Kombi-Zange

BMW 3er, Mercedes C-Klasse und VW Passat

Foto: Hans-Dieter Seufert 39 Bilder

Neue Kombis in der Mittelklasse: VW Passat als Variant, BMW 3er als Touring – wer bietet mehr? Und wie schlagen sich die Newcomer gegen den Altmeister, die Mercedes C-Klasse als T-Modell? Ein Vergleich der Dieselvarianten in der 150-PS-Klasse.

MPV und SUV, Raumkonzept und Crossover – alles schön und gut. Aber was spricht eigentlich gegen den guten alten Kombi? Praktischer und geräumiger als eine Limousine, aber im Gegensatz zu den trendigen Alternativen ohne Verbrauchsmalus und ohne fahrdynamische Kompromisse: Wäre der Kombi nicht schon erfunden, man müsste es schnellstens nachholen.
Dass er bisweilen auch noch besser aussieht als seine Limousinengeschwister, kommt hinzu. Im vorliegenden Fall ist dieser Vorzug allerdings nicht besonders ausgeprägt: Es gibt gefälligere Kombis.
Abgesehen davon zielen die Vergleichskandidaten obendrein auf unterschiedliche Geschmäcker. Die Palette reicht vom klassischen Großraumgefährt für größere Transportaufgaben bis zum so genannten Lifestylekombi, wo maximaler Nutzwert nicht die Hauptrolle spielt. Zu begrüßen ist auf jeden Fall, dass man die jüngsten Vertreter der deutschen Mittelklasse nun mit Kombiheck kaufen kann.
Und weil sich beide, auch der Passat Variant, in der Premium- Ecke sehen, müssen sie sich den Vergleich mit dem guten Stern gefallen lassen: Die bewährte C-Klasse in der Tversion hat als Maßstab keineswegs ausgedient. Am Start sind die Dieselversionen mit rund 150 PS und Partikelfilter. Stolze Preise ist man bei diesen Marken gewohnt. 34 104 Euro verlangt Mercedes offiziell für einen C 220 CDI in Basisausführung (Classic), aber auch BMW langt kräftig zu (320d Touring: 32 600 Euro). Dagegen kommt einem der Passat ausnahmsweise wie ein Schnäppchen vor: 28 310 Euro als 2.0 TDI Comfortline.
Da wirkt sich für den Mercedes nur die geringfügig bessere Ausstattung mildernd aus – Tempomat, Klimaautomatik und Nebellampen sind im Preis enthalten. Am wenigsten bietet BMW, aber generell kommen einem beim Blick in die Extra- Liste die Tränen: Die schöneren Sachen kosten durchweg Aufpreis.
Der VW-Kunde dürfte das noch am leichtesten verschmerzen, denn immerhin bekommt er deutlich mehr Auto. Der Passat sieht nicht nur groß aus, er ist es auch, und das bringt im Platzangebot klare Vorteile.
So steht jetzt schon fest: Wer größere Transporte vor hat oder mit Kind und Kegel in die Ferien fährt, für den gibt es in dieser Runde nur einen, nämlich diesen.

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Mindestens 603 Liter Volumen bietet der Kofferraum, bei umgeklappten Rücksitzen 1731 Liter, und die erlaubte Zuladung von 568 Kilogramm sorgt ebenso wie die gute Beladbarkeit und der ebene Laderaumboden dafür, dass man dieses Angebot gut nutzen kann. Noch ein Vorteil: Eine Niveauregulierung gibt es, wie auch bei Mercedes, gegen Aufpreis (695 Euro).
Wie es sich heute für Kombis gehört, fehlt es auch nicht an cleveren Detaillösungen. Gibt man 240 Euro für das so genannte Gepäckmanagementsystem aus, kann das Ladegut mittels verschiebbarer Barrieren arretiert werden: nützlich und einfach zu handhaben. Weniger praktisch ist dagegen, dass man beim Vorklappen der Rücksitze die Kopfstützen und dann die sperrige Quertraverse für Laderaumabdeckung und Trenn-Netz entfernen muss.
Von den Maßen profitieren auch die Insassen. Große Menschen finden reichlich Platz, allerdings sitzt der Fahrer etwas hoch. Die Polster sind bequem, bieten aber wenig Seitenhalt, die Bedienung fällt leicht, nur der Qualitätseindruck ist nicht (wie von VW beabsichtigt) premium. So viel Hartplastik passt da nicht ins Bild.
Nach dem VW kommt einem der BMW zwar etwas hochwertiger, aber vor allem auch erheblich kleiner vor, was angesichts der Maße kein Wunder ist. Speziell hinten fühlt man sich im direkten Vergleich eingepfercht, und der Blick durch die relativ kleine Hecktür stimmt auch nicht froh. Das Ladevolumen reicht von 460 bis 1385 Liter (Zuladung nur 454 Kilogramm), und da sich die Sitzflächen hinten nicht hochschwenken lassen, wird der Boden zur schiefen Ebene. Immerhin muss man beim Umklappen nicht erst die Kopfstützen entfernen.
Vorteilhaft ist auch das separat zu öffnende Heckfenster, etwa beim Einladen von Einkaufstüten, für die eigens Aufhänger zur Verfügung stehen. Außerdem lockt auch BMW mit einem Gepäckraumpaket (220 Euro), das hier diverse Haltenetze, Fächer unter dem Ladeboden und eine wasserdichte Klappbox umfasst. Den Passagieren kommt zugute, dass sie gut sitzen. Besonders der Fahrer fühlt sich optimal platziert, muss sich aber mit den BMW-typischen Bedienungsspezialitäten auseinander setzen.
i-Drive dürfen Dreier-Käufer indessen abwählen: Die Menüsteuerung ist mit dem Zukauf des Navigationsgeräts gekoppelt. Weniger akzeptabel ist das Fehlen geräumiger Ablagen. Wem das Raumangebot des BMW reicht, der dürfte auch mit der Größe des Mercedes zufrieden sein. Die Unterschiede sind geringer, als es die zusätzlichen Zentimeter des BMW suggerieren, beim Schluckvermögen des Kombihecks herrscht fast Gleichstand.
Die Vorzüge des T-Modells zeigen sich in der Ausführung: Der Ladeboden ist topfeben und durch die große Klappe gut zu bestücken. Vorbildlich der geringe Aufwand beim Sitzeklappen: Zwei Handgriffe genügen, und alles (inklusive Kopfstützen und Quertraverse mit Rollo und Netz) verschwindet – perfekt, wie man überhaupt viele Detaillösungen zur Nachahmung empfehlen kann.
Das gilt sogar für die Qualität: In dieser Runde zumindest macht die Mercedes C-Klasse den besten Eindruck. Beim Fahren freilich können die jüngeren Konkurrenten auftrumpfen. Der Passat bietet neben dem besten Raumkomfort auch die angenehmste Federung, die selbst bei voller Beladung die Ruhe bewahrt.
Vor allem in der Rolle als passagierschonendes Reisegefährt vermag er seine Widersacher an die Wand zu spielen, andererseits hebt er dabei kaum die Fahrlaune.
 

