Kompakte Cabrios

Französische Klapp-Garnitur

Foto: Uli Jooß

Zwei Viersitzer mit Klappdach aus Frankreich im Vergleich: Peugeot 307 CC und Renault Mégane Coupé-Cabriolet. Ein neues Gefühl der Offenheit oder nur ein Cabrio-Kompromiss.

Nicht nur in der Werbung für die berühmten Schoko-Eier mit Spielzeugfüllung kommt es vor, dass jemand drei Wünsche auf einmal hat. Auch bei der Autowahl finden sich immer wieder Menschen, die alles auf einmal haben wollen. Zum Beispiel ein wintertaugliches Coupé, ein offenes Auto für sonnige Tage und einen Viersitzer für die Familie. Für diese Menschen haben Peugeot und Renault ihre Klappdach-Cabrios auf Basis der aktuellen Kompaktmodelle 307 und Mégane im Programm. Aber können die unterschiedlichen Ansprüche wirklich unter einen Hut gebracht werden? In beiden Fällen handelt es sich um elektrohydraulisch betätigte, zweiteilige Hardtops – das des Renault besteht bis auf die Dachholme aus Glas –, die sich auf bloßen Knopfdruck hin in den Kofferraum zurückziehen. Beim Renault dauert diese Prozedur 22, beim Peugeot 25 Sekunden. Dafür darf beim 307 CC schon beim Heranrollen an eine Ampel unterhalb zehn km/h mit dem Öffnen begonnen werden. Der Mégane muss dazu stehen. Um Beschädigungen an den Dächern durch Gegenstände im Kofferraum zu vermeiden, müssen jeweils die Rollos geschlossen sein, die den Laderaum in separate Abteile für Dach und Gepäck unterteilen. Während das Ladevolumen des Mégane mit 490 Litern bei geschlossenem Dach beinahe Oberklasseniveau erreicht, schrumpft es im Cabrio-Modus auf magere 190 Liter.

Der Peugeot bietet mit offenem Dach zwar geringfügig mehr – 204 Liter –, maximal sind es aber nur 350 Liter. Wegen der schmalen verbleibenden Ladeschlitze sollte das Beund Entladen am besten bei geschlossenem Dach erfolgen, sofern mehr als nur ein Aktenkoffer eingeladen werden soll.
Gemeinsam ist beiden auch die ungünstige Platzierung des Verdeckschalters und des Schalters für die gleichzeitige Öffnung aller vier Fenster zwischen den Vordersitzen. Besser erreichbar wären sie in der Armaturentafel.

Das Gefühl vollkommener Offenheit will sich bei beiden nicht so recht einstellen. Natürlich zieht es bei flotter Fahrt ordentlich hinter den flach liegenden Frontscheiben. Aber die massigen oberen Rahmen der Windschutzscheiben rücken den Köpfen der Vornsitzenden bis auf zwei Handbreit auf die Pelle. Fast hat man den Eindruck, unter und nicht hinter der Scheibe zu sitzen. Werden jetzt noch die Seitenscheiben geschlossen, verwandelt sich die frische Brise in ein laues Lüftchen. Kaum mehr als bei einem einfachen Schiebedach. Den Wunsch nach einem Cabrio erfüllen beide also nur eingeschränkt.

Ein Vorteil der festen Dächer gegenüber Stoffverdecken soll die bessere Geräuschdämmung sein, was hier aber nicht unbedingt der Fall ist. Beim Mégane treten bei hohem Tempo mit geschlossenem Dach lautes Pfeifen und Zischeln an der Stelle auf, wo Windschutzscheibe und Dach zusammentreffen. Außerdem dringen auf schlechten Straßen aus eben diesem Bereich Klappergeräusche. Dass es dem Renault-Testwagen noch an Reife fehlte, zeigte sich auch beim Dachmechanismus. Denn eigentlich sollte die Kunststoffabdeckung hinter den Rücksitzen vor dem Schließen des Kofferraumdeckels nach unten klappen. Meistens blieb sie aber aufrecht stehen und musste von Hand rechtzeitig unter den sich schließenden Heckdeckel gedrückt werden.

