Lexus GS 300 im Test

Der reine Lexus

Foto: Hans-Dieter Seufert 15 Bilder

Mit dem neuen GS wagt die japanische Nobelmarke in der oberen Mittelklasse mehr Profil. Taugt der Lexus GS 300 mit High-Tech-Sechszylinder als Alternative zur etablierten Konkurrenz?

Bislang war auf die Lex Lexus stets Verlass: Vom Fachmann gelobt, vom Laien gemieden, von der Masse übersehen – in Europa führte die Luxusmarke von Toyota immer ein Schattendasein. Allen Anstrengungen zum Trotz. Fragt sich nur, wie lange noch: Nie stand die Tür in die Premiumklasse so weit offen wie heute. Mercedes beschädigt den Ruf mit Qualitätsproblemen, BMW erschreckt Kunden mit Design-Experimenten, Jaguar plagen Identitätsprobleme. Also: Warum nicht mal Lexus? Das Thema Zuverlässigkeit zumindest darf man als Lexus-Besitzer weitgehend abhaken. Kaum etwas macht weniger Ärger als die Produkte von Toyota – das besagen einschlägige Statistiken trotz der jüngsten Rückrufaktion.

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Wenn etwas fehlte, dann betraf es Stilfragen. Eine eigene Linie ließen die Lexus-Modelle bislang vermissen. Man sieht es dem neuen GS an: Genau das soll sich nun ändern. Schnörkellose, straffe Linien, das coupéhafte Fließheck – die Limousine, zwischen IS und LS angesiedelt, bietet nicht nur einen erfreulichen Anblick. Sie unterscheidet sich zugleich hinreichend von der Konkurrenz. Selbst der Blick ins Innere vergrault nicht. Mag das Holz auch verdächtig nach Plastik aussehen: Der Gesamteindruck ist der Klasse entsprechend nobel, die Verarbeitung sowieso. 40.500 Euro verlangt Lexus für den GS 300 mit Sechszylindermotor.

Verfügt er wie der Testwagen über das „Luxury Line“-Paket, erhöht sich der Preis auf 50.900 Euro. Ziemlich happig? In Anbetracht der Wunschlos-glücklich-Ausstattung keineswegs. Für einen ähnlich ausstaffierten BMW 530i braucht man mindestens 6.000 Euro mehr.

Zu den Highlights gehören Bi-Xenon- Scheinwerfer mit aktivem Kurvenlicht, DVD-Navigation, Sitzbelüftung, ein hervorragendes CD-Radio mit 14 Lautsprechern sowie eine Kamera, die beim Zurücksetzen ergänzend zur Einparkhilfe das Terrain inspiziert.

Auch die Sicherheit kommt nicht zu kurz. Neben dem Üblichen erhält man Knieairbags vorn und Seitenairbags hinten. Dass aber selbst ein Lexus nicht vor Aufpreisen schützt, beweist das Pre-Collision- Sicherheitssystem PCS. In prekären Fahrsituationen spannt es schon mal die Gurtstraffer und alarmiert den Bremsassistenten, aber eben nur gegen Aufpreis (3400 Euro inklusive Tempomat mit Abstandsregelung).

Viel reinzupacken ist eine Sache, die Bedienung des Ganzen eine andere. Für den Lexus spricht, dass man auch ohne Studium ziemlich schnell durchblickt. Die wichtigen Dinge sind mittels individueller Schalter abrufbar, wer tiefer einsteigen will, muss den Bildschirm mit Touchscreen abtasten.

Dennoch ist ergonomisch nicht alles optimal: Die in einem versenkbaren Kasten gruppierten Schalter für diverse Nebenfunktionen sind nur unter Verrenkungen auszumachen. An Ablagen mangelt es indes nicht, ebensowenig fehlt es an Platz für die Insassen. Der GS setzt da zwar keine Maßstäbe, aber es reicht, um es sich bequem zu machen. Beim Einstieg in den Fond muss man allerdings den Kopf einziehen – der elegante Dachschwung fordert seinen Tribut.

Bei voller Besetzung empfiehlt sich leichtes Gepäck: 430 Liter Ladevolumen und 423 Kilogramm Zuladung (inklusive der Passagiere) sind nicht üppig.

