Lexus GS 450h im Test

Strom-Schnelle

Foto: Hans-Dieter Seufert 18 Bilder

Lexus macht Tempo: Als erste Hybrid-Limousine schafft der GS 450h mit seiner Kombination aus 3,5-Liter-V6 plus Elektromotor 250 km/h. Und bietet neben Sparpotenzial die Gediegenheit der oberen Mittelklasse.

Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran – intonierte die Band Fehlfarben Anfang der Achtziger. Angesichts des Tempos, das der Toyota-Konzern beim Thema Hybrid vorlegt, könnte man fast glauben, dass der Song dort als Endlosband läuft. Statt Lippenbekenntnissen und Zukunftsstudien schicken sie ein Serienmodell nach dem anderen auf die Straße. Auf Kompaktmodell Toyota Prius und Allrad-SUV Lexus RX 400h folgt nun die Limousine GS 450h – der schnellste und stärkste Serienhybrid. Äußerlich unterscheidet er sich nur durch die Typenschilder von den konventionellen GS-Geschwistern.

Der technische Fortschritt steckt als geballte Ladung unter der coupéhaft geschwungenen Karosserie, das Outing erfolgt nahezu lautlos. Wo andere Benziner-Boliden verheißungsvoll mit dem Anlasser orgeln und ihren Claim schon im Stand kraftvoll wummernd abstecken, summt der Hybrid nach Druck auf den Startknopf und Einlegen der Fahrstufe D erst einmal elektromotorisch los. Und das bis zu Tempo 50. Erst nach einer Weile klinkt sich der V6-Benziner ein. Nahtlos, unmerklich, wirklich zuverlässig nur an den Energiefluss-Monitoren abzulesen, die über die Vorgänge rund um Motoren, Konverter, Getriebe und Batterie informieren. Dabei hat der vibrationsarm laufende, 3,5 Liter große 60-Grad-V6 keinen Grund, sich zu verstecken, bietet er doch mit seiner Kombination aus Saugrohr- und Direkteinspritzung sowie variabler Steuerung aller 24 Ventile technische Highlights. Beim kräftigen Tritt aufs Gaspedal wird aus dem dezenten Auftritt dann ein kräftiger Antritt – obwohl sich die 296 PS des Benziners und die umgerechnet 200 PS des Elektromotors systembedingt nicht einfach addieren. Schließlich gibt der Verbrennungsmotor ein Gros seiner Kraft über den Generator an den E-Motor weiter, der dann für Vortrieb sorgt. Dennoch: Der Schub von propagierten 345 PS plus sattem Drehmoment überzeugt selbst Hybrid-Skeptiker. In 6,5 Sekunden erreicht der GS 450h Tempo 100, und danach geht es zügig weiter bis zum selbst auferlegten 250er-Limit.

Speziell bei geladener Batterie ist dabei der Extra-Punch des E-Motors deutlich zu spüren – und am Kilowatt-Anzeiger, der den Drehzahlmesser ersetzt, auch abzulesen. Ist die Elektro-Reserve in den Nickel-Metallhydrid- Akkus jedoch aufgebraucht, muss der V6 solo schuften, was er unter hoher Last – etwa an Steigungen – mit heulendem Sound quittiert.

Gewöhnungsbedürftig ist die Akustik vor allem wegen des stufenlosen Getriebes, das beim Beschleunigen konstante Drehzahlen hält. Im Gegensatz zum RX 400h besitzt der GS eine zweistufige Untersetzung zwischen Elektro- und Verbrennungsmotor, Voraussetzung für die hohe Endgeschwindigkeit. Das Ansprechverhalten der Antriebseinheit lässt sich zudem per Tastendruck variieren. Neben der Normalposition ist eine für rutschige Fahrbahn und eine für sportliches Fahren verfügbar. Auf das Generieren künstlich erzeugter Gangstufen verzichtet Lexus, lediglich die Motorbremswirkung ist in sechs Stufen wählbar.