Beim 307 CC funktionierte die Dach-Mimik dagegen problemlos. Auch trüben weder übermässige Wind- noch Klappergeräusche bei geschlossenem Dach den Coupé-Genuss. Allerdings beginnt der Motor über 4500/min unangenehm zu dröhnen. Ansonsten hat der Peugeot im Komfortkapitel die Nase vorn. Er federt feine und grobe Unebenheiten gleichermaßen gut ab, ohne übertrieben weich zu sein. 

Der Renault neigt dagegen auf kurzen Wellen zum Stuckern und auf langen zum Stampfen, was auf eine unharmonische Feder-Dämpfer-Abstimmung schließen lässt. Wenig Komfort genießen in beiden Autos die Fondpassagiere. Denn die in der Werbung vollmundig versprochene Viersitzigkeit entpuppt sich angesichts der engen Sitznischen als Papiertiger. Extrem knapp ist in beiden Coupé-Cabrios der verbleibende Knieraum hinter den Vordersitzen. Denn der geht selbst dann gegen null, wenn vorn lediglich ein durchschnittlich großer Fahrer – knapp 1,80 Meter – sitzt. Nur wenn die vorderen Sitze nach vorn gerückt werden, kann hinten überhaupt jemand sitzen. Zudem stehen die Rücksitzlehnen sehr steil, was in Verbindung mit den kurzen Sitzflächen zu einer Froschhaltung zwingt. Beim Renault noch mehr als beim Peugeot.

Ebenfalls kein Vergnügen bereitet schon das Einfädeln nach hinten bei geschlossenem Dach. Anders als es die gegensätzliche Formensprache – weich und rund der Peugeot, hart und kantig der Renault – vermuten lässt, herrscht bei der Karosserie- Wertung also nahezu Gleichstand. Das trifft auch auf den Antrieb zu. Wie in den Eckdaten, sind in der Praxis die Unterschiede ebenfalls nur marginal. Fahrleistungen und Verbrauch liegen auf dem gleichen Niveau. Der Peugeot fühlt sich zwar etwas kräftiger an, der Renault besitzt dafür das präziser zu schaltende Getriebe – zudem mit sechs Gängen. Spürbare Unterschiede gibt es noch bei den Fahreigenschaften.

Der Mégane ist das agilere Auto, weil er in Kurven weniger untersteuert als der Peugeot. Dessen Lenkung ist zudem indirekter und arbeitet mit mehr Unterstützung als die straffe, um die Mittellage gefühllose elektrische Servolenkung des Mégane. In Wechselkurven ist das Feedback aber ausreichend. Am Ende bleibt die Erkenntnis, dass vielleicht Überraschungseier drei Wünsche auf einmal erfüllen, die Coupé- Cabrios von Peugeot und Renault dafür aber Kompromissbereitschaft erfordern. So trägt deshalb mit dem 307 CC nicht das beste Cabrio, sondern das in diesem Vergleich komfortabelste Auto den knappen Sieg nach Hause.   

Fazit

1. Renault Mégane CC 2.0 16 V
459 Punkte

Auch das Mégane Coupé-Cabriolet ist eher in die Kategorie 2+2-Sitzer einzuordnen. Es ist das fahraktivere Auto mit Einbußen beim Komfort. Zudem trüben Mängel an der Dachmechanik das Bild.

2. Peugeot 307 CC 135
461 Punkte

Zu den Stärken des Peugeot gehören der Komfort und die besseren Bremsen. In puncto Karosserie, Antrieb und Innenraum herrscht nahezu Gleichstand. Ein vollwertiger Viersitzer ist der 307 CC aber nicht.

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Technische Daten
Peugeot 307 CC 135 Millesim Renault Mégane CC 2.0 16V Luxe Privilège
Grundpreis 24.800 € 25.250 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4349 x 1759 x 1417 mm 4355 x 1777 x 1404 mm
KofferraumvolumenVDA 350 l 490 l
Hubraum / Motor 1997 cm³ / 4-Zylinder 1998 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 100 kW / 136 PS bei 6000 U/min 99 kW / 135 PS bei 5500 U/min
Höchstgeschwindigkeit 207 km/h 205 km/h
0-100 km/h 10,1 s 10,3 s
Verbrauch 8,2 l/100 km 8,2 l/100 km
Testverbrauch 10,4 l/100 km 10,2 l/100 km
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