Gestartet wird schlüssellos, worauf der Lexus sogleich mit einer markentypischen Spezialität aufwartet:

Es bleibt mäuschenstill, auch beim Losfahren hüllen sich die sechs Zylinder zunächst in Schweigen. Erst bei Volllast verraten verhaltene Geräusche, dass man es mit einem gewöhnlichen Explosionsmotor zu tun hat. Sanfter geht es nicht, zumindest bei einem V6-Motor, der beim GS den Reihensechszylinder ablöst. Wie nicht anders zu erwarten, scheuten die Konstrukteure des neuen Dreiliter-Triebwerks mit Direkteinspritzung keinen Aufwand, bis hin zu nadelgelagerten (daher reibungsärmeren) Kipphebeln im Ventiltrieb.

Der Mühe Lohn sind 249 PS und ein Drehmoment von 310 Nm, Letzteres heute nicht gerade eindrucksvoll, aber besser als beim BMW 530i (300 Nm). Den Werten steht ein Leergewicht von 1702 Kilogramm gegenüber, was die Arbeit für den neuen V6 nicht leichter macht.

Entsprechend verhalten ist sein Temperament: Die Fahrleistungen des GS 300 sind adäquat, aber auch nicht mehr, wobei der Testwagen die Werksangaben knapp verfehlte. Unterwegs fühlt man sich dennoch ausreichend motorisiert, zumal sich die diskrete Sechsgangautomatik dem Fahrstil akkurat anpasst. Mittels Power-Taste lassen sich Schaltcharakteristik und das Ansprechverhalten des Motors noch verschärfen, was in der Praxis aber wenig bringt. Schließlich ist der Lexus kein Auto, das sportliche Fahrmanöver belohnt oder gar herausfordert.

Das ESP (nicht abschaltbar) führt hier ein strenges Regime. Und nähert man sich in Kurven dezent untersteuernd der Grenze, ermahnt der GS den Fahrer auch noch mit Piepgeräuschen, während dieser mangels Seitenhalt Mühe hat, seine Sitzposition beizubehalten.

Ebensowenig ermuntert die elektrische, um die Mittellage etwas unpräzise Servolenkung zu forcierter Gangart, sondern fördert dank geringem Kraftbedarf stattdessen den Komfort. An der Fahrsicherheit des Hecktrieblers gibt es indes nichts auszusetzen, und das schließt die Bremsen mit ein. Andererseits dürfte das Fahrwerk mit den Insassen ruhig etwas schonender umgehen, denn kurze Stöße schluckt es nur unvollkommen, und auch die Querwellen auf der Autobahn schmecken ihm wenig.

Doch bei aller Kritik: Erstens wird hier auf hohem Niveau gemeckert, und zweitens ist ja auch die etablierte Konkurrenz keineswegs frei von Tadel.

Als Alternative zur Vermeidung von Standstreifen- und Werkstattaufenthalten taugt der Lexus auf jeden Fall.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • gute Qualität und Verarbeitung leicht beherrschbare Bedienung ausreichendes Platzangebot
  • wenig Kofferraum und Zuladung unbequemer Einstieg hinten
Fahrkomfort
  • niedriges Geräuschniveau leichtgängige Lenkung
  • Federungsschwächen auf kurzen Unebenheiten Sitze mit wenig Seitenhalt
Antrieb
  • hohe Laufkultur harmonische Automatik gute Fahrleistungen
Fahreigenschaften
  • hohe Fahrsicherheit gut abgestimmtes ESP
Sicherheit
  • Knieairbags, Seitenairbags hinten gute Bremsen Bi-Xenon-Scheinwerfer mit aktivem Kurvenlicht
Umwelt
  • niedriger Verbrauch
Kosten
  • günstiger Preis umfangreiche Serienausstattung drei Jahre Garantie

Fazit

Ein Lexus mit optischem Profil. Besondere Höhepunkte hat er zwar nicht zu bieten, aber immerhin soliden Klassendurchschnitt – abgesehen von der Serienausstattung. Die ist einsame Spitze. Weniger gut: der Federungskomfort.

Technische Daten
Lexus GS 300 Luxury Line
Grundpreis 54.730 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4825 x 1820 x 1430 mm
KofferraumvolumenVDA 430 l
Hubraum / Motor 2995 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 183 kW / 249 PS bei 6200 U/min
Höchstgeschwindigkeit 240 km/h
0-100 km/h 8,1 s
Verbrauch 9,8 l/100 km
Testverbrauch 12,4 l/100 km
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