Kia Sportage Typ SL, Gebrauchtwagen-Check, Meister Wünsch, asv0818 Dani Heyne

Kia Sportage im Gebrauchtwagen-Check

7 Jahre Garantie: Schützt das den Gebraucht-SUV?

Wer sich einen Kia Sportage der dritten Generation anlacht, kommt meist noch in den Genuss der XL-Werksgarantie: Sie schützt den SUV sieben Jahre lang. Ob das einem Freifahrtschein gleicht, klären wir im Meister-Check.

Ist das nicht ein schönes Automärchen?„, fragt Meister Wünsch vergnügt, zieht den Schlüssel des Kia aus der Tasche und entriegelt den weißen SUV. “Diese Sportage-Generation verkörpert für mich den großen Entwicklungssprung der koreanischen Marke„, erklärt er und fügt fragend hinzu: “Fällt euch eine andere Marke ein, die in den vergangenen Jahren derart aufgeholt hat? Beim Design, bei der Technik – und in puncto Kundenzufriedenheit?„

Für eine lange Denkpause lässt Meister Wünsch keine Zeit: “Noch vor zwanzig Jahren war ein Kia doch meist eine passable Lösung, wenn es finanziell eng war. Heute wählt man ein solches Modell bewusst und voller Stolz. Um seine Freunde später in der Kneipe nach der Garantie ihrer Neuwagen zu befragen.„

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Sieben Jahre Sicherheit? So sieht’s aus. Verschleißteile wie Bremsen und Reifen sind natürlich ausgeschlossen.

Meister Wünsch spricht damit das Sieben-Jahre-Wohlfühlpaket an, das Kia seit Juni 2007 auch beim Sportage gratis mitgibt. Die extralange Garantie war zuerst für das Kompaktmodell Cee’d eingeführt worden und ist auf eine Kilometerlaufleistung von 150.000 gedeckelt. Erfreulich für Gebrauchtkäufer: Die Anzahl der Besitzer spielt dabei keine Rolle, die Garantie bezieht sich stets auf das Fahrzeug.

“Wichtig ist nur: Die vorgeschriebenen Service-Intervalle müssen eingehalten werden„, so der Meister, “sonst geht die Garantie flöten!„ Was uns zum ersten Handgriff beim Check eines gebrauchten Sportage bringt: Serviceheft rausholen und ganz genau überprüfen. Der Vorbesitzer sollte sowohl die Zeiträume als auch die Kilometervorgaben eingehalten haben. Denn: Kommt es zu einem Garantiefall, wird Kia zwar nicht wegen 50 Kilometern diskutieren, da ist man kulant. Bei 500 darüber aber sicher nicht mehr – was ja auch verständlich ist.

Größere technische Probleme? Fehlanzeige

“Ich hab mich immer gefragt, wie Kia so eine lange Garantie gestemmt bekommt„, setzt Meister Wünsch nach. Das Thema scheint ihn wirklich zu beschäftigen. “Bis ich es in den vergangenen Jahren verstanden habe: Die Jungs haben einfach ihre Hausaufgaben gemacht und müssen sich daher auch nicht sorgen, dass die Sache nach hinten losgeht.„

Kia Sportage 185 ps EcoDynamics+ 2.0-litre diesel mild-hybrid

Meister Wünsch bezieht sich auf seine Erfahrung in der Werkstatt. Modelle von Kia kommen da meist nur vorbei, wenn sie einen Service oder neue Reifen brauchen. “Oder wenn es mal gekracht hat„, fügt er hinzu. “Probleme mit gelängten Steuerketten, durchgebrannten Zündspulen oder klemmenden Turbogestängen erleben wir bei Kia höchst selten. Mag sein, dass die Marke nicht immer die allerneueste Technik einsetzt, dafür gibt es aber eben auch keine schmerzhaften Kinderkrankheiten. Nicht nur aus Kundensicht ein Vorteil, denn auch in der Werkstatt lässt sich damit gut leben.„

Während der Meister das Blechkleid des Sportage genauer unter die Lupe nimmt, werfen wir einen Blick auf die Modellgeschichte: Die ersten Sportage wurden 1994 in Deutschland gesichtet. Für den europäischen Markt fertigte man den Geländewagen zunächst in Südkorea, später bei Karmann in Osnabrück. Was kaum einer vermutet: Erste Sporen verdiente sich der Sportage beim Militär, daher nutzte die erste Generation auch das Chassis (inklusive zuschaltbaren Allrads und Untersetzung) des süd-koreanischen Jeep, der als zivile Version kurzzeitig unter der Bezeichnung Retona erhältlich war. Zurück zum Sportage, dessen Karosserie 1999 überarbeitet wurde. Die zweite Generation startete 2004 nicht mehr ganz so konsequent auf 4x4 getrimmt – erstmals war auch Frontantrieb möglich. Den großen Sprung auf Modellgeneration drei gab es 2010, was uns zurück zu Meister Wünsch bringt. Denn genau solch ein Exemplar (Erstzulassung Dezember 2012) beschnüffelt er gerade.

