Kia Pro Ceed vs Volvo C30

Pro-Forma

Foto: Hans-Dieter Seufert 28 Bilder

Coupé oder Kompaktwagen? Formal versprechen Volvo C30 und der Kia Pro Cee’d eine Dynamik, die ihre 1,6-Liter-Benziner kaum halten können.

Eines muss man den Volvo-Designern wirklich lassen: Ein C30 zieht auch anderthalb Jahre nach seiner Präsentation noch neugierige Blicke auf sich. Dank Coupé- Anleihen und überraschenden Details wie der bis in die Stoßstange reichenden Heckscheibe steht er zwischen Astra, Focus und Golf wie ein Gropius-Bungalow in einer Normalo- Siedlung. Da nur das einfachste Basismodell unter der 20.000-Euro-Marke bleibt, fordert der ausschließlich zweitürig angebotene C30 allerdings auch einen erheblichen Individualisten- Aufschlag. Da kommt der Kia Pro Cee’d gerade recht, der Mainstream-Erächter in der Basisversion bereits ab 15.430 Euro glücklich machen soll.

ProCee’d mit sportlichem Auftritt

Schon sein Namenszusatz Pro verrät, dass der in der Slowakei gebaute Exil-Koreaner mehr sein möchte als ein Cee’d ohne Hintertüren. Mit verlängerter Front, ansteigender Gürtellinie und 30 Millimeter flacher als der Viertürer scheint er nach harten Trainingswochen mit einem Waschbrettbauch aus dem Fitnessstudio zu rollen. Im Innenraum unterscheidet sich der Pro Cee’d allerdings kaum von seiner Basis.

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Angesichts der muskulösen Außenansicht hätten sich ruhig ein paar sportliche Details ins brave Interieur mit hohem Hartplastik-Anteil verirren dürfen. Immerhin hat das Kofferraumvolumen nicht unter der angeschärften Silhouette gelitten. Das hohe Heck und die breiten C-Säulen gehen allerdings zu Lasten der Übersichtlichkeit nach hinten, weswegen beim Einparken eine Portion Intuition gefragt ist.

Gut 3.500 Euro Unterschied

Löblich, dass es sich Kia verkneifen konnte, den Zweitürer zum Sportcoupé hochzustilisieren, um ihn anschließend teurer zu verkaufen als den Viertürer. Der Neue liegt ehrliche 500 Euro unter dem normalen Ceed. Den C30 in Variante Kinetic unterbietet er in Version EX mit Sportpaket ausstattungsbereinigt sogar um gut 3.500 Euro. Beruhigend auch die sieben Jahre Garantie, die momentan nur Kia bietet. Der Volvo erkauft sich seine Extravaganz mit mehr Nachteilen als der Pro Ceed.

Einerseits befördert er lediglich vier Personen, andererseits liegt sein Kofferraum-Volumen mit 251 Liter auf Renault Twingo-Niveau. Rücksitze vorklappen bringt zwar etwas mehr Platz, in Ermangelung einer echten Kofferraum-Klappe muss der C30 aber über die schmale Heckscheibenluke beladen werden. Einkaufstouren bei Mitnahme- Möbelhäusern sollten sich daher auf die Geschirr- und Deko-Abteilung beschränken. Angesichts der Enge im Heck schaut der C30-Fahrer doch lieber nach vorn und erfreut sich an großzügig geschnittenen, bequemen Vordersitzen sowie an den hochwertigen Materialien des Armaturenbretts. Nur die Mittelkonsole mit ihren vielen kleinen Knöpfchen für Klimatisierung und Radio wirkt zunächst abschreckend wie ein wissenschaftlicher Taschenrechner. Quer eingebaute Vierzylinder-Saugmotoren, Frontantrieb, Fünfgang-Schaltgetriebe.

Mehr Fahrkomfort im Volvo

In Sachen Antrieb zeigen beide deutlich weniger Raffinesse als beim Design. Es ist nicht nur der zahnlose 1,6-Liter mit 100 PS, der den Volvo zum relaxten Gleiter macht: Mit seiner schluckfreudigen Federung geht der Nonkonformist gelassen über Fahrbahn-Unebenheiten hinweg. Die komfortable Abstimmung sorgt allerdings für hohe Seitenneigung in Kurven. Zusammen mit der indirekten Lenkung sowie seiner stärkeren Untersteuerneigung erzieht der C30 zu einem entspannten Fahrstil.

Ganz anders der Kia: Seinem Lenkgetriebe scheint jemand Koffein ins Schmierfett gekippt zu haben. Mit fast vorauseilendem Gehorsam schlägt er schon bei kleinsten Bewegungen am Lenkrad freudig Haken. Auch dank seines knackig-straffen Fahrwerks, das nur wenig Karosseriebewegung zulässt, fühlt er sich deutlich schneller an als der gemütlichere Volvo. Doch der Eindruck täuscht: Trotz 26 Mehr-PS und 17- Zoll-Rädern kann er sich vom C30 auf seinen 15-Zöllern weder quer noch längsdynamisch entscheidend absetzen. Dafür schlagen im Pro Ceed vor allem kurze Stöße wie Frostaufbrüche oder Autobahnquerfugen heftig zu den Insassen durch. Auf längeren Etappen nervt zudem der brummige und kurzatmige 1,6-Liter mit seiner akustisch präsenten Verbrennung, die auch noch von Fahrwerks- und Windgeräuschen untermalt wird.

Trotz aller Unterschiede gibt es auch Gemeinsamkeiten: Mit 8,7 beziehungsweise 8,9 Liter Super auf 100 km zeigen sich Kia und Volvo ähnlich durstig, beim Bremsentest stehen beide selbst nach dem zehnten Stopp aus Tempo 100 in nur 38 Metern. Ein Wert, der vor Jahren noch Sportwagen vorbehalten war. Allerdings verlangt der Kia auf einseitig rutschigem Untergrund (μ-Split) stärkere Lenkkorrekturen, um auf Kurs zu bleiben.

Fazit

1. Volvo C30 1.6 Kinetic
445 Punkte

Der C30 gewinnt dank komfortabler Federung, wirksamer Geräuschdämmung und gediegener Interieur-Qualität. Hauptnachteil des teuren und etwas behäbigen Volvo ist aber sein kleines, schlecht zugängliches Gepäckabteil.

2. Kia Pro Ceed 1.6 CVVT EX
443 Punkte

Komfort ist nicht die Stärke des quirligen Pro Ceed. Mit seiner zackigen Lenkung und dem agilen Handling freut er sich dafür über jede Kurve. Geräumiger und günstiger als der C30, muss er sich nur knapp geschlagen geben.

Technische Daten
Volvo C30 1.6 Kinetic Kia Pro_Cee’d 1.6 CVVT EX
Grundpreis 19.900 € 17.890 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4226 x 1782 x 1447 mm 4250 x 1790 x 1450 mm
KofferraumvolumenVDA 251 bis 894 l 340 bis 1210 l
Hubraum / Motor 1596 cm³ / 4-Zylinder 1591 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 74 kW / 100 PS bei 6000 U/min 93 kW / 125 PS bei 6200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 185 km/h 192 km/h
0-100 km/h 11,7 s 10,6 s
Verbrauch 7,0 l/100 km 6,4 l/100 km
Testverbrauch 8,9 l/100 km 8,7 l/100 km
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