Kompakte Minivans

Kindstärke Sieben

Foto: Hans-Dieter Seufert

Die neuen, großfamilientauglichen Siebensitzer Toyota Corolla Verso und Renault Grand Scénic wollen dem Seriensieger VW Touran Punkte abjagen. Test der starken Dieselvarianten.

Das Leben ist ein Kindergeburtstag. Diesen Eindruck bekommt man jedenfalls beim Blick auf das boomende Segment der Minivans. Wer hier mitspielen will, sollte auf rund 4,40 Meter Länge mit sieben Sitzplätzen Shuttle-Bus- Qualitäten beweisen. So wie der Toyota Corolla Verso, der nach nur 28 Monaten seinen Vorgänger ablöst. Kantig, mit stämmiger Gürtellinie lässt er die Muskeln spielen, während der Renault Grand Scénic, gegenüber dem Standard- Modell um 23 Zentimeter verlängert, geschmeidig gestylt auf das Feld rollt. Und der kastenförmige VW Touran? Er betrachtet lässig das Treiben der anderen – schließlich hat er bisher noch jeden Vergleichstest-Gegner in den Sack gesteckt. Doch die Konkurrenz hat nachgelegt. Bis ins Detail.

Der Corolla Verso etwa mit einem Startknopf, der kleine und große Kinder begeistert, selbst wenn er statt eines fauchenden Sportmotors nur einen zwei Liter großen Common-Rail-Diesel weckt. Der 1,9-Liter-dCi des Grand Scénic startet ebenfalls per Knopfdruck, was bei der getesteten Top-Version Luxe Privilège (25 850 Euro) im Preis inbegriffen ist. Der Renault ist komplett schlüssellos bedienbar, die Chipkarte in der Hosentasche genügt. Türen und Lenkradschloss entriegeln ebenso elektromechanisch wie die Parkbremse – Dinge, die sonst selbst bei Luxusklasse-Heroen extra kosten. Oder überhaupt nicht zu haben sind, wie beim Touran, als Trendline mit Zweiliter- TDI 25 355 Euro teuer. Serienmäßig gibt es dafür ein rundum logisches Bedienkonzept. Egal, ob Kilometerzähler nullen, Radio, Klimaautomatik (1365 Euro) oder Navigation (1850 Euro) bedienen: alles klappt ohne Federlesens. Ähnlich ist das beim Corolla Verso, dessen – in der 26 600 Euro teuren Executive- Version serienmäßiges – Navigationssystem jedoch etwas Eingewöhnung erfordert. Es muss per Berührungsbildschirm bedient werden und weist eine teils umständliche Menüstruktur auf.

Der Rest der opulenten Serienausstattung, sprich Stereoanlage, Tempomat, Bordcomputer und Klimaautomatik, ist problemlos zu bedienen. Nicht zu vergessen die Kameras, die beim Einparken (hinten) und dem Passieren unübersichtlicher Ausfahrten (vorn) helfen sollen. Auch wenn der Blick auf den Monitor Unsichere beim Manövrieren eher verunsichern dürfte – das Beeindruckungs- Potenzial wird lediglich von dem Multimedia- System für 2200 Euro getoppt: DVD-Spieler, zwei Flachbildschirme in den vorderen Kopfstützen, Infrarot-Kopfhörer, Spielkonsolen-Anschluss: Kids würden Verso wählen.

Oder vielleicht Grand Scénic? Immerhin fällt seine Innenarchitektur auffällig anders aus. Und polarisierend. Unbedarfte Erstnutzer verzweifeln, Ergonomie- Freaks schäumen. Auch wenn sich Renault-Fans damit abfinden, Fakt ist: Die mittig im Armaturenträger untergebrachten, fitzeligen Digitalinstrumente sind miserabel ablesbar, die Bedienung alles andere als intuitiv. Im Gegenzug schmeichelt der Franzose mit hellen, verschiedenfarbigen Verkleidungen und (Teil-)Lederbezug an Sitzen und Türverkleidungen – auch wenn die hellen Stoffe angesichts verschmierter Kinderfinger Kakao schreien dürften. Entdecke die Möglichkeiten: Unter diesem Motto warten bei allen drei Vans Ablagen, Schubladen und Boxen auf Nutzung. Auf der Grundfläche der Kompaktklasse stehen bis zu 1920 Liter Volumen parat.

Bei VW und Renault lassen sich die mittleren, ordentlich gepolsterten Sitze ausbauen, die brettharten Möbel des Toyota zu einem ebenen Boden flachlegen. Angesichts des fummeligen, kraftraubenden Wiedereinbaus – speziell beim Grand Scénic – die bequemere Alternative. Die Notsitze der letzten Reihe sind bei allen ruckzuck aus dem Boden geklappt, bieten indes nur Platz für Steppkes. Wenn sieben Erwachsene einsteigen, verwandelt sich der Corolla de facto vom bequemen Fünf- zum Zweisitzer. Im Fond herrscht einfach Raumknappheit, da kann man die mittleren Sitze so lange hin- und herschieben, wie man will. Der Grand Scénic offeriert sogar bei voller Besetzung noch einen Rest-Kofferraum, auf Kosten des Passagierkomforts, der durch die nach hinten verjüngte Karosserieform ohnehin eingeschränkt ist.