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Trotzdem schaut Meister Wünsch genauer unter die Haube. Was wird er wohl finden?

“Keine Beulen, keine Kratzer, nur an den vorderen Türkanten fehlt an zwei Stellen etwas Lacktypische Kampfspuren bei engen Parklücken. Für seine fünf Jahre steht dieser Kia gut da. Auch die Xenon-Module der Scheinwerfer wurden noch nicht gewechselt.„ Einen schlecht instand gesetzten Unfallschaden schließt er aus, dafür gibt es keine Indizien.

“Bereit für eine Probefahrt?„, ruft der Meister und lässt den Einssechser-Benziner erwachen. Der Vierzylinder leistet 136 PS und schickt sie über ein Sechsgang-Schaltgetriebe ausschließlich an die Vorderräder. Eine Klimaautomatik, Sitzheizung vorn und hinten sowie Parkpiepser und Rückfahrkamera runden die gute Ausstattung des Testkandidaten ab. Sein Fahrwerk hat – das wird auf den ersten Kilometern über Kopfsteinpflaster deutlich – noch nicht viel einstecken müssen. Kein Wunder, der Tacho zeigt gerade mal 13.800 Kilometer. “Teilt das mal durch fünf Jahre – der Wagen hat sich mehr ausgeruht, als dass er unterwegs war„, ruft Meister Wünsch und fordert den Sportage ab dem Ortsausgangsschild. “Zieht gar nicht mal so schlecht, immerhin muss der Vierzylinder ganz schön viel bewegen„, witzelt er.

Und was gibt’s von der B-Seite zu berichten?

Als der Kia auf der Hebebühne nach oben schwebt, wagt Meister Wünsch eine Prognose: “Wir werden an dem nicht viel finden, das ist sicher. Zum einen ist diese Generation des Sportage echt gut beisammen, sagen sogar die Kittelträger aus dem Hause TÜV und DEKRA, zum anderen präsentiert sich dieses Exemplar derart gepflegt – würde mich schon arg wundern, wenn da ...„

Kia Sportage 2.0 CRDi (2016) - Kompakt-SUV - Zweiliter-Diesel - Fahrbericht
Fahrberichte

Der Meister liegt mal wieder richtig: Der Unterboden präsentiert sich wie neu. Kein Rost, keine Risse im Flexrohr des Auspuffs oder an den Achsmanschetten, keine vergammelte Bremsleitung, keine brüchigen Federn, keine feuchte Ölwanne. Nicht mal ein ausgeschlagener Kugelkopf in der Lenkung, nix. Okay, die Bremsscheiben sehen rundum etwas eingelaufen aus, hier hat der Vorbesitzer wohl einfach sehr zaghaft agiert. “Seht ihr diesen rostigen Rand auf den Scheiben?„, fragt Meister Wünsch und leuchtet mit der Taschenlampe auf die Scheibe des rechten Hinterrads. “Sobald man ein paarmal stark in die Eisen geht, verschwindet der.„

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Tests

Bevor er sich wieder in die Werkstatt verabschiedet, gibt’s noch einen gestreckten Daumen nach oben: für den gebrauchten Sportage, der tadellos in Schuss ist. Und für den Kurs von Kia. “Wenn nur alle Marken derart Gas geben würden – wir hätten bessere Autos auf unseren Straßen.„

Bleibt zu guter Letzt noch der Blick auf die aktuellen Sportage-Preise in den Gebrauchtwagenbörsen: Dort gibt es vergleichbare Exemplare, Baujahr 2013, mit 50.000 Kilometern auf der Uhr ab rund 13.000 Euro. Mit oder ohne Allrad? Nimmt sich fast nichts.

Versionen, Motoren & Ausstattung

Wer hätte es gewusst: Der Vorfahre unseres Sportage diente beim Militär. Richtig gelesen, der erste Sportage nutzte die DNA eines südkoreanischen Militärfahrzeugs. 1994 startete er damit seine Karriere in Deutschland. Für den europäischen Markt wurde er zunächst in Südkorea, später bei Karmann in Osnabrück gefertigt. Ab Herbst 1998 ging die Produktion zurück nach Südkorea, 1999 gab es das erste Facelift. Nach einem Päuschen von zwei Jahren schickte Kia im September 2004 die zweite Generation des Sportage ins Rennen. Zuerst durfte sie auf der Mondial de l’Automobile in Paris bestaunt werden. Dass sich dieses Modell die Plattform und Motoren mit seinem Konzernbruder, dem Hyundai Tucson, teilte, wunderte niemanden.

