Lexus GS 300, Citroën C6, Chrysler 300C

Die Alternative

Foto: Rossen Gargolov 41 Bilder

Endlich gibt es wieder einen großen Citroën, aber die gehobene Limousinen-Klasse hält noch andere feine Nischenangebote bereit. Wie behauptet sich der C6 3.0 gegen den Lexus GS 300 und den Chrysler 300C 3.5?

Die schönste Erkenntnis gleich zu Anfang: Geld ist doch nicht alles. Sonst könnte es Typen wie den Citroën C6, den Chrysler 300C oder den Lexus GS 300 gar nicht geben.

Das Studium ihrer Preislisten zeigt, dass sich mit vergleichbarem Kapitaleinsatz auch ein BMW 530i oder Mercedes E 280 anschaffen ließe – mit weniger umfangreicher Grundausstattung, aber serienmäßiger „Ich-habe-alles-im-Leben-richtig-gemacht“- Aura und ungleich besseren Chancen beim Wiederverkauf. Die zweitschönste Erkenntnis: Es gibt sie noch, die gut situierten Neuwagen- Käufer, denen das vollkommen gleichgültig ist. Sie kaufen ihre feine Limousine für das Hier und Jetzt, nicht für die spätere Trennung. Das Emblem ist ihnen oft weniger wichtig als das Anderssein. Hauptsache Charakter.

Um so reizvoller, dass er sich bei allen drei Nischentypen auf völlig unterschiedliche Weise bemerkbar macht. Und wenn doch auch der Preis zählt? Dann zoomt sich vor allem der Chrysler mit seinem Einstiegs-Tarif von 37 800 Euro in die Überlegungen – leichte Ernüchterung beim Studium der Ausstattungsliste inklusive. Denn Lederpolster, DVD-Navigation und CDWechsler kosten zusammen über 4000 Euro extra. Doch im Vergleich zu Citroën und Lexus ist er immer noch ein Sonderangebot.

Für jeweils 51 900 Euro prunken die allerdings hier mit den höchsten Ausstattungs-Levels und lassen tatsächlich kaum Extrawünsche offen. Das gilt speziell für den Lexus, der Goodies wie Heckkamera und Sitzbelüftung aufpreisfrei an Bord hat.

Der C6 kontert mit einer Drei-Zonen- Klimatisierung und dem Spurwechsel- Assistenten. Außerdem gibt es ihn, für 1300 Euro extra, mit elektrisch verstellbaren hinteren Einzelsitzen: Das sichert dem Citroën ein dickes Komfort- Plus, nimmt ihm aber praktisches Talent, weil sich die Rückbanklehnen damit nicht mehr umklappen lassen.

Lademeister sind sie alle drei nicht. Der größte Kofferraum tut sich mit 504 Litern zwar im Chrysler auf, dessen Fondlehnen sich zudem umklappen lassen, doch ausgerechnet er erlaubt mit 381 Kilogramm die geringste Zuladung. Lexus (439 Kilogramm) und Citroën (394 kg) bieten kaum mehr.

Können es solche Zahlen sein, die hier entscheiden? Also Kofferraumdeckel zu und Fahrersitz einstellen. Das funktioniert im Citroën noch ohne Anstände, während er in manchen funktionalen Details an die Extravaganz seiner legendären Vorgänger erinnert. Dazu zählen die sorgfältig versteckten Taster für Tankdeckel und Sitzheizung, die vielen Winz-Knöpfchen auf der Mittelkonsole oder ein amokwischender Regensensor. Ganz anders als früher: Die LED Instrumente lassen sich prima ablesen, die Sessel sind bequem, aber nicht zu weich gepolstert, und die Verarbeitung hinterlässt einen rundum akkuraten Eindruck. Mag der C6 auch der teuerste Citroën sein, den es je gab: Offensichtlich ist er auch der hochwertigste. Bedauerlich, dass er ausgerechnet dort enttäuscht, wo er richtig auftrumpfen sollte.

Denn auf der Autobahn zeigt sich, dass seinem V6-Motor der erwünschte Schub fehlt: Speziell in beladenem Zustand wirkt er vergleichsweise schlapp, zudem dringt er reichlich lustlos in höhere Drehzahl- Regionen vor. Dabei verbraucht er mit 13 Litern im Testmittel nicht weniger als seine deutlich druckvolleren Kontrahenten. Denen hat der C6 zumindest auf langen Wellen die schwingende Sanftheit seiner Federung voraus, während er Querfugen, Frostaufbrüchen und Gullydeckeln mit unerwarteter Steifheit begegnet.

