Audi S5 Sportback, Kia Stinger GT 3.3 T-GDI AWD, Exterieur Achim Hartmann

Kia Stinger GT 3.3 und Audi S5 Sportback im Test

Eine Frage des Preises?

Der 370 PS starke Kia Stinger GT 3.3 T-GDI AWD überrascht nicht nur mit seinem Testwagenpreis von 57.480 Euro. Audi hält mit dem S5 Sportback und schwindelerregenden 83.070 Euro dagegen. Wer macht das Rennen?

Sie trudeln in schöner Regelmäßigkeit in unserem Leserbrief-Postfach ein – die Fragen, warum wir nicht mehr bezahlbare Fahrzeuge testen. Die Antwort ist simpel: Die Angebote auf Dacia-Preisniveau halten sich im sportlichen Segment einfach stark in Grenzen. Nicht nur Supersportwagen-Preise treiben Otto Normalverdiener mittlerweile die Schweißperlen auf die Stirn. Für alle, denen es genauso geht, biegt bei Kia ein sportliches Mittelklassemodell zum Schnäppchenpreis ums Eck. Grund genug, den Kia Stinger GT 3.3 T-GDI AWD einem Vergleichstest gegen die arrivierte Konkurrenz aus Ingolstadt zu unterziehen.

Nicht nur der Grundpreis des Südkoreaners (55.900 Euro) erinnert eher an einen Druckfehler. Normalerweise ist die Optionsliste in diesem Fahrzeugsegment so umfangreich und preisintensiv wie die Weinkarte in einem Sternerestaurant. Der Kia trägt lediglich zwei Extras (Glasdach 690 Euro, Metallic-Lackierung in High Chroma Red 890 Euro). Der Testwagenpreis liegt damit nur knapp über dem Grundpreis – so etwas hat Seltenheitswert im Testalltag von sport auto.

S5: schmerzhafte Aufpreispolitik

Was aber nicht heißen soll, dass der Kia so mager wie eine Gefängniszelle ausgestattet wäre. Im Gegenteil: elektrische Heckklappe, 19-Zoll-Leichtmetallräder, Nappaleder, adaptives Fahrwerk, Harman-Kardon-Soundsystem, Head-up-Display und, und, und – der Kia Stinger GT 3.3 T-GDI AWD geht nicht nur serienmäßig mit Allradantrieb, sondern auch mit umfangreicher Serienausstattung ins Rennen. Bei anderen Herstellern müssen für sündhaft teure Extras fast Bausparvertrag und Lebensversicherung aufgelöst werden.

Audi-S5-Sportback-Fahrbericht
Fahrberichte

Womit wir beim Audi S5 Sportback wären. Audi zählt zu den Meistern der Aufpreispolitik. Man darf sich hier ja schon fast glücklich schätzen, dass man nicht auch noch für das Warndreieck extra zahlen muss. Insgesamt 23 Positionen umfasst die Aufpreisliste unseres S5-Exemplars, die den Testwagenpreis von 63.300 Euro auf fast unglaubliche 83.070 Euro klettern lassen.

Doch der Aufpreis zwischen Oberbayern und Südkorea wird natürlich nicht nur für Prestige und Image fällig. Das führt zu zwei Kernfragen: Wie sind die heutigen Probanden verarbeitet, und wie fahren sie sich? Bei uns wird zwar nur die Fahrdynamik und nicht die Verarbeitung bepunktet, aber was nutzt das größte Fahrtalent, wenn ein Auto so schlecht verarbeitet ist, dass der Klebstoffgeruch im Interieur wie ein Narkosemittel wirkt?

Audi S5 Sportback, Interieur
Achim Hartmann
Die Verarbeitung im S5-Cockpit ist erste Sahne und erinnert eher an Oberklasse als Mittelklasse.

