Kia Ceed 1.4 CVVT im Test

Kompakter Kia-Kracher

Foto: Achim Hartmann 19 Bilder

Selbstbewusst strebt die koreanische Marke nach weltweiter Präsenz. Der Cee’d soll diesen Anspruch in der umkämpften Kompaktklasse mit Nachdruck unterstreichen.

Das Spiel wird dort gewonnen, wo es richtig weh tut. Im Mannschaftssport ist das ein alter, bewährter Leitsatz, den Generationen von Trainern als Erfolgsrezept predigen. Auch die Trainer beim koreanischen Autobauer Kia kannten die Formel längst, als sie die Umrisse ihres neuen Kompaktautos entwarfen.

Denn der Cee’d zielt genau in die Höhle des Löwen: in Europas populäre Kompaktklasse, in der sich neben dem Platzhirsch VW Golf jede Menge potenter Konkurrenten wie Audi A3, Opel Astra, Peugeot 307, Renault Mégane und neuerdings Toyota Auris tummeln. Eine harte Nuss also in einem Segment, wo Experten hierzulande mittelfristig ohnehin kaum Wachstums- Chancen sehen.

Umso nachdrücklicher betont Kia die europäischen Gene des Cee’d: entworfen im Rüsselsheimer Forschungsund Entwicklungszentrum, gebaut im slowakischen Werk Zilina. Noch im Jahr 2007 sollen 100 000 Autos in der alten Welt unter das Volk gebracht werden. Die Voraussetzungen dafür sind zumindest weit besser als mit dem Vorgänger Cerato.

Ein sachlich-eleganter Design-Auftritt zielt auf Konsensfähigkeit. Nur mit dem Mini-Dreiecksfenster in der breit auslaufenden C-Säule des Viertürers erlauben sich die Designer einen kecken Ausflug. Auch der Innenraum des Kia präsentiert sich in der gehobenen EX-Ausstattung des Testwagens ohne jeglichen Schnickschnack in wohltuender Sachlichkeit.

Um dem vorherrschenden Grau-in-Grau einen Schuss Wohnlichkeit einzuhauchen, sind große Flächen in fingerfreundlicher „Soft- Touch“-Haptik gehalten. Als zentrales Bedienelement ragt die in Metalloptik gefasste Mittelkonsole aus der Armaturentafel. Die wichtigsten Informationen liefern drei Rundinstrumente, die in dezentem Rot hinterleuchtet im zentralen Blickfeld des Fahrers liegen.

Das war’s, und man vermisst auch nichts. Dafür ist der Kia in Sachen Audio-System recht üppig bestückt. Das serienmäßige Siemens- RDS-Radio wird durch einen CD-Spieler ergänzt, der auch MP3-Kost schluckt. Und das Bordsystem kann alternativ mit dem ganz persönlichen Musikprogramm gefüttert werden – ein ungewohnter Luxus in dieser Fahrzeugklasse (siehe Spotlight Seite 38).

Dass sich alle Audio-Funktionen bis hin zu Lautstärkeregelung und Sendersuche mit den Tasten des lederummantelten Multifunktionslenkrads be- dienen lassen, erleichtert den Umgang mit dem Medienprogramm. Weitere Tupfer ergänzen das Bild vom dezenten Luxus, so zum Beispiel vier elektrische Fensterheber, fernbedienbare Zentralverriegelung und eine manuelle Klimaanlage.

Wer allerdings 1210 Euro mehr investiert, erhält im Paket eine Klimaautomatik mit kühlbarem Handschuhfach plus Navigationssystem. Unabhängig davon ist das Bemühen um Qualität im Cee’d überall spürbar. Tipptopp verarbeitete Oberflächen und passgenaue Fugen stehen dafür ebenso wie leichtgängige und dennoch exakte Verstellmechanismen. Beispiel teilbare Rückbank: Zuerst die Sitzflächen nach vorn geklappt, dann die sauber rastenden Lehnen, und schon verwandelt sich der Gepäckraum in eine ebene Ladefläche für 1300 Liter Volumen.

Aber schon das gut nutzbare Basisvolumen ist ansehnlich und erreicht mit 340 Liter nahezu Golf-Niveau. Kein Vergleich mit dem Vorgänger auch bei den Sitzen. Die Hinterbänkler sitzen ordentlich, Fahrer und Beifahrer sogar gut auf Sitzen mit angenehmer Seitenführung. Die verstellbaren Lordosenstützen haben allerdings eher Symbolwert.

Und trotz der Verstellmöglichkeit in Höhe und Länge liegt das Lenkrad etwas zu tief. Ansonsten gibt sich der Cee’d jedoch keine nennenswerte Blöße. Beim Antrieb steigt der Kia von den Papierwerten her deutlich über dem Konkurrenz-Niveau ein. Ganze 109 PS schöpft der Basis-Benziner aus 1,4 Liter Hubraum, was beeindruckender klingt, als es sich in der Praxis darstellt. Immerhin reagiert der CVVTMotor – das Kürzel steht für variable Ventilsteuerung – willig und ohne Ruckeln auf die Forderungen des Gaspedals, entwickelt seine Leistung harmonisch und bleibt dabei akustisch angenehm unauffällig.

Nur bei Annäherung an die Höchstgeschwindigkeit jenseits der 170-km/h-Marke wünscht man sich für das Schaltgetriebe einen sechsten Gang. Allerdings vergeblich – genauso wie eine Vierstufen- Automatik, die Kia nur für den 1,6- und Zweiliter Benziner anbietet. Zur eher ruhigen Gangart passt die Abstimmung des Fahrwerks. Während kurze Stöße von der Fahrbahn noch deutlich mitgeteilt werden, bewältigt der Cee’d lange Bodenwellen mit Gelassenheit – und das ohne spürbare Einbußen an Präzision. Selbst flotte Kurven meistert der Fronttriebler sicher und mit nahezu neutralem Eigenlenkverhalten.

Irritierend wirkt da mitunter nur, dass das serienmäßige ESP ziemlich früh regelnd eingreift. Auch die Rückmeldung der elektrisch unterstützten, in Mittellage etwas schwammigen Lenkung birgt noch Verbesserungspotenzial. Trotzdem: Den etablierten Europäern ist in der Kompaktklasse mit dem Cee’d ein ernst zu nehmender Konkurrent erwachsen.

Das war erklärtes Ziel, wobei man sich traditionell nicht allein auf die Überzeugungskraft des Autos selbst verlassen will. So liegen die Preise immer wenigstens 2000 Euro unter VW-Niveau. Und die Kia- Kampfansage enthält noch ein weiteres Ausrufezeichen: Eine Fahrzeuggarantie über sieben Jahre oder 150 000 Kilometer sowie fünf Jahre für die Lackierung haben nicht mal andere Hersteller aus Asien zu bieten. Gut so: Denn nur wer selbst von der Qualität seiner Produkte überzeugt ist, kann auch seine Kunden überzeugen.

Fazit

Preisgünstig, solide und ohne gravierende Schwächen drängt der Cee’d in die europäische Kompaktklasse. Das eröffnet Kia gute Chancen, sich nun auch in diesem Segment zu etablieren.

Technische Daten
Kia Cee’d 1.4 CVVT EX
Grundpreis 17.380 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4235 x 1790 x 1480 mm
KofferraumvolumenVDA 340 bis 1300 l
Hubraum / Motor 1396 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 80 kW / 109 PS bei 6200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 187 km/h
0-100 km/h 11,4 s
Verbrauch 6,1 l/100 km
Testverbrauch 7,2 l/100 km
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