Speziell damit dämpft er die Freude jener Fans, die am ehesten auf Eigenheiten wie die künstlich wirkende Leichtgängigkeit der Lenkung und das ungewisse Pedalgefühl beim Bremsen eingestimmt sind.

Dabei verzögert er, wie die Messwerte zeigen, nicht schlecht, allerdings lässt die Wirkung bei warmer Bremse nach. Und: Er fordert in vielen Punkten mehr Gewöhnung als seine Kontrahenten. Besonders der Lexus scheint unter keinen Umständen auffallen zu wollen.

Als Gipfel der Andersartigkeit leistet er sich einen Touchscreen-Bildschirm und eine hinter einer sinnfreien Klappe verborgene Tasten-Sammlung für Nebenfunktionen. Ansonsten funktioniert er mit der Perfektion eines medizinischen Geräts, wirkt damit auch etwas steril, leistet sich aber keine echten Schwächen: Er ist gewissenhaft verarbeitet, hält sich im Kraftstoff-Konsum zurück, realisiert die besten Beschleunigungswerte und säuselt dabei so dezent vor sich hin, dass die klassenüblichen Windgeräusche störender wirken als die Äußerungen des V6-Motors. Zur Sanftheit seines Naturells passt die ruckfreie, punktgenaue Tätigkeit der Sechsstufen-Automatik zwar besser als die modisch straff ausgelegte Federung des Lexus; dennoch ist es am Ende seine Ausgewogenheit, die ihn weit nach vorne bringt. Das gelingt ihm, obwohl er noch immer ein Stück früher zum Stehen kommen könnte (siehe Spotlight).

Und der Chrysler? Er gefällt mit seinem monumentalen Kanten-Design, dem üppigen Drehmoment und luftigem Raumeindruck, lässt seinen niedrigeren Preis aber in vielen Details sichtbar werden. So muss die problemfreie Bedienung über ein Interieur hinwegtrösten, in dessen Plastikholz-Leisten die Rasterpunkte sichtbar sind und funkelnde Plastik-Applikationen etwas zu deutlich an Lametta erinnern. Vor allem: Es fehlt dem 300C auch im alltäglichen Fahrbetrieb an Feinschliff.

Er läuft zwar nicht laut, klingt jedoch rau, reicht kleine Fahrbahn-Unebenheiten auf die stößige Tour weiter, neigt beim Überfahren herber Fugen zum Poltern und wünscht sich auf engen Landstraßen den Horizont einer geraden Autobahn zurück. Der Chrysler hinterlässt am ehesten das Gefühl einer schweren Limousine klassischer Art, die Beweglichkeit seiner beiden Klassen-Kameraden kann er nicht nachvollziehen. Und zudem ist seine Viergang-Automatik von gestern: Ihre Sprünge fallen viel zu groß aus.

Fast so groß wie der finale Punkte-Abstand zum Lexus GS 300: Er ist nicht der Charismatischste, wohl aber der Mehrheitsfähigste unter den drei Rivalen. Und trotzdem kein Massentyp.

Fazit

1. Lexus GS 300 Luxury
495 Punkte

Akkurate Verarbeitung, gute Fahrleistungen und die Rundum-Ausstattung sichern den Sieg. Der Federungskomfort überzeugt nicht völlig, und er bremst am schlechtesten.

2. Citroën C6 3.0 Exclusive
453 Punkte

Der beste große Citroën, den es je gab – mit zwei Einschränkungen: Motor und Ansprechen der Federung auf kurzen Wellen passen nicht zum hohen Anspruch.

3. Chrysler 300C 3.5
433 Punkte

Preis und Raumangebot machen ihn interessant. Aber sein rauer Motor, die antiquierte Automatik und vergleichsweise bescheidener Komfort werfen den 300C zurück.

Technische Daten
Chrysler 300C 3.5 Lexus GS 300 Luxury Line Citroën C6 3.0 V6 Exclusive
Grundpreis 40.490 € 54.730 € 54.030 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5015 x 1880 x 1475 mm 4825 x 1820 x 1430 mm 4908 x 1860 x 1464 mm
KofferraumvolumenVDA 504 l 430 l 421 l
Hubraum / Motor 3518 cm³ / 6-Zylinder 2995 cm³ / 6-Zylinder 2946 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 183 kW / 249 PS bei 6400 U/min 183 kW / 249 PS bei 6200 U/min 155 kW / 211 PS bei 6000 U/min
Höchstgeschwindigkeit 219 km/h 240 km/h 230 km/h
0-100 km/h 8,7 s 7,3 s 10,0 s
Verbrauch 11,0 l/100 km 9,8 l/100 km 11,2 l/100 km
Testverbrauch 13,3 l/100 km 12,0 l/100 km 13,0 l/100 km
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