auto motor und sport im neuen Design
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Lexus IS 250, BMW 325i und Mercedes C 230

A-Front

Foto: Hans-Dieter Seufert 34 Bilder

Mit dem neuen IS 250 beabsichtigt Lexus, die Mittelklasse aufzumischen. Im Visier: BMW 325i und Mercedes C 230. Kann der japanische Neuling das deutsche Premium-Establishment vorführen?

Gut möglich, dass Deutschlands Platzhirsche im Premium- Revier zurzeit den Atem anhalten. Das gebietet der Überlebensinstinkt: Wann immer ein neuer Lexus auftaucht, ist Gefahr im Verzug, heute mehr denn je.

Diesmal nimmt die japanische Prestigemarke die Mittelklasse ins Visier – BMW Dreier und Mercedes C-Klasse aufgepasst. Wie diese verfügt der Lexus-Nachwuchs namens IS 250 über Heckantrieb, er hat einen hochwertigen Sechszylindermotor mit 2,5 Liter Hubraum und 208 PS, und zu allem Überfluss bietet er auch noch einen erfreulichen Anblick. Preislich rangiert er auf dem Niveau der einheimischen Konkurrenz, was Schnäppchenjäger enttäuschen dürfte. In der Basisversion kostet der IS 250 genau 31 000 Euro, aber mit dem Sportline-Paket, auf das der Importeur beim Testwagen nicht verzichten wollte, kommt das Auto auf 35 850 Euro.

Die Vergleichskandidaten BMW 325i (218 PS) und Mercedes C 230 (204 PS) gibt es für 32 500 und 32 480 Euro. Das Blatt wendet sich freilich, wenn man sich die Serienausstattung zu Gemüte führt. Abgesehen vom Navigationssystem hat der Lexus alles, was das Herz begehrt: vom Premium-Soundsystem mit CD-Wechsler über die elektrische Sitzverstellung mit Memory bis zu den 18-Zoll-Rädern. Bei BMW und Mercedes kostet vergleichbarer Luxus mindestens 4500 Euro extra. Im Format hält sich der IS 250 indes akkurat an die üblichen Gepflogenheiten, auch wenn er neben den beiden Rivalen zierlicher aussieht. Ähnlich der Eindruck beim Platznehmen: Die Maße entsprechen weitgehend denen der Konkurrenz, aber man fühlt sich etwas beengter, was mit der hohen Gürtellinie und der geringeren Kopffreiheit zu tun hat. Auch der Sitzkomfort ist keine Offenbarung: Als Fahrer sitzt man etwas zu hoch, und die Fondpassagiere müssen sich mit zu kurzen Sitzflächen abfinden. Dass es besser geht, demonstriert vor allem der Mercedes – hier lässt man sich am liebsten nieder. Außerdem kann man im Mercedes (ebenso wie im BMW) mehr Gepäck verstauen, zumal wenn die umklappbaren Rücksitzlehnen bestellt werden (beim Lexus nicht lieferbar). Für den Oldie in dieser Runde spricht überdies die gefühlte Qualität. Da kann weder der BMW ganz mithalten noch der Lexus. Letzterer ist zwar solide verarbeitet, aber manche Kunststoffe sind – am europäischen Premium-Maßstab gemessen – unter Niveau.

Auch bei der Bedienung gibt es Raum für Verbesserungen. Einige Schalter muss man suchen, andere sind zu klein.

Dagegen lässt es sich mit der Menüsteuerung mittels Touchscreen (in Verbindung mit Navigationssystem) passabel leben. Da ist die i-Drive-Mimik von BMW etwas umständlicher. Dass ansonsten der Dreier bei der Konzeption des IS als Vorbild diente, mag man bei Lexus gar nicht leugnen. Sportliches Flair genoss Priorität. Freilich legte man den im alten IS favorisierten Reihensechszylinder à la BMW zu den Akten und ersetzte ihn durch einen V6-Motor mit 60 Grad Zylinderwinkel.

Der sportive Touch ging dadurch nicht verloren: Auch der neue V6 liebt hohe Drehzahlen. Unten herum hält sich sein Temperament allerdings in Grenzen. Zwar fehlt es im Vergleich nicht an Drehmoment, aber während die Konkurrenz ihr Maximum schon bei weniger als 3000 Touren bereit hält, benötigt der Lexus-Motor dazu 2000/min mehr. Es lohnt sich also, die unteren der sechs Gänge zu nutzen, wobei leider ein hakelig geführter Schalthebel das Vergnügen trübt. Das hohe Drehzahlniveau spiegelt sich allerdings auch im Verbrauch wider: Mit 11,9 L/100 km verbrennt der IS 250 im direkten Vergleich am meisten.

