Kleine Flitzer im Vergleich

Flucht-Zwerge

Foto: Hans-Dieter Seufert 47 Bilder

Kompakt, süß, kalorienreich und mit verlockendem Abgang: Die gedopten Kleinen Ford Fiesta ST, Peugeot 206 RC, Seat Ibiza FR 1.8 20 V T und Smart Forfour Brabus mit einer Leistung von bis zu 177 PS zielen schnurstracks auf den Haben-wollen-Reflex.

An den hochoktanigen Lagerfeuern benzinblütiger Automobilisten sind sie Dauerbrenner: feurig motorisierte Kleinwagen. Wo sonst lodern bereits 150 PS mit so heller Flamme wie in gut 1100 Kilogramm leichten Büchsen? Locken die Basisversionen vor allem scharfe Rechner hinterm Ofen hervor, zielen die Sport-Anarchisten direkt auf das Lustzentrum aktiver Kurvensucher.

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Vergleichstest Ford Fiesta, Peugeot 206, Seat Leon, Smart
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Mit höchst unterschiedlichem Ansatz: So passen Ford Fiesta ST und Seat Ibiza FR mit rund 18 000 Euro Einstandspreis in das Budget der Pimp-my-ride-Generation, der Peugeot 206 RC lugt mit 21 500 Euro bereits nach oben. Mit dem 24 900 Euro teuren Smart Forfour Brabus spielt man endgültig Golf, und zwar GTI: Die Ikone der Jungs, die sich in den Siebzigern schon als Männer fühlten, kostet nämlich keinen Cent mehr. Sei’s drum, der freche Auftritt der knapp vier Meter Kurzen entzieht sich ohnehin kaltherziger Kalkulation.

Mehr oder weniger verspoilert, buhlt die Optik um eine Klientel, die es mag, wenn stramme Feder-Dämpfer-Kombinationen so freudig über den Fahrbahnzustand kommunizieren wie ein Kanarienvogel nach einer Überdosis Sprechperlen.

Der Ford Fiesta ST etwa zupft bereits beim Start in der 30er-Zone am Lenkrad wie ein junger Rüde beim Morgenspaziergang. Stoischer Geradeauslauf sieht anders aus. Forciert man das Tempo, besinnt sich der ST auf seinen Auftrag, zoomt auf engen Radien durch Spitzkehren, rasiert am inneren Randstein entlang, nimmt entschlossen die folgende Gerade ins Visier, bremst kalkulierbar-neutral ins nächste Eck.

Linienkorrekturen im Scheitelpunkt? Mit der direkten, wenn auch etwas steifen und leicht stößigen Lenkung kein Problem, zumal der Ford weder nervig unter- noch übersteuert. Einen schlimmen Lapsus leistet er sich beim Bremsen auf unterschiedlich griffigem Untergrund: Der Anhalteweg ist mit über 150 Metern viel zu lang – hier muss unbedingt nachgebessert werden.

Zur ansonsten hohen Fahrsicherheit – wie bei der Konkurrenz unter dem Schutz des serienmäßigen ESP – gesellt sich dafür bekömmlicher Komfort.

Speziell bei höherem Tempo und mit Zuladung filtert der ST Fahrbahnunebenheiten sauber aus.

Der 150-PS-Zweiliter, dem die Sportabteilung mit variablem Ansaugsystem, Sportauspuff und leichterem Schwungrad Beine gemacht hat, ruft mit seinem gleichförmigen Antritt eher Wohlwollen denn Jubelschreie hervor. Da spendet der angemessene Verbrauch nur schwachen Trost.

Klasse: das auf kurzen Wegen exakt rastende Fünfganggetriebe. Schade nur, dass das dröge, wenn auch vorbildlich bedienbare Interieur wenig zum Charakter eines juvenilen Sportgeräts passt. Da bewies Seat bei der Auswahl und Gestaltung der Innenraum-Kunststoffe im Ibiza FR schon mehr Geschmack.

Solide, griffsympathisch und intuitiv bedienbar, mimt der Ibiza mit seinen glutrot beleuchteten Instrumenten den Volkswagen mit Spanisch-Kurs. Aber schon beim Losfahren ist klar: Mädchen-Auto statt Macho-Prügel. Komfortable Sitze, unauffälliges Abrollen sowie eine Lenkung, die dauerhaft im widerstandslosen City-Modus zu verharren scheint, weisen jeden Sport-Verdacht von sich.

Dafür ist der 1,8-Liter-Turbomotor, 150- PS-Standardware aus dem Konzernregal, im 1212 Kilogramm leichten Ibiza ein echter Schlingel. Leise und kultiviert schmeichelnd beim entspannten Schlendern, schlägt der Fünfventiler beim Tritt aufs Gaspedal subtil turbopfeifend zu. Und zwingt die Konkurrenz zum Blick aufs Pummelheck.

Sobald es kurvig- kompetitiv wird, schwächelt der Ibiza jedoch: Egal, wie beherzt man mit der unpräzisen Lenkung kämpft, er bleibt ein sturer, wenn auch sicherer Untersteuerer, gönnt sich weite Bögen, bockt auf Unebenheiten mit der Hinterachse.

Sportlich ist anders. Wie, das zeigt der konsequent gemachte Peugeot 206 RC. Fahriger Leerlauf, rupfige Kupplung, stilecht zupackende Schalensitze. Unter klassischem Vierzylinder-Gestöhn absolviert er die Pflicht, trottet mit seinem Sportfahrwerk trocken-knochig über die Piste. Seine Stunde schlägt, sobald die Öltemperaturanzeige grünes Licht gibt.

