Lexus LS430 im Test

Pracht-Probe

Foto: Achim Hartmann 10 Bilder

Toyota hat sein Luxusmodell ordentlich überarbeitet. Dennoch dürfte das japanische Prachtstück eine seltene Erscheinung bleiben. Dabei fehlt es dem Lexus 430 weniger denn je an inneren Werten.

Kein Diesel, kein Allradantrieb, kein Alu- Spaceframe, nicht mal eine Langversion oder ein V12-Überflieger mit 500 PS im Angebot – mit seiner Beschränkung auf ein einziges Modell steht Lexus in der Oberklasse ziemlich allein auf weiter Flur. Ganze fünf Extras und sieben Farben bereiten wenig Qual bei der Wahl, für gestresste Entscheidungsträger ist dies ja womöglich der wahre Luxus. Auch das fehlende Image dürften nur jene vermissen, denen es an Charakterstärke mangelt. Die wenigen hundert Kunden pro Jahr, die das Flaggschiff der Toyota-Edelmarke seit 1990 hier zu Lande findet, scheint das jedenfalls nicht zu stören, zumal sie ansonsten wenig Mangel leiden. Denn fast alles, was der typische A8-, Siebeneroder S-Klasse-Käufer für teures Geld extra ordert, hat der LS 430 bereits serienmäßig. Der Grundpreis von 72 000 Euro ist zugleich ein Komplettpreis (siehe Datenblatt Seite 22), ein vergleichbar ausgestatteter Mercedes S 430 kostet immerhin gut 17 000 Euro mehr. Hinzu kommen die klassischen Markentugenden wie unbedingte Qualität und Zuverlässigkeit, die in schöner Regelmäßigkeit von unabhängigen Umfragen wie dem J. D. Power- Report oder der auto motor und sport-Leseraktion Car Check bestätigt werden. Angesichts des geringen Pannenrisikos ist die Dreijahres-Garantie eine reine, aber beruhigende Formsache, während die Fahrer vieler Top-Fabrikate neben dem Ärger auch die Kosten tragen müssen. Allerdings wird die Problemlosigkeit mit einer gewissen Rückständigkeit erkauft, wie schon das altbackene Design zeigt. Selbst die jüngsten Retuschen an Front und Heck ändern nichts daran, dass der Lexus wie ein Abziehbild der S-Klasse von 1991 aussieht, und manche Innovationen zum neuen Modelljahr sind woanders längst ein alter Hut.

Doch wenn sie dann kommen, funktionieren sie wenigstens – auch in dieser Hinsicht eine Reverenz an alte Mercedes-Traditionen. Nehmen wir nur mal die Scharniere am Heckdeckel. Statt der üblichen Bügel, die beim Schließen der Haube das Gepäck quetschen, gibt es nun ein Platz sparendes Gestänge, das nicht mehr in den Kofferraum hineinragt und nochmals 18 Liter mehr Volumen als die bislang schon fürstlichen 552 Liter bringt. Oder die neuen LED-Rückleuchten, die 20 Mal schneller als zuvor ansprechen. Oder die Xenon-Scheinwerfer mit dynamischem Kurvenlicht, das je nach Lenkeinschlag und Geschwindigkeit die Fahrbahn ausleuchtet. Kaizen nennen die Japaner diese kontinuierliche Verbesserung, die auch vor dem Innenraum nicht Halt macht. Das Aluminium an Mittelkonsole und Türen wurde durch Wurzelholz ersetzt, zusätzliche Kniebags schützen Fahrer und Beifahrer bei einem Aufprall vor Beinverletzungen. In Verbindung mit dem optionalen DVD-Navigationssystem gibt es überdies eine Bluetooth-Schnittstelle zum Handy und eine Rückfahrkamera, die beim Einparken den Bereich hinter dem Wagen auf dem Bildschirm zeigt. Wie beim BMW Siebener erfolgt die Feineinstellung bestimmter Funktionen – etwa der Luftverteilung – über Untermenüs, aber nicht per iDrive-Controller, sondern via Berührungsmonitor. Doch obwohl auch das Cockpit mit Knöpfen übersät ist, führt dies nicht zum Bedienungs- GAU. Denn die Position von Fahrersitz, Lenkrad und Außenspiegel lässt sich für drei Personen fest einspeichern, viele andere Tasten bleiben in der Praxis meist unbenutzt. Es darf also einfach gefahren und genossen werden, das üppige Raumangebot, die Fülle elektrischer Helfer und die kultivierte Akustik machen den LS 430 – bis auf die geringe Zuladung (402 kg) – zur Reiselimousine par excellence. Meist erübrigt sich der manuelle Eingriff in die neue Sechsgang- Automatik, die fast unmerklich schaltet und perfekt auf den Charakter des flüsterleisen 4,3- Liter-V8 abgestimmt ist. Ihre engere Abstufung und die längere Übersetzung im höchsten Gang sorgen für optimale Ausnutzung des Drehmoments, der Wechsel von D auf S bringt nur im Gebirge oder bei flotter Kurvenfahrt Vorteile.