Mit Schwung in die Kurve zu gehen zum Beispiel birgt zwar keine Probleme, trägt aber auch nicht zur Stimmung bei. Dazu ist das Lenkgefühl zu synthetisch, die Neigung zum Geradeausschieben zu ausgeprägt und die Traktionsreserve zu dürftig. Wenig begeisternd sind auch die Bremsen.
Dem 140-PS-Antrieb lässt sich zumindest attestieren, dass er gute Fahrleistungen ermöglicht und hohe Elastizität mit geringem Verbrauch verbindet. Besonders subtil geht er dabei aber nicht zu Werke: Er kommt schwer aus den Startlöchern, legt sich dann zornig brummend ins Zeug, schlafft aber frühzeitig wieder ab. Man kennt inzwischen harmonischere Dieselaggregate. Als Vorbild kann jenes im 320d dienen.
In dieser Leistungsklasse gibt es zurzeit nichts Besseres. Ansprechverhalten, Leistungscharakteristik und auch Verbrauch – BMW macht es allen vor. Selbst in der Laufkultur – bei keinem der hier versammelten Selbstzünder berühmt – kann der 163-PS-Diesel punkten. Die zusätzlichen PS machen sich erwartungsgemäß in den Fahrleistungen bemerkbar. Da lässt der BMW den Kontrahenten keine Chance.
Zum munteren Wesen passt das Fahrwerk. Präzision und guter Fahrbahnkontakt machen das Lenken zum Vergnügen, das neutrale Kurvenverhalten bei geringer Seitenneigung und die kräftigen Bremsen tun ein Übriges. Obendrein profitiert der Unterhaltungswert des Hecktrieblers von einer zweistufigen ESP-Regelung – ein Kombi mithin, wie ihn BMW uns schuldig ist. Muss aber deshalb der Komfort so stark ins Hintertreffen geraten? Das Abfedern großer Unebenheiten gelingt dem Touring so unvollkommen, dass die Freude am Fahren bisweilen unplanmäßig auf der Strecke bleibt.
Hier der geräumig-komfortable Passat, dort der sportlich-kompakte BMW – was spricht da noch für den Mercedes? Es ist, wieder einmal, der ausgewogene Kompromiss. Die Mercedes C-Klasse brilliert nicht, leistet sich aber auch keine Schwächen. Sie wirkt behäbiger als der Dreier, aber fahraktiver als der Passat. Im Federungskomfort ist sie diesem ein wenig unterlegen, aber ihr 150-PS-Diesel wirkt harmonischer. Das langt dann zwar nicht mehr für einen Sieg nach Punkten, den der BMW Dreier einstreicht. Aber immerhin für einen guten Verlierer.

Fazit

1. BMW 320d Touring
503 Punkte

Er ist der Schnellste, der Agilste, der Sparsamste. Und er hat die besten Bremsen. Das reicht für die Spitze – trotz des mäßigen Komforts und bescheidenen Laderaums.

2. VW Passat Variant 2.0 TDI
501 Punkte

Das Kontrastprogramm zum BMW: geräumig, komfortabel, preisgünstig. Dafür deutlich weniger Dynamik. Die erste Wahl, wenn viel Platz gefragt ist.

3. Mercedes C 220 CDI T-Modell
492 Punkte

Ausgewogen und immer noch up-to-date. Er ist komfortabler als der BMW, aber weniger dynamisch. Das knappe Platzangebot und der Preis werfen ihn zurück.

Technische Daten
VW Passat Variant 2.0 TDI Comfortline Mercedes C 220 CDI T Classic BMW 320d Touring
Grundpreis 30.000 € 35.462 € 33.950 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4774 x 1820 x 1517 mm 4541 x 1728 x 1465 mm 4520 x 1817 x 1418 mm
KofferraumvolumenVDA 603 bis 1731 l 470 bis 1354 l 460 bis 1385 l
Hubraum / Motor 1968 cm³ / 4-Zylinder 2148 cm³ / 4-Zylinder 1995 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 103 kW / 140 PS bei 4000 U/min 110 kW / 150 PS bei 4200 U/min 120 kW / 163 PS bei 4000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 206 km/h 214 km/h 223 km/h
0-100 km/h 10,4 s 10,2 s 8,9 s
Verbrauch 6,1 l/100 km 6,9 l/100 km 5,9 l/100 km
Testverbrauch 8,7 l/100 km 8,5 l/100 km 8,1 l/100 km
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