Im Schiebebetrieb und beim Bremsen wandelt der Elektromotor in seiner Funktion als Generator kinetische Energie in elektrische um, die später wieder dem Antrieb zur Verfügung steht. Das klappt vor allem im gemischten Betrieb in der Stadt, auf der Landstraße und bei moderater Autobahnfahrt, wie der Testverbrauch von 9,9 Liter/100 km zeigt. Auf der verhalten gefahrenen auto-motor-und-sport- Normrunde sind es 6,5 Liter – was die 1,9 Tonnen schwere Limousine auf das Niveau von VW Golf 1.6 FSI, Hyundai Matrix 1.6 und Mercedes A 170 bringt. Auf gleichem Level finden sich allerdings auch Mercedes C 320 und S 320 CDI – beides Diesel.

Beim Bleifuß-Furioso auf der Autobahn kann der GS 450h wegen des benzinertypisch ungünstigen Volllastverhaltens keine Verbrauchsvorteile verbuchen. Dafür genießen die Lexus- Passagiere eine in Bezug auf Motor-, Wind- und Abrollgeräusche leise, zügige Fortbewegung, die Oberklasse- Gefühle aufkommen lässt. Einzig das mickrige Kofferraumvolumen von 280 Liter – Folge der im Heck untergebrachten Akkus – schmälert die Langstrecken- Performance erheblich. Hier hat sogar ein VW Golf mehr zu bieten als die große Lexus-Limousine. Entschädigend wirkt die großzügige Ausstattung der 66 000 Euro teuren Luxury Line-Version.

Neben bequemen Ledersitzen vorn und hinten offeriert sie DVD-Navigation mit Sprachsteuerung, Heckkamera mit Einparkhilfe sowie eine aufwendige Stereoanlage (siehe Spotlight). Um adäquate Sicherheit kümmern sich neben einer Airbag-Armada inklusive zweier Knie- Airbags ein radargesteuerter Abstandsregeltempomat sowie ein Kollisionsschutzsystem, das im Fall eines drohenden Crashs die Gurte vorspannt und die Dämpfer straff stellt.

Stichwort straff: Bei der Abstimmung von Stahlfedern und adaptiven Dämpfern hat sich Lexus spürbar an der europäischen Konkurrenz orientiert. Geringer Wankneigung steht ein holziges Abrollverhalten und mäßiges Ansprechen auf kurzen Unebenheiten gegenüber. Tendenzen, die der Sport- Modus weiter verschärft, ohne nennenswerte Handlingvorteile zu bringen. Als Nebeneffekt der paritätischen Gewichtsverteilung verhält sich der GS 450h grundsätzlich neutral, neigt bei hohem Leistungseinsatz allerdings zum Übersteuern, bevor ihn das Fahrdynamikmanagement wieder einfängt.

Das VDIM genannte System vernetzt die aktiven Regelungen wie ABS und ESP mit dem Hybridantrieb, den Dämpfern und der elektrischen Lenkung. Letztere unterstützt den Fahrer im Extremfall sogar aktiv bei notwendigen Richtungskorrekturen, könnte allerdings im Normalbetrieb mehr Transparenz vertragen, aus der Mittellage präziser ansprechen. Dafür präsentiert sich die Bremsanlage, bei Lexus bisweilen Anlass zur Kritik, standfest und ordentlich dosierbar. Die Zusammenarbeit zwischen mitverzögerndem Elektromotor und der elektrohyraulischen Bremse klappt problemlos. Genau so, wie der GS 450h als stärkster Serienhybrid Limousinenkomfort, zackige Fahrleistungen und günstigen Verbrauch unter einen Hut bringt. Und ganz nebenbei auch noch Geschichte macht.

Fazit

Der GS 450h verpackt sine geballte Technik-Ladung unspektakulär, der Hybrid-Antrieb arbeitet harmonisch, kraftvoll und sparsam. Aber die Federung geriet zu straff und der Kofferraum viel zu klein.

Technische Daten
Lexus GS 450h Luxury Line
Grundpreis 68.470 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4825 x 1820 x 1430 mm
KofferraumvolumenVDA 280 l
Hubraum / Motor 3456 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 218 kW / 296 PS bei 6400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 6,5 s
Verbrauch 7,9 l/100 km
Testverbrauch 9,9 l/100 km
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