Jeep Commander 3.0 CRD im Test

Living in a box

Foto: Hans-Dieter Seufert 17 Bilder

Commander können alles – das zeigt schon Bond, James Bond. Der Commander von Jeep präsentiert sich als urwüchsig gestalteter Bruder des Grand Cherokee. Gegenüber der zunächst präsentierten Studie wurde der Commander im Design deutlich nachgeschärft.

Vor dem Autotest steht der Publikumstest. Bevor der Commander zum Dienst antrat, testete Jeep mit einem so genannten Concept Car den Grad der Begehrlichkeit, den ein solch rustikaler Offroader wecken könnte.

Die Zustimmung kam, vor allem in den USA. Das Serienmodell, das jetzt vor uns steht, wurde im Design deutlich nachgeschärft. Noch kantiger, noch martialischer. Ganz ohne Plagiats-Vorwurf: noch eine Spur Hummer-mäßiger. Wobei dieser Konkurrent von General Motors derzeit schwächelt, weil der Military-Look längst nicht mehr so heiß ist wie vor einigen Jahren. Design und Marketing sollen sich bei Jeep ergänzen (siehe Spotlight auf Seite 50). Das kompromisslose Funktionalität vorspiegelnde Kanten-Design soll Käufer anziehen, denen der Grand Cherokee zu weich und feminin erscheint. Wobei an funktionellem Vorsprung gegenüber dem Grand Cherokee in erster Linie die Siebensitzigkeit des Commander ausgemacht werden kann. Obwohl nur vier Zentimeter länger, bietet er drei Sitzreihen. Die beiden Stühlchen ganz hinten sind allerdings nicht mehr als das: bestenfalls für Kinder geeignet.

Immerhin fällt der Zugang leicht, weil sich die reguläre Fondsitzbank spielend leicht umklappen lässt und sich die Kopfstützen gleichzeitig wegfalten. Ansonsten stehen diese, auch weil die Rücksitzbank deutlich höher angeordnet ist als die Sessel von Fahrer und Beifahrer, unübersehbar im Rückspiegel und behindern die Sicht nach hinten stark. Wie es überhaupt mit der Übersichtlichkeit nicht so weit her ist, wie es die Karosserieform vermuten lässt.

Der Commander mauert seine Insassen ein – die vergleichsweise niedrigen Seitenscheiben tragen ebenso zu diesem Eindruck bei wie das unnötig weit ins Cockpit drängende Armaturenbrett. Im direkten Vergleich mit dem Grand Cherokee wirkt der Commander aus Sicht der Insassen wie ein Schützenpanzer. Wie ein nett gestalteter Schützenpanzer, zugegeben. Vor allem mit dem Leder- und Holzpaket (1450 Euro) entsteht der Eindruck von Luxus, der durch zahlreiche chromglänzende Accessoires noch unterstrichen wird.

Dazu kommt eine sehr ordentliche Verarbeitungsqualität. Sie macht sichtbar, dass heute die Deutschen bei der US-Ikone Jeep mitmischen. Ganz im positiven Sinn tut dies auch die Dieselmotorisierung, die alternativ zu zwei US-Achtzylindern angeboten wird und auf dem Euro- Markt den einzig vernünftigen Antrieb darstellt. Der Dreiliter-V6-Turbodiesel stammt eins zu eins von Mercedes, einschließlich des serienmäßig im Abgasstrang integrierten Partikelfilters. Zu seinem Lobe ist schon so viel gesagt worden, dass man sich hier kurz fassen kann. Durchzug schon bei niedrigen Drehzahlen gibt es in Fülle, das Laufverhalten ist ausgesprochen kultiviert, die absoluten Fahrleistungen sind so gut, dass niemand Leistungsmangel empfinden wird. Dazu noch eine wohl erzogene, schnell reagierende und weich schaltende Fünfgang-Automatik – und fertig ist ein durch und durch harmonischer Antrieb. Mit einer Ausnahme: Der Testverbrauch von 12,9 Litern auf 100 Kilometer zeigt, dass die Daimler-Maschine im Commander unter denkbar ungünstigen Bedingungen arbeiten muss. Denn der US-Bursche bringt, wenn noch kein einziger Passagier zugestiegen ist, bereits über 2,3 Tonnen auf die Waage. Und der Luftwiderstandsbeiwert (cW-Wert) der Karosse bewegt sich in Bereichen, die an die finstere Vergangenheit erinnern, als Kanäle etwas für das Abwasser, aber nicht für den Wind waren: 0,41.

Zum Vergleich: Der neue Mercedes GL, wenngleich ebenfalls kein ausgezeichneter Windschlüpfer, kommt immerhin auf cW 0,37. Zum Glück ist der Commander kein Auto, das zum schnellen Fahren animiert und damit den Winddruck überproportional ansteigen ließe.

Er präsentiert sich als klassischer Cruiser typisch amerikanischen Charakters. Das gleichmäßige Reisen auf der Autobahn ist seine Stärke. Hier gefällt er durch stabilen Geradeauslauf, geringe Fahrgeräusche und eine Federung, die Stöße weit gehend von den Insassen fernhält. Bequeme Sitze tun ein Übriges – allein die Klimaanlage fällt nicht positiv auf. Ihre Infrarotregelung konzentriert sich auf Fahrer und Beifahrer. Wenn nach den Bedürfnissen der Fondpassagiere justiert wird, wird es den vorne Sitzenden bisweilen zu warm oder zu kalt. Auf der Landstraße ist der Commander weniger in seinem Element. Subjektiv wirkt er viel größer und schwerer als der Grand Cherokee.

Die Lenkung erfordert kräftiges Zupacken. Da merkt man, warum die Amerikaner ein solches Auto zu den Trucks rechnen. Auch die ansonsten eher wiegende Federung wird auf Pisten zweiter Ordnung ruppig. Oder haben wir jetzt einfach vergessen, dass das ein Geländewagen ist, einer, der auf nichts verzichtet, was das Vorwärtskommen unter schwersten Bedingungen möglich macht? Eine so kompromisslose Offroad- Technik bietet ansonsten nur noch der aus dem gleichen Haus stammende Wrangler Rubicon und der angeheiratete Onkel G von Mercedes. Von der kurzen Geländeübersetzung (low range) wollen wir hier gar nicht reden. Aber der Commander bietet auch drei sperrende Differenziale. Wobei das Wühl-Equipment hier vollautomatisch und elektronisch gesteuert funktioniert.

Kurz: Wer tatsächlich aufs Land hinaus will, findet im Commander einen der tüchtigsten Partner überhaupt. Die Konzentration darauf sollte allerdings nicht dazu führen, dass straßenrelevante Eigenschaften vernachlässigt werden. Der Jeep liegt zwar gut und sicher, aber so fadingempfindliche Bremsen sind nicht zu akzeptieren. Da muss man in Toledo/ Ohio nachbessern. Immerhin besteht Hoffnung: Auch ein Viersterne- General hat schließlich als Zweisterner angefangen.

Fazit

Ein klassischer Geländewagen: sehr gut abseits des Asphalts, komfortabel auf der Straße, geräumig und durchzugsstark. Die fadingempfindliche Bremse verhindert eine bessere Bewertung.

Technische Daten
Jeep Commander 3.0 CRD 4x4 Limited
Grundpreis 55.690 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4787 x 1899 x 1826 mm
KofferraumvolumenVDA 1028 bis 1940 l
Hubraum / Motor 2987 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 160 kW / 218 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 191 km/h
0-100 km/h 9,7 s
Verbrauch 10,8 l/100 km
Testverbrauch 12,9 l/100 km
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