Lamborghini Murcielago LP 670-4 SV Hans-Dieter Seufert
Lamborghini Murcielago LP 670-4 SV
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Lamborghini Murcielago LP 670-4 SV 27 Bilder

Lamborghini Murcielago LP 670-4 im Test

Im Schatten des Sensenmannes

Der Lamborghini Murcielago Super Veloce LP 670-4 ist austrainiert, urwüchsig, vital und mit 670 PS plus Allradantrieb unterwegs Richtung Mittelmotor-Zenit.

Wie der auf 350 Exemplate limitierte Zwölfzylinder-Supersportler dabei tickt, verrät der Test.

Super Veloce ist das Synonym für sportlich privilegierte Lamborghini - im Schatten des Sensenmannes. Denn wenn die Jungs in Sant’ Agata das SV ankleben, läutet schon bald das Totenglöckchen für die Modellreihe.

Dezenter Lamborghini Murcielago Super Veloce LP 670-4 Auftritt

So war es beim Miura, in dessen Heck erstmals ein 60-Grad-V12 schuftete, und ein Vierteljahrhundert später beim Diablo. Kurz danach erschien der Murciélago, setzte die teuflische Saga fort. Inmitten der Lava des eruptierenden Vulkans Ätna präsentierte man ihn 2001, begleitet von der Aura der sieben Todsünden. Dagegen gestaltet sich der Lamborghini Murcielago Super Veloce LP 670-4-Auftritt bei auto motor und sport dezent. Hier gebiert ihn ein Autotransporter ganz profan per Rampe. Vorsichtig, schließlich soll sich der Lamborghini Murcielago Super Veloce LP 670-4 trotz seines Hydraulik-Frontlifts (45 Millimeter) nicht gleich den verkleideten Unterboden und den neuen, weit vorgeschobenen Frontspoiler in Matt-Karbon zerschrammen. Dieser unterscheidet den auf 350 Exemplare limitierten Lamborghini Murcielago Super Veloce LP 670-4 äußerlich ebenso von der Serie wie die ausgestellten seitlichen Lufteinlässe und die Heckpartie mit Brachial-Diffusor, Maxi-Auspuff und -Flügel.

26 Litern Verbrauch im Test

Nachdem insgesamt 1.765 Kilogramm die Pirelli P-Zero-Corsa auf den warmen Asphalt drücken, die Kohlefaser- Stahl-Karosserie in der Sonne glänzt, die Ansaugbrücken des V12 durch die Lamellenhaube mit den sechseckigen Fenstern schimmern, kommen sie, die düsteren Gedanken. Dass bald alles vorbei sein könnte, der V12 schon im Schneewittchensarg klemmt. Von wegen, denk nicht mal dran, der Zorn des auf 670 PS erstarkten Monstrums könnte dich treffen. Ein Mal zu nahe an die Lufteinlässe gehuscht, schon inhaliert der 6,5-Liter alle Frevler mit seinen freizügigeren Atemwegen, zieht sie durch seine 24 Einlassventile (mit erhöhtem Hub), wirft sie den zwölf Kolben zum Fraß vor. So wie er es mit dem Sprit macht.Gierig, wollüstig, manche behaupten - angesichts von fast 26 Liter Testverbrauch - sogar maßlos.

Lamborghini Murcielago Super Veloce LP 670-4 zieht neidische Blicke an

Schwupps, vier Sünden haben wir schon. Bleibt der Neid. Der lässt nicht lange auf sich warten. Ob Handy-Paparazzi, Ampel-Duellanten oder Handelsreisende im Kombi-Dienstwagen. Durch ihre Augen kannst du ihre Gedanken lesen. Sie wollen nicht rübergucken. Aber sie müssen. Starren, verharren. Jetzt am Steuer bloß nicht dem Hochmut verfallen. Darauf lauert der Lamborghini Murcielago Super Veloce LP 670-4 . Ob beim Einfädeln durch die Scherentüren ins Innere oder der möglichen Rangierblamage, die die unübersichtliche, zwei Meter breite Karosserie ebenso provoziert wie ihre exponierten Felgen- und Karosseriehörner. Sie würden sich am liebsten an jedem Bordstein abstoßen. Passend zum Namensgeber, jenem Kampfstier, den der Torero Molina nach 24 Lanzentreffern auf Zuschauerwunsch am Leben ließ. Aus Respekt.

