1999 sind die Verkaufszahlen bis September noch eindeutiger: nur 382 Coupés, aber 787 Cabriolets. Damit entspricht die deutsche Jaguar XK8-Fraktion dem internationalen Sonnen-Trend. Seit dem Serienanlauf 1996 wurden vom XK8 bis August ’99 insgesamt 23 973 Cabriolets, aber nur 11 910 Coupés gebaut. Im Hauptabsatzmarkt USA werden 61 Prozent der Cabrio-, aber nur 13 Prozent der Coupé-Produktion verkauft. Der Jaguar XK8 wird – auch das ist eine Erkenntnis aus 100 000 Dauertest-Kilometern – nicht nur zum eigenen Vergnügen, sondern auch zur Freude anderer gefahren. Anders als vergleichbare deutsche Luxus- Cabrios weckt der Jag keinen Sozialneid, sondern Vergnügen. Dies ist in Italien am stärksten ausgeprägt, wie Testchef Otto Hofmayer erfreut feststellte, dem für derartige Erkenntnisse kein Weg zu weit ist.

Beim Besuch Pompejis offerierte ein Trattoria-Besitzer seinen geschützten und bewachten Privatparkplatz. Als auf der sorrentinischen Halbinsel eine Wagenwäsche fällig wurde, um das metallische Antiguablau nicht gegen Meer und Himmel um Capri abfallen zu lassen, verweigerte der entsprechende Tankwart seine Waschstraße. Ein derartiger Schönheitskönig verdiene seine persönliche Handwäsche.

Obwohl dem Jaguar im Redaktionsalltag nicht ständig derart liebevolle Pflege zuteil wurde, ist er auch nach 100 000 Kilometern weit entfernt vom Zustand der „geschrubbten Flunder“. So bezeichnete Fritz B. Busch schon 1961 Jaguar- Sportwagen, die in den Händen vieler Fahrer praktisch rund um die Uhr Kilometer fressen. Die Karosserie – kaum merklich weicher geworden – steht viel besser da, als dies Rita Hayworth heute tun würde.

Zwei leichte Dellen an der Kofferraumkante zeugen davon, daß dieser einmal zuviel in Gewichthebermanier zugewuchtet wurde. Im hellen Velours des Dachhimmels haben Zigarettenrauch und Fahrtwind dunkle Spuren gezogen. Die Zigaretten dann, wenn bei geschlossenem Verdeck gepafft wurde. Und der Fahrtwind, wenn das Verdeck offen, aber nicht durch die Persenning geschützt war. Die Kilometerkosten sind mit 33,9 beziehungsweise 5,8 Pfennig sehr hoch. Obwohl sich der Jaguar XK8 mit ei nem durchschnittlichen Testverbrauch von 13,0 Liter Super/ 100 Kilometer und einer Nachfüllmenge von nur zwei Liter Öl/100 000 Kilometer als Konsument fossiler Flüssigkeiten zurückhielt, sorgt das Luxuswagen- Etikett bei Kraftfahrzeugsteuer, Versicherung, Reparaturen, Service und Reifen für stolze Kosten. Inzwischen sind Service und Wartung für 100 000 Kilometer oder drei Jahre im Neuwagenpreis mit eingeschlossen.

Allerdings dürfte der rapide Preisanstieg um 13 160 Mark in etwa dem Wert dieser Service- Pauschale entsprechen. Zwei Schätzgutachten taxieren den Wert des XK8 Cabriolets auf – etwas überzogen scheinende – 79 500 Mark. Der Jaguar gibt eben auch gebraucht keine billige Schönheit ab.

Nach kurzem Schwanken zwischen einem Mercedes 500 SL und einem Jaguar XK8 Cabrio habe ich mich für einen gebrauchten Jaguar entschieden. Maßgeblich beeinflusst hat diese Entscheidung die außerordentlich ansprechende Form, der für ein Cabriolet geräumige Kofferraum und nicht zuletzt der überzeugende Testbericht in auto motor und sport Heft 25/96. Mit dem Jaguar XK8 Cabrio habe ich bis heute problemlose 25 000 Kilometer zurückgelegt. Bei leider überwiegendem Kurzstreckenbetrieb betrug der Benzinverbrauch laut Bordcomputer über die gesamte Fahrstrecke 12,9 Liter/ 100 km.

