Kastenzeit

Als Pendant zum Opel Agila ist der Suzuki Wagon R+ das Produkt abend- und morgenländischer Zusammenarbeit. Der knuffige Microvan glänzt mit hohem Nutzwert.

Der Käufer des Suzuki Wagon R+ beweist mit seiner Autowahl Sinn fürs Wesentliche. Für knapp 20.000 Mark erhält er ein vollwertiges Auto für vier Personen, ausgestattet mit zwei Airbags, Servolenkung, Zentralverriegelung, Dachreling und Wegfahrsperre. Dabei haftet dem Kleinwagen nicht einmal der Makel des Arme-Leute-Autos an. Der Suzuki sieht außen wie innen solide aus, er ist gut und passgenau verarbeitet.

Auf den ausreichend straff gepolsterten Sitzen finden Menschen fast jeder Größenordnung zwar genügend Platz, an einer vernünftigen Abstützung des Rückens fehlt es aber ebenso wie an Seitenhalt. Das kleinwagentypische Enge-Gefühl kommt erst bei längeren Reisen auf, Urlaubsfahrten zu viert sind aber sowieso kein Thema für den Wagon: Der mickrige Kofferraum reicht allenfalls für die Wochenend-Einkäufe. Anders sieht es bei zwei Reisenden aus. Nach Umklappen der Rückbank stehen 1250 Liter Ladevolumen zur Verfügung, für engere Grenzen sorgt hier die maximal erlaubte Zuladung: Bei 351 Kilogramm ist Schluss.

Mit mehr als den erlaubten 1355 Kilogramm Gesamtgewicht unterwegs zu sein, verbietet sich auf schlechten Straßen aber sowieso von selbst. Die zum Poltern neigende hintere Starrachse ist dann vollends überfordert, der Komfort leidet immens. Vorn sorgt eine McPherson-Achse zwar für besseren Bodenkontakt, doch auch sie offenbart Schwächen auf schlechter Fahrbahn. Trotz der nicht gerade üppigen Motorisierung scharren die kleinen Vorderräder in zügig gefahrenen Kurven wie aufgeregte Hühner im Mist.

Auch beim Bremsen auf unebener Fahrbahn fehlt es an Bodenhaftung; das serienmäßige ABS versucht die abhebenden Räder am Blockieren zu hindern und nimmt den Bremsdruck zurück – der Anhalteweg verlängert sich. Bei kalter Bremse ist die Verzögerung des Suzuki befriedigend, bei hoher Belastung aber zeigt sich starkes Fading. Weiteres Handikap: Der 76 PS starke 1,3-Liter-Vierzylinder läuft unkultiviert und entwickelt oberhalb von 4000 Touren lästige Dröhnfrequenzen. Spätestens bei der Höchstgeschwindigkeit von 155 km/h verstummt deshalb jegliche Unterhaltung im Auto. Wer sich häufiger in diesen Geschwindigkeitsregionen aufhält, erlebt zudem an der Zapfsäule sein blaues Wunder: Der 41-Liter-Tank ist bereits nach deutlich weniger als 410 Kilometern Fahrt leer. Andererseits lassen sich bei ruhiger Fahrweise durchaus Verbrauchswerte von sechs bis sieben Litern pro 100 Kilometer realisieren. Die Domäne des kleinen Japaners ist ohnehin die Kurzstrecke. In der Stadt spielt der Suzuki Wagon R+ seine Wendigkeit voll aus.

Fazit

Viel Platz für wenig Geld – die Stärke des Suzuki Wagon R+. Sein flexibler Kofferraum verleiht ihm fast Kombiqualitäten. Abzüge gibt es für den schlechten Federungskomfort, für den dröhnigen Motor und für die fadingempfindlichen Bremsen.

Technische Daten
Suzuki Wagon R+ 1.3
Grundpreis 11.780 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3500 x 1620 x 1705 mm
KofferraumvolumenVDA 248 bis 597 l
Hubraum / Motor 1298 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 56 kW / 76 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 145 km/h
Verbrauch 7,5 l/100 km
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