In 3,3 Sekunden auf 100 km/h

Den muss man sich beim SV erarbeiten. Schon seine Ergonomie bedeutet Unterwerfung. Er ist der Chef. Mit seiner eigenwilligen Sitzposition und -kontur, der kruden Bedienung, der Unübersichtlichkeit und den weit ins Innere ragenden Radhäusern, die Passagiere in asymmetrische Haltung zwingen. Im Innenstadt-Gewimmel tendiert der Wellnessfaktor gegen null, also rauf auf die Landstraße - und rein ins nächste Problem: Menschen fahren dorthin, wohin sie gucken. Im Zweifel Richtung Lamborghini Murcielago Super Veloce LP 670-4. Konzentration und Reaktionsbereitschaft sind ständige Begleiter in der Kanzel. Zum Glück beherrscht der Lamborghini Murcielago Super Veloce LP 670-4 die Rolle des Fluchthelfers, brüllt sich wenn nötig mit einem Satz aus der Gefahrenzone, macht auf kurviger Piste schnell Meter (0–100 km/h: 3,3 s).

100 Kilogramm weniger und 30 PS mehr für den Lambo-Supersportler

Schon Ende der Sechziger postulierte Testfahrer Valentino Balboni: Wer einen Lamborghini fährt, wird nicht überholt. Es sei denn, er will es. Der Lamborghini Murcielago Super Veloce LP 670-4 will es nicht: Der Rahmen aus hochfestem Stahl, steifer und 20 Kilogramm leichter, der feststehende Heckflügel für noch mehr Anpressdruck als bei der Serienvariante, den Innenraum mit Alcantara und Kohlefaser tapeziert, Navi und Musikanlage rausgeschmissen (minus 34 Kilogramm), den leistungsgesteigerten Motor an Getriebe und Differenzialen um 33 Kilogramm erleichtert: ergibt minus 100 Kilogramm und plus 30 PS - eine Rechnung, die aufgeht. Weniger beim akademischen Messprogramm oder der Höchstgeschwindigkeit, die wegen des Heckflügels sogar drei km/h niedriger liegt als beim Lamborghini Murcielago Super Veloce LP 670-4 .

Ausgeglichene Gewichtsverteilung im Lamborghini Murcielago

Dafür fallen die Bremswege kürzer aus. Die Keramikscheiben beißen unverzüglich, standfest und sauber dosierbar zu, wobei auch die ausgeglichene Gewichtsverteilung des Lamborghini Murcielago Super Veloce LP 670-4 hilft, Bremspunkte und Kurventempi optimistisch zu kalkulieren. Jedoch nicht zu optimistisch: Der Grenzbereich scheint verlockend wie eine Gletscherspalte. Den allradgetriebenen Mittelmotor-Sportler durch hilflos pariertes Übersteuern in einen Konter zu locken ist genauso blöd wie mit einem wehenden roten Tuch durch die Arena zu spazieren und dem gereizten Stier den Rücken zuzudrehen. Alerte Reaktionen müssen das fehlende ESP ersetzen. Sauberes Fahren ist Pflicht. Stramme Haltekräfte der Lenkung, strenge Rückmeldung und der astronomische Grenzbereich disziplinieren. Auf Untersteuern bei kalten Reifen folgt erbarmungslose Traktion der warm massierten Gummis - egal ob auf Fahrdynamik- Parcours, Piste oder Straße.

Die siebte Todsünde unterschlägt Lamborghini

Wer Einsatz am Alcantara-Lenkrad und Gefühl am Gaspedal beweist, wird mit einem Festival der G-Kräfte belohnt. Etwa, wenn der angenehm komfortabel abgestimmte 1,8-Tonner tiefes Reinbremsen in die Kurve ebenso trocken umsetzt wie die anschließende Beschleunigung. Hinter der Trennscheibe tobt der feingetunte V12, wobei selbst Kenner des LP 640 Mühe haben, die Extraleistung zu spüren. Bis knapp 5.000/min sortiert er grölend seine Gassäulen, vibriert abgrundtief - um dann Richtung 8.000 Touren zu explodieren, auf Zug an der Schaltsense den nächsten Gang hineinzuknallen. Im Innenspiegel flimmert die Luft. Fehlt bloß noch die siebte Todsünde: Trägheit. Die hat Lamborghini beim Lamborghini Murcielago Super Veloce LP 670-4 einfach unterschlagen.

Fazit

Als dynamisierte SV-Version hat der allradgetriebene Murcielago an Agilität zugelegt. Dabei bleibt er wild, roh und ungeheuer durstig. Ein fahrdynamisches Fest für Fans von Mittelmotor-Zwölfzylindern.

Technische Daten

Lamborghini Murciélago LP 670-4 SuperVeloce
Grundpreis 357.000 €
Außenmaße 4705 x 2058 x 1135 mm
Kofferraumvolumen 150 l
Hubraum / Motor 6496 cm³ / 12-Zylinder
Leistung 493 kW / 670 PS bei 8000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 342 km/h
0-100 km/h 3,3 s
Verbrauch 20,6 l/100 km
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