Der Audi S5 ist zwar „sauteuer“, aber man bekommt dafür auch eine fantastische Qualität. Die Verarbeitung im S5-Cockpit ist erste Sahne und erinnert eher an Oberklasse als Mittelklasse. Die optionalen S-Sportsitze überzeugen dabei mit gutem Seitenhalt, ohne aber den Langstreckenkomfort vermissen zu lassen.

Und wie sieht die Verarbeitung im Kia Stinger aus? Auch wenn der Südkoreaner in puncto Haptik und Materialverarbeitung nicht an die Premium-Qualität des Audi herankommt, muss man hier keine bösen Überraschungen befürchten. Im Gegenteil: Die Verarbeitung ist erstaunlich gut. Billiges Leder, scharfkantiges Plastik oder sonstige Low-Budget-Schocker verkneift sich der Kia.

Während das hochtechnisierte S5-Cockpit mit MMI Navigation plus samt „berührungssensitivem Touchpad mit Handschrifterkennung“ und digitalem Kombi-Instrument eher Smartphone-Junkies gefällt, wirkt die Instrumentengestaltung des Kia fast historisch.

Und das ist ganz und gar nicht negativ gemeint, denn das analoge Kombi-Instrument des Stinger GT gefällt. Meine Meinung: Analoge Tacho- und Drehzahlnadeln sind nach wie vor emotionaler und sympathischer als die digitalen Pendants. Sportliche Fahrer finden sich im Kia sofort zurecht. Öltemperatur, Drehmoment und Ladedruck werden zentral zwischen Tacho und Drehzahlmesser angezeigt. Der S5 hält sicherlich noch viel mehr Infos für seinen Lenker bereit, doch die verschachtelte Menüführung des Audi verlangt nach etwas mehr Eingewöhnungszeit.

Kia Stinger GT 3.3 T-GDI AWD, Interieur
Achim Hartmann
Ähnlich wie der S5 bietet auch der Kia fünf Fahrmodi, die per Drive-Mode-Drehregler auf der Mittelkonsole justiert werden.

Ähnlich wie der Audi S5 bietet auch der Kia fünf Fahrmodi, die per Drive-Mode-Drehregler auf der Mittelkonsole justiert werden. Los geht’s direkt im sportlichsten Modus (Sport+) und mit deaktiviertem ESP.

In „Sport+“ strafft das Kia-Adaptivfahrwerk seine Dämpfer und das Handmoment der Lenkung, die übrigens eine erstaunlich gute Rückmeldung um die Mittellage bietet. Wer nicht auf spitze Lenkungen steht, dem wird die zweifelsohne direkte Audi-Lenkung im Dynamic-Modus zu spitz reagieren.

Doch bleiben wir zunächst im Kia. Sein 3,3-Liter-V6-Biturbo mit 370 PS geht ab spätestens 1.500 Touren richtig gut und drückt energisch, ohne auffällige Drehmomentdellen, über das gesamte Drehzahlband. Akustisch entweicht den vier ovalen Kia-Endrohren dabei unter Volllast ein grimmiger Klang, der nie aufdringlich wirkt, aber doch aufregender ausfällt als die synthetische V6-Monoturbo-Stimme des 354 PS starken Audi S5 Sportback.

GT: preiswert, aber auch schnell?

Mal abgesehen von der Akustik geht der Audi-Sechszylinder trotz seiner etwas geringeren Leistung besser. Er hängt aufgeweckter am Gas und dreht obenrum noch etwas energischer gen Drehzahlgrenze. Doch der wahre Grund, warum sich der Kia Stinger GT nicht den Etappensieg bei der Längsdynamik holt, ist seine Achtstufenautomatik, die trotz Launch Control auch im Sport+-Modus eher gemütlich und komfortabel die Gänge wechselt.

Kia Stinger GT
Fahrberichte

Beim Sprint über die Tempomarken von 100 und 200 km/h hat der S5 die Nase knapp vorn. Während der S5 bei 250 km/h elektronisch begrenzt ist, rennt der Stinger allerdings bis zu 270 km/h, was ihn zum schnellsten Serienmodell der Kia-Firmengeschichte macht.

