Jeep Renegade und Mini Countryman im Vergleich

Welcher Klein-SUV hat mehr drauf?

Jeep Renegade, Mini Countryman, Frontansicht Foto: Hans-Dieter Seufert 29 Bilder

Diese beiden haben keine Angst, wenn es schmutzig wird. Für Schotter, Dreck und Steine sind Jeep Renegade Trailhawk und Mini Cooper SD Countryman All4 gut gerüstet. Doch welcher Klein-SUV hat mehr drauf?

Das lief ja ganz gut für den neuen Jeep. Im ersten Vergleichstest von auto motor und sport landete er hinter dem Skoda Yeti, aber vor dem Dacia Duster und dem Suzuki S-Cross auf Platz zwei. Und jetzt legt er sich mit dem Mini Countryman an. Kann das funktionieren? Selbst dann, wenn der Jeep in der Trailhawk-Variante antritt, weil es den 170-PS-Diesel nur in dieser Ausstattung gibt? Mal sehen, er trifft immerhin auf den Mini Cooper SD Countryman All4 mit 143 PS. Damit Sie richtig verstehen, worum es hier geht, erst einmal ein paar Zahlen: 1.626 und 1.474. Das sind nicht die Jahreszahlen der großen Stadtbrände von Knieritz an der Knatter, sondern die von der Testabteilung gemessenen Leergewichte von Jeep Renegade und Mini Countryman.

Kompletten Artikel kaufen
Vergleichstest Jeep Renegade und Mini Countryman
Sie erhalten den kompletten Artikel (inkl. PDF, 6 Seiten)
1,99 €
Jetzt kaufen

Kompakt sind zumindest die Außenmaße, beide sind knapp über vier Meter lang, 4,26 Meter der Jeep, der Mini ist fast 15 Zentimeter kürzer und genau 15 Zentimeter flacher. Das geht aufs Raumangebot, sollte man meinen, ist jedoch nicht so. Jedenfalls nicht, wenn es ums Ladevolumen geht, da haben beide praktisch gleich viel zu bieten, der Vorteil des Renegade besteht hauptsächlich in seiner kantigen Form, die es erlaubt, größere Ladegüter im Heck zu verstauen.

Solche Versuche scheitern beim Mini schon an der vergleichsweise knappen Ladeöffnung, die Rücklehnen klappen sich zudem zu einer ziemlich zerklüfteten Ladefläche, auch das geht beim Jeep besser. Nun werden die wenigsten Käufer ihren Subkompakt- SUV wegen seines Transportvolumens kaufen, sonst hätten sie ja einen Dacia Lodgy oder Renault Kangoo genommen. Wichtiger ist etwa ein möglichst burschikoser Auftritt, das Auge fährt bekanntlich nicht nur im buchstäblichen Sinne mit.

Hier könnte man nun den Jeep-Stylisten vorwerfen, dass sie etwas übertrieben haben. Die vielen grafischen und schriftlichen Hinweise auf die Tradition und Historie der Marke sind vielleicht etwas dick aufgepinselt, dem einen gefällt's, den meisten eher nicht. Der Mini kommt da schon etwas diskreter daher, hier haben die Designer vor allem das Interieur mit allerlei Knöpfchenkram überkandidelt. Beim Exterieur blieben sie freilich etwas zurückhaltender.

Mini Countryman punktet bei den Fahrleistungen

Aber das alles sind nun mal Geschmacksfragen. Kommen wir zur weiteren Hardware. An den Karosserien gibt es noch die eine oder andere Ärgerlichkeit, beim Jeep etwa den extrem unpraktischen Heckklappengriff, an dem man sich selbst am sauber gewaschenen Auto schmutzige Finger holt. Und die dicken A-Säulen, die die Sicht nach vorn empfindlich einschränken. Beim Countryman sind es die übertriebenen Dacheinzüge, die das Raumgefühl im Inneren beeinträchtigen, oder die schlechte Sicht nach hinten durch die viel zu kleine Heckscheibe.

Fahren wir los, und zwar überwiegend auf Asphalt, selbst wenn die Fotos etwas anderes nahelegen. Das ist vielleicht etwas ungerecht zum Jeep, weil der in der Trailhawk-Variante eher für den Offroad-Gebrauch ausgelegt ist. Er hat kürzer übersetzte Achsen und dank der Neunstufenautomatik einen besonders kurzen ersten Gang, eine leicht gesteigerte Bodenfreiheit sowie Allwetterreifen mit höheren Flanken. Das alles macht sich bestimmt auf Schotter gut, ist jedoch auf festem Terrain eher hinderlich. Unverständlich daher, dass Jeep die kräftigste Diesel-Variante nur so anbietet: Trailhawk mit Neunstufenautomatik. Diese Konfiguration hat einen weiteren Nachteil: Sie ist teuer, kostet ab 31.900 Euro, da ist sogar der Countryman mit seinem 143-PS-Diesel und mit Allradantrieb günstiger: ab 29.250 Euro. Addiert man die Automatik für 1.540 Euro dazu, sind beide gleich teuer.

Der Countryman war zum Testzeitpunkt allerdings nur mit Schaltgetriebe verfügbar, ein Vorteil, den er in bessere Fahrleistungen und günstigeren Verbrauch umsetzt. Was aber nicht nur an der passend gestuften und sehr gut schaltbaren Sechsgangbox des Mini liegt, sondern auch am eher enttäuschenden Auftreten der Neunstufenautomatik von ZF im Trailhawk.