Der Touran profitiert von seiner kubischen Form und großen Fensterflächen, was den Insassen ein luftiges Raumgefühl vermittelt. Um gutes Sicherheitsgefühl kümmert sich bei allen ein ganzes Airbag-Arsenal, einen für das Fahrerknie hat nur der Corolla. Vorn sitzt man hier wie im Touran Pkw-mäßig tief, beim Renault etwas höher, was nichts an der Van-typisch unübersichtlichen Front ändert.

Passend zum wohnlichschicken Ambiente kaschiert der 120 PS starke Renault- Diesel sein Bauprinzip, so gut es geht. Keine wuchtige Drehmoment- Brandung, kein raues Selbstzünder-Gehabe, dafür gleichförmiger Antritt und geschmeidige Laufkultur plus eine leichtgängige Sechsgangschaltung. Ähnlich unspektakulär entfaltet der Toyota-Vierventiler seine 116 PS, verfehlt knapp die Laufkultur des Renault. Vor allem bei schneller Konstantfahrt setzen sich Brummfrequenzen in den Gehörgängen fest. Eine sechste Stufe würde dem etwas schwergängig, aber exakt schaltbaren Getriebe gut tun und helfen, den im Vergleich höchsten Verbrauch zu senken. Geringster Dieselkonsum, stämmigster Antritt, gute Fahrleistungen, Euro 4-Einstufung: Unter der Touran-Haube dieselt der Chef des Vergleichs.

Zwar pflegt der Pumpe-Düse-Motor eine leichte Anfahrschwäche sowie milde Vibrationen, 320 Newtonmeter plus Sechsganggetriebe machen ihn dennoch flink und leise: klarer Sieg im Motoren-Kapitel. Und in der Fahreigenschafts- Wertung: Seine Federung spricht auf kurze Absätze trocken an, macht allen anderen Unebenheiten jedoch gekonnt den Garaus. Geringe Karosserieneigung, feine Rückmeldung sowie die präzise, elektromechanische Servolenkung bringen den VW nach vorn. Nur knapp geschlagen wird der Toyota, dessen Fahrwerk stets limousinenhaft erwachsen anspricht, akustisch zurückhaltend bleibt und weder zum Poltern noch zu langhubigen Schaukelbewegungen neigt. Das macht nicht nur komfortabel, sondern auch fahrsicher: Trotz des schwächeren Motors weicht der Corolla – wie die anderen serienmäßig mit ESP – dem Touran auf kurvigen Strecken nicht vom Heck, während sich der Grand Scénic gezwungenermaßen aus dem Rückspiegel verabschiedet. Sein Fahrwerk verliert bei gröberen Unebenheiten und höherem Tempo spürbar die Contenance.

Weiteres Handikap: die inhomogene, gefühllose und stößige Lenkung. Damit bleibt dem Grand Scénic trotz geräumig-pfiffigen Auftritts nur der dritte Platz hinter dem soliden, fahraktiven Verso und dem rundum gelungenen Testsieger Touran.  

Fazit

1. Renault Grand Scénic 1.9 dCi Luxe Privilège
460 Punkte

Der Grand Scénic punktet mit seinem kultivierten dCi-Motor und wohnlichem Ambiente, während Lenkung, Fahrverhalten und Bedienkonzept enttäuschen.

2. Toyota Corolla Verso D-4D
476 Punkte

Top-Ausstattung, komfortables Fahrwerk, Raumkonzept und Verarbeitung des Corolla Verso gefallen, der vergleichsweise schlappe, durstige Dieselmotor weniger.

3. VW Touran 2.0 TDI
504 Punkte

Mit effektiver Raumnutzung, bärigem TDI-Schub, agilem Handling, hoher Fahrsicherheit und einfacher Bedienbarkeit holt der Touran einen deutlichen Testsieg.

Technische Daten
VW Touran 2.0 TDI Trendline Renault Grand Scénic 1.9 dCi Luxe Privilège Toyota Corolla Verso 2.0 D-4D 7-Sitzer Executive
Grundpreis 25.355 € 25.850 € 26.600 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4391 x 1794 x 1635 mm 4493 x 1810 x 1636 mm 4360 x 1770 x 1660 mm
KofferraumvolumenVDA 600 bis 1913 l 513 bis 1920 l 423 bis 1563 l
Hubraum / Motor 1968 cm³ / 4-Zylinder 1870 cm³ / 4-Zylinder 1995 cm³ / 4-Zylinder
Leistung 100 kW / 136 PS bei 4000 U/min 88 kW / 120 PS bei 4000 U/min 85 kW / 116 PS bei 3600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 197 km/h 188 km/h 180 km/h
0-100 km/h 10,1 s 12,0 s 12,0 s
Verbrauch 6,1 l/100 km 5,9 l/100 km 6,2 l/100 km
Testverbrauch 8,2 l/100 km 8,5 l/100 km 8,9 l/100 km
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