Nicht nur die schneller schaltende Achtstufen-Tiptronic verhilft dem S5 zu etwas besseren Fahrleistungen als beim Kia. Auch die 138 Kilo Mehrgewicht gegenüber dem mit 1.750 Kilo alles andere als leichten Audi merkt man dem Stinger deutlich an. Er ist eher der limousinenartige Langstreckengleiter, während das Fahrverhalten des Audi S5 Sportback fast leichtfüßig wirkt.

Audi S5 Sportback, Kia Stinger GT 3.3 T-GDI AWD, Teststrecke
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Spätestens in Hockenheim fährt der S5 dann dem niemals gefährdeten Testsieg entgegen.

Spätestens in Hockenheim fährt der S5 dann dem niemals gefährdeten Testsieg entgegen. Die Kombination aus dem im Dynamic-Modus knackigen S-Sportfahrwerk, dem variablen Allradantrieb samt Sportdifferenzial und radselektiver Momentensteuerung sowie dem besseren Gripniveau der Hankook-Bereifung bescheren dem S5 ein agiles und weitgehend neutrales Fahrverhalten.

Im direkten Vergleich fällt der Kia Stinger durch sein niedrigeres Gripniveau und ausgeprägte Karosseriebewegungen auf. Während sich der Audi S5 mit seiner Fahrwerkshärte im Dynamic-Modus im Grenzbereich hervorragend abstützt, erinnert die Fahrstabilität des Stinger durch sein knautschiges Adaptivfahrwerk selbst im Sport+-Modus an eine Jolle bei Windstärke 12.

Auch wenn Kia den Stinger zu Entwicklungszwecken oft über die Nordschleife gescheucht hat, wird sich niemand die sportliche Limousine kaufen, um damit ernsthaft auf die Rennstrecke zu gehen. Doch auch wenn der Testsieg klar an den S5 Sportback geht, hat es uns auch das Gesamtpaket des Kia angetan. Einhellige Redaktionsmeinung: Den Stinger GT müssen wir als Dauertester anfragen. Gesagt, getan – ein größeres Lob gibt es bei sport auto eigentlich nicht.

Audi S5 Sportback, Kia Stinger GT 3.3 T-GDI AWD, Exterieur
Achim Hartmann 1/25 Wer macht das Rennen? Kia oder Audi?
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Fazit

Außer des überhöhten Testwagenpreises und der Aufpreispolitik kann man Audi nichts vorwerfen. Der S5 Sportback macht seine Sache gut. Vor allem fahrdynamisch kann er positiv überraschen. Auf der Rennstrecke wirkt er durch die agile Abstimmung von Fahrwerk und Allrad viel leichtfüßiger, als er es mit seinem Gewicht von 1.750 Kilo eigentlich ist. Der Kia Stinger GT ist preislich ein echtes Schnäppchen im Segment der Sportlimousinen. Seine Verarbeitung, sein V6 und der Langstreckenkomfort gefallen. Fahrdynamisch zeigt er gute Ansätze, kann aber schlussendlich dem S5 Sportback nicht das Wasser reichen.

Technische Daten

Audi S5 Sportback 3.0 TFSI Quattro Kia Stinger 3.3 T-GDI V6 GT
Grundpreis 62.500 € 55.900 €
Außenmaße 4752 x 1843 x 1384 mm 4830 x 1870 x 1400 mm
Kofferraumvolumen 480 bis 1300 l 406 bis 1114 l
Hubraum / Motor 2995 cm³ / 6-Zylinder 3342 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 260 kW / 354 PS bei 5400 U/min 272 kW / 370 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h 270 km/h
0-100 km/h 4,5 s 5,0 s
Verbrauch 7,3 l/100 km 10,6 l/100 km
Testverbrauch 10,3 l/100 km 11,6 l/100 km
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