Der von Rennmotoren- Profi Mecachrome überarbeitete Zweiliter gaswechselt durch einen modifizierten Zylinderkopf mit variablen Steuerzeiten sowie eine Sportauspuffanlage mit Edelstahlkrümmer.

Mit Erfolg: Vor allem zwischen 5000 und 7000 Touren reißt er wie gestochen, zerrt den 1125 Kilogramm leichten RC im langen ersten Gang fast auf Tempo 70. Vorteilhaft in engen Kehren, in die der 206 bei Lastwechseln mit provokantem Heckschwenk hineinknallt, um sie unter heldenhaftem Gebrüll wieder zu verlassen.

Da verzeiht man sogar, dass der Schalthebel durch Pudding statt eine solide Gasse zu gleiten scheint und die Verarbeitung stellenweise nonchalant ausfällt.

Fakt ist: Beim gefühlten Speed ist der Peugeot Spitze. Ebenso beim Unterhalt: Die Versicherungsprämien für Haftpflicht und Vollkasko sowie die Festkosten auf fünf Jahre übertreffen die eines Porsche 911 Carrera.

Was soll’s, auch der Brabus-Smart Forfour beißt sich mit Hartz-Four. Horrender Kaufpreis, saftiger Unterhalt. Dafür bekommt der solvente Freak feines Leder auf Sitzen und Armaturenbrett plus metallisch glänzendes Geschmeide innen und außen. Sowie einen 177 PS starken 1468-cm3- Motor, der aus seinem Hubraumhandikap und der Turboaufladung keinen Hehl macht. Müde brummt er aus dem Drehzahlkeller, drückt seinen Insassen erst jenseits 3000 Touren das Brabus-Logo in den Hinterkopf und einen harten Sitzwulst in den Steiß. Oben raus verlässt ihn die Lust, doch der Punch dazwischen reicht, um selbst den aufsässigen Peugeot 206 RC messwertmäßig hinter sich zu lassen.

Auf der Piste verderben allerdings massive Antriebseinflüsse beim Beschleunigen die Linie: Kaum fassen die unter Turboeinfluss scharrenden 17-Zöller am Ende einer Kehre Fuß, verhärtet sich die Lenkung.

Hier sind einfühlsame Korrekturen gefragt. Mit der zackig-direkt ansprechenden Smart-Lenkung samt wulstigem Volant kein ungetrübtes Vergnügen. Ein weiterer Nachteil: der auch hier viel zu lange Bremsweg auf unterschiedlich griffigen Belägen.

Mehr Sympathien fischt der Forfour im Alltag: Vier Türen und verschiebbare Rückbank sorgen für Variabilität und ermöglichen einen problemlosen Einstieg nach hinten. Als eiliges Disco-Shuttle für jung gebliebene Gentlemen taugt er dennoch nicht: Die kurzen Federwege springen mit den Fahrgästen rüde um, auf Bodenwellen geht die Fuhre schmerzhaft auf Block. Mit ein Grund dafür, dass sich der Edel- Smart in der Endabrechnung knapp vor dem konsequenten Sportler Peugeot 206 RC auf Platz drei wiederfindet.

Beide kranken an ihren hohen Kosten und Detailschwächen. Preisgünstig, allroundig und wendig, schafft es der Fiesta ST daher nach Punkten auf Platz eins, gefolgt vom geschmeidigen Ibiza FR.

Fazit

1. Ford Fiesta ST
475 Punkte

Für Clevere: Der Fiesta gewinnt fünf von acht Wertungen. Er ist komfortabel, agil, fahrsicher, günstig - der µ-split-Bremsweg ist aber zu lang.

2. Seat Ibiza FR 1.8 20 V T
462 Punkte

Für Softies: Solide Qualität, einfache Bedienung und der kultivierte, kräftige Motor sprechen für den Seat – sein unsportliches Handling gegen ihn.

3. Smart Forfour Brabus
431 Punkte

Für Reiche: Teuer in Anschaffung und Unterhalt, spielt der teils liebevoll gemachte, vergleichsweise variable Turbo-Brabus eine Exotenrolle.

4. Peugeot 206 RC
422 Punkte

Für Sportsgeister: Wen hohe Unterhaltskosten und Euro 3-Einstufung nicht schrecken, der bekommt einen drehfreudig-agilen Kurvenwetzer.

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Technische Daten
Peugeot 206 RC Millesim Smart Forfour Brabus 0.9 turbo Seat Ibiza 1.8 20V T FR Ford Fiesta ST 1.6 EcoBoost Siver Magic
Grundpreis 21.500 € 24.900 € 18.690 € 18.025 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 3835 x 1673 x 1428 mm 3752 x 1684 x 1450 mm 3953 x 1698 x 1441 mm 3921 x 1683 x 1430 mm
KofferraumvolumenVDA 245 bis 1130 l 268 bis 910 l 267 bis 960 l 268 bis 945 l
Hubraum / Motor 1997 cm³ / 4-Zylinder 1468 cm³ / 4-Zylinder 1781 cm³ / 4-Zylinder 1999 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 130 kW / 177 PS bei 7000 U/min 130 kW / 177 PS bei 6000 U/min 110 kW / 150 PS bei 5800 U/min 110 kW / 150 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 220 km/h 221 km/h 216 km/h 208 km/h
0-100 km/h 7,3 s 7,8 s 9,0 s
Verbrauch 8,6 l/100 km 6,8 l/100 km 7,8 l/100 km 7,4 l/100 km
Testverbrauch 11,5 l/100 km 11,0 l/100 km 10,4 l/100 km
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