Der Fortschritt ist eher im niedrigeren Benzinverbrauch (14,1 L/100 km) oder im gesunkenen Geräuschniveau zu finden, das selbst der Rolls-Royce Phantom nicht unterbieten kann. Wie dieser schwebt der Lexus auf vier Luftpolstern, die nun längere Federwege und eine größere Spreizung zwischen Normal- und Sport-Modus er- lauben. Das hört sich gut an, bringt aber wenig, weil kein Mensch auf die Idee käme, einen LS ums Eck zu prügeln. Denn mit seiner nur mäßigen Handlichkeit fährt er sich noch immer wie ein schwerer Wagen. Er bügelt kurze wie lange Wellen mit wiegender, aber gut gedämpfter Geschmeidigkeit aus, nur auf rauen Belägen melden sich die riesigen 18- Zöller mit einem dezenten Abrollgeräusch zu Wort. Und obwohl er seinem Fahrer eine gelassene Haltung geradezu aufdrängt, steht – abgesehen von der etwas indifferenten Servolenkung – auch einer schnellen Gangart nichts im Wege. Selbst bei hohen Tempi vermittelt er ein Gefühl großer Sicherheit, das Eigenlenkverhalten ist weitgehend neutral und bis in den Bereich der Haftgrenze gut kontrollierbar. Ein feinfühlig regelndes ESP sowie standfeste Bremsen runden den Eindruck hoher Fahrsicherheit ab. Fest steht: Nie zuvor spielte der Lexus seine Rolle als Refugium der Ruhe so überzeugend. Nur den potenziellen Kunden scheint es an Souveränität zu fehlen: Für 2004 rechnet man gerade mal mit 250 Käufern.

Vor- und Nachteile

Karosserie
  • großzügiges Raumangebot
  • reichhaltige Serienausstattung
  • hohe Verarbeitungsqualität
  • leichtgängige Bedienung
  • teilweise unfunktionale Details
  • geringe Zuladung
Fahrkomfort
  • extrem niedriges Geräuschniveau
  • sehr gute Klimatisierung
  • große, bequeme Sitze
  • geschmeidige Federung
  • leichte Schwächen beim Abrollen
Antrieb
  • vorzüglich leiser und kultivierter V8
  • überzeugende Sechsgangautomatik
  • sehr gute Fahrleistungen
Fahreigenschaften
  • sicheres Kurvenverhalten
  • stabiler Geradeauslauf
  • eingeschränkte Handlichkeit
  • indifferente Lenkung
Sicherheit
  • umfangreiche Airbag-Bestückung
  • kräftige, standfeste Bremsen
Umwelt
  • schadstoffarm nach Euro 4
  • akzeptabler Verbrauch
Kosten
  • 3 Jahre Garantie
  • hohe Unterhaltskosten
  • dünnes Servicenetz

Fazit

Einmal mehr beeindruckt der große Lexus LS430 als mustergültig komfortable, leise und nervenschondende Reiselimousine mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis und hoher Qualität. Design, Handlichkeit und Zuladung sind weniger überzeugend.

Technische Daten
Lexus LS 430
Grundpreis 72.000 €
AußenmaßeLänge x Breite x Höhe 5025 x 1830 x 1470 mm
KofferraumvolumenVDA 552 l
Hubraum / Motor 4293 cm³ / 8-Zylinder
Leistung 207 kW / 282 PS bei 5600 U/min
Höchstgeschwindigkeit 250 km/h
0-100 km/h 7,0 s
Verbrauch 11,4 l/100 km
Testverbrauch 14,1 l/100 km
Alle technischen Daten anzeigen
Noch nicht registriert?

Erstellen Sie jetzt Ihr kostenloses Profil und profitieren Sie als registrierter Nutzer von folgenden Vorteilen:

  • Exklusiver Zugriff auf alle Test- und Messdaten der Redaktion
  • 360°-Ansichten von Autos
  • Schneller PDF-Kauf
Kostenlos anmelden
Neues Heft
Top Aktuell Mercedes-AMG GT 63 S 4Matic+ 4-Türer Coupé, Exterieur Mercedes-AMG GT 4-Türer im Test Wie gut ist der Panamera-Rivale?
Beliebte Artikel Mercedes-AMG GLC 63 S Coupe?, Exterieur Mercedes-AMG GLC 63 S Coupé Schnittige Wuchtbrumme im Test Racechip Hyundai i30 N - Tuning - Kompaktsportwagen Racechip-Hyundai i30 N im Test 320 Tuning-PS im Kompakten
Anzeige
Sportwagen Nissan GT-R50 by Italdesign Nissan GT-R50 by Italdesign 990.000 Euro-Sportwagen zum 50ten Mercedes-AMG GT 63 S 4Matic+ 4-Türer Coupé, Exterieur Mercedes-AMG GT 4-Türer im Test Wie gut ist der Panamera-Rivale?
Allrad Audi SQ5 3.0 TFSI Quattro, Exterieur, Heck SUV Neuzulassungen November 2018 Audi und Porsche unter Druck Erlkönig Land Rover Defender 110 Erlkönig Land Rover Defender (2020) Der Landy kehrt zurück!
Oldtimer & Youngtimer Aston Martin Heritage EV Concept Aston Martin Heritage EV Concept Elektroantrieb für Klassiker BMW 507 Graf Goertz Die teuersten Promi-Autos 2018 2,6 Millionen für Goertz-507
Promobil Ford Nugget Plus Ford Nugget Plus im Test Campervan mit Heck-Bad Mitmachen und gewinnen LEGO James Bond Aston Martin
CARAVANING Campingplatz-Tipp Costa Verde Campingplatz-Tipp Portugal Orbitur-Camping Rio Alto Mitmachen und gewinnen LEGO James Bond Aston Martin