Meister des Fachs bleibt in Sachen Antrieb der BMW. Sein Reihenmotor begeistert durch Drehvermögen, zieht aber auch kraftvoll durch und übt sich obendrein in lustvollen Klängen. Dabei bewährt sich die Sechsgangschaltung als präziser Taktstock – ein Triebstrang mithin, der wie kein anderer in dieser Runde den Fahrtrieb weckt. Da muss sich auch der Mercedes geschlagen geben. Andererseits darf man seinem neuen V6-Motor (90 Grad) attestieren, dass auch er Vorbildfunktion besitzt. Seine Kraft verteilt er schön gleichmäßig über den Drehzahlbereich. Er reagiert willig aufs Gas, gibt sich hoch kultiviert und schluckt nicht zuviel – ein klarer Fortschritt. In den Fahrleistungen ist der C 230 zwar nicht dem BMW, jedoch zumindest dem Lexus ebenbürtig.

Aber auch in den anderen Dynamikdisziplinen vermag der Newcomer den betagteren Widersacher nicht abzuschütteln. Licht und Schatten liegen hier eng beieinander: Der IS 250 fährt sich einerseits handlich und legt bei den einschlägigen Fahrdynamikversuchen ausgezeichnete Werte hin. Andererseits verdrießt er bei schnellem Fahren mit einer Lenkung, die wenig Fahrbahnkontakt vermittelt, und mit unausgewogenem Kurvenverhalten. Normalerweise untersteuernd, keilt der Lexus dann schon mal kräftig mit dem Heck aus, bevor die elektronische Fahrdynamikregelung die Sache energisch bereinigt.

Viel mehr stört aber die knallharte Federung, die selbst auf ebener Strecke den Eindruck erweckt, das Auto hätte eckige Räder. Eine Abstimmung wie diese zeigt vor allem, dass man alles übertreiben kann. Beim Fahren auf Deutschlands real existierenden Straßen ist sie jedenfalls eindeutig von Nachteil. Gegen die Strapazen des Lexus kommt einem sogar der Komfort des BMW wie eine Wohltat vor.

Das ändert aber nichts daran, dass man speziell auf der Autobahn stärker gebeutelt wird als nötig – da erinnert sich mancher wehmütig an die Geschmeidigkeit früherer Dreier-Fahrwerke. Immerhin darf man aber mit erstklassigen Handlingqualitäten rechnen, wozu die präzise Lenkung maßgeblich beiträgt.

Den Kompromiss, der auf die Dauer am angenehmsten ist, bietet die C-Klasse. Kurven nimmt sie etwas behäbiger als der BMW, ohne dass dies jedoch der Freude am Fahren den Garaus macht. Als Entschädigung für das fehlende Quäntchen Sportlichkeit winkt ein Komfortniveau, mit dem sich auch lange Strecken ungestraft abspulen lassen. So endet die Geschichte mit einem Fazit, das vielleicht überrascht: Nicht immer sind es die Neuen, die besser zielen. Manchmal treffen auch die alten Hasen.

Fazit

1. Mercedes C230 Classic
483 Punkte

Seine Stärken sind die Ausgewogenheit und der gute Komfort, aber auch der neue V6-Motor gefällt. Im Alltag fühlt man sich im Mercedes am wohlsten.

2. BMW 325i
481 Punkte

Der temperamentvolle Reihensechszylinder ist das Sahnestück des BMW. Der Marke gemäßauch das agile Handling. Weniger spaßig: der dürftige Federungskomfort.

3. Lexus IS 250 Sportline
424 Punkte

Der neue IS erweist sich als Gegenstand mit Schwächen: unausgewogene Fahreigenschaften, harte Federung, hoher Verbrauch. Vorbildlich: Die Austtattung.

Technische Daten
BMW 325i Mercedes C 230 Classic Lexus IS 250 Sport Line
Grundpreis 33.900 € 32.712 € 37.430 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 4520 x 1817 x 1421 mm 4526 x 1728 x 1426 mm 4575 x 1800 x 1425 mm
KofferraumvolumenVDA 460 l 455 l 378 l
Hubraum / Motor 2497 cm³ / 6-Zylinder 2496 cm³ / 6-Zylinder 2500 cm³ / 6-Zylinder
Leistung 160 kW / 218 PS bei 6500 U/min 150 kW / 204 PS bei 6100 U/min 153 kW / 208 PS bei 6400 U/min
Höchstgeschwindigkeit 245 km/h 245 km/h 230 km/h
0-100 km/h 6,8 s 8,0 s 7,8 s
Verbrauch 8,4 l/100 km 9,3 l/100 km 9,8 l/100 km
Testverbrauch 10,8 l/100 km 10,5 l/100 km 11,9 l/100 km
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