Verblüfft waren Autofans dagegen von Sportage Nummer drei, der im März 2010 auf dem Genfer Autosalon präsentiert wurde. Abermals baugleich mit dem Hyundai (jetzt ix35), gefiel der Sportage sofort mit seinem charakterstarken Design. Dabei kam auch die passive Sicherheit nicht zu kurz: Beim Euro-NCAP-Crashtest im November 2010 bekam der Neuling die besten Noten seiner Klasse.

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Alternative: 2,2-l-Benziner...

Antriebstechnisch setzte Kia auf solide Kost: Bei den Benzinern markiert ein 1,6-Liter-Vierzylinder die Basis. Er verfügt über Direkteinspritzung, leistet 136 PS und ist nur mit Vorderradantrieb zu haben. Beim stärkeren Benziner handelt es sich um einen Zweiliter, der bis Ende 2013 ohne Direkteinspritzung auskommen musste (163 PS), sie danach aber ebenfalls erhielt (166 PS). Optional bei beiden Zweiliter-Vierzylindern: Allradantrieb und Sechsstufen-Automatikgetriebe.

Bei den Selbstzündern gab es drei Wahlmöglichkeiten: einen 1,7-Liter mit 115 PS Leistung und 260 Newtonmetern Drehmoment, einen Zweiliter mit Common-Rail-Einspritzung und 136 PS/319 Nm sowie ab dem Modelljahr 2011 einen Zweiliter mit 184 PS und 383 Nm. Während alle drei Dieselherzen serienmäßig an ein Sechsgang-Schaltgetriebe gekoppelt sind, war Allrad nur bei der stärksten Version serienmäßig dabei.

Im Frühjahr 2014 erhielt der Sportage ein Facelift mit neu gestalteter Front, Rückleuchten in LED-Technik sowie einigen Änderungen im Innenraum.

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So viel Kosten die Verschleißteile:

Verschleißteile Kosten
Wischerblätter vorn 36,70 Euro
Luftfilter 20,60 Euro
Innenraumfilter 27,95 Euro
Ölwechsel 98 Euro
Zahnriemenwechsel (ohne Wasserpumpe) entfällt (Steuerkette)
Wechsel Bremsscheiben und -beläge vorn circa 385 Euro

Fazit

Der Kia Sportage (SL) ist ihr Typ, wenn Sie einen sicheren Fang machen wollen. Und SUV gut finden. Dabei geht es Ihnen weniger um Allrad – hoch sitzen und bequem einsteigen sind ja auch schon tolle Pluspunkte dieser Fahrzeuggattung. Unschlagbares Argument für den Sportage: Er wird serienmäßig mit sieben Jahren Garantie serviert, die auch bei Besitzerwechsel gelten. Bei der Suche auf die Fahrleistung achten, die Garantie ist auf 150.000 Kilometer begrenzt. Ist das gebrauchte Schmuckstück zwar gepflegt, aber schon sieben Jahre alt? Macht auch nichts. Die halten!

Das gefällt uns:

Die sieben Jahre lange Garantie natürlich, auch wenn sie „nur“ bis zu einer Laufleistung von bis zu 150.000 Kilometern gilt. Zudem symbolisiert diese Sportage-Generation, wie schnell Kia dazugelernt hat. Das Image-Plus von der zweiten zur dritten Modellgeneration war in vielen Punkten gigantisch. Gut für die Käufer, schlecht für die Konkurrenz.

Das stört uns:

Was kann einen bei solch einem Paket schon stören? Das Auto steht auch nach fünf Jahren noch modern angezogen da, die Technik leistet sich keine bösen Schnitzer – und die Sache mit der Garantie hatten wir ja schon. Wobei, da wäre doch ein Punkt: Warum nur haben die anderen Hersteller in puncto Gewährleistung nicht nachgezogen?

So ist die Marktlage:

Kein Grund zur Sorge. Wer nach einem gebrauchten Kia Sportage der dritten Generation sucht (intern SL genannt), wird einen finden. Vertraut man den Suchergebnissen in den gängigen Online-Gebrauchtwagenbörsen, findet man in den meisten Regionen Deutschlands mehr als einen. Kein Wunder, als Neuwagen verkaufte er sich gut.

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