Jeep Cherokee 3.7 Limited im Test

US-Klassiker in neuem Outfit

Der neue Jeep Cherokee präsentiert sich als Geländewagen von echtem Schrot und Korn: robust und für strapaziösen Einsatz geeignet. Im Test: die 210 PS starke Topversion mit 3,7-Liter-V6.

Der neue Cherokee ist der erste Jeep, der eine unabhängige Radaufhängung besitzt. Aber was für eine: Allein schon die massiven Brocken von Querlenkern und Achsschenkeln sehen aus, als könne man daraus eine komplette Smart-Karosse schneidern. Dass selbst im schweren Geläuf keine nachhaltigen Beschädigungen zu erwarten sind, glaubt man den Jeep-Konstrukteuren gern. Und dass dieser Jeep im Gelände die schwierigsten Passagen zu bewältigen vermag, stellt der Testwagen gern unter Beweis. Es genügt ein Griff zum Schalthebel des Verteilergetriebes. Ist er in Ruheposition, werden nur die Hinterräder angetrieben. In der ersten Raste fließt dann die Kraft an alle vier Räder. Noch weiter zurückgezogen, aktiviert der Schalthebel die zentrale Sperre. Und in seiner Endstellung setzt er die Geländereduktion in Aktion. Damit lässt es sich trefflich kriechen, Furcht erregende Steigungen hinauf und – wichtiger noch – im Schritt-Tempo bergab, ohne das Bremspedal zu berühren. Eine 60-Prozent-Sperre im Hinterachsdifferenzial trägt dazu bei, den Cherokee zum King of the Mountains zu machen.

Der wirkliche Fortschritt aber zeigt sich erst, wenn der Cherokee auf ganz normaler Straße unterwegs ist. Seine neu entwickelte Zahnstangenlenkung vermittelt ein präzises Gefühl für die Fahrbahn, der Geradeauslauf ist stabil. Die Federung zeichnet ein für einen Geländewagen gutes Schluckvermögen aus. In schnell gefahrenen Kurven benimmt sich der Jeep gutmütig, wobei ihm allerdings der hohe Schwerpunkt und die geländetauglichen Reifen Grenzen setzen. Die kündigen sich durch starke Karosserieneigung und spürbares Schieben über die Vorderräder an. Bei voller Beladung kann auch einmal das Heck nach außen drängen, was aber mit weichem Übergang erfolgt und dem Fahrer genügend Zeit gibt, den Lenkeinschlag zurückzunehmen. Das durchaus erfolgreiche Bemühen um gute aktive Fahrsicherheit ist aber auf halbem Weg stehen geblieben: Eine Stabilitätsregelung gibt es nicht einmal gegen Aufpreis. Und die Bremsen, die in kaltem Zustand ordentlich verzögern, lassen bei hoher Beanspruchung in ihrer Wirkung extrem nach.

Auch das darf als typisch gelten für US-Offroader, genauso wie der durchzugsstarke Motor, der eine kraftvolle Anfahrbeschleunigung liefert und den Jeep anschließend zügig bis zu seiner auf 180 km/h begrenzten Höchstgeschwindigkeit schiebt. Der 3,7 Liter große, neue V6-Motor des Cherokee basiert auf dem V8 des Grand Cherokee. 90 Grad Zylinderwinkel also, was den Einsatz einer Ausgleichswelle nötig macht, um unschöne Vibrationen zu neutralisieren. Allerdings wird der Sechszylinder im oberen Drehzahlbereich brummig, was vor allem bei voller Beschleunigung auffällt. Bei gleichmäßig schneller Fahrt herrscht dagegen angemessene Ruhe, weil die lange Übersetzung der vierten Automatik-Fahrstufe die Kurbelwelle des V6 bei Höchstgeschwindigkeit nur mit 3700 Umdrehungen rotieren lässt.

Die weite Spreizung der Gänge überspielt der kräftige Motor souverän, und die Schaltvorgänge erfolgen weich und schnell. Daraus ergibt sich ein insgesamt guter Antriebskomfort, der allerdings einen hohen Preis hat: Gut 16 Liter/100 km Normalbenzin gehören zum Alltag. Auch das unterstreicht, dass der Abstand zum Grand Cherokee geringer geworden ist, obwohl der neue Jeep wegen seiner hoch und schmal bauenden Karosse eine ganze Nummer kleiner wirkt und im Innenraum spürbar weniger Platz zur Verfügung stellt. Tatsächlich ist der kleine Cherokee nur zwölf Zentimeter kürzer als der große und, mit gut 1,9 Tonnen Gewicht, genauso schwer. Das wiederum hat negative Auswirkungen auf die steuerliche Einstufung. Denn obwohl der neue Motor die Euro 3-Abgasgrenzwerte einhält, wird der Cherokee wegen seines Gewichts vom Fiskus als Euro 2-Vertreter behandelt. Den Blick nach Europa, das wird hier ein weiteres Mal deutlich, halten die Amerikaner auch in Zeiten der Globalisierung noch für überflüssig.

Fazit

So gute Fahreigenschaften auf der Straße hat bisher noch kein Jeep geboten. Dennoch zeigt sich der Cherokee auch im Gelände von der besten Seite. Doch Schwachpunkte finden sich zuhauf: der hohe Verbrauch, die Schadstoffeinstufung und die unterdimensionierten Bremsen.

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Technische Daten
Jeep Cherokee 3.7 Limited
Grundpreis 36.400 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4496 x 1819 x 1866 mm
KofferraumvolumenVDA 878 bis 1954 l
Hubraum / Motor 3700 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 155 kW / 210 PS bei 5200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 180 km/h
0-100 km/h 9,9 s
Verbrauch 14,6 l/100 km
Testverbrauch 16,5 l/100 km
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