Kein Untersteuern im Ferrari FF

Das etwas andere Allradsystem

Ferrari FF, Frontansicht, Schnee Foto: Ferrari 18 Bilder

Der Ferrari FF hat zwei zusätzliche Gänge in Reserve – wenn es mal rutschig wird schaltet er per Getriebe die Vorderachse zu. Eine verblüffende Allrad-Entwicklung aus Maranello bei auto motor und sport im Test.

Technische Sensationen sind wir von Ferrari gewohnt. Sequenzielles Getriebe, elektronisch gesteuertes Sperrdifferenzial, Blinkerknöpfe im Lenkrad. Hier nun der neue Coup: Allradantrieb – ohne Mittendifferenzial.

Für dieses 4RM (ruote motrici, zu deutsch Allrad) genannte System muss man die gängigen Denkmuster verlassen. Im Ferrari FF hängt ein zusätzliches Schaltgetriebe die zweite Achse an. Meist bleibt der frontmotorige Ferrari FF hinterradgetrieben. Das eigentliche Schaltgetriebe sitzt an der Hinterachse (Transaxle-Bauweise) und erhält das Motor-Drehmoment per Kardanwelle sowie elektronisch gesteuerter Differenzialsperre.

Sind die Hinterräder überfordert, helfen die Vorderräder mit

Stellen die Sensoren fest, dass der Zwölfzylinder des Ferrari FF mehr Drehmoment liefert, als die Hinterräder übertragen können, so schalten sich die vorderen zu – im wahrsten Sinne des Wortes, nämlich per Schaltgetriebe.

Es sitzt auf der Vorderachse des Ferrari FF als eine Art Fortsatz der Kurbelwelle. Mit seiner Baulänge von nur 17 Zentimetern wirkt es vor dem riesigen Motorblock des 6,3-Liters geradezu schmächtig und wiegt entsprechend samt hydraulischer Steuerung nur 35 Kilogramm. So behält Ferrari ein nahezu ausgeglichenes Achslastverhältnis bei (47:53 Prozent).

Die Zahnräder werden ständig von der Kurbelwelle angetrieben. Allerdings stellen zwei Kupplungen nur im Bedarfsfall den Kraftschluss zu den Vorderrädern des Ferrari FF her; sie laufen im gekühlten Ölbad und führen so ihre enorme Reibungswärme ab – vor allem, wenn sie mit Schlupf laufen. Das ist immer dann der Fall, wenn die Vorderräder im ersten und dritten Gang hinzugeschaltet werden.

Kupplungen werden per Hydraulik gesteuert

Das kleine Vorderachsgetriebe des Ferrari FF besitzt nur zwei Gänge, die in etwa den Stufen zwei und vier des Doppelkupplungsgetriebes im Heck entsprechen. Ab dessen fünftem Gang steht kein Vorderradantrieb zur Verfügung. Drehzahlunterschiede müssen die Kupplungen ausgleichen. Doch sie können mehr. Weil sie per Hydraulik gesteuert werden, lässt sich der Schlupf an jedem Rad regeln.

In Verbindung mit dem Sperrdifferenzial an der Hinterachse (E-Diff plus Kupplungen) ergibt sich die Möglichkeit des Torque Vectoring an allen vier Rädern. Vor vier Jahren hat sich Ferrari das 4RM-System patentieren lassen und bei Getrag in Auftrag gegeben; der deutsche Hersteller liefert auch das Doppelkupplungsgetriebe für den Allrad-Ferrari FF.

Fahrstabilität und Haftung – auch auf Schnee

Mehrheitlich stammt die Steuerung von Ferrari und ist mit ABS, Traktions- und Stabilitätskontrolle sowie E-Diff vernetzt. Somit lässt sich neben der Haftung auch die Fahrstabilität des Allrad-Ferrari beeinflussen – vor allem auf Schnee.

Und damit ist der FF der erste Ferrari, der uneingeschränkt das ganze Jahr gefahren werden kann – bis hin zum Winterurlaub in den Bergen. Zwar streitet Ferrari dahingehende Pläne ab, doch das 4RM-System ließe sich auch für den frontmotorigen Nachfolger des 599 GTB Fiorano adaptieren – nicht aber für Mittelmotor-Modelle. Da wartet der nächste Coup: ein Hybrid à la Kers.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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