Jeep Renegade verbraucht mehr

Womöglich liegt hier die Grenze einer technischen Entwicklung: Braucht die Menschheit tatsächlich Automatikgetriebe mit mehr als acht Fahrstufen? Nach den Eindrücken der Fahrt mit dem Trailhawk liegt die Antwort nahe: Nicht wirklich. Das Getriebe zehrt sehr heftig am Temperament des Jeep- Motors, der träge und unwillig wirkt, es reagiert mal zu hektisch, dann gar nicht; eine harmonische Kombination von Motor und Getriebe sieht anders aus. So wie beim Mini zum Beispiel, weshalb der trotz seines deutlichen Leistungs- und Drehmomentdefizits nicht nur besser geht, sondern auch, wie erwähnt, weniger Treibstoff verbrennt. Der Unterschied ist nicht groß, 0,4 Liter im Testmittel je 100 km, besonders sparsam sind die beiden Klein-SUV ohnehin nicht. In die Nähe der Sechslitergrenze kommt man nur bei betont ökonomischer Fahrt, meist sind es um die sieben, bei schneller Autobahnfahrt eher neun bis zehn Liter Diesel, jeweils mit einem kleinen Vorteil von 0,2 bis 0,5 Litern für den Mini. Nur in einer Disziplin ist der Jeep-Motor besser: Er läuft leiser und kultivierter als der etwas raubauzige Mini-Vierzylinder.

Komfortabler ist ebenso das Fahrwerk des Renegade. Auch wenn der beileibe keine Sänfte ist, federt er dennoch kleine und große Unebenheiten deutlich besser weg als der bekannt holprige Mini.

Dessen straffes Naturell zahlt sich natürlich bei der Fahrdynamik aus, er könnte die sprichwörtlichen Kreise um den Jeep fahren. Was jedoch auch an dessen gripschwachen Allwetterreifen und dem höheren Aufbau liegt. So rutscht er recht früh über alle vier Räder weg, lässt sich dabei jedoch auf Kurs halten, weil das ESP wirkungsvoll einschreitet. Beim Bremsen kann der Trailhawk hingegen nicht überzeugen, er verzögert deutlich schlechter als ein früher gemessener straßenbereifter Renegade.

Mustergültig sicher ist jedenfalls der Countryman, zeigt kaum Lastwechselreaktionen und hat die viel direktere und mitteilsamere Lenkung. In puncto Traktion und Offroad-Tauglichkeit enteilt ihm der Trailhawk dafür deutlich. Was aber nichts daran ändert, dass dieser Test am Ende nicht so gut gelaufen ist für den kleinen Jeep.

Fazit

1. Mini Cooper SD Countryman All4
387 Punkte

Der Countryman liegt vorn, weil er die harmonischere Antriebseinheit und das bessere Fahrwerk hat, und er ist sparsamer.

2. Jeep Renegade 2.0 Multijet Trailhawk
367 Punkte

Als Trailhawk kann der Renegade auf Asphalt nicht überzeugen, zudem bremst er sehr schlecht und verbraucht mehr Treibstoff.

Technische Daten
Jeep Renegade 2.0 Multijet 4x4 Trailhawk Mini Countryman Cooper SD All4 Cooper S
Grundpreis 35.000 € 29.400 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4259 x 1805 x 1727 mm 4109 x 1789 x 1547 mm
KofferraumvolumenVDA 351 bis 1297 l 450 bis 1170 l
Hubraum / Motor 1956 cm³ / 4-Zylinder 1995 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 125 kW / 170 PS bei 3750 U/min 105 kW / 143 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 196 km/h 197 km/h
0-100 km/h 9,6 s 9,4 s
Verbrauch 5,9 l/100 km 4,8 l/100 km
Testverbrauch 7,8 l/100 km 7,4 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Top Aktuell 190 E, 3.2 AMG-C32, C43 AMG, Exterieur 190E 3.2, C 32, C 43 AMG AMG-Sechszylinder aus 3 Epochen
Beliebte Artikel Opel Insignia Country Tourer, Volvo V90 Cross Country, Exterieur Opel Insignia CT, Volvo V90 CC Welcher Allradkombi ist besser? Kompakt gegen SUV, Vergleich, ams2218 Kompaktklasse gegen SUV 6 Paarungen im Konzeptvergleich
Gebrauchtwagen Angebote
Anzeige
Sportwagen Porsche 911 991 (2018) GT3 Touring-Paket Porsche 911 Carrera bis GT2 RS Elfer-Einmaleins in 5 Minuten Subaru WRX STI Diamond Edition Subaru WRX STI Diamond Edition 354 PS aus Südafrika
Allrad Jeep Gladiator JT Pickup Jeep Wrangler Gladiator (2019) Erste Bilder durchgesickert Toyota Tundra Kalifornien Toyota Tundra im Waldbrand-Einsatz Retten bis das Rücklicht schmilzt
Oldtimer & Youngtimer Mercedes 280 SE 3.5 Cabriolet W111 (1970) Wiesenthal Mercedes-Auktion Wiesenthal Familiensammlung unterm Hammer Porsche Carrera GT Werksrestaurierung Porsche Classic Carrera GT 13 Jahre alt, aber jetzt fabrikneu
Promobil Mobile Menschen im Hymercar 323 Von der Auszeit zum Vanlife Zwei Vollzeit-Nomaden im Camper Hartnäckiger Schmutz Moos, Regenstreifen, Harz Tipps für hartnäckige Fälle
CARAVANING Tabbert Vivaldi 550 E Tabbert Vivaldi im Supertest Neues, modernes Design für 2019 Bleder Insel Caravan-Tour Slowenien Schöne Städte und Landschaften