Lampenfieber

Die günstige Möglichkeit, Fünfer zu fahren, der BMW 520i, hat an Reiz gewonnen. Mehr Hubraum, mehr PS und ein dezentes Facelift verleihen ihm zusätzliche Attraktivität.

An den Augen soll man ihn erkennen. Genauer gesagt an den Ringen um dieselben. Sie treten immer dann in Erscheinung, wenn der Fahrer das‑Standlicht einschaltet, das sich nun in Form von Lichtringen um die vier Frontscheinwerfer darstellt. Das gab es bislang noch nicht. Der Rest der Überarbeitung der Fünfer-Reihe ist klassische Facelift-Praxis. Nach fünf Dienstjahren hat sie sich die kleine Auffrischung redlich verdient. Der Fünfer von BMW gehört zwar nicht mehr zu den Verkaufsrennern auf dem Markt. Aber in seinen Qualitäten braucht er noch immer keinen Vergleich zu scheuen. Ganz im Gegenteil. Abgesehen von den Scheinwerfern, die nun hinter Klarglas hausen und im modischen Funkellook gehalten sind, gibt es noch runde statt längliche Nebelscheinwerfer in einer modifizierten Frontschürze, einen breiteren Chromrand an der Niere und Stoßleisten in Wagenfarbe. Lichtspiele auch am Heck: Die Rückleuchten, nun ebenfalls in so genannter Bril­lantoptik, haben rote Leucht­dioden, die eine flächigere Abstrahlung bewirken. Wie von den Bayerischen Motoren Werken zu erwarten, zeigt sich der Höhepunkt der Verjüngungskur freilich erst nach dem Öffnen der Fronthaube. Im Motorraum residiert zwar wie gewohnt der markentypische Reihensechszylinder. Doch dieser kann nun mit mehr Hubraum und einer nicht zu knappen Extradosis Leistung und Drehmoment aufwarten. In ihren Genuss kommen alle drei Hubraumvarianten (520i, 525i und 530i), aber beim Basis-Fünfer ist sie natürlich besonders willkommen. Schließlich war es vor allem der 520i, der den von BMW gepachteten Dynamikanspruch verfehlte.

Mittels mehr Kolbenhub (von 66 auf 72 Millimeter vergrößert) und eines neu gestal­teten Ansaugtrakts sorgten die Techniker nun aber für deutlich bessere Voraussetzungen. Mit 2,2 statt 2,0 Liter Hubraum und 170 PS, 20 mehr als zuvor, ist ab sofort selbst der schwächste Benziner im Fünfer-Angebot gut motorisiert, zumal sich auch im Drehmoment etwas bewegte: Der Spitzenwert stieg von 190 Nm bei 4200/min auf 210 Nm bei 3500/min. Das Beste daran: Die erklecklichen Zuwächse stehen nicht nur auf dem Papier. Auch in der Praxis zeigt sich der 520i spürbar besser bei Kräften. Zwar kann von feurigem Temperament nach wie vor nicht die Rede sein – dagegen spricht schon die gewaltige Masse von 1576 Kilogramm, die das Testauto auf die Waage brachte. Doch immerhin erledigt der 520i sein Pensum nun deutlich souveräner und – was die Wirkung auf den Fahrer betrifft – stressärmer. Das im unteren Drehzahlbereich reichlichere Drehmoment bewirkt, dass bei flotter Fahrt weniger geschaltet werden muss. Andererseits darf nach wie vor ausgiebig hochgedreht werden. Die verbesserte Beatmung macht dieses Vergnügen sogar noch etwas ausgeprägter als bisher. Wie man es von den Reihensechszylindern der Marke kennt, täuscht das Talent zum Jubeln auch über die tatsächlichen Kraftreserven bei niedrigeren Drehzahlen hinweg. Die Elastizitätswerte beweisen aber, dass der 520i diesbezüglich nicht weniger zu bieten hat als sein schärfster Konkurrent, der Mercedes E 200 Kompressor. Entsprechend auch der Dynamikvorsprung gegenüber dem Vor­modell: Die Beschleunigung von 80 auf 120 km/h im großen Gang etwa, eine Disziplin, die der bisherige 520i in 16,4 Sekunden bewältigte, erledigt das neue Modell in nur 14,1 Sekunden.

Immer wieder ein Gedicht ist dabei der sahnige Lauf des kleinen Sechszylinders, ein Vorzug, den auch die Hubraumvergrößerung nicht schmälerte. Weniger angenehm war indessen die Neigung des Testwagens zum Ruckeln. Besonders beim Einkuppeln ist selbst bei feinfühligem Umgang mit dem nunmehr elektrisch operierenden Gaspedal der so genannte Bonanza-Effekt schwer zu vermeiden. Im Verbrauch entspricht der überarbeitete BMW dem Durchschnitt seiner Klasse. Im Mittel muss mit Werten zwischen 10,5 und 11,5 L/100 km gerechnet werden. Bei verhaltenem Tempo auf der Autobahn lässt sich aber auch eine Neun vor dem Komma realisieren. Wie bisher ist der Motor auf Super Plus abgestimmt, kommt aber dank der Motorelektronik auch mit niedrigeren Oktan­werten zurecht. Was seine sonstigen Qualitäten betrifft, so besteht kein Zweifel, dass sich der 520i noch immer auf der Höhe der Zeit befindet. Mit seiner geschmeidigen Federung und dem niedrigen Innengeräusch bietet er jede Menge Komfort. Für die vom Werk propagierte Freude am Fahren sorgen die ausgewogenen Fahreigenschaften und die präzise Lenkung. Auch bei schneller Fahrt auf unebenen Straßen lässt sich das Auto damit präzise auf Kurs halten. Weniger berauschend dagegen die Bremse, die nur mit durchschnittlicher Verzögerung aufwarten kann. Ansonsten gibt es aber wenig auszusetzen: Die Sitzposition stimmt, Schalter und Hebel sind auch ohne Studium der Betriebsanleitung leicht zu bedienen, und die Qualität wirkt so gediegen, wie es der Premiumstatus erwarten lässt. Knausrig gibt sich BMW allerdings bei der Ausstattung. ESP erhält man nach wie vor nur gegen Aufpreis. Und auch bei den Reifen wird gespart, denn die 16-Zoll-Ausrüstung kostet weiterhin extra. Serienmäßig sind dagegen die neu gestalteten Leichtmetallräder. Nicht, dass man BMW dafür ausdrücklich loben müss­te: Schließlich ist der Basis-Fünfer nicht nur gut, sondern mit 61 200 Mark auch ganz schön teuer.

Fazit

In der Summe seiner Qualitäten rangiert der Fünfer in seiner Klasse noch immer ganz vorn. Das gilt auch für den 520i. Die Motorüberarbeitung verleiht ihm nun die Kraftreserven, die er benötigte, ohne den Verbrauch zu beeinträchtigen.

Technische Daten
BMW 520i
Grundpreis 32.050 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4775 x 1800 x 1435 mm
KofferraumvolumenVDA 460 l
Hubraum / Motor 2171 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 125 kW / 170 PS bei 6250 U/min
Höchstgeschwindigkeit 226 km/h
0-100 km/h 9,4 s
Verbrauch 9,0 l/100 km
Testverbrauch 11,3 l/100 km
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