Das Fahrverhalten ist selbst in schnell gefahrenen Kurven absolut unproblematisch, der Abrollkomfort (Pirelli Zero Asimmetrico 245/50 auf 8x17 Zoll-Felgen) gut und besser als beim 500 SEC (Michelin 235/45 auf 8,5x17 Zoll). Auf unebener Fahrbahn verhält sich die Karosserie absolut knirsch- und zitterfrei. Dass das geöffnete Verdeck mit einer Plane abgedeckt werden muss, ist „old english fashioned“, aber mit lediglich vier Druckknöpfen leicht und schnell erledigt. Kritikpunkte bei diesem Auto sind eine stößige Lenkung und die nach hinten unübersichtliche Karosserie. Fazit: Der Fahrspaß, den der Jaguar XK8 rundherum vermittelt unter anderem auch wegen seines samtweich laufenden 4,0-Liter-V8-Motors in Verbindung mit der 5-Gang-Automatik Ð hat meine Kaufentscheidung voll bestätigt. Und er ist, insbesondere offen gefahren, ein Hingucker.
Rolf Lohse, 21509 Glinde

Seit zwei Jahren und 41 000 Kilometern fahre ich einen XK8 und dies nach 20 Jahren Porsche. Ich bin mit dem Jaguar über Erwarten zufrieden, er ist mit der Serienbereifung komfortabel, hat genügend Platz und ist bei italienischen Parkplätzen und Tiefgaragen gerade noch klein genug. Der Benzinverbrauch mit genau 11 Liter liegt auf dem Niveau meines ehemaligen Carrera 4. Reparaturen und außerplanmäßige Werkstattaufenthalte hatte ich noch nicht. Bis jetzt bin ich wunschlos glücklich.
Klaus Ulmer, kulmer@nikko.ch
 
Das Fahrzeug wurde am 1. 8. 1997 ausgeliefert. Auf der Jungfernfahrt ins Allgäu startete ich bei zirka 30 Grad und Sonne mit offenem Dach und aufgezogener Persenning. Im Allgäu angekommen, war der helle Dachhimmel innen von Abgasen völlig schwarz. Mit einer festen Verdeckklappe wären die Probleme besser gelöst. Im November 1997 stand das Fahrzeug zirka zwei Wochen in der beheizten Garage. Als ich es starten wollte, sprang es an, starb aber kurz darauf wieder ab. Der Werkstattdienst kam nach einem Tag (Zitat: „Das Problem kennen wir“) und wechselte sämtliche Kerzen aus („Die haben den falschen Wärmewert“). Bei Fahrten mit zwei Personen im Herbst oder Frühjahr beschlagen die Scheiben selbst bei trockener Witterung bei eingeschalteter Klimaautomatik. Auf einer Autobahnfahrt musste ich permanent zirka alle zehn Kilometer die Front- und Heckscheibenheizung anmachen. Ansonsten erfreut das Fahrzeug durch eine hervorragende Laufruhe, Durchzugskraft, Eleganz, Exklusivität und einen recht hohen Wiederverkaufswert.
Hubert Rupf, 14165 Berlin 

Abgastest: Der Jaguar XK8 ist noch nach der seit 1996 für neue Modelle und seit 1. 1. 1997 für alle neuen Autos verbindlichen europäischen Abgasvorschrift 94/ 12/EG (= EU2) typgeprüft, die mittlerweile durch die wesentlich strengeren EU3- und D4-Regelungen abgelöst worden ist.

Auch Autos mit höherer Laufleistung können EU2-Limits in der Regel ohne große Mühe einhalten. Dies gilt auch für den Jaguar. Die obligatorische Abgasmessung am Ende des Dauertests auf dem Rollenprüfstand des T.V Automotive GmbH (Unternehmensgruppe T.V Süddeutschland) in Böblingen ergab die folgenden Werte (Grenzwerte in Klammern): Kohlenmonoxid (CO): 1,67 (2,20) Gramm pro Kilometer, Summenwert aus Stickoxiden (NOX) und Kohlenwasserstoffen (HC): 0,44 (0,50) Gramm pro Kilometer. 

Mängel im Überblick: Der Kabelstrang der Fahrersitzverstellung war nicht richtig verlegt und wurde immer eingequetscht, wenn der Sitz nach unten verstellt wurde. Die Lager der Vorderräder verursachten Geräusche und wurden bei Kilometerstand 57 775 erneuert. Die dritte Bremsleuchte ging ohne Fremdeinwirkung verloren und musste ersetzt werden. Die Bremsen ließen erst bei über 70 000 km nach. Beläge und vordere Bremsscheiben wurden erneuert. Ein undichter Stoßdämpfer führte dazu, dass gegen Dauertestende alle Dämpfer erneuert wurden
 

Vor- und Nachteile

  • Kultivierter und leistungsstarker V8-Motor
  • Gute Verarbeitungsqualität
  • Großer Kofferraum
  • Geringe Windgeräusche
  • Karosserie vorne und hinten unübersichtlich
  • Fahrwerk stößt auf Querfugen und kurzen Bodenwellen
  • Keine Einparkhilfe
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Technische Daten
Jaguar XK8 Cabrio
Grundpreis 68.360 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4760 x 1829 x 1306 mm
KofferraumvolumenVDA 307 l
Hubraum / Motor 3996 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 209 kW / 284 PS bei 6100 U/min
Höchstgeschwindigkeit 248 km/h
Verbrauch 12,2 l/100 km
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